Von Volker Looman
09. September 2007 Die Verkäufer fondsgebundener Rentenversicherungen sind voll des Lobes über ihre Produkte. Sie preisen die Verzinsung in der Anlagephase, und sie würdigen die Rente, die Anleger bis zu ihrem Lebensende beziehen. Beide Argumente scheinen bei vielen Privatleuten auf fruchtbaren Boden zu fallen, denn die fondsgebundene Rentenversicherung, früher ein Ladenhüter, hat sich in den vergangenen Jahren zum Verkaufsschlager entwickelt.
Jede fünfte Kapitalversicherung, die heute verkauft wird, ist eine fondsgebundene Police. Künftig wird der Absatz wahrscheinlich weiter steigen, weil die Anlagen nach dem aktuellen Stand der Gesetzgebung von der Abgeltungssteuer verschont bleiben und Renten lediglich mit dem Ertragsanteil belastet werden. Trotz der hohen Steuervorteile sollten sich die Anleger vor Vertragsabschluss aber über die Chancen und Risiken der Verträge informieren, weil es bei fondsgebundenen Rentenversicherungen Ecken und Kanten gibt, die nicht ohne sind. Das wird in der folgenden Analyse deutlich.
Kündigung der Policen mit hohen Kosten verbunden
Fondsgebundene Rentenversicherungen sind eine Kombination aus Einzahlungen und Rückflüssen. In der ersten Phase investiert der Anleger einmalig oder regelmäßig Geld in Renten-, Immobilien- oder Aktienfonds. Danach bezieht er in der Regel eine lebenslange Rente. Das bedeutet, dass die meisten Anleger, die fondsgebundene Rentenversicherungen abschließen, sich für eine sehr lange Zeit binden. Die Verträge können leicht 40 bis 50 Jahre lang laufen. Der Ausstieg ist meistens mit hohen Kosten verbunden, so dass Interessenten vor der Unterschrift unter die Verträge klare Vorstellungen über ihre finanzielle Zukunft haben sollten.
Das gilt vor allem für junge Eltern. Wer im Alter von 30 Jahren eine fondsgebundene Rentenversicherung abschließt, sollte nicht fünf oder zehn Jahre später auf die Idee kommen, Geld für ein Eigenheim aufzunehmen. Die Sparraten belasten das Budget, so dass die Höhe des Darlehens begrenzt wird. Außerdem liegen die Erträge fondsgebundener Rentenversicherungen häufig unter den Kosten der Kredite, so dass es vorteilhafter ist, die Sparraten zur Tilgung der Hypotheken zu verwenden. Die Kündigung der Policen ist jedoch mit hohen Kosten verbunden, so dass viele Anleger negative Zinsdifferenzen vor sich herschieben und viel Geld verlieren.
Wenig Flexibilität, aber großen Chancen und Risiken
Weil die Entwicklung der Fonds nicht vorhersehbar ist, kann auch die Höhe der Renten nicht garantiert werden. Bei guter Wertentwicklung winken solide Renditen, bei schlechter drohen enorme Verluste. Das bedeutet, dass selbst Leute, die kein Darlehen für ein Eigenheim aufnehmen wollen, mit gebotener Distanz an die Verträge herangehen sollten. Die fondsgebundene Rentenversicherung ist ein langfristiger Spar- und Auszahlungsplan mit wenig Flexibilität und ein Geschäft mit großen Chancen und Risiken. Das gilt in erster Linie für die Verträge, bei denen das Kapital zuerst in Aktien fließt und später in Anleihen umgeschichtet wird. Die Verträge sind für Leute mit wenig Geld oder für Menschen, die großen Wert auf Sicherheit legen, nicht die passende Altersvorsorge. Umgekehrt bieten sie Anlegern, die Geld haben und gewisse Risiken verkraften können, interessante Perspektiven.
Wer beispielsweise 50 Jahre alt ist und 100.000 Euro im Jahr verdient, kann bis zum Beginn des Ruhestandes in 15 Jahren monatlich 1000 Euro in fondsgebundene Rentenpolicen stecken, die auf Aktien aufbauen. Erstens winken hohe Renditen, und zweitens bleiben die Erträge und die Kursgewinne in der Sparphase von Steuern verschont, wenn das Kapital verrentet wird. Die 180 Einzahlungen à 1000 Euro können vor Steuern zu einer Monatsrente von 2040 Euro führen, wenn vier Bedingungen zutreffen: Die Einzahlungen werden zu 8 Prozent in Aktien angelegt. Danach wird in Anleihen umgeschichtet. Während der Verrentung werfen die Anleihen jährlich 4 Prozent ab. Die Rente wird mindestens 20 Jahre lang bezahlt.
Freie Investmentfonds bieten bald nur noch Verdruss
In diesem Fall erzielt der Anleger eine jährliche Rendite von 6,03 Prozent vor Steuern. Davon muss der Anleger nur wenig dem Finanzamt abgeben. Die Erträge der Sparphase bleiben in voller Höhe steuerfrei, und im Ruhestand müssen die Rentenzahlungen lediglich mit dem Ertragsanteil von 18 Prozent versteuert werden. Das führt zu einer Verzinsung von 5,67 Prozent nach Steuern, wenn das Jahreseinkommen während des Ruhestandes auf 50.000 Euro sinkt, so dass es kein Wunder ist, dass sich die Rentenversicherungen bei zahlungskräftigen Privatleuten großer Beliebtheit erfreuen.
Im Vergleich zu den Rentenpolicen bieten die freien Investmentfonds in Zukunft nur noch Verdruss. Das liegt aber nicht an der mangelhaften Qualität, sondern an der höheren Besteuerung. Wenn das Geld in den nächsten 15 Jahren in Aktien investiert wird, werden von den 8 Prozent nur 6 Prozent übrig bleiben. Nach der Umschichtung in die Anleihen wird die Verzinsung von 4 auf 3 Prozent sinken. Dadurch geht die Verzinsung der Gesamtanlage auf 4,47 Prozent zurück, und das ist im Vergleich zu der Rentenversicherung ein Verlust von 28.000 Euro.
Unterschiedliche Besteuerung ist politisches Kalkül
In diesem Fall kann sich der Anleger nur über die höhere Flexibilität der Investmentfonds freuen. Er kann die Sparraten frei gestalten, und er kann im Alter mit dem Kapital machen, was er will. Er kann das Vermögen gleich zu Beginn des Ruhestandes auf den Kopf hauen. Genauso können aus dem Topf von Zeit zu Zeit beliebige Beträge entnommen werden. Die beste Lösung bleibt aber, die Ersparnisse in kleinen Happen bis zum Lebensende aufzubrauchen.
Die unterschiedliche Besteuerung ist politisches Kalkül. Der deutsche Staat belohnt Restriktion und bestraft Freiheit. Wer die feste Verrentung wählt und für das Gemeinwesen kein Risiko darstellt, wird mit Steuervorteilen belohnt, wer aber das Geld mit beiden Händen ausgeben und dem Staat auf der Tasche liegen kann, wird zur Ader gelassen. Die richtige Wahl muss jeder Anleger selbst treffen, doch wer sich für die staatliche Verrentung entscheidet, sollte alle Steuervorteile ausschöpfen, die sich bieten. In dem Fall gilt das Motto: Die fondsgebundene Rentenversicherung ist nicht schlecht, doch die Basis- oder Rürup-Rente ist besser.
Der Nachteil ist manchmal auch von Vorteil
Die Struktur dieser Anlage entspricht dem Aufbau der Rentenversicherung und des Investmentplans. Zuerst werden 180 Raten à 1000 Euro in Aktien angelegt, dann werden aus Anleihen 240 Raten à 2040 Euro bezogen. Nur die Besteuerung ist anders. Die Aufwendungen sind am Anfang zu 64 Prozent als Sonderausgaben abzugsfähig, und die Absetzbarkeit steigt im Laufe der Zeit bis auf 94 Prozent. Im Gegenzug müssen die Rentenzahlungen im vorliegenden Fall zu 83 Prozent versteuert werden.
Der Nachteil ist aber von Vorteil, weil das Einkommen im Alter sinken wird. Wenn die jährlichen Einkünfte bis zum Ruhestand bei 100.000 Euro liegen und danach auf die Hälfte zurückgehen, sind die Vorteile höher als die Abgaben. Dadurch steigt die Rendite des Spar- und Auszahlungsplans auf 6,45 Prozent, und die Basis- oder Rüruprente bietet im Vergleich zur fondsgebundenen Rentenversicherung einen Vorteil von 13.000 Euro. Voraussetzung ist aber, dass in den nächsten 15 Jahren das Einkommen nicht sinkt; sonst kommen die Steuervorteile und die Rendite ins Rutschen.
Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.
Text: F.A.Z., 08.09.2007, Nr. 209 / Seite 20
Bildmaterial: F.A.Z.-KAI
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