Von Volker Looman
08. Dezember 2007 Der Traum von einer Million auf dem Konto - früher in Mark, heute in Euro - hat nichts von seinem Reiz verloren. In den vergangenen Tagen fieberten viele Deutsche den Ziehungen der Lottozahlen entgegen und malten sich in Gedanken aus, wie angenehm es wohl sein muss, in 45 Millionen Euro zu baden. Nun ist der Traum für drei Spieler in Erfüllung gegangen. Sie haben den Jackpot geknackt und sind um jeweils 15 Millionen Euro reicher geworden.
Die Gewinne sind ein sanftes Ruhekissen für den Rest des Lebens. Wer das Geld zu 4 Prozent in Festgeld anlegt und die künftige Abgeltungssteuer von 25 Prozent entrichtet, kommt auf eine monatliche Rente von 37.500 Euro - wenn das Kapital nicht angerührt wird. Bei großer Angst vor Diebstahl oder Inflation ist dagegen der Verzehr ratsam. Wenn die 15 Millionen Euro im Laufe von 35 Jahren ausgegeben werden, sind bei einem Anlagezins von 3 Prozent nach Steuern monatliche Ausgaben von 43.000 Euro möglich. Sie steigen jedes Jahr um 2 Prozent, so dass der Inflation wenigstens in Ansätzen die Stirn geboten werden kann. Sollten die 42.914 Euro und 22 Cent - um genau zu sein - aber wider Erwarten nicht ausreichen, sind Kapitalanlagen mit höheren Erträgen notwendig.
Besitzer kann sich nur durch Konsumverzicht zur Wehr setzen
Die Frage nach der richtigen Verteilung des Geldes ist ein alter Hut. Es wird auch in tausend Jahren nur individuelle Antworten geben. Trotzdem gelten bestimmte Grundsätze. Anfangs muss die Entscheidung getroffen werden, ob das Kapital erhalten oder ausgegeben werden soll. Dann kommt es auf die richtige Aufteilung an, weil die Streuung des Vermögens wichtiger als die Auswahl einzelner Anlagen ist. Schließlich geht es um die konkrete Investition.
Ein Anleger ist 50 Jahre und hat dank einer Erbschaft eine Million Euro auf dem Konto. Das verleitet ihn zu der Überlegung, ob er sich zur Ruhe setzen kann. Wenn das Geld wie bei den Lotto-Millionären nach Steuern zu 3 Prozent angelegt wird und erhalten bleiben soll, kommt unter dem Strich eine Monatsrente von 2500 Euro heraus. Das reicht für Miete, Brot und Wasser. Doch wenn die Ausgaben jedes Jahr um 2 Prozent steigen, ist die Million nicht zu halten. Sie wird im Laufe der Zeit auf 360.000 Euro sinken. Gegen diesen Schwund kann sich der Besitzer nur durch Konsumverzicht zur Wehr setzen. Der Verzehr der Million beschert bei jährlichen Habenzinsen von 3 Prozent und einer Geldentwertung von 2 Prozent eine Rente von 2861 Euro.
Die wenigen Zahlen zeigen in aller Deutlichkeit, dass eine Million bei langer Laufzeit und vorsichtiger Anlage gar nicht so viel wert ist, wie viele Privatleute glauben. Folglich liegt es bei solchen Beträgen auf der Hand, das Kapital erstens nicht nur in Festgeld anzulegen und zweitens im Laufe der Zeit zu verbrauchen, wenn die Erträge die einzige Rente sind. Die erste Alternative zum Festgeld kann die gleiche Verteilung auf Anleihen und Aktien sein: 500.000 Euro in Anleihen und 500.000 Euro in Aktien führen bei jährlichen Renditen von 3 und 6 Prozent zu monatlichen Renten von insgesamt 3623 Euro, die jedes Jahr um 2 Prozent steigen. Das ist im Vergleich zu der Ausgangslösung ein Plus von 27 Prozent.
Geschlossene Beteiligungen sind so gut wie unverkäuflich
Die Aufteilung bietet keine Gewähr, dass die Rechnung aufgehen wird, doch bei langer Anlagedauer sollte der Blick nicht nur auf Sicherheit, Steuern und Inflation, sondern auch auf die Chancen gerichtet werden, an der Börse ordentlich Geld zu verdienen. Wichtig bei der Aufteilung sind die breite Streuung und die kostengünstige Verwaltung des Kapitals. Die besten Voraussetzungen bieten börsengehandelte Indexfonds. Erstens wird das Vermögen auf viele Titel verteilt, und zweitens sind die jährlichen Gebühren niedrig.
Die Verteilung der Million auf Anleihen und Aktien kann aufgefächert werden. Es ist zum Beispiel denkbar, die Anleihen auf Obligationen und Rentenversicherungen und die Aktien auf Standardtitel und Beteiligungen aufzuteilen, so dass das Vermögen schließlich aus vier Paketen besteht. Die Versicherung bietet die Aussicht, die Renten wegen der geringen Ertragsbesteuerung nahezu steuerfrei einzustreichen. Auch bei den Beteiligungen besteht die Perspektive, dass die Rückflüsse keinen Abgaben unterliegen. Auf diese Weise können die Startrenten auf 3740 Euro pro Monat klettern, weil die Rendite des Quartetts nach Steuern auf 4,7 Prozent steigt.
Knackpunkt dieses Ansatzes sind die Beteiligungen. Sie bieten auf der einen Seite die große Chance, sich von der Berg- und-Tal-Fahrt der Kapitalmärkte abzukoppeln. Doch auf der anderen Seite stellt sich bei einem Betrag von 250.000 Euro die Frage, wie das Kapital investiert werden soll. Jede Beteiligung ist bei nüchterner Analyse der Dinge eine Aktie, so dass die Devise nur lauten kann, so viele Beteiligungen wie möglich zu kaufen. Doch je niedriger die Beträge werden, desto höher ist die Gefahr, dass die Anleger von den Kosten erschlagen werden. Da helfen auch die beliebten Dachfonds nicht, weil die Kosten dermaßen ins Kraut schießen, dass für den einzelnen Anleger nur Brotkrumen übrigbleiben. Hinzu kommt das Problem, dass geschlossene Beteiligungen so gut wie unverkäuflich sind.
Für Anleihen und Aktien gibt es viele Indexfonds
In dieser Lebenslage hilft nur die Flucht in Indexfonds. Im vorliegenden Fall ist es zum Beispiel überlegenswert, die Rentenpolice von Bord zu kippen und stattdessen Unternehmensanleihen und Immobilien an Bord zu holen. Dadurch steigt die Verzinsung zwar nur um wenige Basispunkte. Doch viel wichtiger ist die Aussicht, dass die Gefahren sinken und die Flexibilität steigt. Hier wird das Vermögen zu gleichen Teilen auf fünf Töpfe verteilt. Je 20 Prozent werden in Staatspapiere, Unternehmensanleihen, Gewerbeimmobilien, Standardaktien und und Beteiligungen investiert.
Für Anleihen und Aktien gibt es viele Indexfonds. Sie kosten beim Kauf zwischen 0,5 und 1 Prozent der Anlagesumme. Die jährlichen Gebühren bewegen sich überwiegend zwischen 0,1 und 0,5 Prozent des Vermögens. Erfreulich ist aber auch die Tatsache, dass es in der Zwischenzeit einige Indexfonds auf Beteiligungen gibt. Wer zum Beispiel die hohen Provisionen der Schiffsbeteiligungen und Windkraftanlagen scheut, kann sich preisgünstige Indexfonds auf die öffentliche Infrastruktur wie Kläranlagen, Straßen und Wasserwerke kaufen.
Betrag zu niedrig, Leben zu schön
Beim Erwerb offener Immobilien-fonds besteht nach wie vor das Problem der hohen Ausgabeaufschläge. Sie betragen vielfach 5 Prozent, so dass die Rentabilität auch bei einer Anlagedauer von zehn Jahren gewaltig sinkt. Hier gibt es nur zwei Auswege: Entweder versucht der Anleger, die Kosten durch den Kauf über Direktanlagebanken oder Internetbroker zu senken, oder er setzt auf die Indexfonds der Immobilienwirtschaft. Mit dem zweiten Weg wird zwar nicht mehr in Büros und Gewerbebauten, sondern in Unternehmen der Immobilienwirtschaft investiert, doch solange die Ausgabeaufschläge so hoch wie Augenblick sind, sollte der Einstieg in offene Immobilienfonds gut überlegt sein.
Bei der Verrentung des Kapitals muss der Anleger - unabhängig von der Entscheidung, welche Mischung gewählt wird - in der Regel selbst Hand anlegen. Das ist aber in der Praxis kein Problem. Der Investor steckt in jeden Topf einmalig 200.000 Euro und legt sämtliche Rückflüsse grundsätzlich im selben Topf wieder an. Unabhängig davon wird aus den einzelnen Töpfen jedes Jahr so viel Geld entnommen, dass die Kassen am Lebensende leer sind. Die meisten Anleger werden die Entnahmen zwar so kalkulieren, dass schließlich noch eine Reserve übrig sein sollte. Doch der Erhalt der Million nach 35 Jahren wäre zu viel des Guten. Dafür ist der Betrag einfach zu niedrig und das Leben zu schön.
Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.
Text: F.A.Z., 08.12.2007, Nr. 286 / Seite 24
Bildmaterial: F.A.Z.-Kai
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