Der Hamburger von McDonald's

Undefinierbarkeit als Konzept

Von Jürgen Dollase

Man kann ihn nicht “falsch“ essen: Hamburger von McDonald's

Man kann ihn nicht "falsch" essen: Hamburger von McDonald's

Es gibt wohl kaum einen Menschen in unseren Breitengraden, der den klassischen Hamburger von McDonald's nicht kennt oder noch nie gegessen hat. Er fühlt sich immer etwas elastisch an (man könnte es auch „pampig“ nennen), und wenn wir hineinbeißen, haben wir ein ganz charakteristisches Gefühl im Mund. Dieses Gefühl ist das typische McDonald's „Mouthfeeling“. Es ist weltweit gleich und entstammt der Planung der Firma. Dominant ist dabei das weiche Brot, wir bemerken aber auch - wenn der Hamburger „korrekt“ aufgebaut ist - etwas leicht krossen Widerstand von den Zwiebeln und der Gurke und einen sehr stark vermischten Geschmack, den man am besten mit süß-sauer beschreibt.

Wenn wir den Hamburger anschneiden, sehen wir im Profil, dass bestimmte Elemente für dieses „Mouthfeeling“ verantwortlich sind. Neben dem elastischen Brot (das manchmal leicht krosse Schnittflächen haben kann, je nach Herstellung in den Filialen) und der gepressten Scheibe Hackfleisch finden wir kleine Zwiebelwürfel, etwas Gurke, minimale Spuren einer senffarbenen und größere Mengen einer roten Sauce. Der wichtigste Effekt der Hamburger-Konstruktion ist, dass man ihn kaum „falsch“ essen kann. Wenn man normal in ihn hineinbeißt, reicht der Biß etwa bis zur Mitte und man bekommt immer das, was man bekommen soll, also eine fast immer gleiche Mischung der Bestandteile. Dieses Zusammenspiel der Elemente nennt man mittlerweile auch beim Essen „Akkord“.

Ein ausgesprochen zurückhaltendes Fleicharoma

Zerlegen wir nun einmal den Hamburger in seine Bestandteile und probieren wir diese. Wir finden: die Brothälften mit einer leicht krossen Innenseite vom Erhitzen auf dem Grill. Sodann eine dünne Scheibe Fleisch - ebenfalls mit leichten Grillspuren, eher trocken und mit einem ausgesprochen zurückhaltendem Fleischaroma, das durch die leichte Röstnote ein wenig aufpoliert wird. Die Gurke ist recht klein und matschig, die Zwiebeln haben etwas Biß, weil sie nicht ganz durchgegart sind. Eine senffarbene, leicht pikant schmeckende Sauce ist in nur sehr geringer Menge vorhanden, während die rote Sauce (Tomatensauce mit diversen Gewürzen) flächig aufgetragen ist, aber das Brot schon auf der ursprünglich wohl einmal etwas krossen Innenseite schon wieder durchfeuchtet hat.

Diese eigentlich kaum optimal vorhandenen Elemente ergeben zusammengenommen den absolut typischen McDonald's-Geschmack. Daß wir nur einen ziemlich undefinierbaren Mischgeschmack empfinden, liegt also - deutlich erkennbar - an den Proportionen der Zutaten und an der einen Mischgeschmack fördernden, sehr ähnlichen „Textur“ (Konsistenz) der Einzelteile.

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Geschmacksschule
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Auszug aus dem Buch „Geschmacksschule“ von Jürgen Dollase, 191 S., Verlag Tre Torri, Wiesbaden 2005, 49,90 Euro



Buchtitel: Geschmacksschule
Buchautor: Dollase, Jürgen

Text: Tre Torri
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

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