22. Juni 2006 Die großen Fraktionen im Düsseldorfer Stadtrat wehren sich gegen Vorwürfe von Unterstützern des Schriftstellers Peter Handke im Streit um den Heinrich-Heine-Preis.
Es handele sich nach den Bestimmungen auch um einen politischen Preis, heißt es in einer gemeinsamen Resolution der Fraktionen von CDU, SPD, FDP und Grünen. Die Auszeichnung werde für den Einsatz für die Grundrechte und die Völkerverständigung verliehen. Der Preis sei damit kein reiner Literaturpreis. Die Mehrheit des Rates sei der Meinung, daß Handke unter diesen Kriterien kein würdiger Preisträger sei, heißt es in der Resolution weiter, die am Donnerstag abend verabschiedet werden sollte.
Kein Angriff auf die Freiheit der Kunst
Die Satzung des Preises gebe dem Rat das Recht, eine andere Auffassung zu vertreten als die Preis-Jury. Von einem Angriff auf die Freiheit der Kunst könne somit keine Rede sein. Der Preis werde in diesem Jahr nicht vergeben, sondern wieder turnusgemäß im Jahr 2008. Bis dahin behalte der Rat sich Satzungsänderungen vor. Nobelpreisträger Günter Grass hat angeregt, den Vergabe-Modus für den Düsseldorfer Heine-Preis zu überdenken.
Der Österreicher Handke ist wegen seines Einsatzes für das frühere serbische Regime des im März gestorbenen Ex-Diktators Slobodan Milosevic umstritten. Handke hatte auf den mit 50.000 Euro dotierten Preis verzichtet, nachdem sich im Stadtrat eine Mehrheit gegen die Vergabe an ihn abzeichnete. Begründet hatte er dies damit, sich nicht weiter Pöbeleien von Lokalpolitikern aussetzen zu wollen (siehe auch: Je refuse! Ein Briefwechsel).
Auch den anderen Preis will er nicht
Unterdessen wurde bekannt, daß Handke auch den Berliner Heinrich Heine Preis nicht annehmen will, der ihm alternativ zum Düsseldorfer Preis angeboten wurde. Er plädiert aber dafür, ein eventuelles Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro serbischen Enklaven im Kosovo zur Verfügung zu stellen. Das teilten die Initiatoren des Berliner Preises, darunter die Schauspieler Käthe Reichel und Rolf Becker, am Donnerstag im Berliner Ensemble (BE) mit. Sie erneuerten den Vorwurf, daß es sich bei der gescheiterten Vergabe des Heine-Preises an Handke und die Haltung des Düsseldorfer Stadtrates um einen Angriff auf die Freiheit der Kunst handele (siehe auch: Handke lehnt auch Alternativpreis ab).
Kritiker hatten Handkes Parteinahme für Serbien im Balkan-Krieg und insbesondere seine Haltung zum serbischen Ex-Diktator Slobodan Milosevic angeprangert. Der Schriftsteller war auch zur Beerdigung Milosevics am 18. März nach Belgrad gekommen. BE-Intendant Claus Peymann unterstützt das Berliner Projekt ebenso wie unter anderem auch die Schauspieler Ben und Meret Becker, die Schriftsteller Gerhard Zwerenz und Daniela Dahn, der Kabarettist Dietrich Kittner sowie der Brecht-Schüler und frühere BE-Intendant Manfred Wekwerth. Peymann hat neun Handke-Stücke seit der Publikumsbeschimpfung vor 40 Jahren uraufgeführt.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
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