Bill-Gates-Stiftung

Um Gates willen!

Dubiose Geschäfte? Melinda und Bill Gates

Dubiose Geschäfte? Melinda und Bill Gates

12. Januar 2007 Bill Gates plant eine grüne Revolution in Afrika. Mit Gentechnik? Ja klar. Und Greenpeace? Solche Fragen mag Gates nicht, denn Feinde kann er nicht brauchen auf den Feldzügen seiner wohltätigen Supermacht, die seinen Namen und denjenigen seiner Frau Melinda trägt. Die Samariterdiplomatie hat bis jetzt blendend funktioniert, wenn man bedenkt, wen er auf seinen unternehmerischen Schlachten schon so alles vor den Kopf gestoßen hat. Zielsicher hat Gates die Wohltäterkrone ergattert.

Plötzlich jedoch, beginnend mit einer Enthüllung der „Los Angeles Times“ vor einigen Tagen, ist seine ethische Elitetruppe ihrerseits ins Hintertreffen geraten. Das „schmutzige Geheimnis“ der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung betrifft den Teil der mehr als sechzig Milliarden Dollar Stiftungsvermögen, die in diverse Investmentkanäle fließen. Knapp neun Milliarden Dollar legt die Stiftung in moralisch angreifbaren Unternehmen an, Firmen wie dem Ölriesen Eni, der mit der Abfackelung auf Ölfeldern im Nigerdelta für eine „Bronchitis-Epidemie“ bei Kindern verantwortlich gemacht wird. Gleichzeitig gibt die Gates-Stiftung in derselben Gegend Abermillionen für die Polioimpfung aus.

Eine offene Wunde

Gutes tun und richtig handeln sind zweierlei, heißt es jetzt. Dabei sind Klagen über Lücken in den Umwelt- und Sozialstandards keineswegs neu. Die Unterstützung für die „Globale Allianz für bessere Ernährung“ war vor Jahren so ein Zankapfel, als man sich auf Kraft Foods - Teil des Tabakkonzerns Morris - eingelassen hatte. Auch die Nähe des Aidsvorkämpfers Gates zu Pharmariesen, denen die Sabotage erschwinglicher Aidsmedikamente vorgehalten wird, ist so eine offene Wunde. Dabei steht die Megastiftung mit solchen Interessenkonflikten keineswegs allein da. Aber keine beansprucht die Krone der Philanthropie so vehement wie sie.

Ein Anspruch, der die wohltätige Supermacht aus Seattle nun mächtig ins Schlingern bringt. Ihre Stellungnahme jedenfalls war nur für einen Moment lang ins Internet gestellt, eine „Restrukturierung der Finanzmittel“ stellte die Stiftungssprecherin in Aussicht, dann verschwand die Mitteilung, und ihre Urheberin verstummte, bis schließlich ein weiteres Statement angekündigt wurde, welches dann ganz ausfiel und vorerst von der Mitteilung über eine 4,7-Millionen-Dollar-Spende für ein New Yorker Aids- und-Tuberkulose-Aktionsbündnis ersetzt worden ist. Kein Wort von Bill Gates, aber seine Handschrift ist unübersehbar: Lasst Taten sprechen und Lobgesänge klingen. Als sein Freund Buffett vor ein paar Monaten mehr als dreißig Milliarden Dollar in die Stiftung fließen ließ, hat ja vor lauter Jubilieren auch niemand mehr gefragt, wie eigentlich der Finanzjongleur zu seinen Milliarden gekommen war.

Text: jom / F.A.Z., 12.01.2007, Nr. 10 / Seite 31
Bildmaterial: AP

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