
Wolfgang Schäuble mit muslimischen Konferenzteilnehmern, darunter: Ayyub Axel Köhler (dritter von li.)
25. Juni 2009 Nach drei Jahren Islamkonferenz, schreibt Necla Kelek, Publizistin und Mitglied der Zusammenkunft in einem Beitrag für das Feuilleton der F.A.Z., wisse zwar niemand, wofür 'der' Islam in Deutschland steht, man wisse aber, was ein Segment von ihm wolle: Der politische Islam will Schritt für Schritt seine Rechte auf ein religiöses Leben in Deutschland durchsetzen.
Kritisch blickt sie auf das an diesem Donnerstag stattfindende letzte Plenum der Islamkonferenz voraus, die vom einladenden Innenminister Wolfgang Schäuble als erfolgreicher Dialog gefeiert werde, der aber nicht wirklich stattgefunden habe: Die Islamverbände hätten zwar viele Rechte eingefordert, aber Verantwortung für Dinge, die im Namen des Islam stattfinden, ja sogar die Integration lehnen sie ab.
Nicht demokratisch oder unabhängig
Necale Kelek schreibt eine Mitschuld für diesen Umstand auch jenen deutschen Politikern zu, die Muslime nicht Ernst nähmen und den stark fordernden Islamverbänden daher unnötige Zugeständnisse gemacht hätten. Immerhin sei klar geworden, dass letztere nicht für alle Muslime in Deutschland sprächen.
Kritisch äußert sich Necla Kelek vor allem über die türkische Ditib, eine Organisation, die von türkischen Diplomaten geleitet wird, in deren Namen mehr als 800 türkische Beamte in Deutschland den Islam verbreiten und der auf türkische Regierungsinteressen verpflichtet scheint. Der Verband sei nicht demokratisch, transparent oder unabhängig.
Sachverständigenrat mit demokratischer Vision
Ihr sei rätselhaft, schreibt Kelek, warum die Bundesregierung diesen Verband weiterhin für dialogfähig halte. Auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Ayyub A. Köhler habe mit seinem Eintreten für die Religionsfreiheit vor der Integration letzterer eine klare Absage erteilt.
Das Experiment Deutsche Islamkonferenz sei damit schon früh zum Scheitern verurteilt gewesen, dürfe aber nicht beendet werden. Kelek schlägt für die Zukunft die Einsetzung eines Sachverständigenrats mit einer staatstragenden, weil demokratischen Vision vor, nach dem Vorbild des aus der jüdisch-französischen Geschichte bekannten Großen Sanhedrin.
Den vollständigen Originalbeitrag Neca Keleks lesen Sie im Feuilleton der F.A.Z. vom 25. Juni 2009.
Necla Kelek ist Mitglied der Deutschen Islamkonferenz und der Arbeitsgruppe Deutsche Gesellschaftsordnung und Wertekonsens.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP