
Frau Büning, in ihrer Besprechung der Neuenfeld-Inszenierung, schreibt über die von ihm an die Mozart-Oper angeklatschte Idee, König Idomeneo am Ende mit den abgehackten Köpfen von Mohammed, Jesus, Buddha und Neptun auf die Bühne wanken zu lassen: "Daß Gott tot sei und das bürgerliche Subjekt sich selbst Gott genug, bleibt eine Botschaft, die sich aus der Handlung der Seria-Oper „Idomeneo“ nur plan undialektisch erschließen läßt."
Neuenfeld hat verlauten lassen, daß er seiner Ablehung jeglicher organisierter Religion Ausdruck verleihen wollte. Auf diese Meinung hat er im Rechtsstaat einen Anspruch, aber was hat sie mit Mozarts Idomeneo oder Kunst zu tun? Er hat hier seinen subventionierten Regisseurs-Stuhl mit einer subventionierten Kanzel vertauscht, von der herab er seinen Glauben verkündet, auch wenn das nicht durch den Stoff nahegelegt ist.
Der säkularistischen Kulturelite ist das egal. Solange man sich nur gegen "jede organisierte Religion" bekennt, hat man immer und überall ihre Solidarität. Jedes Aufbegehren gegen die heilige Kuh Meinungsfreiheit wird als fanatische "Erpressung" verurteilt. Aber Freiheit, die sich nicht selbst durch Achtung vor Gott und Mitmensch begrenzt, kann leicht ein Gemeinwesen zerstören.

warum schreit jetzt jeder,auf einmal werden werte wie meinungsfreiheit,künstlersche freiheit wieder hochgehalten.ach ja,keine werte,rechte.
dass muss man natürlich nutzen,es ist ja ein recht..
hat die gute frau nicht auch recht?ich denke das es einfach eine bauchentschidung war,die ich persönlich irgendwie nachvollziehen kann.das jetzt alle unsere rechte und werte über den haufen geworfen wurden denk ich nicht.unser höchstes gut ist doch die freiheit,auch die freiheit einmal auf die bremse zu treten um einen konflikt der gerade so brodelt ein wenig auszuweichen.

Ich muss sagen, dass ich Herrn Fischers Beitrag voll zustimme. Denn seit wann gehoert Pietaetlosigkeit zu den so oft beschworenen Werten des Abendlandes? Seit wann ist Freiheit identisch mit Beliebigkeit oder sogar Geschmacklosigkeit?
Die Kirchen wagen es nicht mehr, gegen die Koepfung Jesu zu protestieren; so sehr sind sie bereits von den Erpressungen einer saekularistischen "Kulturszene" in die Ecke gedraengt worden. Die Muslime haben eben noch nicht gelernt, "artig" zu sein und ueber alles vornehm zu laecheln. Man muss sie erst noch zurechtstutzen wie das Christentum in den letzten 250 Jahren.
Sicher, Gewaltdrohungen oder die Furcht vor Gewalt sind erst zu nehmen. Aber war es nicht schon Gewalt, die Koepfe Jesu und Mohammeds und Buddhas (und Poseidons) abzuschlagen? Da sollen alle gefordert sein, "sich damit auseinanderzusetzen"?? Man kann sich aber nicht einfach dogmatisch hinter Nietzsches Rede vom Tod Gottes verschanzen. Denn fuer wen ist er denn tot? Fuer Christen (und Muslime) nicht. Und fuer Buddhisten gibt's keinen.
In seiner Regensburger Rede hat der Papst den Westen ganz klar vor einer religionslosen, atheistischen Vernunft gewarnt. Genau diese Vernunft scheint sich aber in der Operninszenierung auszusprechen.

Die Nachricht von Frau Harms' Absetzung des IDOMENEO und der Begründung dafür macht sprachlos. Auch auf einer Provinzbühne hätte diese Entscheidung nur kritisiert werden müssen, aber an einem Haus, das sich zu den ersten des Landes zählt, ist es eine Katastrophe. So wird Meinungs-Terroristen Vorschub geleistet, so wird eine freiheitliche Kultur unterminiert. Ich nenne das Feigheit. Dumm ist es sowieso. Auch der Islam und sein Prophet müssen sich dem Diskurs stellen. Man darf karikieren, man darf kritisieren, man darf provozieren - all das muß auch der Islam und v. a. seine Anhänger aushalten.
Die Freiheit der Rede wurde bedroht, nun also auch die Freiheit der Kunst. Verbieten wir demnächst prophylaktisch Bücher, Filme, TV-Shows? Das westliche Kulturgut bietet vieles, was in nicht-säkularisierten Gesellschaften aufstoßen könnte. Aber: Wir wollen keinen Religionsstaat und keine Zensur von Mullahs! Wir wollen nach Rousseaus Motto leben: "Ich teile Deine Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür geben, daß Du sie sagen darfst." Das ist unser Kulturgut, das gilt es zu verteidigen. Und wann tritt Frau Harms nun eigentlich zurück?

Der Säkularstaat Deutschland mit einer vom kommunistischen Kaltgeist geprägten Bundeskanzlerin der Ex-DDR an der Spitze, verkörpert geradezu Spiegelverkehrt die verdrehte Moral- und Wertegesellschaft. So wie die Kanzlerin Abtreibung=Kindsmord und gewisse Formen der Gentechnik befürwortet, so blasen die agnostischen Presseorganstimmen in dieselben selbst gebastelten Moral- und Sittenhörner. Ja, selbst die Absetzung Idomeneos könnte man als Simonie bezeichnen. Die Intendantin Harms hat die Gelegenheit genutzt, längst überalterte und ewig protegierte Klassiker mit pietätlosen Blasphemieszenen ins Rampenlicht zu bringen. Es schien Ihrer Eitelkeit ebenfalls zu schmeicheln, während ganz nebenbei ihrem Haus wieder Zulauf garantiert wird. Spiegelverkehrt ist die öffentliche, säkularisierte Moralvorstellung deshalb, weil all jenen intelektuellen, pseudoreligiösen "Moralempathiebehinderten" eben die Grenzziehungsfähigkeit zwischen Kunst und Religion fehlt. Die freie "Kunst" wird hier der scheußlichen Misshandlung religiöser Gebote vorgezogen und als "moralisch integer" bewertet. Eben nicht die religiösen Verletzungen werden erkannt, sondern die Schamlosigkeiten der Künste werden hier öffentlich verteidigt.

ist es, wenn man nicht das bisschen Courage aufbringt, das nötig ist, um dem potenziellen Aggressor die Lust an der Auseinandersetzung von vornherein zu nehmen, indem man ihm entschieden die Stirn bietet. Die feige und verantwortungslose Haltung, die sich hinter der Absetzung einer Mozart-Oper aus Furcht vor religiösen Mördern verbirgt, ist aber eben genau eine Einladung für Islamisten, den vermeintlich sturmreifen Westen weiter zu attackieren, weiter zu morden und weiter Terror und Erpressung auszuüben. Als quasi Umkehrung der historischen Weisheit SI VIS PACEM PARA BELLUM hat sich Frau Harms hier der Förderung der Gewalt schuldig gemacht und dies kann gar nicht scharf genug verurteilt werden.

1. Absetzung
2. Diskurs
3. Aufführung
Die Absetzung war richtig. Der Diskurs darüber ist richtig. Wenn es nach dem - hoffentlich fruchtbaren - Diskurs dann aufgeführt wird, ist alles richtig gelaufen.

Seit wann gibt es diese gefühlte Angst vor dem Islam? Seit 9/11, aber da hatte der Terror noch einen Namen "EL KAIDA" und Gesichter.
Heute wird pauschaler gegen den Islam geurteilt und aufgeputschte Demonstranten flimmern als Beweisstücke über unsere Bildschirme.
Das erinnert an die Bilder über die RÜTLI Schule, in denen der Eindruck entstand, alle Schüler seien gefährlich, angeblich auch mit Nachhilfe einiger Journalisten.
Bilder sagen viel, aber hier sollte auch die Objektivität als Betrachter gewahrt bleiben.
Nazidemonstrationen von schlappen 200 Pers. vermitteln mit den richtigen Bildern einen ganz falschen Eindruck von Deutschland.
Deshalb ist die Absetzung dieser Oper fragwürdig.
Auf der anderen Seite muß gefragt werden, warum die Aufführung nicht im Original stattfindet. Idomeneo ist eine Auftragskomposition für eine Karnevalsveranstaltung (1781), wo liegt also das Problem?

Voltaire 's fundamentales Prinzip war : " Ich mißbillige das , was du sagst , aber ich werde bis zum Tode dein Recht verteidigen , es zu sagen " . Das waren Zeiten ! Will nun Europa-Eurabia ( vgl. unsere mutige Fallaci ! ) solches Prinzip abschaffen ? Soll sich vielleicht Europa bei Voltaire sich entschuldigen ? Soll es tun auch der Papst bei dem Philosoph ? Oder soll umgekehrt Voltaire selbst sich bei der Berliner Intendantin entschuldigen ? Oder soll Mozart , Idomeneo , die ganze Aufklärung , sich beim bevorstehenden Mittelalter entschuldigen ?
Addio, Europa !
Salvatore Del Vecchio Rom

hat die gute Frau ohne es zu ahnen richtig gehandelt. Denn hätte Sie das Stück einfach aufgeführt, möglicherweise hätte sich niemand dazu geäußert. Nun ist aber eine Duskusion losgetreten und das ist es wohl eher was unseren Politikern unbehagen bereitet.
Wichtig ist nun, dass das Stück aufgeführt wird. Denn es ist wichtig sich nicht die Weltoffenheit, von ewig gestrigen und rückwärtsgewandten kaputt machen zu lassen. Unsere Freiheit ist die Basis unseres Fortschrittes und umfangreichen Wissens, es muss deutlich gemacht werden, dass niemand auch kein Religionsführer am anderen Ende der Welt ein Recht hat diese Freiheit zu definieren oder zu interpretieren!
Deshalb trifft es auch der Kommentar sehr gut! Immer und immer wieder am besten in Serie...

Bis auf den Bundesinnenminister und den Berliner Senator Flierl sind die Reaktionen unserer Politiker bezeichnend: man traut aus der Alles-wird-gut-wir-müssens-nur-feste-genug-wünschen-Liberalität nur heraus, wenn man glaubt, im Pulk sicher zu sein. Dieselben, die die Bedrohung der Freiheit durch den totalitären Islam schönreden als wären Selbstmordattentate nur Klingelstreiche und die offene Feindschaft zum Grundgesetz ein marginales Mißverständnis, schelten nun eine Intendatin, die ihre Schauspieler und Zuschauer vor einer zwar latenten aber sehr realen Gefahr schützen möchte. Wenn Muslime wegen ein paar harmlosen dänischen Karikaturen zu Mord und Totschlag aufrufen, möchte ich nicht wissen, wie die Enthauptung Mohammeds aufgenommen wird.
Wenns nach unseren Politikern geht, hält Europa die andere Backe hin und konvertiert dann dankbar. Hatten wir schon mal: "der Hitler meint das alles gar nicht so. Den rahmen wir ein und schon ist das ein Pfundskerl... " Dem Herrn A aus Iran lassen wir sein Bömbchen, der will doch bloß ernst genommen werden. Und wenn Saudi Arabien wahhabitische Lehrer bezahlt und kostenlosen Islam-Unterricht gibt, dann ist das doch toll. Finde ich gar nicht.
Salam aleikum
Matthias Huehn

Wenn man auf Freiheit der Rede und der Kunst pocht, dann lässt sich daraus keine Pflicht für die Kulturschaffenden ableiten bestimmte Meinungen, womöglich noch als repräsentativen Querschnitt zur Bevölkerung, zu senden, zu drucken oder aufzuführen. Schäuble mag das anders sehen, jedoch ist der Berliner Spielplan nicht Sache des Innenministeriums, genau wie die Verleihung des Hermann-Hesse-Preises nicht Sache des Düsseldorfer Stadtrates ist. Die Freiheit der Kunst wird von ganz anderer Seite bedroht als hier vermutet.
Frau Harms hat erkannt das zur Zeit etwas nicht stimmt zwischen den Religionen, sie hat der Diskussion darüber sicherlich einen grössenen Dienst erwiesen indem sie das Stück abgesetzt hat. Die Gefährdung der Zuschauer mag vernachlässigbar klein gewesen sein, nicht jedoch die dauerhafte Gefährdung des Verhältnisses der Religionen untereinander. Mit dem trotzigen Beharren auf Karikaturen und religionskritischen Aufführungen werden wir es jedenfalls nicht schaffen, Annäherung zu erreichen und unsere liberalen Werte zu verbreiten. Frau Harms hat vorbildlich gehandelt.

...die Moslems müssen sich doch langsam kaputt lachen über unsere Angst!?