Grass' Literatur-Nobelpreis

„Die Vergabe ist endgültig“

Es bleibt dabei: Die Nobelstiftung fordert von Grass den Preis nicht zurück

Es bleibt dabei: Die Nobelstiftung fordert von Grass den Preis nicht zurück

15. August 2006 Die schwedische Nobelstiftung hat eine Aberkennung des Literatur-Nobelpreises für Günter Grass (78) wegen dessen Mitgliedschaft in der Waffen-SS ausgeschlossen. Der Direktor der Stiftung, Michael Sohlman, sagte am Dienstag in der Stockholmer Zeitung „Dagens Nyheter“ unter Hinweis auf die Nobel-Statuten: „Die Vergabe ist endgültig. Es ist auch noch nie vorgekommen, daß ein Preis wieder zurückgenommen wurde.“

Allerdings habe es in der Vergangenheit massive Kampagnen gegen einzelne Vergaben wie 1994 beim Friedensnobelpreis für den damaligen PLO-Chef Jassir Arafat (zusammen mit den israelischen Politikern Izchak Rabin und Schimon Peres) gegeben.

Erinnerung an Ossietzky

Grass hatte den Literatur-Nobelpreis 1999 von der Schwedischen Akademie zuerkannt bekommen. Sohlman erinnerte an die Verärgerung der deutschen Nationalsozialisten nach der Vergabe des Friedensnobelpreises 1935 an den Publizisten Carl von Ossietzky, der drei Jahre später an den Folgen seiner KZ-Haft gestorben war: „Hitler war so böse, daß er danach die Annahme von Nobelpreisen durch Deutsche verbot.“

Der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, Horace Engdahl, ließ aus dem Urlaub Anfragen von Journalisten zu möglichen Reaktionen auf das Eingeständnis von Grass zu seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS mit dem Satz beantworten: „Die Schwedische Akademie hat dazu nicht Stellung genommen und wird auch nicht Stellung nehmen.“

In der Begründung für den Nobelpreis vor sieben Jahren hatte die Akademie Grass' literarischen Einsatz für eine offene Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands herausgehoben: „Hier nahm er sich der großen Aufgabe an, die Geschichte seiner Zeit dadurch zu revidieren, daß er das Verleugnete und Vergessene wieder heraufbeschwor: die Opfer, die Verlierer und die Lügen, die das Volk vergessen wollte, weil es einmal daran geglaubt hatte.“

Bildmaterial: dpa

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