Intellektuelle mochten bislang der Meinung sein, im Videoportal Youtube fände man nur Schrott. Tatsache ist, dass dort die Geistesgeschichte eine Form annimmt, die nicht nur zeitgemäß ist, sondern auch Neues, Bedenkenswertes zutage fördert.
Mit dreißig Jahren, hat Albert Camus gesagt, sei man für sein Gesicht verantwortlich. Dahinter steckt die Vorstellung, dass man sein Leben und sein Denken in die Hand nehmen und daraus etwas machen muss, was sich schließlich an der Physiognomie ablesen lässt. Wer nach nichts aussieht, der ist nichts.
Diese Einheit von Geist und Gesicht ist dem Videoportal Youtube nur recht. Dort kann man Denker in Aktion sehen und beobachten, wie die Körpersprache, von der in den Texten keine Spur zu finden ist, das Wort übernimmt. Mit dem Videoportal Youtube kommt endlich Bewegung in die Geistesgeschichte.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25.11.2007, Nr. 47 / Seite 28
Bildmaterial: youtube.com