Stammzellenimport

Einmal ist jedesmal

Eine Metapher genügte, um die Diskussion neu in Gang zu bringen: Eine junge CDU-Abgeordnete warnte davor, den Stichtag für den Import embryonaler Stammzellen zur „Wanderdüne“ werden zu lassen. Nun hörte der Bundestag Sachverständige. Von Patrick Bahners

Lesermeinungen zum Beitrag

06. März 2008 18:00

"Die Wissenden im KERN, welche die DNA begreifen"

Hans H Niller (Niller)

Aktuelle biowissenschaftliche Mehrheitsauffassungen über Genome ("blue print for life", "holy grail", etc.) erinnern ein wenig an die Bibelforschung vergangener Tage, wo man irrigerweise Vieles buchstäblich zu nehmen pflegte, was nicht buchstäblich zu verstehen ist. Um an neue Daten über Genome ran zu kommen, bedarf es aber keines Buchstabenklaubens, keiner unbegründeten Angriffe ad personam und erst recht keiner Humanembryonenvernutzung.

Schön zu erfahren, daß meine naturwissenschaftlichen Kollegen aus der Genetik ein so netter internationaler Freundeskreis sind. Andere Länder mit niedrigeren Standards sind aber trotzdem nicht als Vorbild für Deutschland geeignet, um unsere Verfassung korrumpieren zu lassen. Da der durchschnittliche Lobbyist nicht vom Wählerwillen abhängt, und daher langfristiger projektieren kann, als ein Abgeordneter, wird die Embryonenforschung mit langem Atem durchgedrückt. Falls das Parlament wider Erwarten dieses Mal zicken sollte, wird´s zur Not die EU-Verwaltung beim nächsten Mal schon anordnen.

Der "Medizinalembryo" hingegen wird sich zu einem modernen Lehrstück über die Natur des menschlichen Genoms, der menschlichen Biologie und ihrer Grenzen entwickeln, ein Schauspiel nicht nur für Genetiker.

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06. März 2008 03:07

Herr Niller,

Michael Menzel (Galenos)


Ihrem Beitrag liegen sicher keine psychologische Monstrositäten zugrunde. Aber ein infantiles Bild von der Kärrnerarbeit der weltweit forschenden Genetiker.

Das, was wir vom Genom wissen, ist nichts im Vergleich zu dem was wir darüber noch nicht wissen. Man muß schon einen Zugang und einen Einblick in die aktuelle Situation der Genetik haben, um abschätzen zu können, was sich da wirklich an knochenharter Grundlagenforschung abspielt.

Daß es auf nahezu jedem Wissensgebiet ein paar Abenteurer gibt, die das Fell des Bären schon verkaufen wollen, ehe sie ihn erlegt haben ist so bekannt wie es eben trivialer Pressemüll ist. Es führt nicht weiter, ein paar populärwissenschaftliche Kinkerlitzchen zu lesen und daraus ein repräsentatives Bild eines weltweit beforschten Wissensgebietes zur Verurteilung den Dummen vorzulegen.

Es gibt eine internationale Gemeinschaft der Genetiker die sich gegegseitig kennen und schätzen und ganz im Stillen, Unspektakulären, wichtigste Arbeit leisten. Und außer in Deutschland werden denen keine psychologischen oder ethischen "Monstrositäten" unterstellt.

Es gibt viele einfältige Gutmenschen, die nicht wissen worüber sie reden und wenn, dann irrationales, wirres Zeug.

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05. März 2008 18:32

Ein Embryonenforscher hat das Genom verstanden? Toll, bitte melden!

Hans H Niller (Niller)

Wissenschaftler, die sich rechtzeitig die Hände mit humanen embryonalen Stammzellen schmutzig gemacht hatten, wurden im Vorfeld der Debatte zu Forschern von Rang aufgeblasen. Diese erproben, was man auch in Bananenrepubliken so treibt: Hier ein bißchen Medien-Massage, dort ein wenig Legislativ-Lobby, da ein bißchen Eigen-Firmen-Förderung.

Dem tatsächlichen Leben des Embryomenschen werden irrig verstandenes Bio-Potential und persönliche Patentierfreiheit plakativ ("Ethik des Heilens") entgegengehalten. Das therapeutische Potential, kurzfristig reich zu werden, ist für die beteiligten "Ärzte und Naturforscher" vorhanden. Aber nur dann, wenn die immensen Entwicklungskosten dem Steuerzahler, die weitreichenden Folgeschäden später den Kassen aufgebürdet werden.

Gibt es keine anderen Wege zum Erfolg? Muß man, um schnöder Eigeninteressen willen, der gesamten Wissenschaft und sogar dem Staat irreparablen Schaden zufügen? Ist es nur wissenschaftliche Einfallslosigkeit? Oder liegen da psychologische Monstrositäten verborgen? Kitzelt vielleicht der Reiz der Grenzüberschreitung oder sogar der Nachahmungstrieb? Kannibalismus light für Weicheier?

Lange schon schlafen die Musen auf dem Helikon. Urania rupft keiner Sirene mehr die Federn aus.

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05. März 2008 00:03

Wissenschaft und Stichtag eine logische Unmöglichkeit, ist scholastisch

Michael Menzel (Galenos)


Was hätten die Physiker der Welt dazu gesagt, wenn ein Stichtag eingeführt worden wäre, ab dem kein neues spaltbares Material mehr generiert oder hätte gewonnen werden dürfen. Z.B. 1.1.1945 ? Sie hätten die Politiker für verrückt erklärt.

Die Politiker waren nicht in der Lage, die Vielfalt und ungeheure Tragweite der KERNphysik zu verstehen oder deren Entwicklung zu antizipieren. Ebensowenig wären Ethiker, Moralisten oder Theologen in der Lage gewesen eine sinnvolle, in die Zukunft führende Aussage zu treffen über einen elitären Wissenschaftsbereich, der weit jeneseits ihrer Beurteilungs- und Vostelllungskraft lag und liegt.

Was hat das mit Stammzellen zu tun? Alles! Die Menscheit ist im Begriff das Genom zu begreifen und viele zum Teil vorstellbare Eingriffe zu erahnen. Tausende Stammzellen sind längst manipuliert worden. Die "Wissenden" befinden sich im Zell-KERN, in der DNA. Sie werden nie mehr da herausgehen.

So wie die erste KERN-Spaltung den Zugang zum Wesen des Atomkerns öffnete so wird der Zugang zum Kern des Lebens nie mehr verschlosssen werden können.

Die Geisteswissenschaftler können die Entwicklung unmöglich aufhalten.

Erkenntnis ist irreversibel! Eure Rede, Elfenbeintürmer, ist bedeutungslos!

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