
Das ist schon sehr starker Tobak, dass der Herr Grass sich hier frei dazu äußern darf, dass wir (d.h. alle außer ihm) eigentlich "das Recht verloren [haben], unter dem Recht auf freie Meinungsäußerung Schutz zu suchen".
Frank Schirrmacher ist ja zu Recht der Widerspruch aufgefallen, dass Grass hier ausgerechnet eines der größten und reichsten europäischen Presseorgane als Vehikel benutzt, um zu behaupten, dass eben diese Presse nur "von Anzeigen lebt", "[von] bestimmten wirtschaftlichen Kräften diktiert wird" und "die öffentliche Meinung monopolisiert"? Man ist geneigt zu sagen: Next time you better practice what you preach, Günter.
Genauso stehen einem die Haare zu Berge bei der Aussage man müsse respektieren, dass der Islam auf einer "anderen Entwicklungsstufe" stehe. Fein. Der Islam, Nord-Korea, Kuba, China, Äthiopien und etwa 100 andere Staaten auf dieser Erde: bitte respektieren wir doch, dass die alle auf einer "anderen Entwicklungsstufe" stehen. Deshalb: nichts sagen, nichts kritisieren, nichts machen. Auch wenn's 300 Jahre dauert. Die werden schon selber drauf kommen, irgendwann. Bloß auf nichts hinweisen. Könnte die beleidigen. Bloß nichts von den eigenen Erfahrungen vermitteln wollen, bzw. dafür einstehen. Die Millionen von Toten, die es bei der geschichtlichen Selbstfindung nun mal gibt, müssen die schon selber machen. Und was macht es schon, wenn da ein paar von uns dabei sind? Hauptsache der Grass hat am Ende Recht.

Marcel Reich-Ranicki hat Grass schon vor Jahren - nach der Veröffentlichung seines äußerst mäßigen, höchstens historisch interessanten Romans "Ein weites Feld" - regelrecht angefleht, sich aus der Politik herauszuhalten. Irgendwie hatte der Mann Recht.

Nun gut, mit 78 Jahren kann man nicht mehr viel erwarten, aber wer oder was hat den guten Graß nur geritten, solch einen Schmarrn zu schreiben? Aber was solls: bei uns gibt es wenigstens noch die Freiheit der Meinung und der Presse - und da kann ja bekanntlich jeder schreiben oder sagen, was er will. Aber darauf hören, dass muss man dann doch nicht! Nichts für ungut, lieber Herr Graß, aber das nächste Mal - hoffentlich nicht - sollten auch sie sich besser informieren, bevor sie sich äußern. Denn sie wollen doch, dass man sie noch ernst nimmt, oder?
Aber am Besten lassen Sie das Schreiben einfach sein, und zeichnen nur noch - das können Sie doch prächtig!

„Woher nimmt der Westen diese Arroganz, vorzugeben, was gemacht werden muß und was nicht?”
Möglicherweise aus der Erfahrung der Aufklärung (Auszug aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit !! - in islamischen Gesellschaften ein Tabuthema, weil es die Ursachen der eigenen Schwächen und offensichtlichen Unfähigkeiten in Sachen Forschung und Entwicklung, Technologie,... offenbaren würde); und aus der Fähigkeit zur Selbstkritik, einer Fähigkeit, die in islamischen Staaten eher verpönt denn gesellschaftsfähig ist.
"Gleichzeitig sei man aber der Überzeugung, daß <<Meinungsfreiheit auch verantwortungsvoll wahrgenommen werden müsse ...>>"
Richtig, denn das Recht auf Meinungsfreiheit wird in der islamischen Welt derzeit überhaupt nicht wahrgenommen, weder verantwortungsvoll noch sonstwie - es wird schlicht und einfach unterdrückt !!
Eckhardt Kiwitt
Freising

Ach ja! Der Herr Grass, unser Vorzeige-Links-Intelektueller und einstmals selbst großer Provokateur, springt mal wieder mit der ihm eigenen "Selbstgefälligkeit und Arroganz" auf den fahrenden Zug der öffentlichen Erregung auf und übernimmt das Kommando im Führerhaus.
„Woher nimmt der ..." Herr Grass "diese Arroganz, vorzugeben, was gemacht werden muß und was nicht?”
Hat der gute Mann tatsächlich Beweise für den Umstand, daß "... sie [bei Jyllands Posten] rechtsradikal und fremdenfeindlich sind”?
Erschreckend finde ich die - kaum - versteckte Rechtfertigung oder Entschuldigung der - nach mehrmonatiger Organisationsphase überhaupt erst mühsam auf die Beine gestellten - gewalttätigen Auswüchse in der islamischen Welt als ganz normale Reaktion auf 12 Karikaturen in einer dänischen Zeitung.
Mit leichter Feder wird dann auch noch aus diesen zwölf Karikaturen "eine fundamentalistische Aktion des Westens".
Wenn El Pais sich bei der Veröffentlichung des Grass-Interviews auf die Pressefreiheit und Herr Grass sich seinerseits auf das Recht zu freier Meinungsäußerung berufen darf, dann kann dies Jyllands Posten und anderen Zeitungen mit Blick auf die Karikaturen nicht verwehrt werden.
Ob man besser erst nachdenkt, bevor man spricht bzw. veröffentlicht oder dies aufgrund des Nachdenkens dann gerade nicht mehr tut, ist eine andere Frage, die Herr Grass so klug war nicht zu beantworten.

... dann hätte er wenigstens klug gewirkt.
Der Gedanke überfällt einen fast immer, wenn Herr Grass meint seine Meinung zu etwas kund tun zu müssen. Man wäre interessiert, wie er reagieren würde, wenn jemand Kritik an seinen Machwerken übte. Aber das kann man in Deutschland doch einem Literatur-Nobelpreisträger nicht antun.
Rolf-Dirk Maehler
El Puerto de Sta Ma (Cádiz) Spanien

Soso. Die Karikaturen sind also eine Provokation. Warum fiel das Herrn Grass nicht ein, als Jesus karikiert wurde oder als schwul dargestellt wurde ? Warum misst man da mit zweierlei Maß ?
Abgesehen davon, dass hier politisches Halbwissen wild eingeworfen wird und einige Fakten das Karikaturstreits ebenso geflissentlich übergangen werden, enttäuscht insbesondere eine Tatsache:
Ein (zweifellos großer) Schriftsteller, der sich stets als selbsternannter Tabubrecher gebärdete kann sein eigenes gemütliches ideologisches Nest à la "Der Westen ist arrogant, dekadent und handelt höchst unmoralisch" nicht verlassen.
Wie wäre es denn gewesen, wenn man seine eigenen Bücher aufgrund moralisch eventuell anstößiger Passagen nicht hätte erscheinen lassen ?
Vielleicht bekomme ich in Frankreich nicht viel davon mit
Wo sind die deutschen Intellektuellen, die zu Demonstrationen für die Pressefreiheit aufrufen ? Warum sind wir nicht alle Dänemark ?

Die Folgen der westlichen Islam-Provokationen lösen beim Einsatzführungskommando der Bundeswehr ernste Besorgnisse aus und erschweren den Kampfauftrag der Berliner NATO-Einheiten in Afghanistan. Die deutschen Besatzungstruppen stehen unter anhaltendem Druck afghanischer Massenproteste und versuchen, eine Militärbasis im Nordwesten des Landes zu sichern. Dort erschossen NATO-Einheiten, die als "International Security Assistance Force" (ISAF) unter UNO-Dach firmieren, am Dienstag vier Demonstranten; am Mittwoch wurden bei Zusammenstößen erneut vier Menschen umgebracht. Die Gesamtzahl der inzwischen getöteten Afghanen, die gegen blasphemische Ausfälle europäischer Medien protestieren und den Abzug der ausländischen Truppen verlangen, beläuft sich inzwischen auf zehn. Durch die Kämpfe werden Exportgeschäfte deutscher Unternehmen gestört. Auch der in wenigen Tagen vorgesehene Einstand des deutschen Außenamtsdiplomaten Tom Koenigs in Kabul verspricht ungünstige Begleitumstände. Die westliche Militärpolitik schwankt zwischen Konsolidierung (Afghanistan, Irak) und Eskalation (Iran, Syrien), um die islamisch geprägte Ressourcenregion unter Kontrolle zu bringen.