
Es ist bekannt. Heute sind die Depressiven weniger traurig, die Maniker weniger heiter, die Schizophrenen schwärmen weniger. Sie dürfen es einfach nicht.

In einer psychologischen Untersuchung in den Siebzigern wird ein psychich gesunder Mensch zu Testzwecken in die Psychiatrie eingewiesen: Keiner der behandelnden Therapeuten fand heraus, dass er gesund war. Eine wunderbare Studie zur Verdeutlichung von professionellen Vorurteilen (Kunstfehlern!) bei psychologischen Berufen.
Eine gute Therapie beruht auf der Begegnung, ja besser noch auf einer gestalteten Beziehung zwischen Zweien.
Im Fall von Frau Kampusch sollte professionell arbeitende psychologische Therapeuten vielleich erst einmal darüber staunen, was sie sehen, um dann die richtigen Fragen formulieren zu können, was ja bekanntlich schon seit je her der Beginn der Weisheit war.
-Erst recht, nachdem man voller Hochachtung gestern Frau Kampuschs Interview im ORF mitverfolgen durfte.
Dank an Herrn Geyer für den spitzen Beitrag!

Eine phantastische junge Frau, die nun ihr Leben selbst in die Hand nimmt. Wenn sie jetzt noch die Armada los wird, die sich an dem Runden Tisch noch so barvourös in Szene setzte (ausser den beiden Psychiatern, die als einzige glaubhaft wirkten), dann kann sie ein normales Leben beginnen. Viel Glück für Frau Kampusch, ihre Foundation und auf das ihre Wünsche in Erfüllung gehen.
Zu den selbsternannten Experten kann ich nur sagen - an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten, Sie bringen mit ihren ungefragten Dummheiten die Psychologie einmal mehr in Verruf. Ernst zu nehmende Psychologen würden sich nie so phrasenhaft äussern. Sie äussern sich schon gar nicht, ohne das Frau Kampusch ihre Klientin ist. Welcher von den Wichtigtuern meine Zielen auch immer liest: wenn Sie je einen Hörsaal von innen gesehen haben, versuchen Sie sich bitte daran zu erinnern, was man - offensichtlich erfolglos - versucht hat, Ihnen beizubringen.

mangels österreichischer qualitätszeitungen bin ich ein absoluter faz.net - fan.
mit dem "anschwellenden psychogeplapper" hat faz.net einmal mehr den nagel auf den kopf getroffen.
schade dass sie nicht mehr über die ösis berichten, dann könnte ich auf unsere qualitätszeitungen und den boulevard gänzlich verzichten.
Reinold Hütter
Wien

"Sie ist so ein starkes Kind";
"Alles mit Angst vor Einsamkeit verbunden";
"Anscheinend sexueller Kontakt zum Entführer";
"Die Zuneigung des Opfers zum Täter";
"Eltern überglücklich: "Papa, ich hab´dich lieb"
Bildzeitung ? Nö, diese und viele weitere Überschriften werden angezeigt, wenn man bei faz.net auf "Zum Thema" klickt - und nicht nur das - es gibt auch ein Wiedersehen mit "Kinderschänder Dutroux".
Deshalb klingt der Artikel für mich ein wenig so, als würde Michael Schuhmacher sich darüber beschweren, daß bei den Rennen alle immer so rasen.
Überdies:
Daß sich auf eine solche Berichterstattung hin selbsternannte Experten zu Wort melden, ist zwingend.
Auch halte ich die Erklärungen von Frau Kampusch trotz allem Wohlwollen Ihr gegenüber nicht für durchweg geschickt.
Aussagen wie "Ich habe nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben" laden natürlich zu Spekulationen ein, denn jeder weiß, daß sie unendlich viel verpasst hat.
Ich wünsche Frau Kampusch alles Gute.

Vielleicht bedarf es einer jungen Frau, die acht Jahre lang von der Außenwelt getrennt lebte um uns vor Augen zuführen wie pervers unser Gaffertum geworden ist. Man bedenke, der einzige "Kontakt" zur Außenwelt von Fr. Kampusch war ihr Fernseher, wie abstoßend mag man diese Welt da nach einigen Jahren empfinden?

Eine treffende Analyse, die ich mit Genuß gelesen habe.
Anselm Sickmann, Bonn

Danke, dass nicht nur hier, sondern in zunehmendem Maße Journalisten Dummschwätzerinnen und Dummschwätzer unter "Experten" und Politikern aufgreifen und entlarven. Weiter so!