Mohammed-Karikaturen in „Liberation”

Es geht nicht um Geschmacksfragen: Am anfangs so harmlos erscheinenden Fall der dänischen Karikaturen wird die Bereitschaft des Westens gemessen werden, seine eigenen Ideale zu verteidigen.

Lesermeinungen zum Beitrag

05. Februar 2006 21:44
Schließe mich an,  
Martin Bauer (Martin.Bauer)

Herr Meißner, hier liegt die wahre Parallele (zumindest eine unter mehreren möglichen; eine ganz andere, ebenso mögliche hat vor einiger Zeit der Kölner Kardinal Meißner geliefert, als er unsere Praxis der Abtreibung mit dem Holocaust verglich und dafür Prügel von Paul Spiegel und etlichen Politikern bezog; Meinungsfreiheit fängt zu Hause an!).

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05. Februar 2006 15:06
Karikaturenstreit-Strichprobe  
Jochen Meißner (meissner-jochen)

(...)
Manch einer hätte sich ein ähnliches Einstehen für diese Freiheit während der Auseinandersetzung um das Tucholsky-Zitat "Soldaten sind Mörder" gewünscht.

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05. Februar 2006 10:32
Oh, peinlich  
Martin Bauer (Martin.Bauer)

Mein letzter Kommentar sollte ursprünglich die Überschrift „Hallo, Frau Neubert“ bekommen, wurde dann aber umgearbeitet, ohne daß diese, fürs Verständnis nicht ganz unerhebliche Anrede dafür in den Text gewandert wäre. Nun denn ...

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05. Februar 2006 10:28
Wir alle sind Glaubenskrieger  
Martin Bauer (Martin.Bauer)

Auch wenn ich Vieles radikaler sehe als Sie, schätze ich Ihre Kommentare, denn sie zeigen eine Ehrlichkeit, die man nicht häufig antrifft.

Uns Sie haben Recht: Wenn Konflikt und Haß ausbricht, dann ist das erste, was entgleitet, der neutrale Beurteilungsgrund; und um den muß man ringen, nicht um parteiliche Vernunftsgründe für die eigenen Vorurteile. Dennoch, auf Ihre letzte Frage, ich fürchte, 90 % wären entspannt, und das einfach deshalb, weil unsere „Religion“ heute weder eine echte, noch einfach keine ist, sondern ein säkulares Konstrukt, ein in postmoderner Subjektivität gedunsener liberal-materialistischer Vulgärhumanismus. „Wo euer Schatz ist, da wird euer Herz sein.“ sagte Jesus (Mt. 6,21), und ich schließe daraus, daß auch uns, denen die lebendige Hoffnung auf die Auferstehung abhanden gekommen ist, trotzdem Folgendes gilt: Der Glaube ist nicht das, was jemand zu glauben glaubt, – das ist ein Ahnen und Vermuten –, sondern das, womit wir spontan Hoffnung verbinden, das ist unser wahrer Glaube; der bestimmt mit der Struktur unseres bewußten Denkens den Wortlaut unserer Bekenntnisse.

In diesem Sinne haben wir genau die gleiche Aufgabe zu meistern, wie wie unsere offen glaubenskriegenden Voreltern: das ewige Problem der Toleranz, die eine Form der Nächstenliebe ist, ohne daß darum doch Nächstenliebe eigentlich aus Kompromißbereitschaft käme; sie kommt aus der Festigkeit eines (selbst-kritikfähigen) Glaubens, nicht aus der Beliebigkeit des Wahrheitspluralismus.

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04. Februar 2006 21:01
Unter dem amerikanischen Atomschirm  
gisbert heimes (gisbert4)

<<<Humorlosigkeit ist ein Merkmal von Diktaturen.
Elisabeth Keim (bkeim)04.02.2006, 17:28>>>


lassen sich Prinzipien und Privilegien - noch - gut behaupten und genießen.

Aber es wird Behauptung für Behauptung unbequemer und ungemütlicher unter dem Schirm.

Zwischenstadium: mittlerweile fühlen wir uns schon recht unwohl, wenn wir vor dem Besteigen eines Flugzeugs nicht ordentlich gefilzt worden sind.

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04. Februar 2006 18:07
Eine Sandale! Ein Zeichen!  
Stefanie Neubert (contactsteff)

Hallo Herr Müller!
Ich finde Ihren Beitrag sehr interessant und auch wahr. Er hat mich zum denken angeregt und ich bin zu folgendem Schluss gekommen: ich selbst zitiere gerne aus dem "Leben des Brian". Ich bin Monthy Phtyon-Fan und mich amüsiert, dass der Film aufs Korn nimmt, was die Menschen aus dem eher unbedarften Brain machen. Man kann ja nicht gerade behaupten, dass dieser sein Schicksal wählt (im Gegensatz zu Jesus). Ich kann über den Film lachen, auch wenn er an einigen Stellen einige meiner religiöser Tabus durchaus berührt. Ganz richtig fühlt es sich nicht immer an. Aber es gibt einen grossen Unterschied zwischen diesem Film und den Karikaturen, so glaube ich. Nimmt der Film doch eher die Religion als ganzes auf die Schippe, belustigt sich über das Bedürfniss der Menschen nach Religion und zeigt eben einen "Brian" (nicht Jesus) als hilfloses Opfer von Massenwahn, so beleidigt er die Figur Jesus jedoch nicht direkt unter der Gürtellinie. Zudem kommt er aus unserem weiter gefassten "eigenen Kulturkreis" und er stempelt nicht polemisch alle Christen als z.B. potentielle Kinderschänder ab (was ja auch Frauen einschliessen kann, wie wir aus der traurigen Realität wissen). Der Film ist also für unsere Verhältnisse verdaulich - für den einen schwerer, für den anderen leichter. Was aber, wenn ein hinduistischer Regisseur behauptet, Jesus hätte mit seinen 12 Aposteln die erste Schwulenbewegung der Geschichte gegründet. Wären wir dann ALLE noch so entspannt?

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04. Februar 2006 17:28
Humorlosigkeit ist ein Merkmal von Diktaturen.  
B. Keim (bkeim)

Ein schlauer Kopf bezeichnete einmal Humorlosigkeit als eines der Wesensmerkmale von Diktaturen, jenen Gesellschaftsordnungen, die keinen Spaß verstehen. Es scheint sich hier zu bewahrheiten.

Ein wenig erinnert die Debatte, an die Diskussionen der 68er, die im Ostblock gleichwertige Gesellschaftssysteme erblicken wollten, die eben "andere", aber doch Werte hätten, die den unseren in nichts nachstünden. Diese fünfe Kolonne der nützlchen Idioten, hatte Stalinismus und Sozialismus in manchen Kreisen salonfähig gemacht. Werden wir nun ähnlich Nachsicht mit islamistischen Eifererern hegen?

Nein! Wir dürfen nicht. Nich weil wir ihre religiöse Überzeugung nicht teilen, sondern weil dies mit wahrem Glauben und Religion nichts zu tun hat. Wahrer Glaube wird immer persönlich errungen, niemals erzwungen. Einmal befreit, das andere Mal unterdrückt er und hier sollte man die Grenzlinie zu den Eiferern ziehen.

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04. Februar 2006 16:59
Die Kunst der Satire: Das Leben des Brian  
Kei Müller (keimue)

Das Stichwort lautet Fähigkeit zu distanzierter Betrachtungsweise. Hierzu ist die islamische Gemeinschaft anscheinend aufgrund ausgebliebener geistiger Entwicklungen der letzten 200 Jahre nicht imstande. Diese Entwicklungen werden denn ja auch mit dem Begriff dekadent, alternativ blasphemisch abgetan. Vor allem die Fähigkeit zur Selbstkritik und Selbtsironie scheint mir recht minderwertig ausgeprägt. Wer mit dem Argument arbeitet, dass betreffende Zeitungen christliche Satire nicht abdruckten, da sie um einen Sturm der Entrüstung (wohlgemerkt wäre dieser höchstwahrscheinlich gewaltfrei) fürchteten, dem sei Monty Pythons Film "Das Leben des Brian" an Herz gelegt, welcher unsere Religion teils bitterböse auf's Korn nimmt. Ich kann mich nicht entsinnen, dass Christen die Filmemacher deswegen gesteinigt hätten.

Religion ist jedermanns eigene Sache und darf nicht, mit dem Ziel, Gewalt zu provozieren, instrumentalisiert werden. Oh je, aber ich bin ja Protestant; hier muss ich tolerant sein und den protestierenden Randalierern nachsehen, dass sie zu diesem Gedankengang aufgrund ihrer Historie nicht in der Lage sind. Toleranz benötigt zwei Parteien. Die eine, die sie ausübt, die andere, die sie würdigt.

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04. Februar 2006 11:59
Die Freiheit des Soziopathen  
Martin Bauer (Martin.Bauer)

Sehr gut, Herr Böhm, es ist genau so, wie sie schreiben. Bitte bleiben Sie bei dieser festen Gesinnung, denn der zwischenmenschliche Umgang wird rauher werden in den kommenden Wochen und Monaten. Die Interessen, die diese Welt lenken, sind auf Krieg aus. Die Scharfmacher sind unter uns.

Zum Thema eingehend, wäre zu sagen, daß es sich mit Sicherheit wunderbar für seitenlange und Monate, ja Jahre überdauernde akademische Beleuchtungen von allen nur erdenklichen Blickwinkeln und mit maximaler Ausgewogenheit eignen würde, - und dennoch von der Art ist, daß mit alledem nichts, ja GAR NICHTS zur Sache geredet wäre. Die Freiheit, die zu verteidigen, hier uns wie ein nachgerade HEILIGER AUFTRAG anheimgestellt wird, erinnert mich an einen Film, den ich vor einigen Jahren sah, in dem ein unauffälliger Einzelgänger, der sich selbst als Soziopath bezeichnete, erklärte, wie es mit seinem – im übrigen recht fröhlich hingenommenen – „Leiden“ angefangen habe: Er stand auf einem Balkon im ersten Stock und überlegte sich, ob er nicht einmal herunterspringen sollte. Und was meinen Sie, was den Ausschlag gab, daß er es schließlich tatsächlich tat? – Es war ein schlichtes, schier unwiderlegliches Argument: „Es kann doch nicht sein,“ sagte er sich, „daß von vornherein entschieden sein soll, daß ich es (wieder) NICHT tue!“ Ja, in der Tat, das kann es doch nun wirklich nicht, denn wo bliebe denn sonst noch die menschliche Willensfreiheit ??!

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04. Februar 2006 11:31
Endlich ...  
hendrik gerloff (takamaran)

... bringt es einmal jemand auf den Punkt! Der Artikel zeugt von Scharfsinn und kühlem Kopf in dieser hitzigen Debatte. Natürlich darf man sich verletzt fühlen und gegen Karikaturen protestieren. Aber (nur) um die Zeichnungen geht es doch schon längst nicht mehr...
Herr Platthaus differenziert die Probleme und argumentiert konsequent gegen die Vorstellung, man könne mit der moralisch-religiösen Keule auf alles einschlagen, was sich innerhalb oder an den Grenzen des demokratisch-freiheitlichen Denkens bewegt.
Weiter so ...

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04. Februar 2006 09:16
Karikaturen Mohammeds  
Walter Happel (walterhappel)

Wie wäre es wenn alle Zeitungen die Karikaturen einmal abdruckten ? Solidarität mit den Kollegen in Dänemark !
Man wüsste dann worüber geredet wird und gleichzeitig wäre klar dass man sich nicht von einer Religion sein Verhalten diktieren lässt. Daß die Karikaturen verletzten wollten oder sollten ist schließlich nicht mehr als die anmaßende Unterstellung derer, die anderen ihre Vorstellungen aufzwingen wollen.

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04. Februar 2006 01:06
Islam, Religion oder Gedankenpolizei?  
Manfred Wittmaack (poppycocik)

Der Artikel"Wo liegt die Provocation" ist mit Abstand das Vernünftigste was ich zu diesem Thema gelesen habe. Der ganze Wirbel ist absolut unverständlich und erzeugt bei Leuten mit gesundem Menschenverstand nur irritiertes oder unverständiges Kopfschütteln. Man ist versucht den Imams speziell und den Moslems generell diesen, in der Regel, universalen Verstand abzusprechen.

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03. Februar 2006 18:59
Auf den Punkt gebracht  
Fenimore v. Bredow (inessucht)

Es ist ja richtig wohltuend zu lesen, wenn der Kern ds ganzen Problems wie hier mal richtig auf den Punkt gebracht und nicht ständig darum herum geeiert wird.

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03. Februar 2006 18:46
Verfassungsgüter - Verfassungsrecht  
Simon Christian Sabel (SimonSabel)

Wo Verfassungsgüter in Rede stehen, hilft ein Blick in das Verfassungsrecht.

Wir müssen den Blick auf die Karikaturen wählen, der den elementaren Wert der Meinungsfreiheit Ausdruck verleiht und zudem betroffene Güter ausgleichend berücksichtigt: Der Zeichner verletzt und beleidigt nicht, er warnt und prangert an. Fließende Grenzen gibt es nicht. Wo geschützte Meinung sein kann, muß geschützte Meinung gesehen werden. Alles andere ist willkürlich und setzt sich dem Verdikt der Zensur aus.

Da Umstände (auch innerhalb von Religionen) stets angeprangert werden können, besteht keine Verletzung oder Beleidigung der Religion.

So kann die Freiheit der Meinung und des Künstlers neben dem Recht der Religionen auf Achtung bestehen.




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03. Februar 2006 18:29
RE: Wo liegt die Provokation?  
Jana Dajana (DaJana)

Die demokratischen, westlichen Werte wurden hart erkämpft. So lernen wir es im Geschichtsunterricht und so hört man es dieser Tage allenorts.

Wenn man sich anschaut, wer dafür gekämpft hat, ist ganz offensichtlich, dass es die Europäer waren, die für europäischen Fortschritt gesorgt haben. Wenn man sich jetzt die Karikaturen anschaut, so mag man der Meinung sein, die sind doch recht harmlos. Für jemanden, der keine tiefergehenden Kenntnisse von der arabischen Kultur hat, sieht es so aus. Da sind allerdings zwei Fakten, die man berücksichtigen sollte, wenn man über dieses Thema diskutiert. Erstens: Die dänische Gesellschaft wird derzeit von konservativen, teils rechten Parteien regiert. Da liegt der Verdacht nahe, dass dies eine Provokation war, die auch so gemeint war. Zweitens: Karikaturen üben in gewisser Weise Kritik. Die Kritik wird in diesem Fall am Islam geübt, von Menschen, die ihm nicht angehören. Wenn sich der Islam irgendwann reformieren sollte, dann wird dies nicht durch Einmischung von aussen geschehen, sondern es kommt von innen. Die Europäer hätten sich bezeiten sicherlich ebenso abgeschottet, hätten fremde Kräfte versucht, Europa zu reformieren.
Was allerdings zu verurteilen ist, sind die Mordaufrufe gegen Dänen, Franzosen, Deutsche und andere Europäer. Die arabischen Sprecher differenzieren damit ebensowenig, wie die Europäer, wenn es um den jeweils anderen geht. So läßt sich eine kultivierte Diskussion sicher nicht erreichen.
Dajana

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