Kunst

Hamburg will umstrittenen Kunst-Würfel zeigen

09. März 2006 Es ist eines der umstrittensten Kunstprojekte der Gegenwart: Der schwarze Kubus des deutschen Künstlers Gregor Schneider. Die Kunstbiennale in Venedig und der Hamburger Bahnhof in Berlin lehnten das Projekt aus „politischen Bedenken“ ab. Jetzt will die Hamburger Kunsthalle die vieldiskutierte Installation, die Assoziationen zur muslimischen Kaaba in Mekka hervorruft, realisieren.

„Das Kunstwerk soll keine Provokation sein, sondern das Gegenteil: ein temporäres Mahnmal der Toleranz“, sagte der neue Kunsthallen-Direktor Hubertus Gaßner am Donnerstag. Die Installation, ein 12 Meter großer schwarzer Würfel, soll auf dem Platz zwischen dem historischen Gebäude der Kunsthalle und der Galerie der Gegenwart in Hamburg aufgebaut werden. „Das Kunstwerk passt hervorragend zu unserer Ausstellung 'Das Schwarze Quadrat - Malewitsch und die Folgen bis heute'„, begründete Gaßner sein Engagement. Für drei Monate könnte der meterhohe Würfel von März bis Juni 2007 zu sehen sein.

„Der Ort ist ideal“

„Das Kunstwerk ist eine Hommage an das 'Schwarze Quadrat' und kann so den Dialog der Kulturen fördern“, ist der Kunsthallen-Direktor überzeugt. Bisher hat es lediglich Gespräche mit dem Künstler gegeben, der Bauantrag ist gestellt. Die Hamburger Kulturbehörde begrüßte das Projekt: „Der Kubus ergänzt die Ausstellung über die russischen Konstruktivisten sehr gut“, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Der Künstler Gregor Schneider aus Rheydt bei Mönchengladbach, der 2001 für seine Gestaltung des deutschen Pavillons bei der Biennale in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen hatte, ist von dem Vorhaben begeistert. „Ich glaube, der Ort ist einfach ideal und der Kubus würde sich wunderbar in die Architektur zwischen alt und neu einfügen. So kann der Kubus sehr deutlich in einem Kunstzusammenhang mit Malewitsch gesehen werden“, sagte Schneider.

Der Kubus sei „ein wunderbares Symbol für kulturelle Verbindungen, ein wunderbares Zeichen für Gemeinsamkeiten“. Er hoffe, „daß der Kubus als ein positives Zeichen interpretiert wird und nicht für andere Dinge mißbraucht wird.“ Die Organisatoren der Biennale in Venedig, wo der Kubus auf dem Markusplatz aufgebaut werden sollte, hatten das Kunstprojekt aus Sicherheitsbedenken und aus Angst vor terroristischen Attentaten verboten. Nach Auffassung des Zentralrats der Muslime in Deutschland werden jedoch religiöse Gefühle durch das Kunstwerk nicht verletzt. „Es ist nicht verboten, die Kaaba darzustellen. Es gibt Darstellungen in Hülle und Fülle“, sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Nadeem Elyas. Er bedauerte das Verbot der Italiener im Sommer 2005: „Die Entscheidung ist nicht förderlich für den Dialog zwischen Muslimen und Christen.“ Der Würfel hätte „mit Sicherheit“ eine Diskussion über den Islam ausgelöst.



Bildmaterial: dpa/dpaweb

 
 
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