Da Sammelsurium von Argumenten, das Schirrmacher präsentiert, scheint mir nicht sonderlich preiswürdig zu sein.
Einen spontan zustimmungspflichtigen Satz gibt es, den über die zwangsläufige Wirkung der Medien: "Nachdem die Werkzeuge verändert wurden, verändern sich die Menschen."
Die Gefährdung der Jugend durch das Netz: naja, eher würde ich über die Verkürzung der Schulzeit lamentieren. -
Wieso reagieren die Zeitungsverlage so hysterisch auf die Websites von Rundfunkunternehmen? Fühlen sie sich durch deren Qualität bedroht? Wenn sie auf die von Schirrmacher betonten Tugenden setzen, dürften sie wenig Probleme haben, im journalistischen Kernbereich: nämlich der Bewertung und Einordnung von Neuigkeiten, mit den öffentlich-rechtlichen Angeboten zu konkurrieren. Dort sind die Nachrichten medienbedingt kürzer, die Einordnungen holzschnittartiger und die Kommentare nur eitel. Schön sind die Dossiers und Features der Kulturredaktionen - aber auch hier müssen sich Zeitungen wie die FAZ ja nicht verstecken. - Zeitungen müssen sich künftig mehr durch Werbung im Web finanzieren - ihre Leser migrieren allmählich dorthin. Also: Bewährung im Wettbewerb. Ihn durch rechtliche Tricks bestehen wollen, ist ein schwacher Strategieersatz.
eigentlich verständlich, dass von seiten der zeitungsmacher das internet als gefahr betrachtet wird. angesichts sinkender auflagezahlen und weniger anzeigen überrascht die polemik gegen das internet überhaupt nicht.
ich geniesse es printmedien zu lesen, aber ich schätze es auch im internet entsprechende informationen einholen zu können. im internet gelange ich durch entsprechende suche an hintergrundinformationen, die mir von zeitungen nur gegen entsprechendes entgelt angeboten werden (z.B. faz-archiv).
allerdings, wer kann sich heutzutage noch ein abonnement einer tageszeitung leisten? das internet ermöglicht hingegen vielen menschen den zugang zu informationen, die sie sich sonst nicht leisten könnten.
wenn der konsument von printmedien und internetinformationen seinen gesunden menschenverstand walten lässt (was man eigentlich voraussetzen kann), erscheint mir eine meinungsbildung absolut möglich.
gruss aus der schweiz
ewald
Die Eintrittsbarrieren fuer jemanden , der eine ueberregionale
Qualitaetszeitung neu etablieren wollte, waren bislang
unueberwindlich hoch : Redaktion - Technik - Distribution -
Anzeigenaquise - Aufbau einer Marke . Alles in einem
begrenzten Markt.
Im Internet werden sich einige Plattformen fuer Qualitaetsjournalismus bilden, die besseren darunter
werden ueberleben und den etablierten Zeitungen
das Leben schwer machen.
Als Leser ueber fast 40 Jahre ein Rat an die Herausgeber
der FAZ: Lesen Sie das , was junge Redakteure so alles
unter's Volk bringen , oefter vorab. Die FAZ , insbesondere
der online Auftritt, ist nicht gefeit gegen Qualitaetsverlust.
Erst recherchieren, dann denken und dann schreiben,
die FAZ wird in einer veraenderten Medienlandschaft
erfolgreich sein. Die Uebernahme von Agenturmeldungen
automatisiert einschliesslich peinlicher Rechtschreibfehler
reicht nicht.
Ich bin jetzt der 25. Leser, der auf diesen Artikel antwortet. Und das ist, verglichen mit anderen Medien, eine geringe Anzahl. Hieraus erklärt sich wenigstens eine Möglichkeit des Internets und damit auch, weshalb gerade qualitativ hochwertige Artikel im Internet eine Durchschlagkraft entfalten können, von der sie schreiben: Weil über sie kommuniziert wird, auch am heimischen WG- oder Familientisch, aber eben auch mit Leuten in der ganzen Welt, im Internet. In diesem Kommunikationsraum nebst zahlreichen Verweisen auf andere, konkurrierende Texte liegt die Chance des Internets, und qualitativ hochwertige Texte werden sich hierin beweisen müssen.
Ich weiß schon, Totschlagargument, aber den Nazis haben Rundfunk und Bleistift schon gereicht.
Tatsache ist einfach,daß es zu Zeiten ohne Internet einfach schwieriger war,an pornographisches oder radikales Material zu kommen.
Man mußte schon einen Sexshop betreten,um ein entprechendes Heft zu kaufen (einem 10jährigen wäre das nun nicht so ohne weiteres gelungen),persönlich oder per Post radikale Schriften erwerben.
Es war also nicht so ganz einfach !
Heute genügen eine Suchanfrage mit dem Wörtchen "Sex" und 2 (!) Mausklicks,um an das entsprechene Material zu kommen.
Das können auch schon 8jährige !
Und jetzt aber mal "Butter bei die Fisch" (wie das immer so schön in Hessen heißt) :
Wie verhindern Sie (die Kritiker von Herrn Schirrmacher) denn,daß Kinder und junge Jugendliche an diese Dinge gelangen ?
Na los,legen Sie schon los !
In den klassischen Medien (Zeitung, Rundfunk und Fernsehen) gibt es selten verschiedene Seiten einer Information zu sehen. Im Normalfall wird dem Informations-Konsumenten nur gefärbte Information verabreicht (ich verzichte jetzt mal auf Propaganda), die dem Machterhalt einiger Leute dient. Mit anderen Worten - in den klassichen Medien wird alles zensiert, was nicht in den Zeitgeist, oder wie man das nennt, passt.
Da es bisher noch nicht möglich ist, dass Internet großflächig unbemerkt zu kontrollieren und zu zensieren, versucht man beim Konsumenten Angst zu erzeugen, und diesen so bestmöglich von unerwünschten Informationen fernzuhalten. Im offiziellen Sprachgebrauch heißt das "den Konsumenten schützen".
Ich erwähne an dieser Stelle mal das Geschlechterverhältnis als ein typisches Beispiel. Es ist fast unmöglich in den klassischen Medien etwas positives über Männer oder gar etwas negatives über Frauen zu sagen. wer Frauen kritisiert ist sofort ein Chauvinist, ein Frauenfeind. Es ist zum Beispiel auch nicht möglich offen über Benachteiligungen zu berichten, die ausschließlich Männer betreffen, und diese auch als solche zu benennen (oder gar Vorschläge diese abzuschaffen).
Durch die massenweise auf die jungen Internetbenutzer einstürzenden Bilder und Inhalte in denen Gräuel, Krieg, Politik und Sex und was weiss ich nicht gezeigt wird, entwickelt sich aus meiner Sicht, erstaunlicherweise genau das Gegenteil einer Verrohung. Dumme ungebildete Jungen und Mädchen fallen zur Zeit noch darauf herein und verhalten sich ähnlich, wie im Internet gezeigt. Zumindest tun sie so. Etwas gebildetere junge Leute, fangen an, sich Gedanken zu machen. Sie adaptieren die Komplexität und Unterschiedlichkeit der Welt im Internet und übertragen sie gedanklich auf die reale Welt. Wer sich in entsprechenden Foren aufhält, wundert sich auf einmal, wie noch sehr junge Leute, instinkthaft die Realitäten durchschauen. Von einer scheinheiligen Weltanschauung, die noch die 68er, mit auf den Lebensweg bekommen haben, sind diese Leute weit entfernt. Die Weissheit im Leben kann man nur durch Erfahren lernen. Man muss dabei nicht alles persönlich erleben, sondern kann es sich heute im Internet ansehen. Was für ein Glück. Wir dürfen nicht vergessen, dass nicht nur die Anzahl der Menschen auf dieser Erde exponentiell zunimmt, sonder auch alle seine Begleiterscheinungen. Dabei ist das Internet das Glück für die Jugend.
Ich glaube eher, dass die Politik, einige Verlage und Medienverantwortliche Angst vor der Verbreitung unkontrollierter Information haben. Aus diesem Grund berichten sie und andere, die das erkannt haben zunehmend negativ darüber. Es vergeht nicht ein Tag, an dem nicht in öffentlich rechtlichen Fernsehsendern oder Zeitungen über Kinderpornographie im Internet, Sicherheitslücken bei Online-Geschäften oder ähnlichen Dingen berichtet wird. So wie hier auch wieder mit einem negativen Nimbus gearbeitet wird. Dass aber 99 % aller Transaktionen, ob es nun Zahlung eines Produktes, Überweisungen oder Informationssuche, vollständig anständig und produktiv ablaufen, darüber berichten sie nicht.
Das Internet zeigt, wenn man es gut nutzt, die Breite der möglichen Nachrichten und Informationen. Es gibt nichts was es nicht gibt im Internet. Vergleicht man aber die Nachrichten im Internet, mit dem was in den Zeitungen und besonders dem Fernsehen verbreitet wird, muss man leider feststellen, dass überall die gleichen Meldungen vorherrschen. Leider beschleicht einen da das Gefühl, ganz genau portionierte Information vorgesetzt zu bekommen. Das treibt noch mehr Kunden in das Internet, dort gibt es eine viel grössere Breite und das frei von Kontrolle.
Neben der Francophonie habe ich nun auf WWW auch die Germanophonie endeckt. Dass zwei so ganz verschiedene Kulturen nebeneinander liegen und trotzdem voneinander Abstand nehmen ist mir in Rätsel. Macht nichts - vive la différence.
F. Huber
Wenn ich - als jetzt fast 60-jähriger - lese, dass 'Wir riskieren, die ... Kinder, die unsere Gesellschaft in Zeiten des demographischen Wandels hat, auf Dauer mit seelischem Extremismus zu programmieren, wenn wir nicht bald eine Debatte über pornographische und kriminelle Inhalte ... beginnen', so fällt mir an diesem Appell nur auf, dass ich ihn so oder ganz ähnlich schon unzählige Male in den letzten 30 bis 40 Jahren gehört habe - und das Lamento ist tatsächlich ja noch viel, viel älter. Neu dazu gekommen sind bloß die staatlichen und interessengruppen-gesteuerten Zensurgelüste an politischen Inhalten (der Paragraph 130 StGB lässt grüßen !). Ich vielmehr freue mich, dass - endlich - das Internet in der Lage ist, die unerträglichen staatlichen Zensurgelüste komplett zu kippen und dass sich - endlich - jeder - aller Provider-Sperrverordnungsversuche zum Trotz - ungefiltert informieren kann.
Erst vor Kurzem kam Neven du Mont aus seinem Versteck und prophezeite Google einen zeitigen Untergang. Es ist schon erstaunlich, dass Verleger von Rang und Namen, die zweifelsohne in nicht geringem Maße von der Entwicklung und den Möglichkeiten des Internet profitieren, diesem so ablehnend gegenüberstehen. Im Übrigen werden die pop ups hier so gerne von der Leine gelassen, weil die pro 1000 page impressions besser bezahlt werden als herkömmliche Banner Werbung.
Herr Schirrmacher sollte sich an dem Internet Erfolg des Guardian und der New York Times orientieren und sich lieber mit den Chancen befassen als kulturpessimistische Prognosen zu verbreiten. "Video killed the radio star" hieß es Anfang der achziger Jahre und dennoch co-existieren heute beide Medien. Vielleicht muss die FAZ in Zukunft, neben einem wahrscheinlich immer erfogreicheren online Angebot (trotz nerviger pop ups), einfach zweimal am Tag die Druckerpresse anwerfen? Im Übrigen ist die Faktenbasis in obigem Artikel ziemlich dürftig.
P.S.: Harry Potter wurde höchstwahrscheinlich am Laptop in Windows Word verfasst - ohne Stift!
Das Internet als Pornoreißer groß geworden spiegelt nur gesellschatltiche Verhältnisse wieder,läßt sich aber auch sinnvoll nutzen.Wenn also virtuelle Erlebniswelten uns von MORD,SEX,SEX und von SEX erzählen,GEWALT in vielen Spielen und Filmen eine zentrale Rolle einnehmen,kurzum so viel aufwendiger Müll produziert wird hat dies natürlich massive Auswirkungen auf das Seelenleben.Das PROBLEM ist eine verrohte,sinnentleerte Gesellschaft ohne moralische und geistige Fundamente.Wir sind doch alle soo liberal das selbst Lehrer Angst vor ihren Schülern haben müßen.Gott ist tot,es lebe der Müll.
Als F.A.Z Abonnent suchte ich einen Artikel vom Vortag. lag im Altpapier. Soll ich in der Garage suchen? Nee, ich guck im internet, Archiv. Müsste doch für Abonnenten frei sein. Denkste. Kostet. Und zwar ca 50,-€ pro Jahr. Ruf ich den Service an. Sehr nette Dame: das sei so, Archiv gegen Geld. Sie kann mir als Abonnent aber gern die Zeitung von gestern nachschicken lassen! Nur die F.A.Z. vom Tag krieg ich onlien für lau - aber: die steckt ja schon im Briefkasten. Und als E-Paper krieg ich die F.A.Z für Aufpreis und kann paar Tage zurückblättern.
Warum nur schmeißt man den Abonnenten Uhren und weiß der Kukuck was hinterher um sie für ein Abo zu gewinnen statt sie hinterher einfach gut mit sog. "Premiumservices" zu versorgen? Soll ich das 40,-€ Monatsabo zugunsten eines 50,- Archivzugangs kündigen? Da ist noch viel Luft, meine Herren.
Druckerpressen haben auch den Völkischen Beobachter gedruckt und drucken ebenso verbotene Kinderpornographie. Das Problem sind nie die Medien. Das ist eine Binsenweisheit und damit begreifen wir auch nicht das Internet und die hierdurch bewirkten Änderungen des Menschen und der von ihm gebildeten Gesellschaften. Mit dem Internet vollzieht die Aufklärung ihren ersten Quantensprung: Information wird generell entmaterialisiert und nahezu überall auf der Welt kann sich jeder mit geringem Aufwand über alles informieren. Und jeder (auch die Presse) kann die Qualität seiner Leistungen in ebensolchen Quantensprüngen verbessern, denn Information ist nicht mehr länger hinter dicken Mauern und durch große, komplizierte Organisationen verschlossen. Die aber, die nur vorgeblich viel können, sind heute rascher als denn je entlarvt. Und jeder kann sein Wissen frei allen zugänglich machen. Damit ist die ganze Welt und das ganz Leben umfasst, mit allem was es bietet, somit auch mit allen Schattenseiten. Mit denen werden wir uns unter dem Gesichtspunkt der Möglichkeiten der neuen Informationstechnologie befassen müssen. Das Internet selber aber können wir nur als Riesenschritt bei unserer Menschwerdung begreifen.
