Charlotte Roche

Sexualität ist Wahrheit

Mehr als 400.000 verkaufte Bücher in vier Wochen: Mit ihrem ersten Roman hat Charlotte Roche einen Nerv getroffen, der sich so schnell nicht wieder beruhigen lässt. Doch was bedeutet der Erfolg von „Feuchtgebiete“? Von Ingeborg Harms

Lesermeinungen zum Beitrag

16. April 2008 22:55

Alles schon mal „dagewesen“

Herold Binsack (Devin08)

@Berghoff/Heimes:Frau Berghoff schreibt:„in einer noch nie vorher dagewesenen Weise behandelt“.Zunächst einmal bedeutet „noch nie vorher dagewesen“ nicht unbedingt,dass es originell sei,aber das ist gar nicht das Problem,denn wenn ich mir Freuds „Das Ich und das Es“ als Matrix unter das Werk lege,erkenne ich sehr schnell,wie „originell“ das Buch ist.Und das verrät doch einiges über die Autorin,Herr Heimes,oder nicht?Iich bedaure nicht mehr dazu sagen zu können,als ich es bereits getan habe;es gibt Leute,die erzählen über sich und daher schreiben sie,und es gibt Leute,die schreiben und erzählen dabei gar nichts über sich.Finden Sie heraus zu welcher Kategorie Frau Roche gehört.Und noch ein Satz zu Frau Berghoff:Es gibt nichts,was es nicht schon gegeben hätte,nur die Semantik geht vielleicht mit der Zeit,manchmal aber auch gar nicht.Ich bedaure,nicht die Titel und die Namen der Autoren,die ich zu diesem Thema in den letzten 20 bis 30 Jahren „verkonsumiert“ habe,parat zu haben;die meisten Bücher hierzu habe ich gar nicht mehr,denn dann könnte ich Ihnen wenigstens einen benennen,der eben solches eben auf genau solche Weise schon behandelt hatte,nur spielte sich das in Freudenhäusern, Klöstern, Papst- oder Adelsresidenzen ab.

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16. April 2008 09:53

"Entscheident ist, was hinten rauskommt..."

Jutta Breun (Muchtar)

sagte unser damaliger Bundeskanzler Kohl schon so treffend. Ein Buch zu schreiben, ist ARBEIT - und wir wollen doch alle Geld für unser Tun, oder? Der (freie) Markt entscheidet dann, ob gekauft wird oder nicht, ist doch o.k. Bücher, die Tabus brechen, gehen immer. Mich beschäftigt eine ganz andere Frage: wie wäre es gelaufen, wenn Charlotte Roche 60 Jahre alt und unattraktiv wäre?

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16. April 2008 00:00

Hat die FAZ...

Catrin Berghoff (Catrin81)

...fast ausschlieslich männliche Leser, oder regen sich diese nur disproportional auf?

Ausserdem, zu allen, die behaupten "sex sells" kann ich nur sagen: netter Versuch. Im Zeitalter des Internets braucht man(n) nun wirklich kein Buch lesen wenn man etwas Verruchtes möchte.

Ich finde, Charlotte Roche hat genau das gemacht, was Künstler tun sollen: ein zentral menschliches Thema in einer noch nie vorher dagewesenen Weise behandelt. Ihre Heldin ist selbstbewusst und intelligent und tut niemandem etwas zuleide; und doch erschreckt sie so Viele!

Gut gemacht.

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15. April 2008 23:59

Oha

gisbert heimes (gisbert4)

jetzt kennen wir hier alle auch einen, der jemandem begegnet ist, der wiederum diese Dame persönlich kennt, uns aber nicht mehr verraten will. Schade, aber nun gut, dann eben nicht :-).

Also der Aufwand, mit dem hier die Autorin und ihre Rezensentin von der zunehmenden Schar von Oberliteraten ins literarische Unland verbracht werden sollen, verrät so einiges. Hirnonanie, haha.

Warum bleiben sie nicht einfach ruhig oder wenigstens gelassen? Irgendwas scheint sie zu ärgern und zu verstören. Ich vermute mal, es hat was mit Sexualität zu tun.

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15. April 2008 22:48

Sex sells ...

anne grether (annegrether)

... und Obszönitäten aller Art neuerdings auch, ob als Buch oder Film oder Show, je "schlimmer" desto besser verkauft es sich ... ja, den Nerv der Zeit hat sie clever getroffen, die Einnahmen geben ihr recht.

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15. April 2008 18:53

Hirnonanie

Ralf During (balhaus)

diese selbstverliebte Hirnonanie der Rezensentin disqualifiziert die FAZ und zeigt, dass es unterhalb der Roche’n Feuchtgebiete noch eine Stufe von Missqualität an literarischem Unwesen gibt. Der Rezensentin ist zu empfehlen, statt, sich quer durch die Weltliteratur zu googeln und gefährliche Halbbildung zu offenbaren, lieber das zu besprechende Buch auch zu lesen. Schande über diesen Beitrag.

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15. April 2008 18:39

Sexualität ist Privatsache...

Sebastian Olbrich (Basti1976)

...eignet sich aber öffentlich immer wieder toll um etwas zu verkaufen - ein Buch in diesem Falle. Hier jetzt Parallelen zwischen Roches Hämoridenpatienten und dem Graf Valmont zu suchen und zu ziehen ist schlicht absurd. Roche betreibt keine Litertur sondern verurteilt vielmehr mit Nachmittags-talkshow-schlaumeirigkeit sehr wohl emanzipierte, aufgeklärte und sexuell selbstbewusste Frauen - das zugegeben aber stellenweise sehr amüsand.
Die Parallele zwischen Körperpflege und gesellschaftlicher Zwang kann ich aber beim besten Willen nicht erkennen. Nicht zuletzt ist das aber - wie Religion, Hobby und Familie - privatsache. Daher sind mir auch öffentliche Statements über Roches unrasierte Achselbehaarung (stets berichtet die Autorin stolz davon) weder ein Dorn im Auge noch ein toller Tabubruch, sondern IMHO schlicht belanglos! Fazit: Viel Lärm um Nichts!

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15. April 2008 17:34

Identitätssuche???

Dominik bURZIWODA (Burzi)

Wer heutzutage noch Tabus brechen möchte, muss sich schon anstrengen - Frau Roche anscheinend mit medialem und kommerziellem Erfolg. Sicherlich wäre es gleichsam möglich die Geschichte mit weniger Tamtam zu erzählen und ähnliche Intention zu vermitteln.

Frau Roche jedoch zeigt in welch schwierigem Identitätsprozess sich Frauen befinden. Einerseits möchte sie nicht einen von diesen "Barbies" sein, da "sie" ja mehr als das ist, andererseits suggeriert ihr die Gesellschaft kontinuirlich und mit beispielhafter Disziplin wie schön das Leben als "Barbie" ist. Wie Frau Roche verfängt sich auch die Autorin des Beitrages in einer Art Überkompensation des aufgezwängten Barbie-Rollen-Frustes und versucht mit aller Macht dieses "mehr als nur eine Barbie" zu vermitteln. Diese vorgegebene, vielleicht auch tatsächliche Intellektualität wird schon fast traurig überbetont versucht zu zeigen.

Es wäre jedoch schön, wenn Frauen selbstbewusst, anstatt selbstdarstellerisch, wären, und anstatt zwischen extremen zu schwanken, verstünden, dass ein bisschen "Barbie" und ein bisschen "mehr" auch sehr ansprechend sind...

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15. April 2008 16:18

Interpretationsoffenheit ist noch lange keine Klarheit

Herold Binsack (Devin08)

Der Zufall will es und ich begegne gerade jemandem, der diese Dame persönlich kennt. Nun, da ich nicht all zu Persönliches ausplaudern möchte, kann ich nicht mehr sagen, als dass ich zumindest meine Kritik dahingehend bestätigt sehe, dass die „Literatur“ in diesem Buch, auffallend mißverhältnismäßig zur Obsession ihrer „Hauptdarstellerin“ ist, will heißen: als Literatur eben nicht überzeugt. Es kommt daher wie ein Sachbuch! – ist es das denn? Mehr möchte ich nicht verraten. Nur dies vielleicht noch: 68 lässt sich nicht beliebig wiederholen, auch und schon gar nicht in der Literatur! Und so kommt es, dass die Kritikerin hier in der FAZ sicherer und fester zugreift (Stichwort: Konsum und Biotechnologie) als dies die Kunst dieses Werkes vorzugeben vermochte. Interpretationsoffenheit ist noch lange keine Klarheit. Letzteres drückt auch, wenn nicht gar vor allem, der Künstler selbst aus, durch sich, aus sich, in sich – s i c h mitteilend eben!

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15. April 2008 14:09

oha Wahrheit also

Martin Buchwald (Denken)

Wie wunderbar es doch ist, dass alle heilige Zeit uns jemand mit seiner Sicht der Dinge auf die Sexualität beglückt. Nun also Frau Roche.

Kaum zu glauben, dass ein Thema so viel Bücherplatz einnimmt, dass im Normalfall 30 min. pro Woche einnimmt. Deutlich weniger als Kochen oder Fernsehen. Wahrscheinlich verbringt man genauso viel Zeit pro Woche auf der Toilette.

Da fällt mir schon der mögliche Titel für das nächste Buch ein, wie wäre es mit Spülungen!

In Sex lässt sich gewiss keine Wahrheit finden. In einem ONS schon gar nicht. Aber manche Menschen denken nicht bevor sie sprechen und einige wenige scheinbar noch nicht mal bevor sie ein Buch schreiben.

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15. April 2008 00:39

Künstlicher Hype, künstliche Rezension

Jan S. (7an)

Ich habe das Buch ebenfalls nicht gelesen, glaube aber in diesem Fall mehr den Amazon-Rezensionen als den Feuilletonisten. Zweieinhalb von fünf Sternen hat das Buch bekommen - bei über 340 Rezensionen. Das ist schlecht. Da muss man nicht drum herum reden.

Zweifelsohne ist das Buch so ein Erfolg, weil es mit vermeintlichen Tabus spielt, denn eigentlich schockiert es ja einfach nur. Und das Buch ist ein Erfolg weil, Frau Roche es geschrieben hat. Ich stimme da Sylvander zu, der schreibt: "Da hätte ein echter Schriftsteller lange für arbeiten müssen, um den Schmus unter's Volk zu bringen."

Und warum kaufen es denn die Leute? Weil es Tabus gehen soll, die gebrochen werden und wird nicht auch subtil in den Medien vermittelt, dass man das Buch gelesen haben und seiner Botschaft zustimmen muss, um nicht als prüde oder künstlich abgestempelt zu werden? Frei nach dem Motto: Das ist der neue Leitfaden, fresst ihn oder ihr seid raus.

Nein, dann lassen wir die Roche doch lieber im Ikea-Regal der volksakademischen Möchtegern-Aufgeklärten stehen und wenden uns richtiger Literatur zu.

PS: Der Artikel war wirklich in der Sprache aufgeblasen. Ich bespreche Freud und Benjamin in Literaturzirkeln, aber das Geschwurbel hier war mir zuviel.

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14. April 2008 20:47

Mal halt ...

Emmanuel Declerq (Declerq)

und Zurückspulen für die vergesslichen.

Als neulich der epochale Roman von Jonathan Littel (Die Wohlgesinnten) erschien, stürtzte sich die (im übrigen überwiegend weibliche) journalistische Meute darauf. Kommentare wie widerwertiger Kitsch, Edelporno, brutal, vulgär und obszön waren die harmlosesten. Der Sender Arte meinte, die Sprache sei so kalt und brutal, dass sie kaum Frauen anspäche. Nichts anders erging es andere Meisterwerke, wie American Psycho.

Ganz anders als der banale Roman von Charlotte Roche, der anscheinend geradezu eine zärtliche rektale Wärme bei den Leserinnen und Lesern hervorruft, so dass es auch hier ein langer Artikel Wert ist. So lässt sich ja lange über die Intimrasur und Analfissur fabulieren und man kommt sich heldenhaft als der letzte Tabubrecher daher, die alten langweiligen Lieder trällernd: Frauen waren, Frauen sind, Frauen werden, Frauen, Frauen, Frauen..... Einfach nur langweilig.

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14. April 2008 18:06

Aha:

Sam Tyler (InYourDreams)

"Insofern ist „Feuchtgebiete“ auch ein Pamphlet gegen die Pin-up-Kultur der lückenlos Attraktiven und die Zumutung, die sie für wirkliche Frauen bedeutet."

Da liegt also der Hund begraben. Immer alles auf ne 3- runterreden, weil es die 1 ja eigentlich gar nicht gibt - oder halt nicht geben darf, damit die eigene Mittelmaessigkeit nicht so auffaellt. Dabei kann man die doch ganz einfach kompensieren. Die eigene Unsouveraenitaet zum Thema machen und 400000 Buecher verkaufen hilft zum Beispiel ungemein :-)

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14. April 2008 18:03

Erfolg weil Tabubruch

Jonas Kathage (jkathage)

Verführungskraft und Schönheit widersprechen sich? So ein Unsinn. Schöne Frauen sind nicht zwingend langweiliger als weniger attraktive. Das ist nur ein dummes Klischee. Charlotte Roches Buch hat Erfolg weil die Leser und Leserinnen darüber wie Kinder lachen können. Soviel zu dem 'Nerv', der getroffen wird. Habe ich nichts gegen, finde ich auch witzig, aber bitte ein paar Tabubrüche nicht so masslos überbewerten, Frau Harms!!

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14. April 2008 17:10

Ein hübsches Gesicht macht Literatur

Sylvander Mackay (Sylvander)

Man kann einfach die Verkaufskraft eines schönen Gesichts (annehmbarer Körper schadet auch nicht) für pornographische Literatur von Frauen überschätzen. Da hätte ein echter Schriftsteller lange für arbeiten müssen, um den Schmus unter's Volk zu bringen - ich bin auf S.25 eingeschlafen.
Es lebe die gute alte Linda Jaivin!

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