
Bueb hielt am 23.01 einen Vortrag unter dem Leitmotto "Disziplin" am Gymnasium Petrinum in Dorsten und vertrat durchaus nicht nur verwerfliche Ansichten zum Thema Erziehung.
Dustin Klinger bedauert jedoch zurecht die Einstellung Buebs gegenüber Jugendlichen, da er sie für absolut unmündig hält. Daher ist Herr Bueb auch der meinung, dass Verbote zu Einsicht führten, denn nicht im Stande eine eigene Meinung zu bilden, ist es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis die Meinung der anderen übernommen wird. Nach Herr Dr Bueb sind nicht nur Jugendliche von der Unmündigkeit betroffen, sondern auch Eltern. Jene sollten von den Lehrern ihrer Kinder in Erziehungsfragen beratschlagt werden, da diese sowieso besser bescheid wüssten.
Meiner Überzeugung nach sollte die Erziehung, so weit möglich, immer der Verantwortung der Eltern unterliegen, da dadurch die einmalig ([e] intime) Beziehung zwischen Eltern und Kindern gewährleistet ist.
Sollte es den leiblichen Eltern jedoch aus unterschiedlichsten Gründen nicht möglich sein ihre Kinder zu erziehen, ist die unterbringung in Ganztagsschulen eine sinnvolle Alternative. Um Lehrer auf die pluralistischen Aufgaben vorzubereiten, bedürfte es einer stärkeren Gewichtung der Pädagogischenfähikeiten.

Es ist mir völlig unverständlich, wie hier der Begriff Disziplin von der Klientel Salem strapaziert wird. Offensichtlich stellten wohl alle Salem-Zeitgenossen Problemfälle dar. Und bei jeder zweiten vermeintlichen Demokratieverdrossenheit werden die Achtundsechziger bemüht. Die, die hier den 68-ern das Wort reden wollen, haben entweder nie etwas damit zu tun gehabt oder nur davon gehört. Aber für eine medienwirksame Nostalgie werden sie immer wieder gegeißelt. Dabei sind die Chaoten, die damals auf die Strasse gingen, ein verschwindend kleiner Teil der deutschen Bevölkerung. Waren es tausend oder vielleicht zwanzigtausend? Und wieviel Prozent sind das? Das ganze Spektakel wurde erst zu einem Spektakel, weil zum ersten Mal jemand auf die Straße ging! Und die Motive derer, die sich damals profilieren wollten, sind nach meiner Erkenntnis eher profan gewesen. Ich habe während meines Studiums auch solch einen "Aussteiger" erlebt. Statt seine Diplom-Arbeit zu schreiben, wollte er im Spätherbst 1968 andere Kommilitonen mit seiner roten Mao-Bibel bekehren. Jener "Heilsbringer" wurde sehr schnell selber ausgestiegen! Und dieser Salem_Bruder Klinger muss sich den Sinn des Lebens in Princeton erklären lassen, mir wird speiübel!

Fragt man Ausländer nach deutschen "Tugenden", erhält man vor allen Dingen zwei Antworten: Disziplin und Pflicht(erfüllung).
In dem Artikel ist viel von Disziplin und Selbstdisziplin die Rede.
Ich habe nichts gegen Disziplin, bin aber nicht der Meinung, daß sie eine Primärtugend ist. Richtig ist, daß sie bei der Integration in das Regelwerk menschlichen Zusammenlebens hilft; außerdem gibt es viele Arten der Disziplin: Diät, Fasten, Sauberkeit, Ordnungsliebe, Pünktlichkeit, generell der Verzicht auf etwas, die Einhaltung gewisser Regeln – all dies erfordert eine gewisse Disziplin. Disziplin ist eng mit Pflicht(erfüllung) verbunden. Denn (vermeintliche) Pflichterfüllung ist ohne Disziplin nicht denkbar. Zum Beispie halte ich es für meine Pflicht, mit dem Rauchen aufzuhören. In der Ausübung dieser Pflicht beweise ich eine gewisse Disziplin, wenn ich diesem Vorsatz voll nachkomme.
Aber weil zu viele das getan haben, was sie für ihre Pflicht hielten, ist Deutschland beinahe von der Landkarte verschwunden. Und daß zu wenige gegen die „Disziplin“ verstoßen haben (nicht zuletzt Richter und Lehrer) hat den Weg in die Endlösung der Judenfrage zumindest erleichtert.
Ich halte es mehr mit Kleists Michael Kohlhaas (mit Einschränkungen)

"Aus Erfahrung wissen wir, dass Revolutionen dazu neigen, Verhältnisse vom einen Extrem ins andere zu kehren, was allein keinen Fortschritt mit sich bringt. Erst die darauffolgende Mäßigung der Verhältnisse bringt den Erfolg. "
Dem stimme ich zu. Aber die Lösung sehe ich in keinen überdisziplinierten Internaten, sondern schlicht und ergreifend in einer familiären Erziehung, die klare Grenzen setzt und gleichzeitig zur Eigenverantwortung hinführt - damit das Kind sich in einem realistischen Weltbild - anders als die früher propagierte "Tu was immer dir Spaß macht, irgendwie wirds schon gut gehen" - eine freie Entwicklung in geordneten Verhältnissen erleben kann und sich selbst entfalten kann. Leider neigt die Bundesrepublik aber traditionell zur Übertreibung in jedwede Richtung, die sie einschlägt...

das Internat ist immer zweite Wahl, wenn die Erste, normalerweise die Familie, nicht mehr im vollen Umfang zur Verfuegung steht.
Unter diesem Gesichtspunkt mag Salem eine gute Wahl sein. Das Hohelied des Autors ist nachvollziehbar, Salem ist gut organisiert. Fuer Menschen, die sich mit ihrer sozialen Profilierung bestaetigt fuehlen moechten, bietet dieses System eine sehr gute Basis. Aber auch hier findet sich der fuer Internate gewoehnliche und durchschnittliche Familienschrott wieder. Ungewoehnlich in Salem ist vielleicht der hoehere Anteil Kinder aus gehobenen finanziell-gesellschaftlichen Schichten. Dies, zusammen mit vollkommen durchgetakteten Tagesablaeufen, foerdert die Grundmerkmale einer gesellschaftlichen Insel.
Tatsaechlich funktionieren die hier installierten Konzepte nur unter Laborbedingungen. Eltern muss bewusst sein, dass Salemer unter normalen Umstaenden mit ihrem antrainierten Idealen und Faehigkeiten groessere Schwierigkeiten bekommen koennen. Wer glaubt im Ernst, dass die Demokratiespiele in Salem irgendwo ausserhalb dieser Mauern wieder zu finden sind? Sind sie natuerlich „Nice to Haves“ und machen aus vorgenannten Grund Manchen natuerlich Spass.

Hätten wir nur mehr derart selbstreflektierter "Jugendlicher".
In dem Alter habe ich mich Kumpels auf Asphaltplätzen Basketball gegen regeltechnisch nonkonform agierende Gangs osmanischer Herkunft gespielt und ansonsten den lieben Gott einen guten Mann sein lassen :)

Ich denke nicht das Dustin eine Ausnahme einem Meer von unerzogenen Sproeddlingen ist. Auch im Verhalten der jungen Generation (zu der ich mich zaehle) schwankt der Kahn von einer auf die andere Seite. Da haben wir Lehrer die darum bitten Schulen zu schliessen, weil das Verhalten der Schueler es ihnen nicht ermoeglicht zu unterrichten und auf der anderen Seite sind solche Jugendlichen wie die in Salem. Ich persoenlich habe aber die Erfahrung gemacht, dass wenn man sich von beiden Extremen wegbewegt landet man in der goldenen Mitte: "Normale" Gesamtschulen und Gymnasien, wo es immer gewisse Stoerenfriede und auf der anderen Seite Schueler aus ganz normalen Familien die einmal was erreichen moechten und sich deswegen Muehe geben. Vielleicht sollten wir uns alle mehr bemuehen etwas "normaler" zu sein und unsere Kinder "normal" zu erziehen. Ich habe mein Elternhaus immer als langweilig empfunden, seit ich es jedoch verlassen habe und mein Leben selbst gestalte (teilweise auch im Ausland), bin ich stolz auf meine "normale" Erziehung die es mir ermoeglicht hat als selbstbewusste und offene Person durchs Leben zu gehen.

"So etwas tut man nicht". Wenn allein dieses Verständnis des Menschen in gewissen Situationen noch vorhanden ist, eben nicht am Buchstaben einer Regel oder am eigenen optimalen Vorteil orientiert, genügt das.
Ehre und Respekt, beides im Verhältnis zu seinen Nächsten, das sind die eigentlichen Erziehungsziele, und das sollte man nicht vergessen. Und wenn man genau nachdenkt sind das eigentlich keine bloßen Erziehungsziele, sondern die christlichen Ideale unserer funktionierenden Gesellschaft. Und es ist für mich immer schmerzhaft, wenn Vorgänge in der Gesellschaft und gerade in der Politik eben diese Ideale vermissen lassen.
So darf ich als Altsalemer sagen, dass ich gerne die Oberstufe mit ihrem zeitgemäßen Angebot besucht habe, einen Besuch der Mittelstufe - die mir auch möglich gemacht worden wäre - mit der dort eingeforderten Art von Disziplin war mir jedoch nicht geheuer. Aber dies ist eine Entscheidung, die man individuell treffen sollte. Und das betrifft auch den von Herrn Bueb beschriebenen Weg. Im Ziel sind wir uns sicherlich einig.

Dieser hervorragende Beitrag eines Salemer Schülers bestätigt die gute Erziehungsarbeit des Internats, damit seines Leiters, Herrn Dr. Bueb!
Ich kann nur sagen: "Herzlichen Glückwunsch " zu solch einer gescheiten Stellungnahme zur heutigen Pädagogik.
Natürlich übt dieser Schüler auch Kritik an seinem "Chef" - aber die Art und Weise, wie er das tut - respektvoll, fundiert, sachlich - läßt mich den Hut ziehen.
Das Bekenntnis zur Demokratie, zur Freiheit als Verpflichtung, die Abkehr vom so beliebten "deutschen Querulantentum" läßt hoffen.

Meiner meinung nach ist die Erwiederung des Schülers sehr passend und zeigt ganz klar, dass sehrwohl Disziplin und auch Intelligenz sowie Demokratieverständniss bedeutende Werte der jungen Generation zu der auch ich zähle sind. Ich behaupte weiterhin, dass dies kein Einzelfall von sprachlichem Talent oder früher moralischer Reife ist, sonder dass auch in jeder anderen gymnasialen Oberstufe genug Schüler zu finden sind deren Ausdrucksweise und Moral genauso weit entwickelt sind. Bei Reportagen über Hauptschulen in Berlin und Hilferufen von deren Lehrern wird oft übersehen, dass eine große Prozentzahl von Schülern schon heute erkennt und bereit ist die Führungpositionen zu übernehmen. Seien es die in der Wirtschaft oder jene als Dichter und Denker. Ein betrachten der gesamten Jugendbildes, also nicht nur der Brennpunkte, die natürlich für Autoren besonders verlockend sind, würde sicher für ein positiveres Urteil oder sogar für Angst bei den Älteren sorgen.

Wer ein dreijähriges Kind alleine zum Bäcker gehen läßt und weiß, daß es dabei stark befahrene Straßen überqueren muß, handelt nicht nach dem sogenannten antiautoritären Prinzip, sondern einfach nur verantwortungslos. Schade, daß der eigentliche Sinn einer antiautoritären Erziehung in der Öffentlichkeit leider nie transparent geworden ist, sondern immer nur diejenigen präsent waren, die ihn ganz offensichtlich überhaupt nicht verstanden haben.

Erstaunlich, dass ein solcher Beitrag zur Diskussion Dr. Buebs Buch von einem heutigen Schüler Salems verfasst werden kann. Besonders freut mich sein Demokratieverständnis. Das läßt hoffen, dass die Zeit der Berufspolitiker und ihr unverantwortliches Tun sich dem Ende zuneigt; das Denken in Schlagzeilen und das ungenierte Frönen der eigenen Eitelkeit und Maßlosigkeit nicht Neid und Bewunderung, bestenfalls Kopfschütteln erzeugt.