Wikipedia in der Kritik

Die Entwurzelung des Wissens

Darf das Internetlexikon Wikipedia als seriöse wissenschaftliche Quelle dienen? Die Geschichtswissenschaft liefert derzeit eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Phänomen - und Wikipedia muss sie fürchten.

Lesermeinungen zum Beitrag

17. August 2007 01:47

Einzelfakten?

Sebastian Schäfer (seb2909)

Ist es nicht gerade ein wesentlicher Fortschritt eines Online-Lexikons, dass "Einzelfakten" dank Hyperlinks und Trackbacks grundsätzlich in einem größeren Kontext eingebetettet werden und so u.a. Lesern mit unterschiedlichem Hintergrundwissen einen Informationsgehalt bieten und darüber hinaus übergreifende Zusammenhänge erschließen lassen?

Vielleicht wäre es auch eine Überlegung, die Stabilität eines Artikels graphisch darzustellen, damit man nicht immer in der Historie nachschauen muss (was zwar immer möglich ist, aber wahrscheinlich die wenigsten tun).

Auch die einst überlegte Schreibsperrung "gereifter", stabiler Artikel halte ich immer noch für eine gute Überlegung.

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16. August 2007 20:16

Wikipedia

Heinz-Georg Halbe (hg.Halbe)

Wikipedia ist eine von vielen Möglichkeiten, sich Wissen zu besorgen. Beliebt ist sie vor allem, weil sie schnell, umfangreich und bequem erreichbar ist. Wie allen Wissensauskünften muß man auch ihr kritisch gegenüberstehen, aber es gibt überhaupt keinen Grund, sie zu verdammen.
HGH.

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16. August 2007 18:51

Müssen wir die Universitäten schließen? Doch wohl nicht!

Andreas Karg (AndreasKarg)

Ich möchte doch die Gelegenheit zu einer grundsätzlichen Äußerung nutzen, denn die Diskussion in den „Lesermeinungen“ ist aufschlußreich. Als einer ihrer Pole klart mehr und mehr auf: „Wikipedia“ sei eine „demokratische“ (da in mehrerlei Hinsicht unerreicht zugängliche) und überlegen aktuelle Informationsquelle, die in einem mehr oder minder recht scharfen Gegensatz stünde zur institutionell verankerten Wissenschaftsgemeinde, der sie lukratives „Geheim-“ und „Herrschaftswissen“ entwinde. Bislang habe ich „Wikipedia“ nur als eine Enzyklopädie gesehen, die in der Tradition der Konversationslexika steht: umfangreich und zeitgemäß bequem in der Nutzung, mit förderlichen Einträgen und solchen, die man besser überliest; eine Konkurrenz vielleicht für ihre nahen (ebenso wie sie selbst nicht zitierfähigen) „Verwandten“: die anderen Nachschlagewerke der Breitenbildung, sicher keine für ihre entfernten: die wiss. Spezialenzyklopädien, schon gar keine für Monographien, Aufsätze usw. Ich denke, ich bleibe bei dieser Sicht. „Druck“ seitens „Wikipedia“ verspürt die Wissenschaftsgemeinde nur, wenn sie unterrichtet: u.a., daß „Wikipedia“ ein reflektiertes Wissen nicht ersetzen kann. P.S.: Woher haben eigentlich „Wikipedia-“ Autoren ihr Wissen?

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16. August 2007 18:01

kein positivistisches Verständnis von Geschichte!

Hartmut Retzlaff (h.retzlaff)

Ich weiß nicht, worauf sich der Artikel bezieht. Ich empfehle dem unvoreingenommenen Leser, einmal bei de.wikipedia.org das Lemma "Kriegsschuldfrage" einzugeben. Sollten sich Seminararbeiten tatsächlich - auch vom Reflexionsniveau her! - auf solche Artikel einlassen, wäre ich um unsere studentische Jugend weniger besorgt. Das Gleich gilt auch für nicht themen-, sondern personenbezogene Artikel. Man versuche es einmal mit "Imanuel Geiss". Anstatt lediglich amerikanische Debatten zu referieren, sollte man lieber die Sache konkret überprüfen. Weniger Eile, mehr Überprüfung in der journalistischen Arbeit!

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16. August 2007 16:41

"fluide Form" der WP-Artikel: Zitieren für Anfänger :-)

Michael König (mk_bln)

Jede Internetquelle ist veränderlich, und Wikipedia-Artikel ganz besonders. Das stimmt.

Im Gegensatz zu anderen Websites werden auf Wikipedia aber ALLE alten Versionen eines Artikels gespeichert. Und diese alten Versionen verändern sich nie mehr.

Wenn man also Wikipedia als Quelle angibt (für Zwecke, wo Internetquellen erlaubt sind), sollte man deshalb nicht auf den Artikel, sondern auf die konkrete ArtikelVERSION, die man gesehen hat, verlinken.

Die Adresse der derzeitigen Version erhalten Sie, wenn sie links unter "Werkzeuge" (unter dem Suchfeld) auf "Permanentlink" klicken.

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16. August 2007 16:07

Eifersucht

Berthold Grabe (BGrabe)

Das Problem ist nicht das Internetlexikon, sondern die Tatsache, dass der Druck auf die Wissenschaft steigt nicht nur berteits vorhandenes (Lexikon-) Wissen zu verkaufen. Außerdem wird vor allem durch die Faktenverläufe z.B. der historischen Prozesse so manches wissenschaftliche Gesülze als solches enttarnt.
Wir sollten uns also über Wikipedia freuen, erhöht es doch den Zwang wissenschaftliche Qualität zu beweisen und sich den entsprechenden Status auch wirklich zu verdienen.

Wikipedia verbilligt die Informationsgewinnung drastisch und ist auch zitierfähig, zumindest genauso wie jedes andere Lexikon auch.
Wikipedia allerdings befreit weder vom selbst Denken, noch suggerieriert es Absolutheit.

Wenn Schüler und Studenten sich Informationen aus Wikipedia beschaffen, so ist das doch völlig egal, solange eine fundierte Meinung gebildet wurde. Soviel jedenfalls sollten Lehrer und Dozenten feststellen können.
Schließlich geht es ja nur um das Verständnis bereits vorhandenen Wissens. Oder äußert sich hier nur die Furcht, das die sündhaft teuren Lehrbücher so manchen Professors oder Dozenten ihren Markt verlieren ,weil in Wikipedia schon die wichtigsten Ergebnisse des für und Widers bereits meistens viel klarer dargestellt sind?

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16. August 2007 15:56

Bis zu 90% der Nachweise aus Wikipedia!

Andreas Karg (AndreasKarg)

Ein altes Problem beim Erlernen des wissenschaftlichen Arbeitens ist in der Praxis eigenen Schreibens die Frage, welche Texte hinzuzuziehen und welche nachzuweisen sind. Geht es um Orte, um Geburts- und Sterbedaten usw. spricht meistens wenig gegen „Brockhaus“, „Meyers“, „Wikipedia“ & Co. Doch läßt sich aus letztlich oft banalen Angaben wie den vorgenannten nur selten Weiterführendes erzeugen. Hing der Autor, mit dessen Werk ich mich befasse, der einen oder anderen geistigen Bewegung an? Mit wem hatte er Fühlung, „stofflos“ oder ganz real? Solchen Fragen nachzugehen ohne Quellen und ohne eine Auseinandersetzung mit den einschlägigen Forschungsleistungen des Wissenschaftsbetriebes, der einen ausbildet und zum Abschluß bringt, bezeugt ein recht schwach ausgeprägtes Verständnis vom gesetzten Studienziel. Folglich liegt das gegenwärtige Problem viel tiefer: Der Hinweis, ich müsse „Verlängerungen meiner Allgemeinbildung“ ebenso wenig anführen wie diese selbst, sehr wohl aber die primären Quellen meiner Arbeit sowie alle Schriften, in denen mir Wissenschaftler Wissensstände präsentieren und aus ihrer Sicht aufschlüsseln (inkl. der Art. in wiss. Spezialenzyklopädien), ist sehr berechtigt und wird doch keine Abhilfe schaffen.

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16. August 2007 15:08

Internet-Enzyklopädien

Alexander Kriegel (alejandrobatlleuy)

sind so genauso sehr oder wenig wissenschaftliche
Quellen wie der Brockhaus oder die Tageszeitung.

Letztere enthalten auch veraltete oder falsche
Informationen, mit dem Unterschied, dass sich
die Leser nicht dagegen wehren können.

Bei Wikipedia wird aber jedes Wort auf die Goldwaage
gelegt und plötzlich wissenschaftliche Präzision und
Aktualität verlangt. Noch mal ganz langsam zu mit-
denken: Zweck eines Lexikons ist es, sich schnell
einen ersten Überblick eines Themas zu verschaffen.
Es ersetzt weder Lehrbücher noch eigene Recherche.
Oder wird jemand z.B. Chemiker, weil er den Eintrag
"Chemie" im Brockhaus auswendig kennt ?

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16. August 2007 14:46

Die Bildung eines Bond-Girls

Thomas Frieling (TFrieling)

In Dr. No, dem ersten James-Bond-Film, gibt es eine Szene, in der Ursula Andress sagt, sie sei durchaus gebildet. Das Wissen stamme aus einem Konversationslexikon, und sie sei jetzt schon bei "p".

Das war in dern 60ern noch ganz klar ein Lacher. Wer heute sagt, sein Wissen stamme aus Wikipedia, hat eine Chance, ernstgenommen zu werden.

Nichts gegen ein gutes Lexikon, auch nicht gegen eines im Netz. Aber dazu wurde schon genügend geschrieben. Ich verweise auf meinen früheren Artikel und z.B. den von Patrick Seidler (Nicht Wikipedia ist das Problem).

TF

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16. August 2007 13:46

Denken, Drücken, Sprechen

Michael Reinhold (Jhereg)

Der Vorteil an Wikipedia ist doch das viele daran Arbeiten können und das dadurch Fehler/Auslassungen und Interpretationen gefunden und behoben werden können.
In einer Zeitung und deren Artikel geht das nicht, da kann der Autor schreiben was er will und seine Meinung evtl. nicht für wahr aber für wichtig verkaufen obwohl sie das noch nicht mal sein muss.
Die Demokratie in Wikipedia ist gefahr für alle die Wissen verkaufen wollen, ihr eigenes Wissen und ihre eigene Meinung, es ist somit nur verständlich wenn der Autor und die Zeitung zum gegenangriff bläst.
Nun erklären sie mir mal den Unterschied zu ihrem Artikel und zu Was geschah am...?
Ihr Artikel enthält keine Information, nur Meinungen, das Was geschah am... enthält Informationen, mal nützliche mal weniger nützliche, wobei dies abhängig ist vom Betrachter.
Als Journalist sind sie verpflichtet vor der veröfentlichung eines Artikels gründlich zu recherchieren was sie wohl zweifelsfrei nicht getan haben. Es gibt genug vergleiche zwischen Wikipedia und kommerziele Nachschlagewerke, bei denen Wikipedia mal besser mal schlechter aber immer aktueller abgeschnitten hat.

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16. August 2007 13:00

Fetischisierung des Einzelfaktums

TOBIAS RÜGER (t.ruger)

Wer hat denn überhaupt jemals behauptet, Nachschlagen in einem Lexikon verschaffe umfassendes Wissens? Ich denke, das kann und will keine Enzyklopädie leisten. Die Fetischisierung des Einzelfaktums ist, wenn man so will, ein grundsätzliches Problem aller Enzyklopädien. Da macht der - ebenfalls im Internet abrufbare - Brockhaus auch kein anderes Bild. Und auch dort sind die Einzelautoren dem Nutzer zunächst verborgen.
In jedem Fall überweigen die Vorteile von Wikipedia dessen Nachteile: Unmengen von bildungsfernen Menschen können nun, ohne mit Hemmschwellen zu hadern, Zugriff auf Grundwissen tätigen.
Der Vorwurf Wikipedia liefere auch weltanschaulich gefiltertes Wissen trifft im übrigen auch auf Tageszeitungen, Fernsehesendungen und nicht zuletzt andere Lexika zu.

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16. August 2007 11:50

nuetzlichoderunnuetz

christoph weichberger (kikolo)

die entwurzelung der bisherigen zu bezahlenden wissensbesitzern
scheint basis des unmuts --der klage--des jammerns zu sein
hilfreich ist es in keinem anzunehmenden fall---und auch nicht unbedingt logisch
da hilft dann nur noch geheimwissen wie von verschiedenen verlagen
in USA fuer sehr viel geld angeboten -
vermutlich unnuetz fuer die menschheit aber nuetzlich fuer besitzanhaeufer
ein zu vernachlaessigendes problem
das beispiel mit der weltscheibe trifft nicht
denn die feststellung der scheibe war keinesfalls demokratisch
sondern alles andere

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16. August 2007 11:47

Zur Kritik an der unbezahlten Arbeit anderer

Michael König (mk_bln)

Ich erinnere nochmal daran, daß wir Wikipedianer dieses Werk freiwillig und ohne Bezahlung erstellen, für Euch :-)

Wer aber mit diesem "Geschenk an die Gesellschaft" unzufrieden ist, der darf gerne weiterhin auf eines der kostenpflichtigen Angebote zurückgreifen, etwa den Brockhaus (7,95 €/Monat). Dort wird er allerdings zu vielen Themen statt informativer, ausführlicher Artikel nur einen Zweizeiler finden, wenn überhaupt.

Andere Alternative für Kritiker: Bei Wikipedia anmelden und es besser machen!

Zur "Demokratisierung der Wahrheitsfindung": Wer bei Wikipedia seine Privattheorien als gesichertes Wissen verkauft, wird sehr schnell auf Widerstand stoßen. Auch bei umstrittenen oder konkurrierenden Modellen wird am Ende ein Artikel stehen, der diese konkurrierenden Theorien als solche darstellt. Ein gutbezahlter Professor (ein sog. Experte) dagegen, den an seinem Lehrstuhl niemand kritisieren darf, kann jeden noch so großen Unsinn publizieren (und ist auch noch zitierfähig), und niemand wird ihm widersprechen.

Entscheidet selbst, was besser ist.

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16. August 2007 11:29

Werbung geht auch!

Jürgen Villmer (Villmer)

"Zumal manche Mitarbeiter von Wikipedia ihre Plattform offen zu politischen Zwecken nutzen und dem Anspruch der akademisch anerkannten Wissenschaft widersprechen."

Das ist wohl so und lässt sich auch kaum vermeiden, außer durch die Nutzer und Autoren selbst. Es schärft aber auch die Aufmerkamkeit und die Kritikfähigkeit der Nutzer. Und Artikel der FAZ sind auch nicht immer "einwandfrei".

Hier ein weiteres Beispiel, etwa für kostenlose Werbung in Wikipedia:
CAPGEMINI, der Artikel liest sich wie das Unternehmensprofil in einer Werbebroschüre.

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16. August 2007 10:59

Wikipedia in der kritik

Peter Windhöfel (peter2509)

Hat der Autor dieses sehr einseitigen Artikels eigentlich mal die Mühe auf sich genommen, die Idee, welche hinter Wikipedia steht, zu recherchieren?
Soll ich mir, wenn ich etwas wissen will, erst nach einem Bücherladen- Marathon ein ganzes (und oft auch teures) Buch zulegen, obwohl ich nur ein Kapitel davon brauche? Wikipedia vermittelt Ansatzpunkte von Wissen, bringt umfangreiche Themen auf einen punkt und verweist auf die entsprechenden Quellen. Eine Qualitätssicherung gibt es über die Foren der Wiki, auf Lückenhaftigkeit oder fehlende Quellenwird am Anfang der betroffenen Artikel hingewiesen etc.
Als kleines Bonbon: Ich empfehle die Seite über die FAZ in der deutschen Wiki. Da kann sich der Autor dieses unfairen Artikels selbst ein Bild von der Richtigkeit machen. Sofern er es schafft, über den Horizont seines Schreibtisches zu blicken. Wohl bekomms.

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