Davos, Palace Hotel, im Krieg: Gräfin Margit von Batthyány, ihr Ehemann Ivan und Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza

Massaker von Rechnitz

Die Gastgeberin der Hölle

Fast zweihundert Juden wurden in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945, kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee, im österreichischen Rechnitz erschossen. Die Täter waren Gäste eines Festes, das die Gräfin Margit Batthyány auf ihrem Schloss ausrichtete. Darüber wurde bis heute nicht gesprochen. Von David R. L. Litchfield.

Lesermeinungen zum Beitrag

31. Oktober 2007 14:47

Österreich im Widerstand

Marc Müller (Krzyzak)

Wie schrieb schon Erich Kästner sinngemäß in Notabene45?
Über Nacht, formierte sich der österreichische Widerstand. Einen Tag vor dem Einmarsch der Amerikaner.
So tapfere Widerstandskämpfer waren die Österreicher.

Sie sind aber schlau. Sie haben es geschafft aus Hitler einen Deutschen und aus Beethoven einen einen Österreicher zu machen.

Wirklich schlau...

Marc Müller

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31. Oktober 2007 13:14

Massaker Vorwurf Rechnitz, Reden ist Silber, Schweigen ist Österreich

Sascha-Boris Schlender (Stadtresidenz)

Schweigen ist die zweite Währung Österreichs. In der K&K geprägten Ostmark seinerzeit ebenso wie heute in der Bundesrepublik Österreich.
Man trinkt schweigend seinen Kaffee, liest schweigend die Zeitung, lustwandelt schweigend über den Prater, grüßt sich schweigend, wenn man nicht einem Sissi-gedopten Touristen ein "Küss-Die-Hand" entgegenfeuern muss und man begräbt unter Schweigen Tote, die es nicht geben darf und lässt letztere somit zu Untoten auferstehen.
Schweigen ist in Österreich Tradition. Eine Art Trinkgeld für jeden Heruig-Bruder und auch ein Sold-Tribut für das saubere Fortbestehen einer auf Unschuld-Proletarismus aufgebauten Verfassung. Dabei ist Österreich mittragend. Mittragend an der Schuld der Unschuld. Unschuldig ist niemand. Die Unschuld ist die Mutter der Schuld und macht wahrhaftige Schuld erst möglich. Unschuldig ist nur der, welcher auf dem Grundsatz einer Schuldanerkennung die Unschuld anderer beweisen kann. Sei es zur Täterzeit des Tausendjährigen oder in der Dynastie der Büßer der abzusitzenden restlichen 920 Jahre.Es wurde zuviel geschwiegen. Bis heute. Und es schweigen auch heute wieder immer mehr. Die Unschuld mag die Mutter der Schuld sein. Schweigen jedoch ist der Bruder der Schuld. Und in diesem Sinne: Heil Kräuter, Rechnitz! Vielleicht hilfts.

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23. Oktober 2007 22:13

FAZ auf Rückzug ??

Robert Hamacher (harohama)

Wie konnte sich eigentlich solch ein in sich unwissenschaftlich strukturierter Text auf die 1. Seite des FAZ Feuilletons verirren ? Seltsam erschien mir bereits bei der Lektüre Tonfall und "Beweisführung" Litchfields. Litchfield ist bislang nicht als Historiker in irgendeiner Form hervorgetreten. Da scheint man bei der FAZ die Sorgfaltspflicht verletzt und keine "Qualitätssicherung" betrieben zu haben. Davon unberührt bleibt die Aufarbeitung des Verbrechens von Rechnitz, das beileibe kein Einzelfall gewesen ist. Diese wird seit über einem Jahrzehnt intensiv lokal und regional betrieben bis hin zu "archäologischen" Recherchen in der jüngsten Vergangenheit. Auf kaum belegbare Schmonzetten a la Litchfield, die dem Kapitalverbrechen noch zusätzliche spektakuläre sadistische Party-Akzente im Adelsmilieu bekannter Namen verleihen, kann man verzichten.

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20. Oktober 2007 15:44

@ Herr Festge

Francesco Ghislieri (Franjo23)

Sehr geehrter Herr Festge,
sie schreiben in Ihrem Kommentar u. a. folgendes:
"Ich halte diese wirklich grausame Geschichte von Litchfield für ein "Ammenmärchen". Er hat doch überhaupt keine Beweise für seine Behauptungen.- Die Vorstellung, die Gräfin B. - wie von L. insinuiert- sei eine geile SS-Hure gewesen, die sich als Höhepunkt ihrer Party die Ermordung von 200 jüdischen halbverhungerten Zwangsabeitern einfallen ließ um anschließend wieder zu Tanz und Champagner überzugehen ist absurd."

Also dass die Frau Gräfin B. in dem Artikel von Litchfield als "geile SS-Hure" dargestellt wird, die sich eigenhändig die Erschießung der Juden als Unterhaltungsprogramm ausdenkt, ist doch überhaupt nicht der Fall. Es geht vielmehr darum, dass dieses Verbrechen mit Wissen und unter Duldung der Gräfin sich vollzog, die anscheinend nichts Kriminelles darin sah oder zumindest nichts dagegen unternommen hat.

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19. Oktober 2007 23:29

Das unermessliche Leiden des einzelnen Opfers

Werner Eckl (WernerEckl)

Diesem Leiden wird in keinster Weise Rechnung getragen, wenn das Leiden als Ammenmärchen und billige Propaganda dargestellt wird, wenn beklagt wird, deutsche Identität beziehe sich ausschließlich aus dem Holocaust, wenn schlicht und ergreifend verleugnet oder Geschichte verdreht wird.
Wie jede Zeit, hatte auch das Dritte Reich seine ganz eigenwillige Sittengeschichte. Das Konzept "Orgie und Mord" hat in Rechnitz seinen zeitlichen Endpunkt gefunden. Das Ausmaß der Tragödie macht richtigerweise immer wieder betroffen, erst recht aber muss die Straffreiheit betroffen machen, mehr noch: das Weiterwabern in der VIP-Lounge jener Gesellschaft, die den Bruch mit der Nazi-zeit propagiert hatte.
Wenn heute das BKA - wie in einem anderen Artikel der FAZ geschehen - beginnt, die dunklen Seiten seiner jüngsten Vergangenheit zu beleuchten, bedeutet das, dass der endgültige Generationswechsel den Weg freimacht für diese möglicherweise letzte Auseinadersetzung mit dem finstersten Kapitel deutscher Geschichte.

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19. Oktober 2007 21:18

Tobias Rüger...

Wolfgang Rackebrandt (Bonzoschmidtchen)

...irrt in zwei Punkten (die zugegebenermaßen wenig mit dem eigentlichen Thema des Artikels zu tun haben) und wirft damit dem Autor zu Unrecht Ungenauigkeit vor:

Es gab in der Monarchie keine gemeinsame österreichisch-ungarische Staatsbürgerschaft, sondern nur eine österreichische (für die Angehörigen der im Reichsrate vertretenen Konigreiche und Länder) und eben eine ungarische (für die Angehörigen der Länder der heiligen ungarischen Stephanskrone).

Außerdem existierte 1907 sehr wohl eine österreichisch-ungarische Grenze. Auch wenn ihr Überschreiten im Alltag vielleicht kaum bemerkbar gewesen sein dürfte, war sie doch eine staatsrechtliche Realität, denn sie bildete immerhin die Trennlinie zwischen den beiden Reichshälften, zwei - abgesehen vom gemeinsamen Monarchen und einer Reihe vertraglich festgelegter "gemeinsamer Angelegenheiten" - verwaltungstechnisch und gesetzgeberisch separaten Teilstaaten.

Dass Rechnitz/Rohonc 1911 nicht im Burgenland lag, ist allerdings vollkommen richtig.

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19. Oktober 2007 17:13

Prozesse bereits 1948

Werner Eckl (WernerEckl)

Es ist schon erschreckend, dass Greueltaten des NS-Regimes immer noch als "Ammenmärchen" abgetan werden können.
Dass faz, The Independent und Corriere della Sera nahezu gleichzeitig über das Massaker in Rechnitz berichten, ist zwar allein nicht der Beweis, dass die beschriebenen Vorfälle den Tatsachen entsprechen - die Fakten sind jedoch allein in dem 1948 stattgefundenen Prozess nachzulesen...
Interessant in diesem Zusammenhang: Der Ortsgruppenleiter Franz Podezin konnte sich rechtzeitig absetzen und wurde ab 1963 in Südafrika vermutet. Gräfin Margit Batthyány dagegen konnte sich bereits in den fünfziger Jahren am Gestüt Erlenhof bei Bad Homburg standesgemäß der Pferdezucht widmen.

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19. Oktober 2007 13:51

das unermessliche Leiden des einzelenen Opfers...

Achim Hofmann (achim.hofmann)

Herr Litchfield, ich danke Ihnen, dass Sie diese schrecklichen Ereignisse in's Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit holen.
Was mich befremdet ist, dass sich hier anstelle von Entsetzen, Mitgefühl und Trauer ein kleinkarierter Pseudohistorikerstreit entfaltet. Das Denken an die Menschen, die in dieser schrecklichen Nacht auf so grauenvolle Weise ihr Leben gelassen haben, kommt zu kurz. Lassen Sie uns an jedes einzelne Opfer, an seine Gefühle und sein Sterben in dieser ausweglosen, schrecklichen Lage denken.

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19. Oktober 2007 10:45

Gemeinsamkeiten II

Alexander vom Hofe (munatak)

Heinrich Prinz zu Schaumburg Lippe schrieb am 8.5.1945 in sein Tagebuch: "Aber am Schluss muss und wird die Wahrheit siegen.- Sie hat schon gesiegt!- Eben war Kaptain XXX bei mir und erzählte, dass man in Steinbergen sechsunddreissig frisch verscharrte Leichen gefunden hat. Erschossen und vorher die Fingerkuppen abgeklemmt auch ein 12 jähriges Kind und 1 Engländer darunter. Es handelt sich um Arbeiter in W`s Steinbruch an der Arensburg. Ausländer. Es fehlte nicht viel und W. wäre auch verhaftet, da niemadn für dies furchtbare Verbrechen verantwortlich sein will. Seine Stellung scheint mir stark erschüttert."

Aus meiner Sicht handelt es sich bei den Tötungen in letzter Minute um die Beseitigung von Belastungszeugen, nicht um Partyspass.

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19. Oktober 2007 00:17

Aus der Homepage der Gemeinde Rechnitz/Burgenland

Werner Eckl (WernerEckl)

KREUZSTADEL
Am südlichen Ortsrand von Rechnitz liegt der wegen seines kreuzförmigen Grundrisses so genannte Kreuzstadel. Hier fand in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 ein Ereignis statt, das dem Ansehen unserer Gemeinde unermesslichen Schaden zufügte: Es war dies die Ermordung von ca. 180 ungarischen Juden. Die Erschießung erfolgte durch den örtlichen Gestapoführer Franz Podezin und einigen Helfern.
Trotz oftmaliger Suchgrabungen konnten die Gräber der Opfer bis heute nicht gefunden werden. 1993 wurde der Kreuzstadel von der Österreichisch – Israelischen Kultusgemeinde angekauft, um der Nachwelt als mahnendes Denkmal erhalten zu bleiben. Zum 50. Jahrestag des Kreuzstadelmordes fand 1995 hier eine Gedenkfeier statt und im Anschluss daran wurde im Park vor der Zentralschule ein Gedenkstein für die Opfer des NS Regimes enthüllt.
SCHLOSSPARK
Wirklich ein Ort zum Erholen ist der schöne große Park im Zentrum von Rechnitz, der ehemalige Schlosspark. Zum Teil seltene alte Baumriesen, Kastanienalleen, gepflegter Rasen und ein Springbrunnen in der Mitte laden zum Verweilen ein...

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18. Oktober 2007 23:28

Die Gastgeberin der Hölle

Karsten-Hinrich Festge (Festge)

Ich halte diese wirklich grausame Geschichte von Litchfield für ein "Ammenmärchen". Er hat doch überhaupt keine Beweise für seine Behauptungen.- Die Vorstellung, die Gräfin B. - wie von L. insinuiert- sei eine geile SS-Hure gewesen, die sich als Höhepunkt ihrer Party die Ermordung von 200 jüdischen halbverhungerten Zwangsabeitern einfallen ließ um anschließend wieder zu Tanz und Champagner überzugehen ist absurd. Das klingt wie "Tanz auf dem Vulkan".- Der "Vulkan" war die ROTE ARMEE, die nach dem Bericht 10 km vor dem "Tatort" stand. -Im zarten Knabenalter von 8 habe ich diese Armee 30 km vor Prag erlebt, mit voller Feuerkraft. Das war sehr beeindruckend! Ich habe keinen Zweifel, daß die Sowjets diese Feuerkraft vor dem "Tatort" auch eingesetzt haben mit dem Erfolg, daß alle flugs das Weite suchten, ohne jemanden zu erschießen und ganz ohne jedes Allotria. -Die ganze Geschichte dürfte eine derbe Propagandalüge eines kleinen sowjetisch-jüdischen Politruks gewesen sein, der sich wichtig machen wollte. - Dafür spricht, daß die SU diesen "Fall" nie mehr aufgegriffen hat.

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18. Oktober 2007 23:26

Oskar Maria Graf

Werner Eckl (WernerEckl)

meinte nicht zu unrecht, dass das Deutschland des Wiederaufbaus noch immer nach seiner Vergangenheit roch. Brecht fand dafür das Bild vom noch fruchtbaren Schoß.
Herr Generalmajor Gehlen, Chef der Abteilung "Fremde Heere Ost" (12. Abteilung des Generalstabs) von 1942 bis 1945, durfte nach langem Zögern der Amerikaner mit der Organisation Gehlen den Grundstein für den Pullacher BND legen.
Herr Untersturmführer Schleyer, als SS-Mitglied erst Reichsstudentenführer und anschließend Leiter des Präsidialbüros im Zentralverband der Industrie, war ab 1973 Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), amtierte ab 1977 zusätzlich als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und war nebenher stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Pegulan-Werke AG seines Bruders im Geiste, Fritz Ries. Zur Kenntnisnahme: Ries hatte in den Oberschlesischen Gummiwerken in Trzebinia (Westgalizien) Tausende von jüdischen Zwangsarbeitern beschäftigt und in Lodz einen arisierten Großbetrieb mit 12 Walzwerken übernommen.
Eine Diskussion um die eigenartigen Karrieren einiger höchst fragwürdiger Persönlichkeiten wird dazu beitragen, einen endgültigen Punkt unter diesen unseligen Teil der Geschichte zu setzen.

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18. Oktober 2007 18:49

Bravo

David Ben-Hame (hiram7)

http://hiram7.wordpress.com/2007/10/18/die-thyssens-die-vornehmen-verwandten-des-hauses-habsburg-und-die-zur-unterhaltung-der-gaste-auf-schlos-rechnitz-grausam-ermordeten-200-juden

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18. Oktober 2007 17:49

Gemeinsamkeiten

Alexander vom Hofe (munatak)

Es fällt auf, dass drei jüngere Studien, die sich mit Hochadel und "Drittes Reich" befassen, drei Gemeinsamkeiten aufweisen:

1. Die Widerstandslegende des Hochadels wird in Frage gestellt

2. Die Studien werden in der FAZ besprochen

3. Die Studien erscheinen im Ausland

Sie handeln von Vier Prinzen von Hessen, vier Prinzen zu Schaumburg Lippe und die Familie Thyssen.

Möge es bald weitere Studien geben (die in Deutschland herausgegeben werden).

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18. Oktober 2007 17:38

@ Sam Tyler: Nicht die Nazi-Zeit...

Joachim Mense (JMense)

...sondern die Nachkriegszeit, sehr geehrter Herr Tyler, wurde von mir benannt - und die Tatsache, dass mit umfassenden Amnestien für viele, viele unmittelbar beteiligten Täter (Ärzte, Juristen, Logistiker, Ingenieure, Verwaltungsfachleute etc.) das Leben einfach weiter gehen konnte in der neu gegründeten Bundesrepublik. Wie viel davon "umfassend erforscht" wurde und wieviel der allgemeinen Amnesie zum Opfer fiel, können Sie an unzähligen Skandalen ablesen, die sich mal an baden-württembergischen Ministerpräsidenten, mal an Kasernen-Namen und mal an Zwangsarbeiter-Entschädigungen entzündeten. Denn das sind nur die Spitzen des Eisberges und meist auch nur Aufdeckungen, die die wahre Geschichte der Täter erst viel zu spät ans Licht brachten: Häufig posthum und juristisch für die Betroffenen fast immer folgenlos. Der Rest ist Dunkelziffer: sportlicher Korpsgeist, Verdrängung, Karrieredenken und der Reflex, "nur der Hitler und die Bonzen waren schuld" haben eben nicht zur umfassenden Abrechnung mit den Greueltaten geführt.

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18. Oktober 2007 17:26

Entsetzen und Fassungslosigkeit über den Menschen,

Karl-Heinz Andresen (khaproperty)


der mit seinesgleichen auf die beschriebene Weise umgeht, machen sprachlos.

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18. Oktober 2007 16:49

(Noch) mehr Fakten, bitte!

TOBIAS RÜGER (t.ruger)

Die Geschichte ist so unglaublich, als Film-Handlung würde man sie wohl als überzogen und bizarr abtun.
Umso dringlicher wäre es, wenn ein paar Aspekte genauer genannt würden: Unter welchen Umständen wurden die Hauptbelastungszeugen ermordet? Welche weiteren Informationen gibt es hierzu? Und ist es wirklich belegbar, dass der österreichische Staat aktiv an Verschleierung der Tat mitgewirkt hat? Hier wird der Artikel leider etwas karg. Und in diesem Zusammenhang fallen unstimmige Formulierungen in denen es z.B. heißt, 1907 sei die ungarische Staatsbürgerschaft (gemeint ist wohl K.u.K.-Staatsbrügerschaft) erworben worden. Ferner sei ein Schloss an der österreichisch-ungarischen Grenze gekauft worden, die es zu diesem Zeitpunkt bekanntlich nicht gab. Auch gehörte das Burgenland - seinerzeit noch Deutsch-Westungarn genannt nicht zum 'deutschsprachigen' Teil Österreichs, erst 1920 wurde die Grenze so verlegt, dass Rechnitz Grenzstadt zwischen den dann unabhängigen Staaten Österreich und Ungarn wurde.
Kurzum: ich wünschte, der Autor hätte in den entscheidenden Stellen etwas mehr Genauigkeit walten lassen. Wie auch immer, wenn es spät aber dennoch zu einer vollständigen Aufarbeitung des Verbrechens kommt, hat er bedeutendes geleistet.

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18. Oktober 2007 16:29

Vergangenheit und Bewältigung

Gabor von Zoltan (Putinras)

Ich meine auch, dass Deutschland - gerade im Vergleich mit allen anderen Nationen (Russland, China, Türkei, um nur die absurdersten Verdränger zu nennen) sehr weit ist.

Und ich finde es toll, dass man auch weiterhin am Ball bleibt. Die Geschichte ist wirklich ein Hammer, fasst fast schon theatralisch den Wahnsinn zusammen (Schloss, Fest, Ausschweifung oben, Keller, Hunger, Folter unten, der Untergang/die Befreiung nur noch 15km entfernt).

Jenen die sich aufregen, das müsse nun endlich ein Ende haben und jenen, die glauben; man dürfe kaum mal über was anderes reden (und so gerne über aktuellere Gefahren hinwegsehen, die etwas aufwändiger zu bekämpfen wären als der tote Hitler) möchte ich einfach einmal vorschlagen, die Verbrechen an sich und ideologiefrei zu betrachten und sich einfach auf das zu konzentrieren, worum es geht: Um ein reales Verbrechen! Und zwar ein Schweres, das gesühnt und geahndet gehört... Vollkommen unabhängig davon, für welchen "höheren" Zweck die Mörder zu handeln glaubten (so sie dies denn überhaupt taten).

Verbrechen sind Verbrechen. Verbrecher sind Verbrecher. Auf das müsste sich doch jeder zivilisierte Mensch einigen können und dann braucht es auch dieses groteske Aufrechnerei nicht mehr

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18. Oktober 2007 16:14

Widerstandskämpfer

Markus Teuber (arathorn)

war sie ja nun wohl nicht,die Angehörigen der Familie Thyssen!

Am meisten erforscht mag die Geschichte des 3. Reiches ja sein.
Aber offenbar immer noch am wenigsten begriffen.
Nicht umsonst glauben nach einer jüngsten Studie nicht wenige der Deutschen (und meinen es -was noch viel schlimmer ist-auch noch ernst),daß am Dritten Reich auch so manches gut war.

Das Dritte Reich war auch nicht bloß Ausfluß einer kleinen ,"wild gewordenen" Soldateska,sondern hier war nahezu jeder vertrickt und nahezu jeder nahm auf seine -manchmal große,manchmal kleine Weise- Teil an diesem Wirklichkeit gewordenen Abbild der Hölle.

Übrigens hörte es auch nie auf,die Opfer zu den eigentlich Schuldigen,zu den "Tätern" ,die die "Mörder" erst zu ihren Handlungen "herausgefordert hätten", zu erklären.
Wie sonst könnte man Lichtfields Forschung als "Verschwörungsgebilde" abtun ?

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18. Oktober 2007 15:29

Kompliment an David R.L. Litchfield

Werner Eckl (WernerEckl)

Mr. Sam Tyler versucht die einzelnen Beiträge in Frage zu stellen. Abgesehen davon, dass "der Schoß ist fruchtbar noch" ein Zitat ist, kann heute vielleicht eine tatsächliche Auseinandersetzung darüber stattfinden, wie der Wiederaufbau eben auch stattgefunden hat. Mit Justizschergen, die bereits in der Nazizeit als solche tätig gewesen waren, mit Typen wie Gehlen... Dass auch Herr Schleyer alles andere als eine illustre Vergangenheit hatte, gehört hier ebenso dazu. Das Drama des deutschen herbstes 1977 ist da eine ganz andere Sache...

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18. Oktober 2007 15:24

Danse horrible

Karlheinz Kluge (DrKarlheinz)

Vielen Dank für diese sachliche Beweisaufnahme von David Litchfield. Es kann gar nicht genug darüber informiert werden, wie gewisse Personen unter bestimmten politischen Umständen zu Mördern wurden. (Vielleicht wären sie es auch in Friedenszeiten und in einem anderen System geworden??)

Wichtig an solchen Berichten ist m.M. nach immer die namentliche Nennung der Schuldigen. Und hierin erfüllt Litchfield seine Pflicht in vollem Umfang.

Was mich an so mancher anderen geschichtlichen Aufarbeitung stört ist die Verallgemeinerung von Schuld und Verbrechen. Ein Volk kann nicht böse oder gut sein. Der Einzelne muss zur Verantwortung gezogen werden.
Und wenn das System gewissen Verbrechern Straffreiheit erlaubt, so ist jene Führungsschicht schuldig, die dazu notwendige Randbedingungen geschaffen hatte. NICHT DAS VOLK.

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18. Oktober 2007 15:05

Erschütternd ...

Stefan Kröger (coach_pilot)

... es verschlägt mir glatt die Sprache. Wie kann man nur so tief sinken.

Meine Anerkennung für die Leistung des Autor. Meine Mißachtung gilt den Verbrechern und den Verschleierern .

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18. Oktober 2007 14:37

Dance with Lichfield

Martin Streit (Streit100)

Man braucht nur den Verriss im Telegraph zu lesen, um zu wissen, was von dem Machwerk des Mr. Lichfield zu halten ist.

Hier wird versucht mittels innuendo für die Taten einer wildgewordenen Soldateska die Familie Thyssen in ungeprüfte Mitschuld zu nehmen. Kein deutscher Verlag kann sich leichtfertig die Kosten fuer die anhängigen Unterlassungs- und Verleumdungsklagen leisten.

Der Redaktion dieser sonst seriösen Zeitung kann man ein Kopfschütteln nicht ersparen.

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18. Oktober 2007 13:41

Danse horrible

Heiko Steinmann (rolzer)

Im Gegensatz zu Peter Boettcher bin ich der Meinung, dass Deutschland sehr weit ist mit der Aufarbeitung der Zeit 1933-45. Berichte wie von Herrn Litchfield sind wichtiges Zeugnis und fuehren uns die Schrecken wieder vor Augen. Was wichtig ist, ist schon bei Kindern Vorurteile gegenueber anderen Religionen, Voelkern abzubauen. Weshalb findet nicht endlich Toleranz, Grundkenntnisse ueber das Judentum oder den Islam Eingang in die Schulerziehung?

Natuerlich auch von mir ein 'Shalom' oder 'Guten Tag/ Ich gruesse Sie' an Herrn Litchfield.

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18. Oktober 2007 13:39

Gastgeberin der Hölle

Werner Kapp (alkn6)

Vielen Dank für diesen Artikel!
Nicht aufhören, den Finger immer wieder in diese Wunden zu legen: der Schoß ist fruchtbar noch.

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18. Oktober 2007 13:34

unfaßlich

Matthias Hühn (matthiashuehn)

daß der nationale Sozialismus normale Menschen durch Massenzwänge und Bürokratisierung (und somit Entwirklichung) zu grausamen Mördern machte, ist mir bekannt gewesen. Daß aber aufgeklärte Deutsche als Teil der abendlichen Unterhaltung Menschen morden, ist ein Facette des Deutschtums, die ich erschütternd finde. Sie ist nicht mit Thomas Manns Faustischen Pakt zu erklären, den die Deutschen geschlossen haben, um den "Durchbruch" zu schaffen, da hier Ethik komplett gegen Ästhetik (die des Unmenschlichseins) getauscht wird.

Ich hoffe, die Familie Thyssen nimmt sich diese Teils der Familiengeschichte an, da sie durch die Publikation zu deutscher Geschichte geworden ist. Eine ehrliche Aufarbeitung durch Unterstützung der Publikation und der Förderung weiterer Forschung könnte die Familienehre wiederherstellen helfe.

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18. Oktober 2007 13:29

Amnesie

Joachim Mense (JMense)

Vielen Dank Herr Litchfield für so viel exzellente Recherche, so viel Langen Atem und so vielen echten Informationen! Ich gebe meinem Vorredner recht: Statt sich über Vokabeln und Formulierungen zu streiten, sollte man im Deutschland des angehenden 21. Jahrhunderts endlich mal beginnen, die Tendenz zur allgemeinen Amnesie aufzugeben. Denn dass Nazis aus der zweiten Reihe (die jedoch deshalb nicht minder schreckliches Unheil über die Menschen gebracht haben, manchmal "nur" mit Befehlen, manchmal sogar mit eigener Hand) zu Tausenden ohne Karriereknick sich in die bundesrepublikanischen Gesellschaftsbelange eingeschlichen haben und vielfach späterhin für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurden, ist kein Geheimnis.
Insofern prima, dass die FAZ die Widerwärtigkeiten eines Teils der Thyssen-Familien darstellen mochte. Danke.

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18. Oktober 2007 13:10

@Peter Böttcher

Steffen Pawelczack (Pawelczack)

Finden Sie nicht, daß Ihre Verschwörungstheorien ein bißchen weit gehen, Herr Böttcher? Sie unterstellen man würde diese Geschichte totschweigen wollen, wärend Sie sie selbst gerade in der Onlineausgabe der größten deutschen Tageszeitung gelesen haben. Mehr Aufmerksamkeit ist ja wohl kaum möglich.

Aber in gewisser Weise muß ich ihnen doch Recht geben, denn auch ich glaube, daß sich wenig Menschen hierfür interessieren werden. Nich weil es unbedeutend ist, oder gar entschuldbar, sondern weil sich diese Ereignisse nahtlos in in die Riege all dieser bestialischen Verbrechen einreihen, die unter den Nationalsozialisten begangen wurden. Kein Schrecken über den noch nicht ausführlich geschrieben wurde. Nochmals, ich will damit nicht sagen das dies Morde weniger bestürzent macht. Ich will damit sagen, das man sich in Deutschland über die Jahre an diese Bestürzung gewöhnt hat.

SPa

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18. Oktober 2007 13:10

Tiefe Dankbarkeit

benjamin maier (schulbrezel)

Vielen Dank für diesen Artikel, er hat mich erschüttert und tief bewegt.
Es will einfach niemand gewesen sein und ich kann es nicht fassen, dass es Menschen um mich gibt, die z.B. folgendes gesagt haben: "Es stimmt doch, die Juden sind an allem schuld, die mag keiner." Schon öfter habe ich "Jude" als Schimpfwort gehört und ich kann es einfach nicht fassen.
Wenn diesen Menschen die Familie genommen, jeglichen Besitz und jegliches Recht, die Eltern erschossen und die Großeltern vergast - ich möchte diese dann sehen wie sie sowas noch sagen.
Ich frage mich so oft, warum konnte so etwas passieren? Und keiner kann mir erzählen, dass nur Hitler und "seine Freunde" alles verbrochen haben - wie beschissen naiv und verlogen.

Für diesen Artikel bin ich ihnen sehr dankbar!

In der Hoffnung, dass sich ein Verlag dazu bekennt,
mit freundlichen Grüßen

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18. Oktober 2007 12:24

Shalom Mr. Litchfield

Peter Böttcher (Joffy)

Ein mutiger Bericht!

So etwas in unserem Land anzukratzen ist nicht ohne Gefahr.
Man zeigt lieber den guten Deutschen, der Juden half.
Über blöde Ausdrücke regt man sich künstlich auf. (Autobahnen etc.).
Aber die wirklichen Täter hat man nie verfolgt.
Allein der Aufbau der deutschen Justiz durch ehemalige Nazi-Juristen ist schon mehr als ein Skandal.

Mutig Mr. David R. Litchfield!!

Nach meinen Erfahrungen werden Sie allerdings nie einen deutschen Verlag finden, der diese Geschichte unserer Geschichte bringen wird.


Peter Böttcher

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