Wie schrieb schon Erich Kästner sinngemäß in Notabene45?
Über Nacht, formierte sich der österreichische Widerstand. Einen Tag vor dem Einmarsch der Amerikaner.
So tapfere Widerstandskämpfer waren die Österreicher.
Sie sind aber schlau. Sie haben es geschafft aus Hitler einen Deutschen und aus Beethoven einen einen Österreicher zu machen.
Wirklich schlau...
Marc Müller
Schweigen ist die zweite Währung Österreichs. In der K&K geprägten Ostmark seinerzeit ebenso wie heute in der Bundesrepublik Österreich.
Man trinkt schweigend seinen Kaffee, liest schweigend die Zeitung, lustwandelt schweigend über den Prater, grüßt sich schweigend, wenn man nicht einem Sissi-gedopten Touristen ein "Küss-Die-Hand" entgegenfeuern muss und man begräbt unter Schweigen Tote, die es nicht geben darf und lässt letztere somit zu Untoten auferstehen.
Schweigen ist in Österreich Tradition. Eine Art Trinkgeld für jeden Heruig-Bruder und auch ein Sold-Tribut für das saubere Fortbestehen einer auf Unschuld-Proletarismus aufgebauten Verfassung. Dabei ist Österreich mittragend. Mittragend an der Schuld der Unschuld. Unschuldig ist niemand. Die Unschuld ist die Mutter der Schuld und macht wahrhaftige Schuld erst möglich. Unschuldig ist nur der, welcher auf dem Grundsatz einer Schuldanerkennung die Unschuld anderer beweisen kann. Sei es zur Täterzeit des Tausendjährigen oder in der Dynastie der Büßer der abzusitzenden restlichen 920 Jahre.Es wurde zuviel geschwiegen. Bis heute. Und es schweigen auch heute wieder immer mehr. Die Unschuld mag die Mutter der Schuld sein. Schweigen jedoch ist der Bruder der Schuld. Und in diesem Sinne: Heil Kräuter, Rechnitz! Vielleicht hilfts.
Wie konnte sich eigentlich solch ein in sich unwissenschaftlich strukturierter Text auf die 1. Seite des FAZ Feuilletons verirren ? Seltsam erschien mir bereits bei der Lektüre Tonfall und "Beweisführung" Litchfields. Litchfield ist bislang nicht als Historiker in irgendeiner Form hervorgetreten. Da scheint man bei der FAZ die Sorgfaltspflicht verletzt und keine "Qualitätssicherung" betrieben zu haben. Davon unberührt bleibt die Aufarbeitung des Verbrechens von Rechnitz, das beileibe kein Einzelfall gewesen ist. Diese wird seit über einem Jahrzehnt intensiv lokal und regional betrieben bis hin zu "archäologischen" Recherchen in der jüngsten Vergangenheit. Auf kaum belegbare Schmonzetten a la Litchfield, die dem Kapitalverbrechen noch zusätzliche spektakuläre sadistische Party-Akzente im Adelsmilieu bekannter Namen verleihen, kann man verzichten.
Sehr geehrter Herr Festge,
sie schreiben in Ihrem Kommentar u. a. folgendes:
"Ich halte diese wirklich grausame Geschichte von Litchfield für ein "Ammenmärchen". Er hat doch überhaupt keine Beweise für seine Behauptungen.- Die Vorstellung, die Gräfin B. - wie von L. insinuiert- sei eine geile SS-Hure gewesen, die sich als Höhepunkt ihrer Party die Ermordung von 200 jüdischen halbverhungerten Zwangsabeitern einfallen ließ um anschließend wieder zu Tanz und Champagner überzugehen ist absurd."
Also dass die Frau Gräfin B. in dem Artikel von Litchfield als "geile SS-Hure" dargestellt wird, die sich eigenhändig die Erschießung der Juden als Unterhaltungsprogramm ausdenkt, ist doch überhaupt nicht der Fall. Es geht vielmehr darum, dass dieses Verbrechen mit Wissen und unter Duldung der Gräfin sich vollzog, die anscheinend nichts Kriminelles darin sah oder zumindest nichts dagegen unternommen hat.
Diesem Leiden wird in keinster Weise Rechnung getragen, wenn das Leiden als Ammenmärchen und billige Propaganda dargestellt wird, wenn beklagt wird, deutsche Identität beziehe sich ausschließlich aus dem Holocaust, wenn schlicht und ergreifend verleugnet oder Geschichte verdreht wird.
Wie jede Zeit, hatte auch das Dritte Reich seine ganz eigenwillige Sittengeschichte. Das Konzept "Orgie und Mord" hat in Rechnitz seinen zeitlichen Endpunkt gefunden. Das Ausmaß der Tragödie macht richtigerweise immer wieder betroffen, erst recht aber muss die Straffreiheit betroffen machen, mehr noch: das Weiterwabern in der VIP-Lounge jener Gesellschaft, die den Bruch mit der Nazi-zeit propagiert hatte.
Wenn heute das BKA - wie in einem anderen Artikel der FAZ geschehen - beginnt, die dunklen Seiten seiner jüngsten Vergangenheit zu beleuchten, bedeutet das, dass der endgültige Generationswechsel den Weg freimacht für diese möglicherweise letzte Auseinadersetzung mit dem finstersten Kapitel deutscher Geschichte.
...irrt in zwei Punkten (die zugegebenermaßen wenig mit dem eigentlichen Thema des Artikels zu tun haben) und wirft damit dem Autor zu Unrecht Ungenauigkeit vor:
Es gab in der Monarchie keine gemeinsame österreichisch-ungarische Staatsbürgerschaft, sondern nur eine österreichische (für die Angehörigen der im Reichsrate vertretenen Konigreiche und Länder) und eben eine ungarische (für die Angehörigen der Länder der heiligen ungarischen Stephanskrone).
Außerdem existierte 1907 sehr wohl eine österreichisch-ungarische Grenze. Auch wenn ihr Überschreiten im Alltag vielleicht kaum bemerkbar gewesen sein dürfte, war sie doch eine staatsrechtliche Realität, denn sie bildete immerhin die Trennlinie zwischen den beiden Reichshälften, zwei - abgesehen vom gemeinsamen Monarchen und einer Reihe vertraglich festgelegter "gemeinsamer Angelegenheiten" - verwaltungstechnisch und gesetzgeberisch separaten Teilstaaten.
Dass Rechnitz/Rohonc 1911 nicht im Burgenland lag, ist allerdings vollkommen richtig.
Es ist schon erschreckend, dass Greueltaten des NS-Regimes immer noch als "Ammenmärchen" abgetan werden können.
Dass faz, The Independent und Corriere della Sera nahezu gleichzeitig über das Massaker in Rechnitz berichten, ist zwar allein nicht der Beweis, dass die beschriebenen Vorfälle den Tatsachen entsprechen - die Fakten sind jedoch allein in dem 1948 stattgefundenen Prozess nachzulesen...
Interessant in diesem Zusammenhang: Der Ortsgruppenleiter Franz Podezin konnte sich rechtzeitig absetzen und wurde ab 1963 in Südafrika vermutet. Gräfin Margit Batthyány dagegen konnte sich bereits in den fünfziger Jahren am Gestüt Erlenhof bei Bad Homburg standesgemäß der Pferdezucht widmen.
Herr Litchfield, ich danke Ihnen, dass Sie diese schrecklichen Ereignisse in's Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit holen.
Was mich befremdet ist, dass sich hier anstelle von Entsetzen, Mitgefühl und Trauer ein kleinkarierter Pseudohistorikerstreit entfaltet. Das Denken an die Menschen, die in dieser schrecklichen Nacht auf so grauenvolle Weise ihr Leben gelassen haben, kommt zu kurz. Lassen Sie uns an jedes einzelne Opfer, an seine Gefühle und sein Sterben in dieser ausweglosen, schrecklichen Lage denken.
Heinrich Prinz zu Schaumburg Lippe schrieb am 8.5.1945 in sein Tagebuch: "Aber am Schluss muss und wird die Wahrheit siegen.- Sie hat schon gesiegt!- Eben war Kaptain XXX bei mir und erzählte, dass man in Steinbergen sechsunddreissig frisch verscharrte Leichen gefunden hat. Erschossen und vorher die Fingerkuppen abgeklemmt auch ein 12 jähriges Kind und 1 Engländer darunter. Es handelt sich um Arbeiter in W`s Steinbruch an der Arensburg. Ausländer. Es fehlte nicht viel und W. wäre auch verhaftet, da niemadn für dies furchtbare Verbrechen verantwortlich sein will. Seine Stellung scheint mir stark erschüttert."
Aus meiner Sicht handelt es sich bei den Tötungen in letzter Minute um die Beseitigung von Belastungszeugen, nicht um Partyspass.
KREUZSTADEL
Am südlichen Ortsrand von Rechnitz liegt der wegen seines kreuzförmigen Grundrisses so genannte Kreuzstadel. Hier fand in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 ein Ereignis statt, das dem Ansehen unserer Gemeinde unermesslichen Schaden zufügte: Es war dies die Ermordung von ca. 180 ungarischen Juden. Die Erschießung erfolgte durch den örtlichen Gestapoführer Franz Podezin und einigen Helfern.
Trotz oftmaliger Suchgrabungen konnten die Gräber der Opfer bis heute nicht gefunden werden. 1993 wurde der Kreuzstadel von der Österreichisch – Israelischen Kultusgemeinde angekauft, um der Nachwelt als mahnendes Denkmal erhalten zu bleiben. Zum 50. Jahrestag des Kreuzstadelmordes fand 1995 hier eine Gedenkfeier statt und im Anschluss daran wurde im Park vor der Zentralschule ein Gedenkstein für die Opfer des NS Regimes enthüllt.
SCHLOSSPARK
Wirklich ein Ort zum Erholen ist der schöne große Park im Zentrum von Rechnitz, der ehemalige Schlosspark. Zum Teil seltene alte Baumriesen, Kastanienalleen, gepflegter Rasen und ein Springbrunnen in der Mitte laden zum Verweilen ein...
Ich halte diese wirklich grausame Geschichte von Litchfield für ein "Ammenmärchen". Er hat doch überhaupt keine Beweise für seine Behauptungen.- Die Vorstellung, die Gräfin B. - wie von L. insinuiert- sei eine geile SS-Hure gewesen, die sich als Höhepunkt ihrer Party die Ermordung von 200 jüdischen halbverhungerten Zwangsabeitern einfallen ließ um anschließend wieder zu Tanz und Champagner überzugehen ist absurd. Das klingt wie "Tanz auf dem Vulkan".- Der "Vulkan" war die ROTE ARMEE, die nach dem Bericht 10 km vor dem "Tatort" stand. -Im zarten Knabenalter von 8 habe ich diese Armee 30 km vor Prag erlebt, mit voller Feuerkraft. Das war sehr beeindruckend! Ich habe keinen Zweifel, daß die Sowjets diese Feuerkraft vor dem "Tatort" auch eingesetzt haben mit dem Erfolg, daß alle flugs das Weite suchten, ohne jemanden zu erschießen und ganz ohne jedes Allotria. -Die ganze Geschichte dürfte eine derbe Propagandalüge eines kleinen sowjetisch-jüdischen Politruks gewesen sein, der sich wichtig machen wollte. - Dafür spricht, daß die SU diesen "Fall" nie mehr aufgegriffen hat.
meinte nicht zu unrecht, dass das Deutschland des Wiederaufbaus noch immer nach seiner Vergangenheit roch. Brecht fand dafür das Bild vom noch fruchtbaren Schoß.
Herr Generalmajor Gehlen, Chef der Abteilung "Fremde Heere Ost" (12. Abteilung des Generalstabs) von 1942 bis 1945, durfte nach langem Zögern der Amerikaner mit der Organisation Gehlen den Grundstein für den Pullacher BND legen.
Herr Untersturmführer Schleyer, als SS-Mitglied erst Reichsstudentenführer und anschließend Leiter des Präsidialbüros im Zentralverband der Industrie, war ab 1973 Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), amtierte ab 1977 zusätzlich als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und war nebenher stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Pegulan-Werke AG seines Bruders im Geiste, Fritz Ries. Zur Kenntnisnahme: Ries hatte in den Oberschlesischen Gummiwerken in Trzebinia (Westgalizien) Tausende von jüdischen Zwangsarbeitern beschäftigt und in Lodz einen arisierten Großbetrieb mit 12 Walzwerken übernommen.
Eine Diskussion um die eigenartigen Karrieren einiger höchst fragwürdiger Persönlichkeiten wird dazu beitragen, einen endgültigen Punkt unter diesen unseligen Teil der Geschichte zu setzen.
http://hiram7.wordpress.com/2007/10/18/die-thyssens-die-vornehmen-verwandten-des-hauses-habsburg-und-die-zur-unterhaltung-der-gaste-auf-schlos-rechnitz-grausam-ermordeten-200-juden
Es scheint unbestreitbar, dass Margit von Thyssen in das Verbrechen auf Schloss Rechnitz verstrickt war.
Aber die genannten Fakten lassen in Bezug auf ihre Person einige Fragen offen, die eng mit der Frage persönlicher Verantwortung verbunden sind.
Defintiv wurde das Verbechen von Nazigästen auf Ihrem Schloss begangen, unbestreitbar war das auch eine Gesellschaft, die man besser gemieden hätte.
Inwieweit in diesem Stadium der Geschichte und Ereignisse Margit von Thyssen darauf überhaupt Einfluss nehmen konnte oder nicht ist wohl nicht mehr zu klären.
Zurück bleibt ein begründeter, aber letztlich unbewiesener Verdacht hinsichtlich ihrer Person, aber nicht der Tat der Gäste.
Es ist möglich, dass Margit von Thyssen an dem Verbrechen beteiligt war, es könnte auch arrogante Dummheit einer reichen und geltungssüchtigen Erbin
im Spiel sein. Dazu aber fehlt jede Auskunft.
Angenommen meine Familie wäre in so etwas hineingezogen worden, ich könnte nicht mit Sicherheit sagen ob ich Angesichts eines möglichen Erklärungsnotstandes nicht ebenfalls auf Schweigen gesetzt hätte. Das allein also ist kein Beweis.
Was bleibt ist das Entsetzen über die Art des Verbrechens und seiner Umstände, sowie dessen Aufarbeitung.
Es fällt auf, dass drei jüngere Studien, die sich mit Hochadel und "Drittes Reich" befassen, drei Gemeinsamkeiten aufweisen:
1. Die Widerstandslegende des Hochadels wird in Frage gestellt
2. Die Studien werden in der FAZ besprochen
3. Die Studien erscheinen im Ausland
Sie handeln von Vier Prinzen von Hessen, vier Prinzen zu Schaumburg Lippe und die Familie Thyssen.
Möge es bald weitere Studien geben (die in Deutschland herausgegeben werden).