
Als zufälligen Irrtum, als Versehen kann man die Heroisierung der Verbrecher im sogen. Baader-Meinhof-Komplex aber wohl kaum bezeichnen; basiert das Machwerk doch eindeutig auf der hinlänglich bekannten totalitären Realitätsverbrämung von Aust und Konsorten. Die dahinter stehende (Un-)Geisteshaltung ist heute, mehrere Jahrzehnte später, populärer, wenngleich subtil, denn je: Linksmotivierte Gewaltexesse sind immer irgendwie erklärbar, autonom, nachvollziehbar, antifaschistisch, begründbar, gerecht und "gut". Die wirklich bösen, "echten", menschenverachtenden Faschisten dagegen stehen natürlich ideologisch rechts. In der nächsten Konsequenz ist es sogar umkehrbar: Jeder "Rechte" ist "unanständig" (siehe "Aufstand der Anständigen", "Gegen rechts"), letzten Endes: Ein faschistischer Unmensch, um nicht zu sagen: Ein Schwein. Und nun ist doch wohl völlig klar, auf welcher Seite die Terror-Opfer standen und warum dieser unsägliche Film so wunderbar - eigentlich eher vollkommen unangestrengt - in unsere Medien- und Unterhaltungsberieselung passt. Schlafe schön weiter, eingelullte deutsche Gesellschaft!

von den demokratie Gegnern in Europa! Natürlich gibt es überall Schwierigkeiten bei der Einführung der Demokratie. Bis die Demokratie bei uns, der unrefesten Demokratie Europas, fußfasste, vergingen mehr als 2000 Jahre. Und vor wir von Demokratie reden durften, hatten die meisten Länder Europas und Amerikas schon mehr als 100 Jahre Demokratie-Erfahrung. Diese Kräfte, die jede Wahl anfechten und Neuwahlen wollen, bis die nach ihrer Vorstellung ausgehen. Und die meisten dieser Demagogen sitzen in Unserem Land. Thailand wird noch einen langen Weg zur Demokratie gehen müssen. Und es wird nur an das Ziel kommen, wenn die alten Demokratien ihm helfen. Aber da es zuviele antidemokratische Kräfte bei uns gibt, sind wir wohl nicht geeignet.

In welcher Welt leben eigentlich Journalisten? Ohne inhaltlich auf den Artikel eingehen zu wollen, muss ich mich doch fragen, wie man zu solchen Aussagen kommen kann: „Das Buch steht in nahezu jedem deutschen Bücherregal“ und „Ich kenne allerdings, wie jeder erwachsene Deutsche, die Geschichte der Familie (…Ponto)“? Glaubt der Verfasser das wirklich? Ich wage zu behaupten, dass der Großteil der Bevölkerung weder das Buch kennt, noch mit dem Namen Ponto nach 30 Jahren etwas anzufangen wüsste. Oder glauben Sie, die Kassiererin bei LIDL um die Ecke befasst sich mit solchen Fragen? Seriöser Journalismus sollte differenziert betrachten können, nicht aber die eigene kleine Erlebniswelt zum Maß der Dinge erheben, Herr Minkmar.

... Herrn Flückiger nur anschließen: Meine Empathie mit den RAF-Leuten ging ebenfalls gegen Null - trotz Moritz Bleibtreu und den attraktiven Frauen. Ich habe 2 Stunden lang einer faschistisch organisierten Terrorgruppe zugeschaut - mit dem kleinem Diktator Baader, der Ideologin Meinhoff und all den willigen, brutalen Vollstreckern. Ob die sich rot oder braun nennen - das macht doch im Kern keinen Unterschied. Der Kern ist der skrupelose Mord und der abstossende Narzissmus. Und das kam ganz gut rüber, wie ich finde.

Schon bevor der Film in die Kinos kam, habe ich viel Kritik gesehen, gehört und gelesen. Da man dann nie unbeeinflusst ins Kino geht, war ich dementsprechend skeptisch. Man mag den Filmemachern Einiges vorwerfen können - z.B., dass sie den "anderen Weg", den erfolgreichen Weg der Veränderung nicht gezeigt haben, den, der die 68er in die Unis und in die Politik gebracht hat - aber der Vorwurf, dass wir hübsche, nette Schauspieler auf der einen und das Gegenteil auf der anderen Seite sehen, ist zu sehr konstruiert. Es gab nicht einen Moment in diesem Film, der mich mit den RAFlern mitdenken oder gar mitfühlen ließ. Und die Wahrnehmung meiner eigenen Rezeption deckt sich mit der vieler Bekannter und Arbeitskollegen. Vielleicht sollten auch Sie einmal Ihre Rezeptionssituation hinterfragen. Sprechen Sie über den Film oder sein Macher?

Nach mehreren Filmen aus Tätersicht und "Mogadischu" aus der Sicht der Opfer wünsche ich mir eine Dokumentationüber die Beweggründe der RAF und der Hintergründe .- Die 1.Generation hat anscheinend aus Wirrköpfen bestanden, die nicht ernst zu nehmen waren-ideologisch betrachtet! -Die 2.und 3.Generation war anders, konsequenter und härter und mörderischer.- Was wollten die, was wollen sie möglicherweise noch heute ?

Die Produzenten als neutrale Chronisten? Sehen die sich wirklich so, dann ist dies an Dreistigkeit oder auch Einfalt kaum zu überbieten - es fehlt nur noch die "klammheimliche Freude". Bei vielen Beiträgen über die RAF wird tatsächlich oftmals das Gefühl vermittelt, die Opfer habe es zu recht getroffen. Infolge dessen ist es zu einer Glorifizierung der Mörder nicht weit. Betrachtet mit den Augen der Hinterbliebenen sind manche Filme/Beiträge einfach nur widerlich und ich glaube, dieser Film gehört auch dazu.

Niemand möchte doch ernsthaft die Leiden der Opfer kleinreden oder gar negieren. Aber genauso ernsthaft kann kein einzelnes Kunstwerk eine ganze Epoche der BRD aufarbeiten. Einem Kunstwerk in letzter Konsequenz vorzuwerfen, daß es sich einem Thema innerhalb einer komplexen Materie zuwendet und andere nicht behandelt, führt Kunst im Sinne von Künstlichkeit ad absurdum. So ließen sich nur noch endlose Traktate erstellen. Und die Opfer werden selbstverständlich nicht als Komödienfiguren per se dargestellt, sondern so, wie sie von den Tätern gesehen wurden: Als Schießbudenfiguren im wörtlichen Sinne. Diese Menschenverachtung, die Maßlosigkeit, der Egoismus und die ideologische Verblendung, die der Film zeigt, sind Mahnung vor Terroristen und Ehrung der Opfer im gesteckten Rahmen genug. Die - selbstredend - trivialen Nöte der Terroristen werdeb so ausführlich gezeigt, um verständlich zu machen, wieso sie so gehandelt haben und es so wichtig war, ihnen nicht nachzugeben. Wir säßen heute alle in einer von Gewalt zerfressenenen Kindergartengruppe, so wie die RAF-Mitglieder sich bis heute ideologisch darstellen, wenn die Regierung Schmidt anders entschieden hätte.

Filme zu produzieren und Handlungen dazu zu erfinden ist das eine. Aber eine Dokumentation zu erstellen und dabei die Opfer zu verhöhnen, ist ein zusätzliches Verbrechen. Der Kommerz will siegen, egal auf wessen Kosten! Wenn die Menschen klug sind, pfeifen sie auf solch eine Dokumentation. Es ist meine Art von Solidarität mit den Opfern und deren Angehörigen.