Im Grundstudium bzw. Bachelor ist der Stoff
weitgehend standardisiert. Die Studenten sind
noch unerfahren und auf eine gute Lehre angewiesen.
Wesentlich ist hier, dass fachliche und methodische
Grundlagen vermittelt und die Studenten motiviert
werden. Eine verhunzte Grundstudiumsvorlesung
kann das gesamte Studium belasten bzw. zeit-
raubende Wiederholungen erfordern.
Im Hauptstudium bzw. Master sollten die Studenten
die fachliche Reife haben, selbstständig wissen-
schaftlich zu arbeiten. Jetzt können die Forscher
aus ihren Spezialgebieten vortragen. Ist ihr Vortrag
schlecht vorbereitet, müssen sie entsprechend mehr
Verständnisfragen der Studenten beantworten. Die
Studenten sind jetzt auch in der Lage, diese Fragen
gezielt zu stellen. Im Grundstudium dagegen sind
sie einem schlechten Lehrer hilflos ausgeliefert.
In den Geisteswissenschaften sollte der Akzent
grundsätzlich mehr auf der Lehre liegen. Wie
bereits ein anderer Leser sagte: ein Germanist
macht sich nützlicher, indem er seinen Studenten
hilft, motivierte und motivierende Deutschlehrer
zu werden, als mit der 700sten Untersuchung der
Pubertät Kleists eigene "Forschungsartikel" zu
produzieren.
Natürlich gehören Forschung und Lehre an einer UNIVERSITÄT zusammen. Weder hat es Sinn, dies erzwingen zu wollen, noch hilft es weiter, diesem Grundgedanken aus Frust abzuschwören und künstlich ein neues System einführen zu wollen.
Warum machen wir nicht einen Versuch?
Lasst uns drei Dinge einführen:
1. freie Auswahl (Studenten die Universitäten und Universitäten die Studenten)
2. von den Universitäten selbst erhebbare Studiengebühren
3. ein effizientes Stipendiensystem
Warten wir einfach ab, was geschieht. Es kann sein, dass ich mich irre, aber möglicherweise werden sich die Besten zusammenfinden und großartige Dinge vollbringen.
Die Erfahrung, daß manche Professoren ihre Lehre für selbstverständlich gut genug halten (vielleicht tatsächlich, weil sie in dem Bereich nicht bewertet werden, wie das bei ihrer Forschung der Fall ist), kommt mir bekannt vor. Es sollte einen schon wundern, wenn der hochdotierte und bekannte Professor einmal abwesend ist und das Seminar plötzlich um einiges interessanter, die Diskussion lebhafter und tiefgängiger wird, weil der wissenschaftliche Mitarbeiter es leitet!
Die Idee, dass der Nachwuchs von der forschenden Elite ausgebildet wird klingt auf Anhieb ganz plausibel. Erstklassige Forschung sollte in der Spitze oder in fortgeschrittenen Semestern zu erstklassiger Lehre fuehren.
In der Realitaet ist es aber so, dass ein ideologisch verblendetes Festhalten am Wortlaut einer Idee dazu fuehrt, der Wunsch nach geregelten Arbeitszeiten und Pension zu zweitklassiger Lehre und Forschung fuehrt. In den Naturwissenschaften mag das Ideal von Forschung und Lehre zwar erreichbar sein, wenn im Grundstudium wahrscheinlich auch genauso sinnlos wie irgendwo sonst. In den erweiterten Geisteswissenschaften (einschl. Wiwi) fuehrt es lediglich zur reihenweisen Publikation vollkommen unbedeutender Texte, die folgerichtig auch von niemandem gelesen werden. Dann ist es so, dass sich miese Lehrer hinter grottenschlechter Forschung verstecken und sich auf die Freiheit ihrer vermeintlichen Wissenschaft berufen.
Kein Ideal sollte so dominierend sein, das es den Blick auf die Realitaet verstellt. Aber das ist bei der momentanen Politik und oeffentlichen Diskussion wohl Utopie.
Der Beitrag hat leider nicht beruecksichtigt, dass die Verbesserung der Lehre nicht die Ursache fuer die Einfuerung der Lehrprofessur ist. Experten gehen davon aus, dass in den naechsten Jahren die Anzahl der Studierenden um 250.000 ansteigen wird. Statt zusaetzliche Professoren einzustellen werden freiwerdende Professorenstellen durch guenstigere (wegen hoeherer Lehrverpflichtung) Lehrprofessuren ersetzt und man kann noch weiter Geld einsparen.
Es ist eine Illusion auf eine bessere Lehre zu hoffen, solange das Professoren-Studierendenverhaeltnis 1:60 ist. In GB oder USA ist das Verhaeltnis 1:20 oder sogar 1:10 bei Eliteunis wie Cambridge, Harvard, etc.
Diese Ueberbelastung ist der Grund warum meine deutschen Kollegen in Grossbritannien Angebote aus Deutschland zumeist ablehnen. Weniger Professoren bedeutet mehr Lehre, mehr Verwaltung und weniger Kollegen mit denen man zusammenarbeiten kann. Zum anderen ist es in GB und USA moeglich bei guter Forschung und Einwerbung von Drittmitteln die Lehrverpflichtung zu verringern. In Deutschland spielt Leistung auch weiterhin keine Rolle...
In GB gibt es "Lehrskalven" schon lange, nur werden sie hier nicht Sklaven genannt oder als solche behandelt, sondern erfüllen als "Teaching Lecturer" wichtige Aufgaben. Sie werden ordentlich bezahlt und sind, zumindest in dem Institut, in dem ich arbeite, vor allem für die Organisation der Lehre und die Grundvorlesungen zuständig. Das ist kein Armutszeugnis für die Lehre, sondern vernünftige Arbeitsteilung, von der alle Beteiligten profitieren.
In Deutschland gab es das vor allzu langer Zeit übrigens auch: Viele akademische Räte haben diese Aufgaben übernommen. Aus Kostengründen wurden sie abgeschafft. Es scheint, dass diese Entscheidung unüberlegt war und überdacht werden sollte.
Ja, das hätten sich die Damen und Herren, die über den BA/MA befunden und bestimmt haben, nicht gedacht. Nicht wissend, was man den finanziell und strukturell völlig unvorbereiteten deutschen Hochschulen aufoktruiert, wurde von der Bildungspolitik im Bolognaprozess über modularisierte Studiengänge bestimmt, die in der Abwicklung als bürokratische Monsterveranstaltungen die Leistungsfähigkeit der Lehre und Fachbereichsverwaltungen lahmlegen.
Anstatt sich an den BA/MA Studiengängen der anglophonen Länder zu orientieren, wenn man diese Studienform denn schon will, und die Studiengänge abschafft, die die Bezeichnung Studium verdienen, hat man versucht die typisch deutsche eierlegende Wollmilchsau ganz klein und billig zu züchten. Lehrsklaven bräuchten wir nicht. Warum nicht die Orientierung am amerikanischen oder englischen System, von deren Elitehochschulen die bildungspolitischen Kreise so schwärmen? Dort haben die Professoren normalerweise nicht einmal ein Fünftel der Studierenden zu betreuen wie an deutschen Universitäten. Dort werden Professoren mitunter für mehrere Jahre für die Forschung oder Weiterbildung freigestellt. Dort haben die Professoren aus diesen Gründen auch Zeit für ihre Studierenden. Bildung ist ein Wert.
Ich gebe dem Leser C.B. Sturm vollkommen Recht: Lehre und Forschung gehören zusammen. So war es schon immer, so ist es in jedem anderen Land auch und so muss es auch in Deutschland bleiben!
Ich selbst bin Studentin der Politikwissenschaft und erfahre täglich die mangelnde Lehrausbildung der Professoren. Der Autor des Artikels hat Recht, es liegt nicht an den fehlenden Techniken oder der fehlenden Zeit, sondern vor allem auch am fehlenden Interesse der Dozierenden, in der Lehre besser zu werden!
Ich bin nun fast fertig mit meinem Studium, hätte ich aber noch einmal die Wahl, ich würde in den USA studieren. Die Professoren verbinden Forschung und Lehre auf eine Weise, die Ihresgleichen sucht! Dazu gehören aber auch höhere Gehälter und vor allem Evaluationen durch die Studenten! Anreize müssen geschaffen werden, um besser zu werden! Öffentlich gemachte Evaluationen sollen dazu beitragen, Professoren zur besseren Lehre zu animieren, und nicht eine Trennung in Lehr- und Forschungsprofessoren!
Da ist die deutsche Debatte mal wieder in ihrem Element: Lehre und Forschung unter einen Hut ohne wenn und aber vs. zweitklassige "Lehrprofessoren" und abgehobene "Forscher". Doch warum diese Extrempositionen? Meines Erachtens bräuchte es für die Vermittelung von Basiswissen in den Grundvorlesungen - zumindest im Bereich der Naturwissenschaften - gewiß keiner Spitzenforscher. Geht es dagegen um weiterführendes Spezialwissen, wäre es fatal, dies "Lehrern" zu überlassen, die nur aus zweiter Hand zu berichten wissen. Wie so oft sollte ein pragmatischer Mittelweg gefunden werden. Für ideologisch aufgeladene Diskussion haben gerade unsere Studenten keine Zeit!
Endlich nennt man die Dinge mal beim Namen. Wenn am die Situation der Hochschullehre in Deutschland mit der Situation in GB vergleicht, wird schnell erkennbar, wie unterschieldich die Niveaus gerade in der Lehre sind. Ob die neuen "Lehrprofessoren" eine Abhilfe schaffen ist zweifelhaft. Notwendig wäre vielmehr die Abschaffung des Anachronismus der Habilitation und die systematische Einforderung von Grundkenntnissen von Erwachsenenpädagogik und -didaktik bei den Berufungen. Alles andere ist Kosmetik und wird die Kultur der Schludrigkeit und der Kundenverachtung an den deutschen Unis nicht wesentlich verändern. Und unterdessen wandern immer mehr kluge und fitte junge Akademiker aus Deutschland aus, weil sie sich den Ritualen der deutschen Honoratioren-Unis nicht unterwerfen wollen. Die britische Universitäten, einschließlich Oxford und Cambridge, sind mittlerweile voll davon...
Ernst Hillebrand, London
Die Frage ist doch, wieso man in Deutschland an der glorreichen Idee festhält, der Nachwuchs ließe sich von Personal mit Versorgungsanspruch auf eine Leistungsgesellschaft vorbereiten.
Forschung und Lehre sind die Säulen der Universität. Wer auf dem einen Gebiet nichts leistet, kann auch dem anderen wenig abgewinnen. Natürlich ist nicht jeder gute Forscher ein guter Lehrer und umgekehrt; aber dennoch wäre eine radikale Trennung der beiden Gebiete der falsche Weg, um aus dem Dilemma herauszukommen. "Lehrprofessoren", die selbst nicht forschten, wären von Ergebnissen forschender Kollegen abhängig; die Forscher dagegen würden in ihrem "Elfenbeinturm" verschwinden, da sie an der Vermittlung ihrer Erkenntnisse kein eigenes Interesse hätten (außer vielleicht an profitablen Publikationen). Zudem entwickelte sich eine Zweiklassengesellschaft, in der die Forscher den Lehrern grundsätzlich übergeordnet wären.
Anstatt diese in den "Exzellenzinitiativen" erkennbare Schieflage noch zu verstärken, sollte der Staat die Hochschulen dazu anhalten, sich stärker um die Qualifikation von Professoren auf beiden Gebieten zu bemühen - z. B. durch Weiterbildung oder bessere personelle und finanzielle Ausstattung von Lehrstühlen. Reine Forscher gehören an Institute oder in die Wirtschaft, reine Lehrer an die Schulen. Eigentlich müsste das der Wissenschaftsrat wissen.