“Idomeneo“-Inszenierung in Berlin: Umstrittene Provokation

Mozart-Oper abgesetzt

Unkalkulierbares Sicherheitsrisiko?

Die Absetzung der Mozart-Oper „Idomeneo“ in Berlin aus Sorge vor islamistischen Protesten ist auf scharfe Kritik gestoßen. Innenminister Schäuble bezeichnete diesen Schritt als „inakzeptabel“. Die Entscheidung zeuge von „nackter Angst vor Gewalt“, sagt CSU-Politiker Ramsauer.

Lesermeinungen zum Beitrag

27. September 2006 17:25

Hasenfüßiges Verhalten

Paul Theisen (paul.theisen)

Wer bei Inszenierungen tradierte Empfindlichkeiten 3 Jahre lang mißachtet hat, nun aus Angst vor etwaiger Gewalt hasenfüßig den Schwanz einzieht, kann nicht mit Verständnis rechnen. Was wir schlafmützigen Christen 3 Jahre lang großzügig tolerierten, läßt man plötzlich fallen. Das aber nur, weil sich zutiefst verletzt fühlende Muslime Gewalttätigkeiten tolerieren könnten.

Würden solche Haltungen zwischen den Völkern Schule machen, so wäre die Unterjochung der friedliebenden Völker ein leichtes Spiel. Nur Gewaltherrscher hätten noch das Sagen. Die aber würden sich allmählich die Köpfe blutig hauen.

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27. September 2006 15:13

Anruf genügt ...!

Heribert Müller (hmtrust)

Welch ein "süßer" Sieg der Islamisten, der uns (noch) "sauer" aufstoßen wird ! Denn es genügte ein Telefonanruf um einzuknicken und die Oper abzusetzen. Was sind die nächsten Schritte und wer wird als nächstes angerufen ? Eine Idee wäre, daß Fußballprofis islamischen Glaubens nicht mehr vom Platz gestellt werden dürften, sonst ... siehe Mozart-Oper. Anruf beim DFB genügt !
Heribert Müller.

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27. September 2006 13:19

Antwort...

andreas zidan (ziaga)

@David Hoyer:
Worüber wollen sie verhandeln?
Über Meinungs- und Pressefreiheit?
Ich hoffe nicht!

Entweder "wir" stecken jetzt die Grenzen ab, oder wir
werden bald nichts mehr abzustecken haben.
Wenn einem eine Zeitung nicht passt, soll er sich
eine andere kaufen, die Oper gefällt nicht - gut, es gibt
ja wohl noch andere Stücke.
Jetzt gehts noch um solche "Kleinigkeiten", aber bitte,
warten wir noch zu - führen wir Dialoge.
Reines Geschwätz - man will ja nicht "provozieren".
Die Grünen haben ganze Arbeit geleistet...

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27. September 2006 11:12

Frage...

David Eichberg (wwaldii)

All jenen, die hier sagen man darf sich nicht erpressen lassen und man solle die Oper aufführen, möchte ich die eine oder andere Frage stellen:

Wie weit sind Sie bereit das Spiel zu mitzuspielen? Was würden Sie im Falle eines Anschlags tun? Wie wollen Sie diesen Leuten die "passende" Antwort geben? Würden Sie eine extreme Reaktion unseres Staates gut heißen? Was wenn Ihr Kind bei dieser Aufführung sterben würde???

Sie merken bestimmt vorauf ich hinaus will....
Die große Frage lautet, wie schützen wir uns vor diesen Terroristen? Anscheinend gibt es darauf nur eine Antwort, wir müssten alle die diesen Glauben haben, als Feinde betrachten und dementsprechend behandeln.

Können Sie das vertreten? Wollen Sie das durchziehen?
Oder ist es nicht klüger, einen Dialog zu führen und "Provokationen" momentan zu unterlassen?

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27. September 2006 10:41

Freiheit der Kunst

Juergen Stoermer (JStoermer)

Es ist erstaunlich, daß sich Verteidiger eines Gottesbezugs in der europäischen Verfassung so vehement für die Freiheit der Kunst einsetzen. Immerhin geht es nicht nur um Mohammed, sondern auch um Jesus Christus, der bekanntlich von den Rechts- und Buchstabengelehrten seiner Zeit gekreuzigt wurde. Die Berliner Köpfung kommt also etwas spät. Daß sie aber im Interesse der Kunstfreiheit dennoch nötig wird, sagt etwas über den Geisteszustand unserer Zeit aus. Für Mozart wäre ein solches "Happy-End" nämlich unvorstellbar gewesen und dies nicht nur weil ihm der Schutz des Grundgesetzes versagt war, sondern es auch auf dem Höhepunkt der Aufklärung noch andere Gründe dafür gab, auf solch billige Gags zu verzichten. Es ist gut, daß Mozart und uns diese Aufführung erspart bleibt.

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27. September 2006 10:21

Schere im Kopf

Klaus-Henning Bähr (henning_baehr)

Das auch von den Massenmedien weidlich ausgebreitete Bedrohungsszenario durch islamistischen Terror und die alle Bereiche unserer Zivilisation wie ein Mehltau überziehende Scheu vor Risiken haben einen abstoßenden Skandal produziert, für den wir der ängstlichen Frau Harms dankbar sein müssen, hilft er uns doch, unsere Position im Konflikt der Kulturen zu klären und, dieses vor allem, auch zu verteidigen. In unserer komfortablen Zivilisation haben wir uns daran gewöhnt, auf alles Angenehme einen Anspruch und eine zuständige Instanz zu haben und zu zetern, wenn es einmal nicht ganz so läuft, wie erwartet. Dass unsere Würde, unsere Freiheit und unsere Chancen auf Selbstverwirklichung auch gegen Bedrohungen verteidigt werden müssen, erscheint eher Attribut politischer Sonntagsreden als Verpflichtung zum Engagement zu sein. Zu vergessen, dass diese kostbaren Güter einst mit Blut und Tränen erkämpft wurden und ihre Verteidigung jeden Einsatz wert ist, ist töricht und ein Zeichen der grassierenden Dekadenz.

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27. September 2006 09:24

Idomeneo

Werner Neustock (altego)

Frau Harms,

ich schäme mich vor soviel "Fürsorge" Ihrerseits für Haus und Publikum! Man kann auch sagen Feigheit.

Und stimmt es, Sie hätten schon einige, wenn auch modische, Burkas im Kleiderschrank hängen??

W.Neustock

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26. September 2006 21:08

Mozart-Oper abgesetzt

Heinz Haag (HHAAG)

Die Absetzung der Mozart-Oper "Idomeneo" wird zu Recht als Kniefall vor dem islamistischen Terror und Einschränkung unserer Kulturfreiheit heftig kritisiert. Wie aber hätte die öffentliche Meinung in Deutschland reagiert, wenn die Oper nicht abgesetzt worden wäre und es in islamischen Ländern zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen wäre? Hätte man dann der Deutschen Oper Berlin womöglich mangelndes Fingerspitzengefühl gegenüber den religiösen Empfindungen von Muslimen vorgeworfen. Ich erinnere an die Reaktionen auf die Vorlesung von Papst Benedikt XVI. an der Universität Regensburg. Nachdem es zu heftigen Demonstrationen in islamischen Ländern gekommen war, Papstpuppen verbrannt wurden und sogar eine katholische Ordensschwester in Somalia ermordet wurde, meinten viele kluge Kommentatoren, der Papst hätte doch besser auf das Zitat aus einem mittelalterlichen Gespräch verzichten sollen, um die Muslime nicht zu provozieren. Was soll nun gelten, meine Damen und Herren Meinungsmacher, die Freiheit der Kunst und der Rede, oder Selbstzensur aus Rücksichtnahme auf die sehr empfindlichen und leicht erregbaren Muslime und aus Angst vor ihren gewalttätigen Reaktionen?

Heinz Haag

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26. September 2006 19:02

Armutszeugnis

Frank-Rainer Wagner (balwan)

Das Kuschen vor dem Islam ist das Ende Europa: Schon erheben sie ihre Hände, all die Aufmüpfigen: wissend, das nur noch der Zünder fehlt, der das multikulturelle Haus in die Luft sprengt, befördert vom Wahne der Volksvertreter, die Israelens Bestand als Bestandteil der BRD sehend, jene zur Zielscheibe befördern, denen sie zu dienen beschworen.

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26. September 2006 19:01

Rücksicht ist besser als ein Böses Erwachen

Hans Umsen (Franky2000)

Es ist vernünftiger, diese gemeingefährliche Islamistische Bedrohung ernst zu nehmen als dass es irgendwann zu ähnlichen skrupellosen Anschlägen wie in den Vereinigten Staaten kommt.
Erst muss der Irak und wie Bush immer deutlicher werden lässt auch der Iran und dann vielleicht Syrien im Kampf gegen den Terror zerschlagen werden um in unseren westlichen Kulturkreisen in Ruhe leben zu können.
Bis dahin sollte man mit Vorsicht dem Islam begegnen, der, wie sich bei der Papstkritik an Mohammed, sehr schnell radikalisieren lässt.

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26. September 2006 18:37

Idomeneo

Gunnar Borstel (gborstel)

Dazu musste es ja im Mozart-Jahr kommen! Nur hätte man erwartet, dass aktuelle Aufführungen der "Entführung aus dem Serail" als Anlass für Drohungen aus Muslimkreisen und vorauseilende Selbstzensur europäischer Institutionen herhalten würden.

Nun hat es die Wiederaufnahme des "Idomeneo" erwischt, jenen sagenhaften König von Kreta, der im Trojanischen Krieg mitgekämpft haben soll. Was die Auseinandersetzung zwischen Idomeneo und dem Gott Poseidon mit Buddha, Jesus und Mohammed zu tun hat, bleibt zunächst das Geheimnis des Regissuers Neuenfels; Vermutungen dürfen aber angestellt werden, - vielleicht kann man die Aufführung ja doch noch einmal in Berlin sehen.

Wie steht es aber nun mit der Sicherheitslage an unseren Bibliotheken? Was ist mit den Schriften von Martin Luther, John Quincy Adams, Alexis de Tocqueville, Blaise Pascal, Francois Voltaire, John Wesley, Winston Churchill, Bertrand Russell? Sollte man deren Werke wegen ihrer negativen Äusserungen zum Islam nicht schleunigst in einem weiteren Akt vorauseilender Selbstzensur (Aufklärung hin-, Meinungsfreiheit her-, - Muslime könnten sich ja provoziert fühlen, und Sicherheit in Bibliotheken geht schliesslich vor!) nicht ganz schnell in den Keller verbannen?

G. Borstel

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26. September 2006 18:10

wie weit darf man gehen?

hartmut stroth (hartmut_stroth)

Die Gratwanderung zwischen kluger Rücksichtsnahme gegenüber exzessiver Empfindlichkeit auf der einen und dem Recht auf Meinungsfreiheit als Kernbestand westlicher Demokratien andererseits ist schwierig. Aber irgendwann muss man einen Schlussstrich ziehen, und zwar BEVOR man paranoid wird und sich selbst zu verleugnen beginnt. An welchen Punkt riskiert man den Verlust seiner Prinzipien und seiner Selbstachtung...wann kippt respektierte Stärke in verachtete Willfährigkeit um - verachtet auch vom Nutznießer der Rücksichtsnahme.

Hartmut Stroth
(selbst Opernsänger)

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26. September 2006 16:58

vorauseilender Gehorsam der unsinnigen Sorte

Christian Braun (christianbraun)

Gegen als pietätslos empfundene Theaterstücke
und Kinofilme gab und gibt es regelmäßig Proteste
religiöser Gruppen. Politiker ergreifen meistens nur
dann Partei, wenn es ihnen parteipolitisch ins Konzept
passt. Leider macht die CSU da keine Ausnahme,
denn wenn in Bayern ihre eigene Staatsreligion
"verunglimpft" wird, schreit sie auch nach Zensur.

Konsequent wäre, Kunst als das hinzunehmen was sie ist.
Dann muss man diese Linie aber auch durchhalten, wenn
man selbst an der Reihe ist.

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26. September 2006 16:51

Ein kluges Stück

jens tuengerthal (jenstuengerthal)

Jedenfalls hat die kluge Frau Harms schon lange nicht mehr so viel Pressewirbel gehabt, wie um ihr Spiel mit dem Nichtspiel. Dagegen wäre die Wiederaufnahme von obszöner Ruhe gewesen, so werden sie diskutiert.

Natürlich ist es undenkbar und unakzeptabel, dass in Deutschland eine Aufführung nach bestehenden oder vermuteten Drohungen abgesetzt wird. Aber das Spiel mit der Angst, die uns in jeder U-Bahn, auf jedem Flug und wer weiß noch wo begleitet, spielt eine große Rolle im Kalkül von Terroristen und Sicherheitsfanatikern, wem sich Untertan zu machen für unser Gemeinwesen schädlicher wäre, ist noch offen.

Die Intendantin führt uns den Käfig in dem wir uns in biedermaierlicher Angst zurückziehen durch ihren klugen Schachzug vor. Es ist ihr bestes Stück. Das ganze Land spielt mit, sogar der Innenminister gibt fernmündlich den Betroffenen, ein jeder offenbart sich, wie es ihm entspricht. So betrachte ich die Posse dankbar ist sie doch ein Stück Aufklärung, über unsere Ängste und unsere Freiheit. Kompliment Frau Harms!

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26. September 2006 16:12

hmm

David Eichberg (wwaldii)

Ein ganz schweres Thema. Aber mal so gesagt, ich gratuliere der Verantwortlichen zu Ihrem Mut NEIN zu sagen. Sollte etwas passieren, heisst es hinterher immer, warum hat keiner die Drohungen ernst genommen. Wer so etwas lächerlich nennt, hat einiges nicht ganz begriffen. Es sterben Leute für viel weniger als die Präsentation des abgetrennten Kopfes von Mohammed! Es sollte uns gerade in diesen sensiblen Zeiten ein Bedürfnis sein, diese Leute nicht unnötig zu provozieren. Auch wenn es einem ungerecht und falsch vorkommt, still zu halten.

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26. September 2006 16:07

Nicht überbewerten...

Dirk Walbrühl (Kelen)

Die Absage der Mozart-Oper sollte nicht überbewerten. Die übernervöse Reaktion einzelner aus dem 'Skandalkunststadel' auf das Zeitgeschehen, die sicherlich noch anders motiviert ist. Besorgniserregend sind jedoch die Stimmen derer, die dieses Ereignis aufgreifen und politisch wirksam austreten...

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26. September 2006 16:04

Doppelte Frechheit

Niko Akathari (NikoA)

Leute, die mich zwingen, solche Veranstaltungen über meine Steuergelder mitzufinanzieren, sollten nicht so hehre Worte wie Meinungsfreiheit in den Mund nehmen. Meine Geld nach meinem Gusto zu verwenden gestehen die mir ja auch nicht zu.

Wenigstens aber sollte man verlangen, daß der Gewaltmonopolist "Staat" die aus seiner Steuerverschwendung bezahlte "Staatskultur" schützen kann. Das sieht wohl auch Schäuble so. Er will diesbezüglich gefordert werden. Sein Protest dürfte wohl kaum darauf zurückzuführen sein, daß er die Köpfe der Propheten sehen will.

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