Am Ende stand sie allein: Ulrike Meinhof auf einem frühen Fahndungsfoto

RAF-Tondokumente aus Stammheim

Signale, die damals niemand verstand

Der Bruch in der RAF datiert auf den 4. Mai 1976: Vier Tage vor dem Tod Ulrike Meinhofs zeigen neu entdeckte Prozessmitschnitte den Graben zwischen ihr und den Mithäftlingen Baader und Ensslin. Von Lorenz Jäger.

Lesermeinungen zum Beitrag

01. August 2007 12:23

Befreiung und Raub?

Herold Binsack (Devin08)

Die Diskussion um RAF, Schily etc. darf man heute, etliche Jahre nach dem „Beitritt“, in einem erheblich größeren Rahmen sehen. Und doch darf man es vermutlich nicht wirklich, denn die Spuren, sind – wenn, dann von den Geheimdiensten – so geschickt verwischt, dass (vorerst) nur was für Spekulation übrig bleibt. Ich beziehe mich mal auf Wisnewskis „Das RAF-Phantom“ und bringe das in Verbindung mit kaum noch zu ignorierenden Hinweisen auf „Vereinbarungen“ zwischen BND/MAD und Stasi/KGB zu Modalitäten wie Abwicklung von DDR und deren Vermögenswerten. Ich schaue mir an, wie die Treuhand (nach Rohwedder) gewirtschaftet hat, lese ein wenig rein in Jürgen Roths Enthüllungen um die Skandale seit dieser Zeit (nicht nur im Osten) und komme so auf den furchtbaren Gedanken, dass da Zusammenhänge gar nicht wegzudenken sind. Die RAF, wenigsten in der 3. Generation, als Phantom, hinter dem sich nicht nur so einige Personen aus dem Weg räumen ließen, die ganz anderen Leuten quer standen (Stichwort: Leuna), und womit man zugleich das politische Klima gegen links so aufheizen konnte, dass nicht nur der Fall der Mauer sondern auch der Raub des Volksvermögens, jenseits dieser Mauer, geradezu als Befreiungsschlag erscheinen durfte!

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31. Juli 2007 21:32

Die veratene RAF; Schily der Saubermann?

Hartmut Schliefkowitz (Kapau2007)

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass unter uns 68er seinerzeit die Vermutung gehandelt wurde, Otto Schily sei der Maulwurf der MAD (Militärischer Abschirmdienst) oder von einem der anderen Dienste.
Ströbele, der die Szene damals auch gut kannte, aus gemeinsamen Studienjahren mit einigem RAF-Führer, geriet nie in Verdacht. Im Gegenteil, er wagte sich bis an die Grenzen des Machbaren bei seiner Verteidigung RAF-Mitgliedern und geriet selbst in die Mühlen der Justiz. Doch Schily kam aus dem Geschehen mit einer derart weißen Weste raus, dass die Spätachtundsechziger davon ganz geblendet wurden. Er, der Vertrauensanwalt der Gudrun Ensslin. Als Trittbrettfahrer beim SDS und der APO hatte Schily sicherlich Großes mit sich vor. Beruflich wollte es längst nicht so klappen wie bei Mahler, der sich vom Wirtschaftsanwalt zum Verteidiger der Kommune 1 machte. Auch er wurde zum Dorn im Auge des Establishments und besonders der Justiz, die damals in einigen Bereichen nicht unpolitisch agierte, wie es schien. Sein Werdegang ist mit dem von Ströbele vergleichbar, was die Strafverfolgung angeht. Nur Otto Schily blieb von alledem unbeleckt. Das allein machte ihn für etliche 68er recht verdächtig ein Maulwurf zu sein. War er es?

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31. Juli 2007 18:58

Die Rolle Otto Schilys als RAF-Anwalt

Bernhard Schmitz (DerKetzer)

könnte vielleicht erklären, warum Otto Schily als Innenminister Positionen vertreten hat, die der Großteil der Bevölkerung nicht mehr nachvollziehen konnte.

Wenn man Bücher von früheren Geheimdienstlern liest, dann ist offensichtlich, dass diese andere Menschen rücksichtslos benutzen, um ihre Ziele durchzusetzen. Eines dieser hohen Tiere schrieb mal sinngemäß:
"[...] Haben Geheimdienste Politikerkarrieren gefördert und andere verhindert? [...] All dies sind interessante Fragen, die mich ungeheuer beschäftigen. Aber darauf kann es natürlich keine Antwort geben."

Nur so kann ich einigermaßen nachvollziehen, wieso Schily und Schäuble sich ständig selbst um Kopf und Kragen reden, obwohl ihnen doch klar sein muss, wie das auf andere wirkt. Wenn sie so sozial inkompetent wären, dass sie es nicht wüssten, wären sie in der Politik sicher nicht so weit gekommen.

Wer oder was zwingt sie dazu?
Haben die Geheimdienste die Innenminister in der Hand?
Gab es damals nicht Indizien oder Spekulationen für ein Leck auf RAF-Seite oder deren Anwälten? (Wenn ich mich noch dunkel erinnere - bin 1962 geboren.)

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