... dem es besser gegangen wäre, wenn ich in der Jugend entsprechend meiner Transgeschlechtlichkeit in ihrer spezifischen Ausprägung hätte leben können. Wenn ich diesen Artikel lese, fehlen mir ehrlich gesagt die Worte ob der Plattheit der vorgebrachten Polemik. Und dennoch drängt es mich, Worte zu finden. Da werden Fehlbehandlungen in großem Umfang postuliert, ohne dass erkennbar ist, woher der Autor seine Informationen hat. Zeigt nicht ein nur geringfügig näherer und offenerer Blick auf das Behandlungskonzept, dass es darum und nur darum geht, denjenigen unter den transgeschlechtlichen Menschen auch mit somatischen Maßnahmen Hilfe angedeihen zu lassen, deren Veranlagung bereits so früh eindeutig erkennbar ist? Bei sorgsamster Prüfung. Leider scheint der Zweck die Mittel des Autors zu heiligen: es werden Ängste vor einer Prozesswelle geschürt, mit einem Beispiel, in dem eine junge Erwachsene durch Verschweigen einer Diagnose manipuliert wurde. Mehr noch, die Behandelnden werden in die Nähe der Pädophilie gerückt, und noch schlimmer, dass eine Zeitung wie die FAZ offen gegen Toleranz gegenüber Minderheiten polemisiert. Heute die Transsexuellen. Und morgen?
Da heben sie sich wieder, die moralischen Zeigefinger, die gegen Transsexualität wettern, die es nicht für notwendig halten, zwischen seriös und unseriös zu trennen. Meinungsmacher, die eine Bühne suchen, um Unruhe zu stiften, irgendwo und willkürlich im Parcours des ewigen Geschlechterstreits. Lorenz Jäger betreibt üble Journaille. Eine böse aufgeladene Berichterstattung ohne Weitsicht, ohne Fürsprache für das Emotionale in der Zerrissenheit um die Fragen des geschlechtlichen Seins. Fragen, die auch das kindliche Sein für sich in Anspruch nimmt. Fragen, die nicht in Worten, in soziologischen, medizinischen Begrifflichkeiten oder gesetzlichen Regularien zu beantworten sind. Auch Kinder sollten wir in der Äußerung ihres Empfindens sehr ernst nehmen. Zuhören, was sie uns erzählen, diese Transkinder. Dieses Zuhören hat in den letzten Jahren begonnen. Und die Ärzte stellen sich heute die Frage, ob sie früher helfen können. Eine längst überfällige Frage. Wo lagen bisher die Hemmnisse, die Ängste, um die Existenz des kindlichen Transsexualismus wahrzunehmen. Wir „alten Transsexuellen“ waren einst alle einmal Transkinder. Und wir haben den Ärzten erzählt aus unseren Kindertagen, aus unserer Pubertät, dem Erwachsenwerden. Jahrzehnte des Leidens, des Versteckens, der tiefen Verzweiflung und Selbstmordideen. Wir haben die Hilfe der Medizin dann bekommen, aber 30, 40 Jahre zu spät. Ich hätte sie verdammt gerne schon mit 14 bekommen.
Wie stehen die ganzen entsetzten Kommentatoren eigentlich zur häufig praktizierten Geschlechtszuweisung bei Intersexuellen im Alter unter zwei Jahren - von den Betroffenen später häufig als Verstümmelung empfunden? Viele haben eine weibliche Geschlechtsindentität, viele eine Männliche und viele haben eine zwischen den Geschlechtern. Die OP wird aber zu einem Zeitpunkt ausgeführt, zu dem die Resultate fast immer für funktionslose primäre Geschlechtsmerkmale führen und zu der das Kind auf keinen Fall seine Geschlechtsidentität zeigen oder formulieren kann.
Erst sind alle Menschen gleich, und jeder kann das, was der andere auch kann. Aber dann, auf ein mal, hat Herr Watson erkennbar "schwarzes" Erbgut, und plötzlich unterscheiden sich die Gehirne von Mann und Frau so merklich, daß man den Körper anpassen soll. Ja, was denn nun? Außerdem: Mich ärgert, daß ein Vorkommentator von "transidentischen" (o.ä.) Kindern gesprochen hat. Meine Güte, als ob das Geschlecht die gesamte Identität wäre. Transidentisch, das ist, wer sich für Napoleon hält.
Keine Krankheit. Halten wir einmal fest, dass mittlerweile Bekannt ist, dass es bei Männern und Frauen Unterschiede im Gehirn gibt. Halten wir weiter fest, das dieses Organ bei Transexuellen bereits bei der Geburt genau entgegengengesetzt dem Geschlecht des restlichen Körpers ist. Die Person hat nur einzige Perspektive. Ihre eigene. Somit ist es für diese Person der Körper der Falsch ist. Ein Aussenstehender sieht aber erst einmal nur einen scheinbar gesunden Körper und es fällt ihm dann leicht, von einer falschen Geschlechtsidentität zu sprechen. Wer hat nun recht? Hält sich dagegen Jemand für Jemand anderen oder will Jemand anderes sein, hat dies psychische Ursachen. Und es ist auch bekannt, dass junge Kinder, die sich nicht ihrem Geschlecht speziefisch Verhalten, oft Homosexuell, nicht Transsexuell sind. Diese Phänome sind Ärzten wie Dr. Preuss wohlbekannt und es erfolgt eine lange Abklärung, bevor pupertätsverzögernde Medikamente gegeben werden. Und erst, wenn eindeutig geklärt ist, dass es sich um einen transsexuellen Patienten handelt und diese Person alt genug ist um die Konsequenzen zu verstehen und eine solche Entscheidung treffen zu können, wird bei Bedarf eine Hormonersatztherapie in die Wege geleitet.
Im Moment gibt es wohl keine andere Möglichkeit, als dem Geist durch phantasievolle Operationen vorzugaukeln, das Geschlechts entspräche seinem Empfinden. Die Festlegung, eine Krankheit, wie sie es in Anführungszeichen nennen, sei generell nicht heilbar, klingt für mich aber unseriös. Dies wird auch dadurch als Tatsache suggeriert, daß immer wieder vom "falschen Geschlecht" gesprochen wird und niemals vom "falschen Geschlechtsempfinden", was ebenso richtig wäre. - Und ob jemand, der sich für Napoleon hält, freiwillig auf diesen Vorzug verzichten würde, ist genauso fraglich, wie im Falle des falschen Geschlechts(-empfindens). Erst recht, wenn es sich um ein Kind handelt. - TF
Wissen sie, wie schwierig es Betroffenen gemacht wird, eine Behandlung zu bekommen. Und jede Verzögerung ist durch eine gewisse Ausfallquote begleitet. Die hohe Suizidrate bei unbehandelten Transsexuellen ist sogar trotz hoher Dunkelziffer bekannt. Dank moderner Fortplanzungsmedizin ist das Einfrieren und spätere Benutzen von Eizellen oder Spermien möglich und damit sind eigene Kinder nicht einmal ausgeschlossen (wird vielfach auch praktiziert). Desweiteren ist mittlerweile auch bekannt, warum Transsexualität nicht "Heilbar" ist. Die Geschlechtsidentität ist bei der Geburt bereits fest im Gehirn verankert. Man müsste also die ganze Gehirnstruktur ändern. Und die meisten Betroffenen würden eine solche Behandlung auch nicht Wünschen. Ändert man die Geschlechtsidentität, ändert man ja schlicht die Identität. Wer will schon als anderer Mensch mit völlig neuen Bedürfnissen und Charakterzügen enden? Die wenigsten Kommentatoren verstehen, dass sie für die Behandelten genau das Befürchten, was bei diesen bereits eingetreten ist - sie sind mit dem falschen Geschlecht ausgestattet und die Pupertät verschlimmert diesen Zustand immens. Gerade unter den Jugendlichen TS ist die Selbstmordrate am höchsten.
Was mich an der Diskussion stört, ist, daß das Phänomen oder Syndrom der Transsexualität allzu häufig heruntergespielt und die Betroffenen heroisiert werden. Immerhin ist eine sehr folgenreiche Operation zur Zeit der einzige Weg zur Linderung des Mißempfindens der von Transsexualität betroffenen. Bei der "Geschlechtsumwandlung" handelt es sich schließlich um einen sehr schweren Eingriff, der mit der irreversiblen Zerstörung der Fortpflanzungsfähigkeit verbunden ist. Wie bei allen Eingriffen, die für das ganze Leben Konsequenzen haben, muß auch bei diesem besonders bei Kindern mit Bedacht vorgegangen werden. Wer sagt denn, daß es nicht in einigen Jahren eine Behandlungsform gibt, evt. neue Medikamente, die das Mißempfinden ohne die heute offenbar unvermeidliche Verstümmelung beseitigen oder lindern kann? Für die heute operierten Kinder ist es dann zu spät. - TF
In Deutschland ist es kaum denkbar, dass vereinzelte gegengeschlechtliche Verhaltensäußerungen von Kindern bereits zu einer Entscheidung zu einer 'fixierten Identität' (im anderen Geschlecht) mit einem entsprechenden Behandlungsverlauf führen. Transsexualität hat ebenso wie Geschlechtsidentitätsstörungen im Kindes- und Jugendalter (GSI) nur am Rande etwas mit Sexualität zu tun, bei beidem stehen vielmehr Fragen der Identitätsbildung und -findung im Vordergrund. Daher geht es bei der Diskussion über solche Fragen auch nicht um eine „Vorverlegung des Sexuellen“, sondern um Identität. Es ist nun einmal so, dass es Kinder gibt, die sich mit ihrem biologischen Geburtsgeschlecht nicht versöhnen können, es in hohem Maße als Bürde empfinden und deren Empfinden nachhaltig und dauerhaft dem des anderen Geschlechts entsprechen. Die Betroffenen durchlaufen in Deutschland oft zahlreiche Konsultationen, bis sie auf eine/n der wenigen damit erfahrenen Behandler stoßen. Die mir Bekannten setzen sich alle auch ethisch-moralisch mit den damit verbundenen Fragestellungen auseinander und behandeln nicht leichtfert. Der Artikel hilft in der Sache, nämlich des ethisch, medizinisch und psychologisch angemessenen Umgangs mit GSI leider nicht weiter.
Hätte der Autor in der FAZ (16. 7. 07: Gefangen im falschen Körper) recherchiert, hätte er zur Kenntnis genommen, dass sich Kinder- und Jugendpsychiater, Kinder-Endokrinologen und Gender-Spezialisten endlich auch in Deutschland transidentischer Kinder annehmen. Eingebettet in eine engmaschige Betreuung wird ihnen eine pubertätsaufhaltende Behandlungen ermöglicht, wenn offenkundig geworden ist, dass eine Nichtbehandlung zu dauerhaften psychischen Schäden führen würde. Ich würde dem Autor gerne ein Kind persönlich vorstellen, das nicht das Glück hatte, dass sein Geschlechtsempfinden mit seinen Geschlechtsmerkmalen zusammenpasst. Als Therapeut von transidentischen Männern und Frauen bin ich ständig damit konfrontiert, welche verheerenden psychischen Spätfolgen entstehen können, wenn Transidentität im Kindesalter nicht erkannt oder gar mit Prügeln „bekämpft“ wird. Jägers Artikel wirkt leider in diese Richtung. Ärzte und Therapeuten, die helfen wollen, werden als „Mediziner ohne Menschlichkeit“ diffamiert. Dies belastet besonders die betroffenen Kinder und ihre Eltern.
Dr. Wilhelm F. Preuss Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie UKE Hamburg
… nun ist dies ja kein Diskussionsforum, sondern eine Komentarfunktion; ich hoffe aber doch, daß sie den Artikel aufmerksamer gelesen haben als die Kommentare. Denn hippokratische Blitze wollte keinesfalls ich geschleudert wissen, sondern allenfalls Herr Schmied. Und meinen Sie nicht, daß es etwas dick aufgetragen ist, sich einerseits über die angeblich polemische Art des Artikels zu echauffieren, andererseits Herrn Jäger vorzuwerfen, er habe »bewußt Tatsachen verdreht«? Muß man nicht — wenn man schon den Artikel als polemisch bezeichnen möchte — Ihren Vorwurf der »bewußten Tatsachenverdrehung« dann konsequenterweise als demagogisch bezeichnen, wenn man gleiches Maß anlegt?
Herr Pohl, das ist kein Bericht, das ist Polemik, die bewusst Tatsachen verdreht. Keinem 9 jährigen wird zum Beispiel die Entscheidung über die zukünftige Unfruchtbarkeit oder gar dem Geschlechtswechsel abverlangt, wie sich bereits aus dem ersten Absatz heraus lesen lässt. Im Gegenteil wird Betroffenen ein wesentlicher Leidensdruck genommen, eine unbeschwerte Jugend eben nicht verhindert, sondern erst ermöglicht. Sollte sich ein so behandeltes Kind nach Jahren der begleitenden Therapie tatsächlich eine Entscheidung treffen, die Ihnen gefallen würde, lässt sich auch die ganz "normale" Pupertät einleiten. Von Genitalverstümmelung an Kindern, wegen derer sie Hypokrates Blitze schleudern lassen wollen, kann keine Rede sein. Nein, das ist keine Kampagne - das ist ein Hinweis auf schlechten, Inhaltlich verdrehtem, polemischen Journalismus.
Ich finde es befremdlich, wie ablehnend die Vorkommentatoren dem Artikel gegenüberstehen. Das sieht ja fast nach einer Campagne aus. Jedenfalls bin ich Herrn Jäger dankbar, daß er mich über diese Dinge informiert hat; schließlich stehen die Bostoner Vorfälle nicht isoliert da, wie man z. B. an dem Fall einer Zwölfjährigen in Victoria, Australien sieht, die sich mit richterlichem Segen einer Geschlechtsumwandlung unterzieht.
Erstens ich entschulde ich als Engländerin für mein fehlerhaften deutsch... Von Behandlungen mit und Gegengeschlechtlich-Hormonpräparaten bei Dr. Spack ist kein rede! Es werden keiner unumkehrbaren folgen von dieser Behandlungen eintreten und keiner Chirurgischen eingriffe erlaubt bis die betroffener Erwachsen ist und selber Vollmundig entscheiden kann. Die Pubertätsblockern vermeiden unumkehrbaren folgen wie (bei frau zu Mann TS) Brust-Bildung, Weiten die Beckenbodens und anfang Regelblutungen was für einer Junge im Mädchenkörper sehr schwer zu akzeptieren ist und leider all zu oft mit Selbstmord endet. (Bei Mann zu Frau TS) verhindern die unerwünschten (Später als Erwachsene frau) Schulterbreite, Stimmbruch und Bartwachstum. Beim Absetzung (jederzeit) ist die unterdrückter Prozess wieder frei und findet normal statt... Die Hormonpräparaten sind lediglich um sonstiger Wachstum (Höhe) zu gewährleisten wenn (und nur wenn) dieser erforderlich ist. Die sind keine Geschlechtshormonen. Es ist Komisch, in USA ist es OK wenn jedes Jahr mehr als 130,000 kinder dieser Pubertätsblockern auf wünsch die Eltern von Ärzte bekommen. NUR die Eltern dieser 130,000 kinder sind überwiegend streng religös und wollen die Frühreife verhindern!
Traurig einen so gehässig formulierten Artikel zu lesen, in dem ein Arzt angegriffen wird, der sich ernsthaft um seine Patienten kümmert. Für Transexuelle ist die Pupertät ein ernsthaftes Trauma. Dabei entstehen Narben die auch bei einer späteren Behandlung nie wieder gutzumachen sind, z.B. der Knochenbau bei beiden Geschlechtern oder die Stimme bei Mann zu Frau Transexuellen. Mit Pupertätsblockern wird keine Geschlechtsangleichung erzwungen - im Gegenteil wird der behandelten Person die Zeit bis zur nötigen Reife eingeräumt, um eine entgültige Entscheidung treffen zu können. Leider gibt es gerade bei der Presse viele Missverständnisse in Bezug auf Transexualität. So wird die Prävelanz eigentlich immer Falsch angegeben, sie ist viel höher und liegt etwa bei 1:2500 oder sogar höher. Zum zweiten wird der Fakt ständig ignoriert, dass die Forschung hinreichend gezeigt hat, dass Menschen Transsexuell geboren werden, und die Gehirne dem gefühlten Geschlecht entsprechen. So aber wird Transsexuellen immer wieder der Nimbus der seltenen geistigen Krankheit angeheftet - und Menschen, die Helfen statt Hindern wollen, auch noch attakiert.