New Orleans, drei Jahre nach „Katrina“

Das Wasser hat auch die Illusionen fortgespült

Ein Gang durch die noch immer zerstörte Stadt offenbart einen Graben, der Amerika spaltet: Ganze Bevölkerungsgruppen sind zu Ausgeschlossenen geworden. Wie im Brennglas zeigt New Orleans drei Jahre nach dem Hurrikan, was in der Weltgesellschaft geschieht. Von Miriam Meckel

Lesermeinungen zum Beitrag

14. Juli 2008 12:23

"Ein Graben aus Egoismus und sozialer Blindheit"

thomas schulz (peanutbutter)

Tut mir leid, Frau Meckel, das ist gelinde gesagt, Unfug. Anscheinend sind Sie schon mit einer vorgefaßten Meinung, mit der deutschen Sozialstaatbrille auf der Nase, in den Flieger gestiegen, um diesen Artikel zu schreiben. Sie haben nicht einmal den Versuch gemacht, die Strukturen dieses Gemeinwesen zu erforschen, sondern nur Belege gesucht, ihr Vorurteil zu bestätigen. Gemeinschaftssinn und Nächstenliebe in den USA ist nicht Aufgabe des Staates. Es ist fast vollständig privat/kirchlich organisiert. Die Bereitschaft von Bürgern und Geschäftsleuten, den Bedürftigen etwas von ihrem Wohlstand abzugeben und ihnen eine Chance zu geben, ihren Traum zu erfüllen, ist in der westlichen Hemisphäre beispiellos. Vollzeit- "panhandler" erbetteln sich täglich bis zu $200 pro Tag, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt sind, die zahllosen, kostenlosen Essensausgaben aus privaten Spenden abzuklappern. Die Tragik von New Orleans ist, daß es kaum noch Leistungsträger in dieser Stadt gibt, die diese Aufgabe wahrnehmen können. Erschwerend kommt hinzu, daß New Orleans neben Denver das Rückzugsgebiet für steckbrieflich gesuchte, hardcore Gangmitglieder aus Südkalifornien war. Appropo Weltgemeinschaft: das ist ihre ganz persönliche Illusion.

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14. Juli 2008 08:00

Herr Uhlig (und Gesinnungsbrueder)- don't wet your pans, friends!

Rolf Joachim Siegen (rolfS2)

Von wem erhoffen sich die selbsternannten Anwaelte des Anti-anti-Amerikanismus Pluspunkte, wenn sie als ebensolche posieren!? Doch nicht etwa von den Amerikanern selbst? Die lachen nur ueber solch naive Ergebenheitsbekundungen aus Europa. Ausserdem: Seit wann habt Ihr die Deutungshoheit dessen, was das ueberhaupt ist: Anti-Amerikanismus ? So, take a deep breath, buddy!

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13. Juli 2008 18:05

Frau Dr. Nolte, wird Amerika wohlfahrtsstaatliche Elemente aufnehmen muessen?

Rolf Joachim Siegen (rolfS2)

Ein politikwissenschaftlicher Vergleich waere da reizvoll zwischen dem, was Europaer einer- und Amerikaner andererseits unter 'social welfare' verstehen, was an sozialen Einrichtungen/Leistungen schon besteht und drittens tatsaechlich funktioniert. Beispiel: M. E. duerfen hiesige niedergelassene Aerzte kostenlose Behandlungen ablehnen, Krankenhaeuser hingegen nicht. Nicht verwechselt werden sollten auch offizielle Verlautbarungen (mit deutlich wohlfahtskritischen Unterton) und bestehenden sozialen Einrichtungen/Programme (z. B. 'No Child Left Behind Act'), die jedoch unsachgemaess, am Bedarf vorbei, eingesetzt werden. Letzteres duerfte haeufig der Fall sein und damit amerikanische Vorbehalte gegen die Institution Wohlfahrtsstaat an sich naehren. Subventionen nach der 'Katharina' - Katastrophe sind unbestritten verschleudert worden. Werden solche Ausgaben nicht kontrolliert? Offenkundig nicht wirksam! Koennen Amerikaner also mit Notlagen und ihren Folgen umgehen? Die vielen gemeinnuetzigen Einrichtungen im Lande sprechen dafuer. Aber es ist eben ein grosses Land mit den Schwachstellen des Foederalismus; Hilfen und Hilfskraefte in den einzelnen Bundesstaaten wirksam zu orchestrieren, ist da an sich ein Meisterwerk.

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13. Juli 2008 17:29

Ausgezeichneter Beitrag

Rolf Joachim Siegen (rolfS2)

Sind Patriotismus und Gemeinsinn in der amerikanischen Gesellschaft nur noch eine Illusion? In den Tagen der Katastrophe regte sich, z. B. auf dem Campus der 'San Diego State University' kein Finger zur Anteilnahme mit den Opfern der Flut. Nichts. Das Geschehen im Sueden des Landes wurde nicht zur Kenntnis genommen. Um fair zu bleiben, sei hinzugefuegt, dass selbst bei den Brandkatastrophen ('wildfires') in Suedkalifornien sich keinerlei Spannungszustaende in der Bevoelkerung zeigten. Diese Gelassenheit war schon bemerkenswert - obwohl die Flammen schon bis in den Stadtbereich vorgedrungen waren. Ein beaengstigender Anblick. Als Europaer sollte man begreifen, dass die Einheimischen ein anderes Verhaeltnis zu den Naturgewalten ihres Landes haben. Hervorzuheben ist bei dem Beitrag von Frau Meckel, dass er sich in seiner Realitaetsbezogenheit wohltuend abhebt von den 'Weltmacht' - Visionen anderer F. A. Z. - Redakteure (Klaus-Dieter Frankenberger, u. a.). Diese Herren halten verbissen an ihren herkoemmlichen Vorstellungen aus den Zeiten des Kalten Krieges fest. Fuer Europaer ist es eine Illusion, sich an den Rockschoessen der Amerikaner festhalten zu koennen, wenn es auf dem Globus stuermt.

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13. Juli 2008 15:25

Nix Neues von Frau Meckel

Stefan Uhlig (printul)

Was an diesem und ähnlichen Artikeln so nervt, ist der penetrant politisch korrekte Anti-Amerikanismus der linken Publizisten. Die gute Frau Meckel braucht für ihren - "ach wie ist das alles so schrecklich unsozial in den USA" - Betroffenheitsjournalismus gar nicht über den großen Teich zu reisen, hier in Europa, speziell in Frankreich aber auch bei uns in Deutschland bereits während rotgrün, haben sich die sozialen Ungleichgewichte verstärkt. Auch hier wurden Illusionen fortgesprült, speziell die von der "sozialen Gerechtigkeit". Apropos: War Frau Meckel höchstpersönlich nicht selbst daran beteiligt als Mitglied einer SPD-Regierung, oder verwechsele ich da was ???

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13. Juli 2008 13:13

einfaltslose Amerikaschelte, Meckelscher Betroffenheitskommentarismus

Maximilian Roth (lettherebelight)

Was wird hier wieder für ein abstruses Zerrbild der amerikanischen Gesellschaft entworfen! Lehrbuchhaft für den irrationalen Antiamerikanismus der Kriegsverlierer: Ein vermeindliches Negativbeispiel wird hergezogen um mal wieder die Verdorbenheit der Amerikanischen Gesellschaft zu proklamieren und lehrmeisterhaft Ratschläge zu gaben. Dabei hat sich bei Katrina niemand in Amerika außer die "Opfer" selber etwas zu Schulden kommen lassen: Die Evakuationswarnungen würden (in den im Artikel treffend) "vom Alkohol der vergangenen Nacht durchtränkten"-Quartiere - natürlich ignoriert. Hätte man diese Menschen am Rande der Gesellschaft zwangsevakuiert, hätte man sich den Vorwurf der Deportationen gefallen lassen müssen. Bei ähnlichen Katastrophen in anderen Staaten gab es keine Vergewaltigungen, Morde, Gangs die auf Rettungshubschrauer geschossen haben und Plünderungen, sondern gut organisierte Nachbarschaftshilfe. Unvergessen, die Bilder der Polizisten die in einem Geschäft Sportschuhe und Fernseher plündern. "Katrina" war ein Mahnbeispiel für die Instabilität von zu schnell in die Freiheit entlassenen Randgruppen in einer Demokratie: Ist die Staatsgewalt ausser Sichtweite tritt sofort der Urzustand wieder ein.

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13. Juli 2008 11:20

Kann die ZEIT nicht mal was anderes drucken

Torsten Klier (TorstenKlier)

als die albernen Opfergeschichten, die absurden Rekursionen und Verdrehungen der Ursache-Wirkung-Beziehung? Ach ne, sehe gerade es ist gar nicht die ZEIT, sondern die FAZ. Und da der Artikel keine Merkmale von Satire enthält, ist er wohl ernst gemeint. Was uns zur Frage führt: Liebe Redaktion, was soll das?

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13. Juli 2008 10:37

Lower Ninth Ward

Peter Reinike (P.Maikaefer)

Sehr dichter und mit Herz geschriebener Artikel über New Orleans, aber eben auch als Brennspiegel des heutigen Amerika. Was ist aber mit solchen Initiativen, wie der von Pitt und seinen Bemühungen, den Wiederaufbau des Lower Ninth Ward voranzutreiben? Welche Relevanz haben solche privaten Initiativen für den Gesamtprozess der Wiedergewinnung der zerstörten Stadträume von New Orleans?

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13. Juli 2008 10:01

Unterschwellige Aussage ist typisch

Karsten Krug (kkrug)

aber de Fakten lassen sich immer so interpretieren wie am möchte. New Orleans hatte schon immer eine starke Anteil an Afroamerikaner. Ein Blick auf die Karte und ins Geschichtsbuch klären einiges. Und wo ist denn Obama-Strahlemann in dieser Tragödie, und wo war er wo Bush und seine "Buddies" so erbärmlich versagten? Es ist doch immer dasselbe, es wird geheuchelt was das Zeug hält und für ernsthaftige Lösungen hat keiner Geld. Die von Katrina getroffenen Siedlungen hätten nie gebaut werden dürfen!!! Damit sind sie unterste Kategorie, wo jeder der es schafft weg will.

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13. Juli 2008 02:07

pure Ödnis, soziale Kälte, oder...

O. D. (cromagnon)

wie mich dieses Gejammere in Cinemascope und Dolby Surround anödet. Wenn für den Menschen die Dicke des Portemonaies und das frisch gestrichene Haus im Villenviertel Maßstäbe für das Glück auf dieser Erde sind, dann herzliches Beileid. Ein Merkmal allen sozialen Gerechtigkeitsjammerns ist die materialistische Definition von Leben und Glück, obwohl das doch eigentlich dem Feind (Kapitalismus?) nachgesagt wird... und natürlich die Abwesenheit von Religiösität und wirklicher Moral...

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13. Juli 2008 00:01

the pursuit of happiness...

Gabriele Nolte (gano)

das Streben nach Glück, das die Unabhängigkeitserklärung garantiert, sollte man nicht verwechseln mit dem Erreichen desselben. Ein solcher "Kurzschluß" geht am Selbstverständnis Amerikas vorbei. Es ist sicher richtig, daß die Nach-Katrina-Entwicklung in New Orleans auf verhältnismäßig kleinem Raum das Auseinanderklaffen von arm und reich in den USA zeigt. Aber ähnliches kann man an vielen Orten der USA beobachten, wenn man sich die Mühe macht, hinzusehen. Es hat das Land als Ganzes offenbar noch nie gestört: Amerika ist kein Wohlfahrtsstaat und will auch keiner werden. Und Obama's "Yes, we can!" ist doch eher der emphatische Aufruf zur Selbsthilfe als die Ankündigung staatlicher Wohltaten. Wenn man sich den Unterschied zwischen Amerika und Deutschland verdeutlichen will, so bieten sich, wie mir scheint, die Katrina-Katastrophe gegenüber dem letzten Oder-Hochwasser als prägnante Bilder an.

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