Wissenschaftssprache

Dümmer auf Englisch

Die Verödung der Wissenschaftssprache schreitet voran: An deutschen Universitäten ist Englisch inzwischen in 250 von insgesamt 1976 weiterführenden Studiengängen („Master“) alleinige Unterrichtssprache. Was ist zu tun? Vorschläge von Stefan Klein („Die Glücksformel“).

Lesermeinungen zum Beitrag

17. Juli 2007 13:35

Englischkurse für Ausländer

Christian Braun (christianbraun)

wären konsequent, anstatt immer auf den
mal wirklich mal angeblich unzureichenden
Deutschkenntnissen der Einwanderer
herumzureiten.

Wozu soll jemand die Landessprache lernen,
wenn die Einheimischen sie selbst nicht können ?

Schließlich sind es, wie dieser Beitrag zum x-ten Mal
belegt, in erster Linie die Deutschen selbst, die ihre
Sprache zunehmend durch einen pseudo-englischen
Kauderwelsch ersetzen und darauf auch noch stolz sind.
(eben der Stolz von Hinterwäldlern, die Anbiederung
mit Weltläufigkeit verwechseln)

Ohne die ganze Argumentationsmühle dieses schon
mehrfach durchgekauten Themas wieder aufzuwärmen,
denn die Betroffenen wollen es sowieso nicht verstehen
und brüsten sich auch noch damit, nicht in der Lage zu sein, einen zusammenhängenden Satz auf Deutsch ohne
englische (oder erfundene pseudo-englische) Kunstwörter
formulieren zu können, nur ein Gedanke zum Schluss:
wer seine Sprache aufgibt und nur noch anderen nachplappert, wird auch zunehmend unfähig,
eigene Ideen zu entwickeln.

Was das für ein Land wie Deutschland bedeutet, dessen
Wohlstand auf Forschung und Entwicklung beruhen soll,
dürfte auf der Hand liegen.

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15. Juli 2007 00:52

Deutsch als Wissenschaftssprache hat ausgedient

Rolf Reber (rreber)

Deutsch als Wissenschaftssprache hat ausgedient, weil sie von Generationen von Akademikern missbraucht wurde, um mit abgehobener Unverständlichkeit ihre scheinbare Kompetenz zu demonstrieren. Psychologen an einer geisteswissenschaftlichen Fakultät wurde empfohlen, den Vortrag so unverständlich zu gestalten, dass auf Schwachpunkte erpichte Professoren anderer Wissensgebiete keine kritischen Fragen stellen könnten; in der Tat kam besser weg, wer komplexe Statistiken präsentierte. Solche Fehlhaltungen haben Deutsch als Wissenschaftssprache zerstört!
Wo Hierarchie und Imponiergehabe herrschen, da bleibt die Qualität auf der Strecke. Weil Deutsche vermehrt in angelsächsischen Zeitschriften publizieren, haben sie nicht zuletzt gelernt, dass Forschung besser gedeiht, wenn man einfach schreibt, offen redet und einander als Gleiche behandelt. Der amerikanische Einfluss war nicht Imperialismus, sondern Befreiung.
Die interessierte Öffentlichkeit wird sicher nicht auf dem Laufenden gehalten, indem Forschungsarbeiten wieder auf Deutsch geschrieben werden, sondern indem Forscher selbst Beiträge und Bücher für eine allgemeine Öffentlichkeit schreiben. In einer Einfachheit, die man eher an amerikanischen als deutschen Universitäten lernt.

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13. Juli 2007 12:21

Aktiv gegensteuern

Andreas Wiesand (AJWiesand)

Klein sein Dank, auch für einige der Vorschläge. Das von ihm geschilderte Problem verschärft sich noch in den Sozial- und Kulturwissenschaften, in denen die Sprache selbst Gegenstand und vor allem kommunikativer Motor der Forschung ist. Gegen "etablierte Zitations- und Publikationskartelle", von denen Leser Weller in seinem Brief spricht, kann man sich inzwischen auf internationalen Terrains nur noch in English durchsetzen, bzw. man könnte es tun: Wir haben das Konzept einer Internet-Datenbank für die deutschsprachige Kulturforschung entwickelt, die Zusammenfassungen der Ergebnisse auch in Englisch anbietet, damit ausländische Wissenschaftler wenigstens angeregt werden, sich auch mit Arbeiten in deutscher Sprache zu befassen. Ob dieser Vorschlag realisiert wird, bleibt abzuwarten.

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13. Juli 2007 00:19

Nur alltagsnahe Wissenschaft schafft Wissen

Hermann H. Dieter (DieterHH)

Der Beitrag Kleins war überfällig. Niemand vermag einem Forscher spannendere Fragen zu stellen als aufmerksame ("wissenschaftliche") Beobachter alltäglicher Phänomene. Deshalb schafft Wissenschaft, die sprachlich den Kontakt zum Alltag verliert und ihre Erkenntnisse nicht in die Form von bildhafter Alltagswahrnehmungen rückübertragen kann (oder will), kein Wissen, sondern wird ignorant und ist arrogant. Sicher hat auch die Wissenschaft das Recht auf eine internationale Geschäftssprache, genannt Wissenschaftssprache. Zum kreativen inter-, trans- und gesellschaftlichen Dialog taugt diese Einfachstsprache aber nicht. Wissenschaftlern, die sich diesen Dialogfeldern im eigenen Land ohne jede Not durch Sprachflucht entziehen, gehören die öffentlichen Geldhähne gesperrt. Wer den Dialog dagegen aktiv pflegt, muss beruflich dafür honoriert werden.

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10. Juli 2007 15:48

Wissenschaftssprache - Ein gut recherchierter Bericht sehr geehrter Herr Klein

Jürgen Weller (Wotan8)

und es wäre wünschenswert, wenn dieses Thema eine breite Resonanz bewirken würde! Wir mit unserer Lesermeinung können jedoch leider nur Luft ablassen u. es darf bezweifelt werden, ob die Hauptverantwortlichen des Dilemmas unserer Muttersprache das Thema überhaupt berührt, noch die daraus resultierenden Probleme begreifen?

Unsere Muttersprache war nicht nur die Sprache der Dichter, Denker und Romantiker, sondern bis zum unseligen 2. WK auch die führende Sprache unserer Wissenschaft! Nach dem verlorenen Krieg hatte man unserem Volk das amerikanische System übergestülpt- u. damit "auch" seiner kulturellen Wurzeln beraubt.

Die Hauptverantwortlichen für die Verstümmelung unserer Muttersprache sind zumeist die meinungsmachenden Medien- u. Politik, die sich im Einbringen von immer mehr Inglizismen in unsere Muttersprache gegenseitig übertreffen- und dabei in ihrer Drittklassigkeit noch besonders Klug vorkommen!

Sprache ist ein wertvolles Kulturgut, das einer pfleglichen Behandlung bedarf. Die v. g. Verantwortungsträger wie auch die mit der Erziehung unserer Nachkommenschaft betrauten Lehrkräfte haben im besonderen Maße eine Vorbildfunktion zu erfüllen, sonst werden sie bald die Totengräber unserer Kultur sein!

J. Weller

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07. Juli 2007 17:05

Englisch als flüchtige Distinktion

Jürgen Helmchen (helmchenJ)

Schade, dass in diesem Artikel nicht auch deutlich ausgesprochen wird, dass die Verwendung des häufig sehr spezifisch reduzierten und noch häufiger grottenschlechten Englisch auf nichts weiter hinweist, als auf machtgestützte Reputationsverteilungsprozesse, die auch nicht selten mit den mittlerweile etablierten Zitations- und Publikationskartellen einhergehen. Aus dieser Perspektive bekommt das Problem eine Wendung, die es erlauben würde, eine international orientierte "Soziologie" des modernen Wissenschaftsbetriebs zu erstellen (meinethalben auf Englisch). Aber ob das sich eine(r) traut? Von den Fachsprachen-Englisch kauderwelschenden wird gegen obstinat anders orienterten Sprechern flugs immer der Vorwurf des Kulturchauvinismus erhoben; es ist ihnen schon nicht mehr ersichtlich, dass elaborierte Verwendung der eigenen (wie und wo auch immer erworbenen) Sprache vor allem in der wissenschaftlichen Arbeit die Voraussetzung des Fremdsprachengebrauchs ist. Warten wir's ab: für Hysterie hält die Geschichte keine langen Zeiträume bereit.

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07. Juli 2007 08:55

Massengeschmack

Rolf-Peter Lacher (Ganbat)

Ist es in Geschichte und Politik, in Wirtschaft und Gesellschaft nicht so, dass sich immer als Fehler und Irrtum und Sackgasse erweist, was der großen Masse einleuchtet und wovon sie überzeugt ist? Alle mediokren Politiker haben die Schuldenfinanzierung des Wohlstands für perfekt gehalten, alle mediokren Umweltpolitiker halten Bio-Kraftstoff für die Lösung und alle mediokren Wissenschaftler halten das Englische für die Lösung, um ihrer banalen Mittelmäßigkeit zu entkommen.

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07. Juli 2007 00:11

Dumm gelaufen

Wolfgang Schilcher (wolfy2)

Das ganze fing doch mit den Pacioli und dem Galilei an die haben sich vom Latein verabschiedet und recht hatten sie damit, aber jeder der nachfolgenden erfolgreichen Wissenschaftler hat die Forschung mit seiner (Mutter) Sprache, "verschränkt" (Schrödinger war damals führend) und damit beeinflusst. Wenn heutzutage, nehmen wir das Fach Biologie, die english sprechenden Wissenschaftler das Fachgebiet dominieren, dann determinieren sie auch die Begriffe und na gut Sie schlagen vor das gehört via Publikum übersetzt, das ist ja die Aufgabe der Presse, die österr. Tagesz. Die Presse ladet dazu Wissenschaftler ein zu publizieren aber Bitte in Deutsch. Dass aber das ein Nachteil für uns ist wie die Skandinavier schon wieder einmal für sich feststellten, weil auch Wissenschaft wie die Kunst aus dem Vol heraus entsteht und nichts abgehobenes ist, na dann Investiert mal mehr in die Forschung, dann dominiert das deutsche Wort, wieder.

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06. Juli 2007 22:09

Wissenschaftssprache

Bärbel Schröter (Barbino)

Ich finde dieses Plädoyer für die deutsche Sprache in Seminaren und Vorlesungen an Universitäten und Instituten ganz großartig.

Obgleich ich mit Englisch nicht allzu großen Schwierigkeiten habe (ich lebte ein paar Jahre in England und nutzte die Sprache auch beruflich), ist meine Erfahrung: Sprache ist ein sehr diffiziles Terrain - im täglichen Umgang und ganz bestimmt erst recht in der Wissenschaft.

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06. Juli 2007 21:09

Deutsch als Wissenschaftssprache?

Jean Harlsson (Jean_Harlsson)

Obwohl waehrend meines Studiums keine regulaeren Lehrveranstaltungen in Englisch angeboten wurden, frage ich mich ob ich wirklich auf Deutsch studiert habe. Viele wissenschaftliche Publikationen verfallen unnoetig in den Nominalstil, suggerieren Objektivitaet indem sie ist+zu+Infinitiv verwenden und nutzen Fachbegriffe wo diese den Inhalt eher verschleiern.
Wissenschaftliche Lehrbuecher in deutscher Sprache sind so teilweise unverstaenlicher als entsprechende englische Texte, auch wenn man kein englischer Muttersprachler ist.

Deswegen waere es schoen, wenn deutsche Wissenschaftler erst lernen wuerden sich verstaendlicher und damit auch klarer auszudruecken und damit der deutschen Sprache wieder eine Chance geben.

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06. Juli 2007 19:04

Nachtrag: Das Gute an Englisch für Deutsche ist, ...

Franz Müller (Franzy)

dass es halt die Weltsprache Nr.1 ist, d.h. man kann diese Sprache nahezu überall auf der Welt anwenden, jedenfalls in touristisch erschlossenen Gebieten, was man vom Deutschen eben nicht sagen kann.

Bei Reisen ist es sehr beruhigend, wenn man wenigstens Englisch soweit drauf hat, dass es zur Verständigung und einfachen Gesprächen reicht.

Ich verstehe, dass die Wissenschaft und Wirtschaft bestrebt sind, mehr und mehr nur in dieser Sprache zu kommunizieren. Man ist überall einfach sofort "drin". Man ist sofort im Fluss, ohne weitere Umstände und rund um die Welt. Der Russe veröffentlicht seinen Beweis der mathematischen Vermutung in Englisch und der deutsche Interessierte versteht sie sofort, auch der Japaner, nicht nur der Amerikaner. So eine Sprache installiert zu haben, ist 'ne feine Sache.

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06. Juli 2007 18:22

Ist Englisch eine Primitivsprache?

Gottfried Strobel, Ing.i.R. (icc)

Z.B: Ein Flugzeug hat doch Tragflächen und keine Flügel.
Wenn ich Flügel höre denke ich an Entenflügel und bekomme Appetit.
So habe ich es gelernt.
Vom mittelalterlichen angelsächsischen Mess-System (z.B: inch, foot, yard) ganz zu schweigen.
Da bleibe ich (mit meinen 80 Jahren) lieber bei meinem deutschen Dezimal-System.
Ich hoffe Sie verstehen was ich damit sagen will und denken nicht ich sei nur ein alter Nationalist?

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06. Juli 2007 18:16

Das "Dumme" an Englisch für Deutsche ist, ...

Franz Müller (Franzy)

dass es halt nicht die Muttersprache ist. Nur in der Muttersprache kann man die feinen gedanklichen Nuancen ausdrücken, die man auf englisch (in anderen Sprachen noch viel schlimmer) eher radebricht.

Es fehlen halt die Wörter. Um sich in der Lingua Franca genauso gewandt wie im Deutschen ausdrücken zu können, wäre man gezwungen, stets beide Sprachen zu sprechen und einzuüben, d.h. tägliches systematisches Training über viele Jahre hinaus.

Angelsachsen haben den Vorteil, sich darin nicht weiter abmühen zu müssen, Deutsche haben dafür den Vorteil, eine eigentlich größere geistige Leistung zu vollbringen.

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06. Juli 2007 17:30

Deutsch in der Wissenschaft

kurt schupp (Platino99)

Diese Initiative von Herrn Klein kann ich nur begrüßen. In der Politik hat man es begriffen, da werden in Europa Hunderte von Übersetzern beschäftigt, um die gesprochenen Gedanken für jedermann aufzubereiten. Es wäre ja auch eine Katastrophe gewesen, wenn ein Kohl sich in Englisch artikuliert hätte!

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