Tagung in Bremen: Grass als Zuhörer

Literatur

Zopfgeburten: Günter Grass als Medienfigur

Die Debatte über Günter Grass' Mitgliedschaft in der Waffen-SS hat seiner Autobiographie zumindest kurzfristig Leser weggenommen. In China hingegen ist man begeistert von ihm, und auch in der muslimischen Welt wird er gefeiert: Erkenntnisse auf einer Tagung in Bremen.

Lesermeinungen zum Beitrag

14. Oktober 2007 19:16

Die Heuchelei des Günther Grass

Harry LeRoy (Cimon)

Was die meisten Journalisten gerne verschweigen, ist die Wirkung die Grass' Zugehörigkeit zur Waffen-SS auf sein Werk und Wirken hat. Alle seine impertinenten Postulate wirken nun fragwürdig: Wie hätte er Kiesinger als Mitläufer bezeichnen gekonnt, wenn ihn dessen tu quoque erwartet hätte? So verschwieg er seine Vergangenheit und spielte sich als selbstgerechter Richter über andere auf, im Namen der Gerechtigkeit und der höheren Moral; mag dies nun seine Art sein, mit seiner "Schuld" umzugehen, aber eines sollte man nicht vergessen: Geheilt hat ihn vom Nationalsozialismus nur die Niederlage desselbigen. Er steht also völlig anders in der Geschichte als die Geschwister Scholl oder der Graf Stauffenberg.

Und wie ambivalent das Verhältnis des Günter Grass zu den Grundlagen unseres Staatswesens sind, hat der so genannte Karikaturenstreit - der Versuch religiöser Fanatiker mit Gewalt und Drohungen die Meinungsfreiheit abzuschaffen - gezeigt: Er selbst beansprucht für sich durchaus gern und häufig das freie Wort, bei anderen jedoch akzeptiert er dies nur solange sie sich seinen Vorstellungen entsprechend äußern.

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06. Oktober 2007 19:39

Billig

Gregor Keuschnig (GregorKeuschnig)

Kein Mensch - am wenigsten Nickel - bezweifelt beispielsweise, dass "Beschäftigung mit antisemitischen Stereotypen ins Aufgabengebiet der Literaturwissenschaft fällt". Insofern zielt Ihr Vorwurf ins Leere: Eben indem Nickel dokumentiert, dass die Zitate aus Walsers Buch entweder schlichtweg falsch sind oder mutwillig aus dem Kontext gerissen und somit verzerrt dargestellt werden, zeigt er den fahrlässigen Umgang der FAZ-Redakteure mit der Wahrheit auf.

Und das Handke "donquijoteske[r] Solidarität mit dem Serbien des Slobodan Milosevic" bezeugt habe, ist in dieser Komplexitätsreduzierung eben falsch und wird durch dauerndes Wiederholen nicht besser.

Ihre Replik auf Nickels Vortrag ist in just dem Ton geschrieben, der Bestandteil der Kritik ist. In dem man sich auf den moralischen Königsthron setzt, der zur Not mit Ellenbogenchecks verteidigt werden muss und entscheidendes zur "Verteidigung" der inkriminierten Autoren verschweigt oder umbiegt, erhält man einen enormen medialen "Vorschuss" an Deutungshoheit. Hieraus saugt man dann den Nektar. Das man nicht so genau gelesen hat - das macht ja nichts. Es liest ja kaum jemand nach.

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04. Oktober 2007 10:56

gutes geschäft-gg

martin randau-rudolf (nitramf1000)

grass macht es seinem freund schröder nach.im alter im kapitalismus angekommen und richtig gut kohle machen...
gg=grosser geist+gutes geschäft.

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03. Oktober 2007 10:33

Grass

Alfons Schröer (Delphi1)

Kann die FAZ in Sachen Grass objektiv sein? Ich hab da Zweifel...

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01. Oktober 2007 20:17

So uebel war Handke nicht

Friederine Teich-Erdmann (Teich-Erdmann)

Man muss es noch mal lesen, google fragen, das Interview, das Handke der Sueddeutschen Zeitung, das war es wohl, gab. Auch wenn man die von den USA angefuehrten Interventionen zugunsten von Kroatien, wo die Kraina Serben vertrieben wurden, Bosnien und dem Kosovo richtig fand, so hat Handke doch im Wesentlichen voll Recht. Vor allem in seinem Ekel vor der Vergewaltigung der Sprache. In diesem Sinne wirklich ekelhaft ist uebrigens auch das Afghanistan Engagement von Renate Kuenast, wer haette ihr sowas zugetraut...

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