....wird - warum auch immer - gern und in einer unglauglich selbstzerstörerischen Intensität negativ übertrieben. Vor allem dann, wenn es um solche Dinge wie Leistung, Forderung, Bewertung, Pflicht, Anstand, Moral usw. geht. Als ob das alles schlechte Dinge sind. Ich bedaure dies sehr.
... Herr Günter. Mir spricht der Artikel ebenfalls aus der Seele. Ich finde, wir täten alle gut daran, nicht die Hauptaussagen des Textes durch absichtliche Übertreibung ins Lächerliche zu ziehen oder sie zum „Drill im Nazistil” zu deklassieren. Der Autor hat sehr präzise formuliert, was er unter einer positiven Autorität versteht und diese von purer Machtausübung und von mißbrauchter Autorität gut verständlich abgegrenzt.
Ein sehr gelungener Beitrag - wirklich! Ich möchte fast sagen, wie aus der (meiner) Seele geschrieben.
Gleiches kann ich aber nicht von einigen Kommentaren behaupten, die diesen Beitrag begleiten. Mir scheint, dass einige Menschen gewissen Worten schon mit Abneigung begegnen. Wenn sie also Worte wie "Tugend", "Disziplin" oder "Gehorsam" lesen, schrillen bei ihnen die Alarmsirenen. Dabei haben diese Worte und damit deren ursprüngliche Bedeutung nichts Negatives (per se). Was in der Geschichte daraus gemacht wurde, ist etwas anderes. Aber wir sollten wieder lernen, neutral an Begriffe heranzutreten und versuchen, sie im ursprünglichsten Sinne zu verstehen. Ist denn die Farbe "braun" schon deshalb unausstehlich, weil die Nazis braune Uniformen trugen? Ist denn "Autorität" wirklich etwas Schlechtes, nur weil das Wort in der Geschichte aber auch in den heutigen Medien "vergewaltigt" wurde/wird? Beim Lesen eines solch gelungenen Beitrags sollten wir versuchen, die gewählten Worte auf ihre ursprüngliche Bedeutung hin zu verstehen und sie nicht mit unserer eigenen Interpretation und Auslegung zu versehen, die ganz anders sein kann und die der Autor so möglicherweise nicht gewollt hat.
Schon der erste Satz des Artikels macht mich stutzig: Eltern haben absolute Macht ueber Kinder? Wenn das so waere, brauchte man Artikel wie diese nicht zu schreiben. Mir kommt es eher so vor, als ob Eltern eben gerade realisieren, dass sie keine absolute Macht besitzen und das aber aendern wollen.
Ich weiss nicht genau, wie dieses 'absolute Macht ueber Kinder haben wollen' anfing; fuer unseren Kulturkreis sind sicher Luther und Calvin wichtig. Nur darf man deren Schriften doch nicht fuer Beschreibungen der menschlichen Natur oder idealer Zustaende nehmen. Sie sind Wunschgebilde, die eine gewisse Chrakterstruktur der Autoren verraten (E. Fromm, "Furcht vor der Freiheit").
Was den Geltungsanspruch "Kinder fuehlen sich geborgen, wenn sie ihre Eltern als maechtig erleben" angeht, kann ich nur daran erinnern, dass das im besten Fall die halbe Miete ist. Wer kann sich denn nicht an die unangenehmen Seiten kaprizioes gebrauchter Macht erinnern? Und was sich selbst antiautoritaere Erziehung nannte, hat doch auch wieder nur die Kinder instrumentalisieren wollen (eine bessere, freie Zukunft zu bauen, usw.). damit schoss man sich selbstverstaendlich ins Knie.
"Jugendliche sehnen sich nach Autorität"
Diesen Satz hört man - komischerweise - häufig. Einen (wissenschaftlich erhärteten) Nachweis für diese These vermisse ich allerdings; sie widerspricht auch eigenen Erfahrungen. Vom Alter her gehörte ich zur sog 68er Generation , ohne mich allerdings mit deren politischen Zielen zu identifizieren. Aber ohne "Antiautoritär" zu sein, wäre mir (so auch meinen Geschwistern oder Freunden) eine "Sehnsucht" nach Autorität niemals in den Sinn gekommen. Da, wo Autorität notwendig ist (z.B. in der Armee), wurde sie akzeptiert (aber keinesfalls herbei"gesehnt"), und dort, wo das Leben auch "ohne" funktionierte, wurde Autorität als anmaßend empfunden. Das hatte nichts mit "Antiautoritär" zu tun, sondern mit den Inhalten und deren Legitimation. Viele Eltern waren schlau genug, sich mit ihren Jugendlichen nicht auf fruchtlose Konflikte um sinnentleerte (und letztlich alberne) Prinzipien einzulassen. Auch in Bildungseinrichtungen galt, anders als beim Militär: Fachliche Kompetenz - ja, fachliche Autorität - ebenfalls ja. Aber der Lehrer wurde als Dienstleister, der Bildung vermittelt, wahrgenommen. Einen darüber hinausgehenden "Führungsanspruch" beinhaltete diese Funktion keinesfalls !
Kindern, denen von ihren Eltern keine - natürlich liebevoll festgelegten! - Grenzen gesetzt werden, haben viel Freiheit. Der Preis: Diese Kinder verlieren konsequent auch das Vertrauen, dass die Eltern ihnen helfen können, wenn sie in eine Situation kommen, mit der sie überfordert sind. "Wenn meine Eltern nämlich", so die logische Perspektive des grenzenlos frei aufwachsenden Kindes, "nur machen, was ich will, und ich nicht weiß, was ich will oder tun soll, wie sollten sie mir dann helfen können. Ich traue ihnen diese Hilfe nicht zu."
Grenzen setzen und Autorität ausüben - das baut also auch Vertrauen auf und gibt Kindern Sicherheit. Und Erziehungsfehler, die dabei wohl allen Eltern oder Lehrern irgendwann einmal unterlaufen, können auch korrigiert werden. Denn: Jeder Erziehende, der seinen Auftrag ernst nimmt, reflektiert regelmäßig das, was er tut. Kinder nehmen keinen Schaden und die ie Autorität der Erziehenden wird sogar verstärkt, wenn der Mut da ist, einen Fehler einzugestehen und zu korrigieren.
Guter Beitrag. Die zunehmende Vielfalt an Supernanny programmen zeigt, dass unsere Generation offenbar mit der Erziehung von Kindern nicht klarkommt.
Sie sind unsere heiligstes - unser wertvollstes und so überschütten wir sie mit Aufmerksamkeit und Zuneigung bis auch das letzte Bisschen Respekt gewichen ist. Die Kids übernehmen indirekt die Rolle des Familienoberhäuptes und terrorisieren nicht nur die Eltern, sondern auch ihr Umfeld mit assozialem benehmen.
Und alles, weil den armen Eltern niemand beigebracht hat, wie das denn läuft mit der Authorität. Wie wär's denn, wenn der Staat ein wenig mehr Aufklärung betriben würde, bevor das Schlamassel angerichtet ist? Unserer Gesellschaft würde es gut tun.
Ich will hier ja niemandem zu nahe treten, aber der gute Mann konnte sein Erziehungskonzept doch nur bei ausgewählten "Schäfchen" ertesten und verfeinern. Schon bei normalen Schülern / Jugendlichen bezweifle ich den Erfolg dieser Ansichten, von Schülern der Rütli-Schule gar nicht zu sprechen.
Ich halte es außerdem für höchste gefährlich von Tugenden und Gehorsam etc. zu sprechen. Dass hört sich nach "guter Schule" aus den 30er Jahren an, obwohl hier versucht wird das Thema nochmals abzufangen. Alles in allem kann man den guten Autor getrost in die Ecke "Super-Nannies / Mutter" stecken. Die haben genauso viel Ahnung von Erziehung scheinen die Pauschallösung für alles parat zu haben. Als Normal-Sterblicher kommt einem dann eher das Mittagessen wieder hoch.
Übrigens bin ich selbst aktiver Feuerwehrmann. Ob man hier Disziplin sprechen kann, sei dahin gestellt. Es geht um Training und Einsatzpraxis, denn wenn neben einem ein Mensch im Auto eingeklemmt ist, dann ist Routine und Wissen gefragt. Von Disziplin oder Gehorsam spricht man da erst an zweiter Stelle!
Schoen, dass diese Meinung wieder zulaessig ist! Als "anti-authoritaer" erzogenes Kind habe ich genau wie meine Freunde immer darunter gelitten, dass man schon waehrend der Kindheit keinen festen Halt geboten bekam. Dadurch wurde ich selber sehr unsicher und konnte die daraus folgenden Komplexe kaum verkraften. Es ist schon grausig, dass dieser Sonderweg in Deutschland so lange fuer etwas Gutes gehalten wurde.