Moralist Günter Grass

Beichten Sie, es wäre für Sie eine Erleichterung!

Günter Grass und Wirtschaftsminister Karl Schiller waren Freunde. Bis der Autor der „Blechtrommel“ den angesehenen Politiker dazu aufforderte, mit seiner NS-Vergangenheit an die Öffentlichkeit zu gehen. In zwei der F.A.Z. vorliegenden Briefen von 1969/70 zeigt sich Grass auf der Höhe seiner Verdrängungskunst. Von Wigbert Löer

Lesermeinungen zum Beitrag

09. Oktober 2006 00:10

Grass

Gustav Lebeding (Lebeding)

diese fazzistischen kleingeistigen Beiträge. Christliches Gesülze! Einem 17jährigen Verantwortung aufzubürden, wo die Volljährigkeit in unserem Lande erst - wann? eingeführt wurde, ist schon irre. Man kann es nicht mehr lesen, dieses Gefazze!

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29. September 2006 23:57

Das Gezeter der Meinungsmacher

karl maus (advocatus1)

Hätte Grass mit 17 einen Mord begangen, er wäre nach dem Jugendstrafrecht verurteilt worden, hätte seine Strafe abgesessen, diese wäre aus dem Register getilgt und er hätte gegenüber jedermann darüber schweigen, ja die Tat ableugnen dürfen.

G. aber hat eigentlich nichts getan (keinen Schuss abgegeben), sondern wurde als halbes Kind nur auf Untaten vorbereitet, wogegen er sich, wie die meisten, nicht bzw. kaum gewehrt hat. Und dennoch versuchen unsere Meinungsmacher mit aller Kraft, diese Mücke zu einem Jumbo aufzublasen.

Warum?

Dass unsere staatstragenden Schreiber dennoch den G. angeifern, hat seinen Grund: Bis 1989 war G. gut als der geläuterte Vorzeigedeutsche, der seine, und die deutsche Vergangenheit unter Schmerzen aufarbeitet. Seit 1989 will Deutschland wieder was sein: „Selbstbewußte Nation“, die in aller Welt höchstberechtigt mit rumballern will und kann. Und da ist G. eine unangenehme Erinnerung an die „Pubertät“ dieser Nation. Eine Erinnerung, die verunsichernd auf den ohnehin politikmüden deutschen Staatsbürger wirken könnte.

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29. September 2006 23:44

Ich erleichtere mich, meine Beichte

karl maus (advocatus1)

Ich habe bisher in der Öffentlichkeit verschwiegen, dass ich bis zum 18./19 Lebensj. Anhänger der CDU, auch der FDP war, so gar die FAZ für eine seriöse, ernstzunehmende Zeitung gehalten habe. Über letzteres muss ich gar nicht erst reden. Aber auch bei der CDU hätte mir der Klarname „Club der Unzurechnungsfähigen“ genügend Warnung sein müssen, ganz zu schweigen von den Altnazis, die sich in CDU und FDP tummelten und lediglich ein Lippenbekenntnis zur Demokratie lieferten. Mein eigener Vater war so einer.

Wird mir jetzt noch je einer glauben? Darf ich mich noch öffentlich politisch äußern?

Ganz unernst ist meine kurze Glosse nicht gemeint. Ich würde sagen, die meisten finden ihre grundsätzliche politische Position erst zwischen 25 – 30. Wie hier einige zu Recht angemerkt haben, was einer in jungen Jahren politisch an Quatsch vertreten und praktiziert hat, zählt nix, wenn er hinterher anders draufkommt. Zwischen einem 17-jährigen Grass und einem Schiller, der erwachsen der NS beigetreten, bis 1945 dabeigeblieben ist und Karriere gemacht hat, bestehen welche relevante Gemeinsamkeiten: Gar keine!


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29. September 2006 11:06

Wenn man im Glashaus sitzt...

Jutta Hamberger (Myshkin)

Die Grass-Debatte hat etwas Enervierendes. Denn derjenige, der eigentlich mitreden, genauer gesagt, Rede und Antwort stehen sollte, schweigt. Mal von den kurzen Auslassungen Herrn Wickert gegenüber, bei denen er auf 'ich wußte nichts, ich habe es vergessen, ich war jung' etc. plädierte.
Das könnte man akzeptieren, wenn Grass anderen gegenüber die nämliche Haltung eingenommen hätte. Aber Grass hat sich zeit seines Lebens als moralischer Scharfrichter aufgespielt. Das war schon immer widerlich, aber vermutlich trug es zu seinem Ego-Wachstum bei. Er wurde darin ja auch bestätigt von vielen Intellektuellen und Politikern, die sich ihrerseits wiederum im Lichtes des Schriftstellers sonnten.

Walter Kempowski hat kürzlich gesagt, er selbst sei in ähnlicher Lage wie Grass gewesen, habe sich aber nicht für die Waffen-SS entschieden, weil man damals sehr wohl wußte, daß das eine Verbrecherbande war. Auch von einem 17jährigen könne man so viel Einsicht erwarten. Aber Einsicht ist Grass' Sache wohl nicht. Es bleibt ein Schatten zurück, den er wohl nie mehr loswird, nicht jetzt, und schon gar nicht posthum. Der Moralist als Feigling - das ist mal eine neue Rolle für Grass. Dafür gibt's keinen Persilschein.

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29. September 2006 10:23

WARUM ging es anders?

Thomas Seifert (Thomas_Seifert)

Liest man bei Fest nach, ist doch - bei aller Hochachtung - schnell klar: Das "Ich nicht!" ist einem 15- oder 17jährigen sowenig als Verdienst zuzurechnen wie einem anderen das "Auch ich..." als Schuld. Fest hatte "Glück" mit einem antinazistischen Vater, viele andere junge Leute hatten einen solchen Rückhalt gegen Verführung und Verhetzung nicht. War das ihre "Schuld"? Fest darf stolz sein - auf seinen Vater. Was ihn selbst angeht, so bleibt ihm Erleichterung und Dankbarkeit.

Es ist schon sehr bedenklich, wie jetzt versucht wird, Fälle wie Kiesinger oder Schiller mit dem "Fall" Grass auf eine Ebene zu stellen. Durch diese Ver-Gleichung werden erwachsene Männer, die wussten, was sie taten, unter der Hand ent-schuldigt - zulasten von Hitlers Kanonenfutter-Generation. Grass, Ratzinger und all die anderen verhetzten Jugendlichen ihrer Generation haben sicherlich Grund zur Scham. Doch zugleich hatten sie alles Recht, nach 45 ihre Väter-Generation zur Rechenschaft zu ziehen.

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29. September 2006 07:59

kalter Kaffee

Martin Buchwald (Denken)

Wen interessiert dieses Thema bitte überhaupt noch. Da ist doch kalter Kaffee.

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28. September 2006 21:47

Scham?????????

Ernst G. Pohlhausen (titopoli)

Wenn Grass sich geschämt hätte, hätte er auf seine unsäglichen Polemiken verzichtet. Nein - Grass hat sich nicht geschämt - nie.

Ein Mensch, der sich schämt, verhält sich anders.

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28. September 2006 20:59

Mit 17? Es ging auch anders!

Ernst G. Pohlhausen (titopoli)


Joachim Fest mit 17: "Ich nicht"
Walter Kempowski mit 15: "Nein"

Es ging also auch anders. Selbst darin irrt Herr Grass - oder er hat es die ganze Zeit gewußt. So what! Eigentlich. Aber:

Wenn es nicht auch darum ginge, dass diejenigen, die 1969/70 unter den Talaren den Muff von tausend Jahren witterten, sich nun selbst in Talare hüllten um ihren Mief darunter zu verstecken. Grass im Frack (Talar) bei der Nobelpreisverleihung. Lachhaft. Man lese die Laudatio doch bitte noch einmal. Lachhaft.

Grass hat ein Millionenepublikum über Jahrzehnte getäuscht und dieses Publikum weigert sich standhaft die Augen zu öffnen.

So war es damals, so ist es jetzt und so wird es sein. Gottseidank gibt es einen Joachim Fest, einen Walter Kempowski und manchen anderen.

Warum haben die wohl nicht so dümmlich herumpolemisiert?

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28. September 2006 19:24

Grass hat sich NICHT freiwillig zur Waffen-SS gemeldet

Vladimir Vlad (rafnixx1)

Auch wenn diese Lüge wohl bewußt und absichtlich dauernd wiederholt wird.

Freiwillig meldete er sich zur U-Boot Waffe. Zur Waffen-SS wurde er zwangsweise eingezogen, wie viele Hunderttausend anderer auch.
Also, ich frage mich, warum wiederholen immer dieselben Zeitungen immerfort dieselbe Fehlinformation? Soll so eine "Wahrheit" geschaffen werden, obwohl Grass selbst als auch zahlreiche Andere das Märchen der Freiwilligen SS-Meldung wiederlegen?
Woher kommt dieser Hass gegenüber Grass?
Welchem Zweck dient das herunterschreiben und verleumnden von Grass?

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28. September 2006 18:32

Gavarit Pankow

thomas neeb (orant)

Bei der vorhergesagten Wetterlage im abgedruckten Grass-an-Schiller Faksimile bleibt offen ob der kubanische Tabaksdunst nicht eher dem Ludwig Erhard zuzudeuten sei , anstatt dämliche Vermählungskunst auf der Wehner-Brandt Bühne ala Ohnesorgtheater zu suchen - mit anderen Worten : nicht noch mal den selben Intendanten für die selbe Regiebesetzung

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28. September 2006 18:03

Moralist Günter Grass

Jürgen Vogt (Vogt8)

Was kann da eigentlich überraschen? Es war doch klar, wie dieser Mensch gestrickt ist. Die Veröffentlichungen der letzten Wochen sind da nur noch eine Bestätigung. Sein pathologischer Haß auf die Konservativen wären aber eine interessante Sache für den Psychiater; vielleicht eine Auswirkung der eigenen Verstrickung?

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28. September 2006 17:46

Zunehmend uninteressant

Robert Klemme (rklemme)

Ich finde diese Debatte zunehmend uninteressant. Fakt ist, GG hat seine Glaubwürdigkeit selbst beschädigt. Fakt ist auch, dass deshalb nicht alles falsch wird, was er schrieb. Natürlich macht es sich immer schlecht, von anderen Dinge zu fordern, die man selbst nicht bereit ist zu tun. Aber so wichtig ist Grass auch nicht mehr, dass man sich jetzt monatelang darüber echauffieren muss. Seine Zeit, die Zeit des großen Einflusses durch Intellektuelle wie ihn, ist sowieso längst vorbei.

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28. September 2006 17:43

Günter Grass

Helmut Schröder (meitai)

Ein 17jähriger hat doch keine NS-Vergangenheit. Auch ein Günter Grass ist mit 17 ein pubertierender Grünschnabel gewesen, den man noch nicht wirklich ernst nehmen musste. Wie Karl Schiller zu sehen ist und ab da etwas zu vergleichen ist, kann ich nicht beurteilen, aber Günter Grass hatte nicht das Bewußtsein, dass er ein Nazi war. Zur SS gehören zu wollen, ist doch vergleichbar mit den Träumereien heutiger Jugendlicher, Wunderkräfte wie Spyder- oder Superman zu haben.

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28. September 2006 17:24

Grosser Quatsch

Benjamin Janutta (hosenlatztrommler)

Ganz offensichtlich werden doch hier Aepfel mit Birnen verglichen. Mit Doppelmoral hat das meiner Ansicht nach wenig zu tun!

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28. September 2006 17:11

Moralist Günter Grass

Hans-Joachim Harbisch (bisquitking)

Dieser Brief an Karl Schiller offfenbart die ganze perfide Doppelmoral dieses Physeudo- Moralisten Grass.
Was für Andere gelten muss, hat für ihn keine Bedeutung.

Hans-J. Harbisch

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