Hörisch contra Müller

Weitergepöbelt

Von Patrick Bahners

09. Juli 2008 Der Literaturwissenschaftler Jochen Hörisch setzt im virtuellen öffentlichen Raum seine Kampagne gegen den Literaturkritiker Burkhard Müller fort. Den Verriss seiner Aufsatzsammlung „Das Wissen der Literatur“ durch Müller in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 7. März hatte Hörisch mit einem „Offenen“ Elektrobrief beantwortet, der durch Zahl und Prominenz der ihn in Kopie erhaltenden Empfänger einige Aufmerksamkeit erregte (siehe: Hörisch rauft mit Müller).

Dem Mannheimer Lehrstuhlinhaber, der die SPD der Ära Scharping in Sachen Medienkompetenz beraten hatte, war offenkundig die Erneuerung eines altmodernen Mediums der Literaturkrachgeschichte geglückt. In Zeiten der Weiterleitung von Posteingang durch Knopfdruck ist es einerseits leichter, sich durch Lärmschlagen in eigener Sache hörbar zu machen, andererseits bedeutet es kaum noch Distinktion, bevorzugter Adressat eines solchen Zirkulars zu sein. Hörisch hatte sich seine Erstleser so ausgesucht, dass jeder, dessen Name sich nicht auf der Liste fand, fürchten musste, nicht zu den „Meinungsführern der kulturellen Öffentlichkeit“ zu gehören, die nach den Angaben des Internet-Kulturklatschmagazins „Perlentaucher“ sämtlich von Hörisch bedacht worden waren (siehe Perlentaucher 1, P. 2 und P. 3).

In seinem neuesten „Offenen Brief“ an Müller wiederholt Hörisch den Vorwurf der „stillosen Pöbelei“ und bezichtigt seinen Kritiker mit Formulierungen aus dessen Besprechungen anderer Bücher der „entstellenden Schlamperei“ und des „naiven Größenwahns“. Anlass für den jüngsten Ausfall ist, dass Hörisch die Kontroverse in der Neuauflage seines Buches dokumentieren wollte und Müller seine Zustimmung zum Abdruck seiner Beiträge von der Einsicht in die Druckfahnen abhängig machte. Als „lachhafte, aber offenbar ernst gemeinte Bedingung“ bewertet Hörisch diese Selbstverständlichkeit. In Kopie erreichte die Invektive, so sie nicht von Wortmüllfiltern abgefangen wurde, unter anderen Norbert Bolz, Dieter Borchmeyer, Bazon Brock, Micha Brumlik, Hans Magnus Enzensberger und das Deutsche Literaturarchiv in Marbach.



Text: F.A.Z.

 
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