Ich muss mich schon sehr wundern, wie man die Nacktkämpfer-Szene als witzigste des Films honorieren kann. Gerade an dieser Stelle musste man sich doch fragen, ob man im falschen Film gelandet ist. Ich kann wohl zustimmen, dass einige Leute, sich "in Sicherheit wiegend" tatsächlich die unglaublichsten Dinge gesagt haben, tatsächlich gibt es auch einige Stellen zum Lachen in diesem Film. Aber: auch mir bleibt die Grenze zwischen versteckter Kamera und gestellten Szenen zu undurchsichtig und ein fiktives Land zu wählen, hätte ich auch eindeutig für die bessere Lösung gehalten. Ich muss schon sagen, dass mir ganz eindeutig einige Male das Lachen gewaltig im Halse stecken geblieben ist. Und das nicht, weil ich etwa allergisch auf Juden-, Frauen-, oder Homosexuellen-Witze reagiere. Das fande ich nicht das pikante an dem Film. Aber zu oft musste ich mich fragen: was soll das? Gerade die Nacktkämpferszene war doch zu "populistisch". Ich kann daran wirklich nichts komisches finden. Außer, dass alle Welt über so einen Müll lacht.
Nach dem Besuch des Films kann man nur sagen: All die Vorab-Lobpreisungen des Films im Feuilleton sind bemühte Überhöhungen. Klar ist da vieles zum Brüllen komisch, aber alles geht eindeutig auf Kosten anderer.
Sascha Baron Cohen macht sich eben nicht über sich selbst, sondern über sich als "Kasachen" lustig. Das ist der ganze Gag. Kaum jemandem sonst wird hier, wie vollmundig angekündigt, "die Maske vom Gesicht gerissen", außer einem Halbfaschisten mit Cowboyhut und drei dreiviertel-besoffenen College-Studenten versuchen alle Personen, halbwegs ihre Contenance angesichts dieses debilen Hinterwäldlers zu wahren; Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit etc. entstammen allein den Invektiven Cohens und stoßen jeweils auf Irritation und Hilflosigkeit. Daraus lässt sich den jeweils überrumpelten "Gesprächspartnern" Cohens kaum ein Vorwurf machen - wenn es sich hier überhaupt um Dokumentarisches handelt, was in vielen Fällen zweifelhaft erscheint.
Hätte Cohen sich wenigstens irgendeinen fiktiven Staat, meinethalben "Kirgachistan", ausgesucht - gebongt, dann ginge das Ganze als Jackass-Variante für Intellektuelle durch. Aber so? Von Kasachstan weiß ich wenig - aber nach dem Film kann ich den Ärger der Kasachen gut verstehen.
Dass witzigste an diesem Film ist nicht, dass Borat selbst sich daneben benimmt. Das witzige ist doch, wie gewisse Einstellungen der US-Amerikaner entlarvt werden. Selbst wenn die Intention des Films weder politisch noch moralisch ist, der Effekt bleibt bestehen. Der Unterschied zu Michael Moore: Borat ist so verdammt witzig, dass einem das Lachen nicht im Halse stecken bleibt...