19. Februar 2006 Mit scharfen Worten haben Politiker und Verbände am Sonntag den türkischen Kinofilm Tal der Wölfe kritisiert. Der Streifen sei antisemitisch und antiamerikanisch, sagte der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet (CDU). Ähnlich äußerten sich auch der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) und der baden-württembergische Innenministers Heribert Rech (CDU).
Laschet will zunächst die Jugendfreigabe des Streifens kippen. Am Montag werde er einen entsprechenden Antrag beim Appellationsausschuß der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK) der Filmwirtschaft stellen, sagte Laschet der dpa. Damit bestätigte er einen Bericht des Nachrichtenmagazins Focus. Die FSK selbst hatte den Film zunächst erst ab 18 freigegeben. Nach dem Einspruch des türkischen Filmverleihs mußte sie die Altersbegrenzung jedoch auf 16 Jahre senken.
Gewalt in Nahaufnahme
Der Film zeige viele Gewaltszenen in Nahaufnahmen, kritisierte Laschet. Es werde unter anderem gezeigt, wie sich ein Selbstmordattentäter in die Luft sprenge und einem Gefangenen bei lebendigem Leibe Organe entnommen würden. Ich denke, daß das erste Votum der FSK gerechtfertigt war, sagte der Minister. Unabhängig von der Überprüfung der Altersgrenze muß eine politische Debatte über den Film stattfinden, forderte Laschet. Der Film ist latent antisemitisch und antiamerikanisch. In dem Streifen werde ein christlich-jüdischer Feldzug gegen die Muslime dargestellt. Der Film schürt Haß und entfremdet die Religionen. Dies könne auf Jugendliche sozial desorientierend wirken, sagte der Minister. Und wenn ich sehen, daß Jugendliche nach dem Film klatschen, dann zeigt das, daß er schon so gewirkt hat.
Bayerns Ministerpräsident Stoiber hatte in der Bild am Sonntag gar die Absetzung des Streifens gefordert. Dieser unverantwortliche Film fördert nicht die Integration, sondern sät Haß und Mißtrauen gegen den Westen, wird Stoiber in der Zeitung zitiert. Er fordere die Kinobesitzer auf, den Haß-Film sofort abzusetzen. Dieser Forderung schloß sich am Sonntag auch Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) an. Der Film schürt antisemitische und antiamerikanische Ressentiments, spaltet Kulturen und radikalisiert vor allen Dingen türkische Jugendliche, sagte der Minister.
Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte sich mit einem entsprechenden Appell gemeldet. Wer diesen Film zeige, unterstütze den Haß auf jüdische Menschen und die Angriffe auf Werte der westlichen Zivilisation, erklärte die Zentralrats-Vizepräsidentin Charlotte Knobloch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Tatsache, daß es bei Vorführungen des Films in München zu Beifall bei Szenen mit antisemitischer und antiamerikanischer Hetze gekommen sei, zeige die Absicht der Macher.
In dem Film geht es um die Verschleppung türkischer Soldaten durch amerikanische Elitetruppen im Nordirak. Im Film rächt sich ein türkischer Rambo an den Amerikanern.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: Maxximum Film