31. August 2006 Der Stadtrat von Danzig hat Anstrengungen aufgegeben, dem Schriftsteller Günter Grass wegen seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen. Die im Stadtrat von Grass' Geburtsstadt dominierenden Konservativen legten am Donnerstag anders als erwartet keinen entsprechenden Antrag zur Abstimmung vor.
Der Chef der konservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) in der Region Danzig, Jacek Kurski, sagte, ein Antrag zur Aberkennung der Ehrenbürgerwürde hätte im Stadtrat wohl keine Mehrheit gefunden. Es war die erste Sitzung des Gremiums nach dem Bekenntnis von Grass, mit dem der Literatur-Nobelpreisträger auch internationale Diskussionen über seine Rolle als moralische Instanz ausgelöst hatte. In Polen hatten Kurski sowie der polnische Ex-Präsident und Anführer der Gewerkschaft Solidarität, Lech Walesa, die Front der Grass-Kritiker angeführt. Walesa hatte seine Kritik an dem 78jährigen jedoch relativiert, nachdem Grass in einem Brief an Danziger Ratsmitglieder erklärt hatte, warum er seine SS-Vergangenheit so spät enthüllt hatte.
Startauflage vergriffen
Der Steidl Verlag hat derweil bereits 250.000 Exemplare des neuen Buches Beim Häuten der Zwiebel von Günter Grass gedruckt. Die Startauflage von 150.000 Exemplaren ist zwei Wochen nach dem Verkaufsbeginn vergriffen, die zweite Auflage von 100.000 Büchern unterwegs zu den Buchhändlern, sagte eine Verlagssprecherin am Donnerstag in Göttingen. Das Erinnerungsbuch des Nobelpreisträgers über seine Kindheit und Jugend liegt an der Spitze der Spiegel- und der Focus-Bestsellerliste. Die Übersetzungen für England, die Vereinigten Staaten, Frankreich und Dänemark sind bereits in Vorbereitung und erscheinen aller Voraussicht nach 2007. Im Dezember ist eine Übersetzerkonferenz mit Grass in Lübeck geplant. Erwartet werden etwa 20 Übersetzer europäischer und außereuropäischer Sprachen.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa, Reuters
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb