
Totschlagargument, Diffamierung des Diskutanten - typisch 68er!

Nun, Herr Stadelmaier hat theatralisch reagiert und Macht ausgeübt. Es was nicht notwendig, die Sache hochzukochen. Er hätte einfach sitzen bleiben sollen, und seine Arbeit machen. Aber Herr Stadelmaier, wollte einen Skandal. Jetzt hat es seinen Skandal. Wohlgemerkt: seinen Skandal. Als Kritiker, oder allgemeiner: als Berichterstatter, hat er zu berichten über das, was passiert. Und nicht über das, was ihm passiert. Selbst wenn ihm was passiert, und er also Handelnder wird, hat er darüber als BERICHTERSTATTER zu schreiben, und nicht als BETROFFENER. Die Zeitung ist für Dritte, die über ein Geschehnis informiert werden wollen, und nicht ein Medium, um eigene Befindlichkeiten in die Öffentlichkeit zu tragen. Herrn Stadelmaier empfehle ich folgendes Buch: Die Blattmacher von Roderich Reifenrath, Frankfurt 2003. Denn Herr Stadelmaier sollte wissen, was einer Journalist tun und was es lassen sollte. Ich selbst bin auch Journalist, und war ebenfalls in der Situation, angegriffen z werden. Im Gegensatz zu ihm, bereinigte ich die Situation an Ort und Stelle. Metron ariston das Maß ist das Beste.

Mich ärgert nur, daß auch solche unsäglichen Theateraufführungen vom Steuerzahler subventioniert werden.

Es ist doch peinlich: nachdem der Inhaber der Aufführungsrechte interveniert hat, wird das gleiche Stück als "Being Lawinky" geboten. Ehre wem Ehre gebührt?
Dr. Rainald Maaß, Heidelberg

Was wäre auf der Basis Ihres 'Grundkonsens' die Funktion des Theaters? Von Kunst?
Die scharfe Trennung von 'Wirklichkeit' und 'Spiel' macht das Spiel beliebig, überflüssig. Bestenfalls wollen Sie offenbar unterhalten werden, aber 'angemacht' bitte nicht.
Natürlich weiß das Theater das längst und begnügt sich deshalb nicht mehr mit dem hamlet'schen Spiel im Spiel. In einer von ökonomischen Interessen durch und durch pornografierten Welt nimmt es zwangsläufig deren Obszönitäten in seine Rituale auf.

das es uns ermöglicht einen so wundervollen Ausblick auf die Gemüter unsres Volkes genießen zu dürfen. Die Postings, die einen Angriff in der beschriebenen Weise, auch noch guhtheißen, lassen erkennen, dass etliche Leser diesen Sumpf an Trivialität, spätpubertärem Gehabe und Provinzialität auch noch gutheissen. Sind es dieselben, welche der Freiheit der Kunst angesichts der Mohammed-Karrikaturen doch gewisse Grenzen gesetzt wissen wollen?
Ich weiß es nicht. Ich weiß nur eines: mit Menschen, die Fäkalorgien als Gipfel der Kunst feiern und den Kritiker am liebsten gesteinigt sehen möchten (ist er doch selbst schuld, wenn er sich diesen Beruf aussucht), möchte ich nichts gemein haben.
Kaum zu glauben, dass es sich hierbei im Menschen handelt, die für sich vermutlich die Attribute: erwachsen, tolerant und vermutlich auch aufgeklärt, in Anspruch nehmen dürften. Richtig ist sicherlich, dass es schwierig geworden ist, noch mit irgendetwas zu provozieren. Wenn es denn gelungen sein sollte: genügt dies, um Kunst zu qualifizieren?

Auf BerlinOnline vom 20.02.2006 erfährt man eine andere Darstellung des Vorgangs und fragt sich, warum was im Artikel von Gerhard Stadelmaier weggelassen wurde. Hintergrund-Infos fehlten bislang - ist es ein Rachefeldzug? Ein Auftritt, der schon lange geplant, schon lange fällig war? Was war zuvor geschehen? Nun liest man vom Regisseur Sebastian Hartmann, daß niemand ihn zu diesem Vorfall angerufen habe, und seine Schilderung des Tathergangs läßt einen anderen Eindruck zurück. U.a. kommt man auf Gedanken wie folgende: 1. daß man Redakteure mit bestimmten Vorlieben vielleicht besser zu Theaterstücken ihrer Vorlieben schickt (obwohl ich selber dies für ein Armutszeugnis hielte) und nicht zu solchen, die sie vom Grundsatz her sowieso verabscheuen. 2. So der Ablauf "Melde-gehorsamst-OB-ist-informiert" stimmt, sollte sich derjenige, der dies in Gang gesetzt hat, mal eine halbe Stunde Zeit und Ruhe nehmen und über Dinge wie Öffentlichkeit, Toleranz, Übermaß nachdenken. Solche Reaktionen sts. Öffentlichkeit und Politik mit Folgen für eine Existenz (Entlassung Lawinky) sind etwas anderes als Kindergarten! - Mir ist bewußt, daß es kein freies Theater gibt (Subventionierung), aber so zu tun, als hätten wir eins, und dann jemanden vor die Tür setzen ist schäbig! Man mag über provokatives Theater, Kunstanspruch usw. denken, wie man will (und es perfide austesten), aber dem Theater mit Mitteln wie einer Entlassung zu kommen entspricht dem Verdikt des Maulkorbs.

so Focus im Netz. Weiter: "„Im Gegensatz zu Frankfurt sind im Berliner Ensemble die Haupttugenden des Theaters ausdrücklich erwünscht: Phantasie und Improvisation, Frechheit und Toleranz, Selbstironie, Sex, Geschmacklosigkeit, Subversion, Unsittlichkeit [...] Kritiker- und Selbstbeschimpfung und so weiter und so fort bis ans Tor der Hölle", erklärte Peymann."
Richtig nett. Hoffentlich wird nicht auch noch "Tod eines Kritikers" inszeniert oder vielleicht sogar in Szene gesetzt. Reality-TV muss nur richtig Konkurrenz gemacht werden. Dann kommen auch wieder mehr Leute in das vielfach mit öffentlichen Mittel subventionierte Theater. Ein bisschen Spass muss man doch verstehen können.
Dr. Rainald Maaß, Heidelberg

ich schlage vor, Regisseure schreiben eigene Stücke, zB. "ich pinkel in eine Flasche". Es geht mir ziemlich auf die Nerven, wenn ich Antigone sehen will und aber des Regisseurs zehntausend Einfälle rund um den Stoff oder auch nicht rund um den Stoff bestaunen soll. das ist als ob ich Schokolade kaufe und nachher ist im Päckchen Brausepulver.
Und: Ich möchte Intelligentes sehen, deswegen geh ich ins Theater. Niveaulosigkeit, Inneres nach Außen stülpen, pipikacka, die Ration gibts täglich und umsonst in Talkshows, Privatfernsehen und Werbung.
Und: Ich möchte Intelligentes lesen: deshalb Stadelmeier, immer wieder und gar nie genug.
Mirjam Glaser
1 Publikum

Jetzt warte ich nur noch auf die Inszenierung eines neuen Theaterstückes mit dem Titel: Tod eines Kritikers.

Fassungslos habe ich Gerhard Stadelmaiers Beitrag "Angriff auf einen Kritiker" gelesen - Welches künstlerische Selbstverständnis, welche Berufsauffassung, welche wie auch immer geartete Ethik in Bezug auf das eigene Tun und auf die im wahrsten Sinn des Wortes "an-vertrauten" Werke muß eigentlich hinter dem beschriebenen Verhalten des Schauspielers stehen?
Es ist Herrn Stadelmaier hoch anzurechnen, daß er in seiner bestimmt absolut treffsicheren Analyse, welche Haltung zu einem solchen Ausraster überhaupt erst führen kann, einen Punkt bescheiden ausgespart hat: Wenn seine Beschreibung des Abends auch nur annähernd stimmt, muß viel blanker Neid im Spiel sein. Denn ganz ohne Zweifel ist Stadelmaier ein Wortvirtuose und Stilist, der seinesgleichen sucht. Kriterien, die das von ihm grandios karikierte Theater selbst anscheinend nur schwer zu erfüllen vermag ?
Traurig stimmt mich indes vor allem ein anderer Umstand: Vorfälle wie dieser schwächen die Theater-Lobby allerorten so nachhaltig, daß wohlfeile Kürzungsvorschläge sicher bald wieder Hochkonjunktur haben werden. Und diese Konsequenzen haben dann auch Künstler zu tragen, die ihr Publikum noch ernst nehmen.

War der Auftritt vielleicht Kunst? Ist Kunst nur dann - nach dem Verständnis wohl Linksintellektueller - Kunst, wenn sie provoziert? Die veröffentlichten Beiträge irritieren mich massiv. Soll ich Mitleid haben mit Lawinky? Natürlich sind Kritiker mächtig; Reich-Ranicki ist es; Reich-Ranicki durfte es literarisch spüren. Aber körperliche Übergriffe und massive Beleidigungen coram publico sind keine borderline-Störung sondern eindeutige Zeichen von Krankheit, auch juristisch.
Dr. iur. Rainald Maaß, Heidelberg

Der Vorfall, den ich nicht miterlebt habe, ist für meinen Geschmack durchaus unerfreulich. Dass die FAZ ihn allerdings als Skandal auf Seite 1 hebt, stellt doch eine Überbewertung dar! Der Artikel "Ein Angriff" im Feuilleton der gleichen Ausgabe schließlich misslang völlig in seiner Intention, die Kritikerbeschimpfung zur Erniedrigung des gesamten Publikums zu stilisieren.
Ein routinierter Theatergänger sollte wissen, worauf er sich einlässt: Schauspiel lebt, und Schauspieler sind Menschen, emotionsgeladene dazu.
Bernd Litke, Essen

Bemitleidenswert sind sie, die alt-revolutionären Theatermacher, ihre pubertierenden Nachzügler und andere, die auf dem inzwischen ausgezehrten Gaul der Provokation - ausgezehrt in einer Gesellschaft, die höchstens noch (und hoffentlich) rituelle Morde auf einer Bühne erschrecken könnten -, als Helden der Kunstgeschichte herangeritten sein möchten.
Wo ist das Ende ihrer "Freiheit" und wo verlaufen die Umrisse einer zu wahrenden Form entlang? Oder wäre da keine Form zu wahren? Dann aber wäre da auch keine Kunst, denn Kunst verlangt nicht minder nach Form als nach Freiheit.
Es entsteht Explosionsgefahr, wo sich Provokation verselbständigt und zum eigentlich Erstrebten in der Kunst oder anderswo deklariert. Es wäre daher die allmähliche Rückentwicklung dieses langlebigen Ungeistes der "mutigen" aber inhaltsarmen, gänzlich unfruchtbaren Provokationen und Formlosigkeiten zu begrüßen.
Ereignisse wie das in der Frankfurter Schmidtstraße könnten solches Umdenken einleiten.
Nur Mut, Herr Stadelmeier!

Ich finde auch, Sie haben das etwas hoch aufgehangen. Klar, die eigene Wahrnehmung von sich selbst. Über so Sachen schläft man besser einmal, und wenn man nicht einschlafen kann, erst recht.

Bei allem Verständnis für das persönliche Ärgernis, das die Vorgänge im Schauspiel Frankfurt für Herrn Stadelmaier bedeuteten - ich hätte mir einen sachlicheren, weniger subjektiv gefärbten Bericht gewünscht.
Die Vorkommnisse für sich sprechen zu lassen, eine objektive Darstellung hätte vollkommen genügt, um die Ungeheuerlichkeit der Ereignisse augenfällig zu machen.
Ich stimme zu, was Herrn Stadelmaier passiert ist, war ein Angriff auf einen Kritiker und damit ein Angriff auf die Öffentlichkeit des Publikums. Daß es jedoch - bei allem Respekt - gerade ihn getroffen hat, ist sachlich nicht relevant. Daher habe ich es als störend empfunden, daß der Beitrag mit einer Haltung des persönlichen Beleidigtseins untermalt war.
Wenn man zudem den Invektiven eine strukturelle Theaterlogik attestiert, dann begibt man sich in meinen Augen damit zugleich auch der Möglichkeit, sie außerhalb einer Theaterkritik zu verhandeln.
Hans-Christoph Kupfer

Es ist bemerkenswert, daß Herr Stadelmaier im Zuge seiner Schilderung des Vorfalls im Frankfurter Theater auf das "sozialliberale Millieu" zu sprechen kommt, bei dem das Stück, das er sich anzusehen und zu besprechen beabsichtigte, bei dessen Erstaufführung auf Ablehnung gestoßen sei.
Es ist genau dieses Millieu, das mit Kampfparolen wie "Enttabuisierung" und "Aufbrechen von Verkrustungen" unser Land in den vergangenen Jahrzehnten geistig durchsetzt hat und dabei auch die Ideale und Werte des klassischen Bildungsbürgertums, zu denen schließlich auch einmal ein anspruchsvolles Theater gehörte, zerstört hat.
Der Begriff der "Freiheit der Kunst" wird inzwischen so weit überdehnt und fehlinterpretiert, daß eine andere wichtige demokratische Freiheit, nämlich die Pressefreiheit, darunter zu leiden hat.

Da kritisiert die FAZ seit Wochen mit Recht einen Skandal- nämlich, daß auf Grund von in einem, im Weltmaßstab gesehen, Provinzblättchen veröffentlichten Karikaturen, Menschen zu Tode kommen.
Gleichzeitig geht ein Kritiker dieser Zeitung in ein Provinztheater, in dem offenbar mit Geschmacklosigkeiten und Übergriffen zu rechnenen ist. Als es nun zu einem solchen kommt - noch dazu, wenn man den Berichten glaubt, nicht ganz zufällig, schreit dieser: Skandal!
Ist hier nicht ein wenig die Verhältnismäßigkeit aus den Fugen geraten?
Die Pressefreiheit ist tatsächlich bedroht. Jedoch gewiss nicht von notizblockraubenden Schauspielern...
SJ

Im deutschen Sprachgebrauch ist Kritiker negativ belegt und verlangt schon des Wortes wegen, eine Kritik.
Positive Kritik bedarf eines Zusatzes und ist kein eigenständiges Wort. Deshalb wäre es sinnvoll diese Berufssparte mit einer aussagekräftigen Berufsbezeichnung zu belegen, die positive belegt ist. Bühnenkundschafter oder Bühnenresultator wären sinngemäßer und würden den Journalisten aus seiner persönlichen Meinung entlassen.
Allerdings sollte für derartige Schauspielerei nicht unbedingt "Theater" als Überbegriff gebraucht werden. Hier wäre genauso ein anderer Begriff denkbar: Vielleicht Surreal-Theater.
Leider hat die deutsche Sprache mit den extremen Entwicklungen in der Kunst nicht mithalten können und klassifiziert im Jahrhunderte alten Wortschatz.
Somit sehe ich den Schauspieler als Opfer, da er leider keine eigene Kolumne in der Zeitung hat, um seine Meinung zu publizieren. Dieses Recht obliegt dem TheaterKRITIKER.

Wenn ich schon lese "ein gefürchteter Thaterkritiker", dann verstehe ich darunter jemanden, der "Auftritt", um anderer Leute Arbeit zu kritisieren. Das kommt dabei auch meistens raus. Oft sind das dann auch Leute, die das, was sie kritisieren, selbst bestimmt nie gekonnt haben.
Traurig, dass dann auch noch ein Schauspieler fliegt! Traurig für Deutschland!

Wörtlich z.B. aus dem Artikel: "... Als ich nach dieser Attacke auf meinen Körper und meine Freiheit, die nichts weniger als die Freiheit der Presse ist, den Saal verlassen wollte, rief er mir, wie gesagt, jenes „Hau ab, du Arsch! Verpiß dich!” nach."
Das ist schon ein seltsames Verständnis von Kunstfreiheit, das der Gast aus Magdeburg, der Herr Lawinky, da zum Besten gibt. Die Freiheit ist immer auch die Freiheit des anderen; mir kommen die Tränen, wenn weinerlich das Lied von der Unschuldsvermutung gesungen oder "Audiatur et altera pars" gefordert wird. Aber daran krankt ja unsere verzogene Gesellschaft, die sich und die Opfer, und nicht die Täter, für den Grund aller Übelkeit hält.
Dass der Vorfall sich wie berichtet zugetragen hat, daran habe ich keinen Zweifel. Die gezogenen Konsequenzen sind arbeitsrechtlich angemessen.
Dr. iur. Rainald Maaß, Heidelberg

ich trage kurz zusammen, was aus bisher drei verschiedenen FAZ-Artikeln über das "Skandälchen" herauszulesen war:
Während einer Theateraufführung haben Sie mit einem Ihrer Kritikerkollegen geschwatzt und leise gelacht. Ein Schauspieler hat Sie daraufhin angesprochen. Daraufhin haben Sie sich ein Wortgefecht mit dem Schauspieler geliefert, der Sie dabei beschimpfte. Heute haben Sie Strafanzeige gegen den Schauspieler angekündigt. Er wurde - trotz einer umfangreichen Entschuldigung an Ihre Adresse - sofort entlassen.
Nur zu verständlich, daß dem Schauspieler in der FAZ kein adäquates Podium geboten werden kann. Aber in meinen Augen geschieht hier durch Vermischung aller Argumente und die Anrufung der hehren Pressefreiheit ein Unrecht am Schwächeren, das Sie - durch stille Größe, indem Sie die Entschuldigung des Schauspielers akzeptieren - verhindern hätten können.
Pressefreiheit immer gern - aber Kritiker, die während der Aufführung so auffällig schwatzen und lachen, daß es auf der Bühne wahrgenommen wird, mißbrauchen meiner Meinung nach ihre Position. Ein trauriger Abend für das Theater, sicherlich - aber ebenso für die Zunft der Kritiker. Da mag die Inszenierung noch so übel gewesen sein.
Ein ehemaliger Schauspieler (ist schon lange her)