Verunsicherte Wesen: Eltern

Schuldebatte

Über Eltern dürfen wir nicht schweigen

Kaum zeigt die Debatte um das Turbo-Gymnasium politische Wirkung, da mischt Lotte Kühn, Bestseller-Autorin des „Lehrerhasserbuches“, mit ihrem neuen Werk „Supermuttis“ die Szene auf. Von Christian Geyer

Lesermeinungen zum Beitrag

12. Februar 2008 20:12

Eltern in der Pflicht

Sebastian Himpler (Himpler)

Diesen Artikel finde ich sehr gelungen, ich denke ein gesundes Mittelmaß ist wie so oft ratsam. Da ich 2007 mein Abitur gemacht habe traue ich mir eine Beurteilung zu, so erlebt man oft Eltern die ihre Kinder zu perfektionieren versuchen, ihre Kinder zu Leistungsmonster machen, das ist das größte Problem des Systems. Daraus resultiert nämlich die ungleiche Verteilung der Schüler auf die Schularten. Generell meine ich, dass viele Gymnasiasten nicht das Leistungsvermögen für diesen Schultyp mitbringen. Um diesen Kindern nun doch zu ihrem Abitur zu verhelfen wird eine riesige Maschinerie in Gang gesetzt, bestehend aus Nachhilfe usw. Natürlich haben diese Kinder dann einen Full Time Job. Meiner Erfahrung mit dem Abitur in 12.5 Jahren (Rheinland Pfalz) ist, dass diese Verkürzung zwar sinnlos ist, aber das Abitur auch in 12,5 Jahren ohne viel Stress sehr gut zu bewältigen ist. Die wichtigste Aufgabe der Schule besteht meiner Meinung nach sowieso darin, das Interesse der Kinder an Bildung zu wecken.

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08. Februar 2008 12:48

Alles schön und gut, doch über Eltern UND Schule dürfen wir nicht schweigen

Angela Spietschka (a-spie)

Ich stimme zu, es ist gut, wenn diverse Bildungsdebatten im schulischen wie im häuslichen Umfeld endlich auf einen realistischen Boden gesetzt werden.

Doch möchte ich zu bedenken geben: Meine Mutter konnte sich noch darauf verlassen, dass die Pädagogen, auf die ich traf, ihren Schülern in der Regel engagiert und wohlwollend entgegentraten. In meiner Schulzeit boten in der Grundschule die Klassenlehrer sogar noch Hausbesuche an, um das Kind und sein Umfeld besser kennenzulernen. Nie wäre es passiert, dass der Lehrer, nachdem er selbst zum Elterngespräch geladen hatte, gesagt hätte: "Ja, Ihr Kind. ... Das ist immer so unauffällig. Da kann ich Ihnen gar nicht dazu sagen." (Keine zugespitzte Anekdote, sondern meiner direkten Nachbarin genau so passiert).
Meine Mutter konnte sich noch darauf verlassen, dass es halbwegs einen Konsens darüber gab, was ein Schüler am Ende seiner Schulzeit an Inhalten durchlaufen haben musste. Sehr gering war die Gefahr, dass ich Objekt unausgegorener pädagogischer Experimente wurde.

Nach meinem Empfinden können sich Eltern genau darauf heutzutage nicht mehr verlassen. Wen wundert es, dass viele in Aktionismus verfallen, um diese von ihnen empfundenen Lücken des Bildungssystems zu kitten?

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08. Februar 2008 12:43

Normalisierung beginnt im Kopf leider ist der Kopf (Regierung) krank

Udo Fischer (udofr)

In D-Land können Kinder vielleicht noch in ländlichen Gegenden Kinder sein. Aber in einem Land wo per Richterlichen Beschluss Kindergärten hinter Lärmschutzmauern verschwinden. Wo Kinder die Ihrem natürlichen Bewegungsdrang folgen mit Ritalin gefügig gemacht werden. Wo Kitas in Kinderdeponien umgewandelt werden muss man nicht über Eltern reden die Ihr bestes für die Kinder wollen. Mann sollte viel mehr den Eltern die Möglichkeit geben sich wirklich um die Kinder kümmern zu können. In D-Land müssen Heute Frau und Mann arbeiten gehen um nicht am Existenzminimum dahin zu siechen. Alles für die Wirtschaft alles für das Kapital und noch mehr für die Aktionäre das ist Deutschland!
Nicht nur immer die Konzerne entlasten, sondern die Familien damit die sich um unsere Zukunft (Kinder) kümmern können.

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08. Februar 2008 11:54

Gerade stehen müssen ?

Markus Teuber (arathorn)

Ob die Referenten und Ministerial-Chaoten, die sich diesen Bildungswahnsinn ausgedacht und "ihren" Ministern als "Wurf des Jahrtausends" empfohlen und erfolgreich beworben haben, für die von ihnen gelegten faulen Eier gerade stehen müssen ? Ob diese Intelligenz-Grenzgänger in ihren weltabgewandten Hallen für ihren unausgegorenen Mist wenigstens "im Kasernenhofton angeschnauzt" werden ?

Oder sind die Damen und Herren zur Belohnung für ihre formidable Leistung weiterbefördert, belobigt und mit höheren Gehaltsansprüchen ausgestattet worden ?
Entlassen sollte man sie!

Aber das ist und bleibt ein Wunschtraum,daß diese geisterhaften, gesichtslosen
Ministerialbürokraten (meist Juristen ohne Lebens- und Facherfahrung!), die einen Gutteil unseres Lebens mit ihren Erlassen, Gesetzesentwürfen, Referentengedanken und sonstigem Geschreibsel bestimmen und beeinflussen, je für ihre Fehler zur Rechenschaft gezogen werden.

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08. Februar 2008 11:09

Notwendige Debatte

Stefan Sieber (schoener-laufen)

Möglicherweise besteht ein Funken Hoffnung, dass das Thema Bildung endlich zu einer gesamtgesellschaftlichen Debatte führt. "Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert" - Wer nicht erkennt, dass der Zug für den Weg in eine Bildungs- und Wissensgesellschaft kurz vor der Abfahrt steht, der braucht sich hinterher auch nicht wundern wenn andere europäischen Staaten mit ganz großen Schritten an uns vorbei ziehen. Mal im Ernst, wer glaubt, dass wir uns das leisten können, der hat nicht begriffen was Globalisierung heißt!

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08. Februar 2008 10:50

Bildungspolitik oder Buchbesprechung

Claus Behrens (chipin)

Was die ersten Absätze wie eine bildungspolitische Debatte aussah kippte schnell in eine Buchbesprechnung der letzten Ideen von Frau Unverzagt.
Ist der Name Programm.
Das achtjährige Gymnasium ist so alt noch nicht, dass jemand umfassend dazu aussagen könnte.
Aber: wer weiß wie man lernt - wer lernen gelernt hat, und zwar dem idividuellen Typen optimiert - braucht nicht 50 Std. zu lernen (wie allein diese math. Berechnung aussehen soll, wäre interessant, da die Anzahl der Stunden pro Woche schlicht begrenzt ist.)
Die Kinder sollen früher in Beruf und Ausbildung, aber bitte fundiert, soziales Engagement und Sport sollen möglich bleiben aber das in GB angebotene McAbi soll es dann bitte doch nicht sein.
Wer die Lösung dafür hat, darf sich melden.

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08. Februar 2008 10:48

Sensationeller Artikel!

Andreas Fleischmann (Flesh_FAZ)

Werde wohl auch gleich den beweihräucherten Lesestoff holen müssen! Mache ich gleich heute nachmittag, wenn ich mit meinen Töchtern auf dem Weg von der Malgruppe zur musikalischen Früherziehung bin!

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08. Februar 2008 10:46

Konformismus

Immo Sennewald (immediator)

Es ist ja schon ermutigend, wenn Mütter und Kinder wieder auf die Idee kommen, sich dem konformistischen Druck der "Leistungsgesellschaft" mit ihrem mechanisch auf Zahlen, Daten, Quoten ausgerichteten und von den Gebetsmühlen der Experten und ihrer Politiker heilig gedudelten Zwängen entgegenzustellen. Leben ist Versuch und Irrtum, ist unvorstellbar ohne Erfahrung im Spiel - der Null-Fehler-Wahn ist tödlich.
Macht endlich Schluss mit der Kästchen-Ausfüllerei!

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08. Februar 2008 08:40

Warum sind Eltern so?

Marko Hrbat (Hrbat)

Eigentlich eine blöde Frage!

Eltern wollen - wie andere Menschen auch - Unsterblichkeit.
Autoren schreiben Bücher und bleiben unsterblich, Sportler stellen Weltrekorde auf und bleiben unsterblich. Eltern werden eben genetisch unsterblich.

Eltern pflanzen sich fort und wollen, dass es ihre Kinder auch tun können. Dafür ist es nötig, dass die Kinder eines Tages mit ihrem Einkommen ein Auskommen haben.

Angesichts der stagnierenden Wirtschaft und der Alleinherrschaft des Abiturs und der Übermacht der Noten suchen sie für ihr Kind das BESTE.
Ist ihnen das vorzuwerfen? NEIN!
Das ist ein völlig normaler Vorgang: Beschützerinstinkt!

Es ist klar, dass Eltern das Bildungssystem nicht ändern können. Also manipulieren sie dort, wo sie können. Auch normal.

Dass Eltern so Massiv sich GEGEN das System und oft gegen die Elternschaft engagieren zeigt die SCHWARMINTELLIGENZ der Elternschaft. Der Widerstand ist nur ein Symptom und nicht Ursache der Bildungsmisere!

Im Übrigen sollte man Bücher nicht so ernst nehmen, die geschrieben wurden, um Geld zu machen. Denn wenn jemand ein bestimmtes Interesse hat, ist es mit der "bitteren Wahrheit" nicht weit. Das Hemd ist nämlich näher als die Jacke.

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08. Februar 2008 08:39

Normalisierung

Claudia Walber (clodia)

Was ist normal? Diese Frage stelle ich mir auf jedem Elternabend. Egal ob in der Schule, im Fußballverein oder im Kindergarten. Letzteren haben wir mit unseren drei Kindern zum Glück nun hinter uns gelassen. Aber es wird nicht einfacher. Egal ob es um den "Wandertag" geht (der schon lange keiner mehr ist) oder um Patenschaften in Dritte-Welt-Ländern, die im Klassenverband getragen werden sollen. Man fährt auch gerne mal zum zweiten Mal auf Abschlußfahrt während der Grundschulzeit und wenn ein Kind Geburtstag hat, wird die ganze Klasse beschenkt. Die Liste läßt sich ohne Probleme fortsetzen. Meldet man Zweifel an, ob dies denn alles so sein müsse, steht man gerne mal alleine da. Das bin ich gewohnt und werde es auch weiter so handhaben. Und Halloween feiern wir auch nicht.

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07. Februar 2008 23:59

Vielen Dank, Christian Geyer...

Klaus Preising (PreisingK)

...dem von Ihnen Geschriebenen ist fast nichts mehr hinzuzufügen!
Bis auf 3 kleine Dinge vielleicht:
1.) Das Feuilleton der FAZ gehört schon seit Langem zu dem Erquicklichsten, was ich immer wieder gerne lese
2.) Tatsächlich hätte ich dieses Thema eher in der Rubrik "Politik" vermutet, auch wenn Sie sich thematisch - als Buchbesprechung - doch auf feuilletonistischem terrain bewegen. Es wäre halt ein kleiner Qualitätsübertrag auf die FAZ-Rubrik "Politik" geworden.
3.) Dennoch scheint es mir wichtig zu sein, das sich dieses Themas eine große, breite und bunte Mischung von Betroffenen annimmt. Hier könnte sich eine große Koalition aus Eltern, Schülern, Verbänden, Union, Linken, Grünen, FDP, SPD und Medien formieren, die auch über den Druck der Straße, in Foren, Kommentaren und Verammlungen den Druck in die diversen Ministerien und Staatskanzleien weitergibt.
Herr Oettinger ist schon ein schlauer Fuchs: Er hat den Geist der Zeit erkannt und will ihn nicht dem politischen Gegner als Spielball überlassen!
Jetzt braucht es nur noch: Glaubwürdigkeit und Gesprächsbereitschaft bei ALLEN Beteiligten.

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07. Februar 2008 22:45

Eltern reagieren, Lehrer erfüllen ihre Pflicht, Frau Kühn macht Kasse

Peter Nehring (petneh)

Es ist schön für Frau Kühn vor 30 Jahren als Kind auch mal alleine Abendbrot essen durfte. Eine von vielen Plattitüden die Frau Kühn mal wieder segensreich verteilt. Aber unser Schulsystem ist nun mal darauf ausgelegt, dass das Wiederholen, Vertiefen und Vernetzen von Schulwissen von den Kultusministern komplett auf die Elternhäuser übertragen wurde.
Lehrer werden gezwungen überladene Stoffverteilungspläne einzuhalten, bei nicht Erfüllung werden sie verwarnt und abgemahnt.
Für einen Großteil der Eltern bedeutet dies nach einem 8 Stunden Arbeitstag noch mal 2-4 Stunden als Nachhilfelehrer zu Hause weiter zuschuften. Das erfordert Disziplin und Selbstkontrolle von Eltern und Kindern, da ist es gerade zu zynisch, Eltern und Lehrern zu unterstellen, sie würden sich über die Misserfolge anderer freuen.
"Was ich selber denk und tu, trau ich auch dem Anderen zu", ich finde es betrüblich, dass die FAZ Frau Kühn hier eine Bühne gibt. Vielleicht sollte der Autor des Artikels einfach mal die Buchrezensionen bei Amazon studieren.
Prinzipiell ist es mit Frau Kühn wie mit den Redakteuren der Bildzeitung, reißerischer Titel wenig Inhalt und die Kasse stimmt auch noch.

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07. Februar 2008 22:18

Urvertrauen

Helmut Wahl (FitWieEinTurnschuh)

Bei der Generation der heutigen Eltern von früh- bis pubertierenden Kindern fehlt weitgehend die Erfahrung der Familie mit nahezu gleichaltrigen Geschwistern und von Eltern, die (meistens) mit einer Stimme sprechen. Das frühe Erlebnis der funktioniernden Gemeinschaft schafft das Vertrauen, das später all die Ratgeber und Berater überflüssig macht. Eine Generation von Einzelkindern und Patchwork-Kindern steht immer wieder vor Problemen, die selbst auch ansatzweise noch nicht erfahren wurden. Da wird das weinend aus der Schule kommende Kind zur Katastrophe stilisiert. Den einen Eltern ist das nur lästig, die anderen mit dem Hang zum Überbehüten rufen ohne weitere Analyse den Lehrer an. Da fehlt das Urvertrauen, dass sich die meisten Probleme einfach 'hinrütteln', wenn man einen kühlen Kopf bewahrt.

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07. Februar 2008 20:39

Normalisierung beginnt im Kopf

Rene Meyer (matrix1329)

Wie wäre es denn, wenn die Eltern einfach sich dem sozialen Druck entgegenstellen, und sagen, wenn sie meinen, etwas sei Humbug. Wenn sie sich selbst an ihre Kindheit erinnern, und daran festmachen, wie sie ihre Kinder fördern? Das erfordert natürlich freie, unabhängige und manchmal auch unbequeme Entscheidungen, die dann auch gegenüber anderen Eltern vertreten werden müssen. Aber die Kinder werden es ihnen danken.

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