Konferenz bei Lehman Brothers in London, 11. September 2008

Finanzkrise

Alle Kassen im Schrank

Der Staat übernimmt die Schulden, alle atmen auf - doch die Krise in den Vereinigten Staaten ist nur vertagt. An der Wall Street zieht der öffentliche Dienst ein und keiner weiß, wie es weitergehen soll. Eine Diagnose. Von Nils Minkmar

Lesermeinungen zum Beitrag

21. September 2008 23:52

Langeweile

Andreas Noreikat (derherold)

Mit Hilfe der Immobilienblase, nach 9/11 doch politisch gewollt, hat man eine große Nachfrage konstruiert, an der auch Papa Staat seinen (Steuer-)Anteil hatte und nicht alle fiesen Kapitalisten haben sämtliche Gewinne steuerfrei transferieren können. Verluste werden immer (auch) sozialisiert, da sie zu entsprechenden Abschreibungen/Wertberichtigungen führen. Da das Vermögen der AIG-Aktionären buchstäblich vernichtet worden ist - mehr als (Beinahe-)Totalverlust geht nicht - muß man schon "asymetrisch" argumentieren, um Schonung der Reichen zu entdecken. Überdies: "... dass arbeitende Familien (in Amerika) Schulden machen müssen, um Haus ... bezahlen zu können..." kann nur im Feuilleton überraschen. :-) Da wir schon bei Bremer Werften und Philipp Holzmann "den Kommunismus" und bei Salzgitter kaum gewürdigte Partei-Industrie-Politik eingeführt haben, könnten wir wieder zur Tagesordnung übergehen. Die ersten 35-mal, daß man hörte, daß Gewinne privatisiert werden und Verluste sozialisiert, war das ja noch lustig aber mittlerweile ermüdet es. Außerdem möchte ich die DM zurück. ;-)

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21. September 2008 20:09

Konsumentenmacht

Thomas Spaniel (Echnaton1970)

Herr Minkmar, daß was Sie schreiben, ist richtig, nur habe ich als Konsument nur dann wirklich Macht, wenn ich einen job habe, der mir soviel Geld übrigläßt, daß ich davon auch etwas konsumieren kann. Einen job, der die o.g. Bedingungen erfüllt, mir also mehr zum Leben läßt, als was ich zum Überleben brauche, bekomme ich aber definitiv nur, wenn die Wirtschaft brummt. Da beißt sich die Katze dann irgendwie selber in den Schwanz. Und apropos, die Deutsche Bahn AG als ein gesundes Unternehmen zu bezeichnen, empfinde ich persönlich als einen schlecht ausgewählten Scherz. Sie sollten mal öfter wieder Zug fahren ...

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21. September 2008 19:18

Aus Spekulation wird bald Betrug

Hans Meier (HansMeier555)

Egal wie die Regeln des Bail-Out im einzelnen aussehen werden: Gerissene Banker werden dort zahllose Schlupflöcher finden, wie sie einen so unheilbar generösen Staat immer weiter und weiter schröpfen können. Sie werden sich fragen, warum sie nicht gleich heute schon die nächsten Junk-Kredite herausgeben sollen: Der Staat zahlt es ja! Und wo es Policen gibt, da gibt es auch Versicherungsbetrug! Manche Banken, die bisher einfach nur gezockt und dabei viel Geld verloren haben, werden demnächst zum glasklaren Betrug übergehen. Sie brauchen alle dringend Geld und es wird ihnen ja so leicht gemacht.

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21. September 2008 17:04

unersättlich

Pia Bücken (muscat)

Besten Dank für den gelungenen Artikel. Der Kernaussage im letzten Absatz stimme ich zu. Doch solange die Gier nach dem schnellen Euro oder Dollar umgeht(d.h. solange es Menschen gibt) wird uns der Kapitalismus wohl erhalten bleiben. Lerneffekte? Fehlanzeige. Theodor Storms "Kleiner Häwelmann" läßt grüßen. Übrigens eine sehr empfehlenswerte Lektüre für Investmentbanker.

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21. September 2008 14:50

Einmal lachen

gisbert heimes (gisbert4)

Nun versuchen die System-Apologeten, mühsam wieder auf die Beine zu kommen. Siehe auch die Artikel im Wirtschaftsressort von Hank und Plickert. Wirtschaftswissen, haha. Aber für wie blöd muß man eigentlich die Leute halten, wenn man ihnen jetzt noch weiszumachen versucht, daß es der Staat war, der Urfeind jedes ordentlichen Wirtschaftsliberalen, dem sie diese *** zu verdanken haben? Nils Minkmar hat es genau getroffen: Oh, die Langmut der Leute! Wenn sie wüßten, was unter Ausschluß der Öffentlichkeit konkret gesprochen wird, würde es sofort losgehen, selbst in Deutschland.

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21. September 2008 14:21

Alle Kassen im Schrank

Carlo E. Posselt (ceposselt)

Nils Minkmar hat einen hervorragenden Artikel über die Systemkrise geschrieben. Es gibt linke Intellektuelle, die in der FAZ ausschließlich das Feuilleton für lesenswert erachten. Bisher las ich die FAZ auch wegen des Wirtschaft- und Poltikteils; seit einiger Zeit bemerke ich einen stärkeren Qualitätsverlust im Wirtschaftsteil, der heute durch einen starken Wirtschaftsartikel im Feuilleton mehr als ausgeglichen wurde. Künftig werde ich wohl das FAZ - Lesen mit dem Feuilletonteil beginnen müssen.

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21. September 2008 13:33

Schadensbegrenzung durch 700Mrd. US$?

Franz-Josef Becker (FJB1MAINZ2)

ie Maßnahmen der Notenbanken und Regierungen im transatlantischen Verbund mögen die Finanzkrise kurzfristig begrenzen; die viel größere Vertrauenskrise in Währungs- und Geldpolitik in Industrie- und Entwicklungsländern wird aber durch diese Rettungsmaßnahmen zu Lasten der Geld- und Währungsstabilität zusätzlich belastet: Auch die mächtigsten Regierungen (G8) werden die Folgen dieser zweiten Welle nicht abwenden können. Kredite für Investoren wie Konsumenten und Staatshaushalte werden teurer: Diese Form der kurzatmigen Sanierung zu Lasten der Steuerzahler wird durch wachsende Inflation begleitet. Die Schließung der Börse in Rußland ist bereits ein untrügliches Warnsignal für die Folgewirkungen einer einseitig auf die Finanzmärkte focussierten Politik......

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21. September 2008 12:48

Die Kassen stehen im Ausland

Rainer Meyer (RFMeyer)

Sehr geehrter Herr Minkmar, ein guter Artikel, nur Ihre Schlußfolgerung kann ich nicht nachvollziehen. Die Macht geht dorthin, von woher das Geld kommt - und dies haben Sie beschrieben.

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21. September 2008 12:41

Wer hat versagt?

Franz Müller (mueller1000)

Die Analyse von Minkmar ist witzig, aber nicht ganz richtig. Was viele übersehen ist, dass man bei der gegenwärtigen Krise mindestens genauso gut, wenn nicht noch besser, von Staatsversagen statt von Marktversagen sprechen kann. Die beiden nun verstaatlichten Hypotheken-Riesen Fanny May und Freddy Mac waren schon immer ein - vom amerikanischen Staat geschaffener - Fremdkörper im marktwirtschaftlichen System, die mit impliziter staatlicher Rückhaftung und sozialstaatlicher Motivlage schlechte Kredite in gute Anleihen verwandelt haben. Das ging lange - zu lange - gut und nun muss der Staat haften - nachdem die Schulden in die Billionen gewachsen sind. Ein zurück in das vergangene Jahrzehnt wird es aber so oder so für Amerika - und die Welt - so bald nicht geben. Die viel zu üppigen Kredite an die Häuslebesitzer waren Grundlage für den jahrzehntelangen Konsumboom der Amerikaner, der Glaube an den Wert dieser Kredite die Grundlage für die üppigen, nur auf dem Papier stehenden Gewinne der Banken. Selbst wenn der Staat jetzt alles übernimmt, dann wird er wohl kaum Konsumenten und Banken ein weiter so wie bisher erlauben. Zweitens muss auch der Staat die Schulden finanzieren und das wird gerade wegen der Krise der Märkte nicht leicht.

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21. September 2008 12:13

Nicht Alle Tassen im Schrank

Bevan Engelbrecht (bevan)

Es sieht so aus als ob Herr Minkmar sich freuen würde wenn die global finanz system kaputt geht. So viel kritik und zynismus über eine sehr ernstes thema habe ich lange nicht mehr gelesen. Vielleicht traut er die Amerikaner nichts zu aber wer sonst hätte die resourncen und die mut um was zu unternehmen. Anstelle seine fiinger auf Amerika zu zeigen sollte er genaue hinschauen was hier mit unsere Banken los ist. Vielleicht ist sein geld nicht so sicher wie er es glaubt. Wenn ihm die kapitalismus nicht so schmeckt dann kann er immer bei Herr Putin bewerben.

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21. September 2008 09:13

Die Wissenskrise ist auch eine Demokratiekrise

Hans Meier (HansMeier555)

Herr Minkmar, DANKE für diesen schönen Artikel! Leider bin ich im Ergebnis nicht so optimistisch. Sie sagen, die Macht käme zurück zu den Abgeordneten, aber das scheint mir unlogisch. Formal haben die Abgeordneten ihre Macht niemals verloren. Wenn Sie zum Krieg nicht gefragt wurden, dann war das ihre eigene Schuld. Sie hätten darauf bestehen können, gefragt zu werden. Sie hätten längst gegen W. ein Impeachment anstrengen können: HABEN SIE ABER NICHT. Und das ist kein Wunder. Jeder weiß, wie die Wahlkämpfe in den USA finanziert werden. Parlaments-Abgeordnete sind dort im Grunde auch nur Bankangestellte im Außendienst. Dass ausgerechnet diese Herde sich jetzt zum revolutionären Ballhaus-Schwur aufrafft, um Feudalismus und Absolutismus zu beseitigen, halte ich für ausgeschlossen. Herr Minkmar, ziehen Sie aus Ihrem eigenen Artikel die logische Schlußfolgerung: Es gibt seit langem keine Demokratie mehr in den USA. Und Demokratie kommt, wie man weiß, aus der gesellschaftlichen Mitte, (bzw., wie die Grünen mal plakatierten, "von unten"). -- Oder auch nicht, möchte ich hinzufügen. Wir sollten der US-Gesellschaft jetzt genau auf den Bauch sehen und gut aufpassen, was dort als nächstes herauskommt.

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20. September 2008 19:04

Schön wär's, aber...

Martin Klein (martinutz)

Dass es als Folge der Krise zu mehr politischer Mitsprache kommen wird -- das ist eine der Möglichkeiten. Wahrscheinlicher ist aber, dass es den Eliten des Imperium Americanum gelingen wird, die Verluste zu sozialisieren und gleichzeitig die Gewinne zu privatisieren. Im Irakkrieg -- man denke an Blackwater, Halliburton, Bechtel und andere -- war das deutlich zu sehen. In der Subprimekrise hat es schon begonnen. Die faulen Kredite von Bear Stearns wurden (faktisch) von Fed übernommen, die Filetstücke gingen an JPMorgan Chase, und die "fees" für das Management der von der Fed übernommenen Vermögenswerte gehen an den privaten Finanzinvestor BlackRock, weil die Fed dafür weder die Leute, noch das Know-how hat. Bei der geplanten Übernahme aller Subprime-Risiken durch die öffentliche Hand wird es ähnlich laufen. Die Fed wird gezwungen sein, das Management der unsicheren Vermögenswerte, die sie erwirbt, demselben Finanzsystem zurückzugeben, das diese geschaffen hat. Wem auch sonst? Statt unsicherer Vermögenswerte werden die Finanzinstitute sichere "fees" beziehen (die sie dann in Form von Boni an ihr Managment ausschütten werden). Und alle Beteiligten werden einander dafür loben, wie sie das Weltfinanzsystem.

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