Ihre analyse stimmt nicht ganz. Sicher gab es sehr viele Offiziere die Hitler unterstützt haben, aber man darf auch nicht vergessen, dass große teile des deutschen oberkommandos bereits 1938 einen staatsstreich geplant haben. Dieser wurde den Briten vorgestellt, da man die unterstützung für hitler so hoch einschätzte, dass der Putsch ohne anschließende besetzung durch alliierte truppen nicht dauerhaft erfolgreich wäre. Die Briten lehnten allerdings ab, da sie noch keine ahnung von den angriffsplänen Hitlers hatten und eine gewählte regierung besser fanden als eine militärregierung.
Dies ist ein Zitat Boeselagers, das ich bereits zu mehreren offiziellen Anlässen zum Gegenstand von Ansprachen oder Vorträgen machte, in denen es um die Widerstandsbewegung um Stauffenberg ging. Von daher kann die Aussage, "Bundeswehr ohne Interesse" so nicht stehen bleiben, zumindest nicht für die heutige Führungsgeneration. Ich kann für mich und für viele meiner Offizierskameraden sprechen, dass das Gegenteil richtig ist. Diese Männer des 20. Juli sind mehr denn je wahre Helden und leuchtende Vorbilder für uns!
Ungeachtet der verschiedenen Beweggründe darunter sicher auch sehr ehrenvolle aber eben nicht nur bleibt festzuhalten, dass sich der sog. Widerstand erst formierte als die Niederlage für die militärisch ausgebildeten Fachleute zweifelsfrei feststand und das es eben viele darum ging den Kommunismus und damit fast alles was links von ihnen selbst stand zu schlagen. Es waren dieselben Leute bzw deren Freunde die 1918 es geschafft hatten einen gesellschaftlichen Umbruch zu verhindern und so die Machtverhältnisse trotz Änderung der Staatsform beizubehalten. Dies alles hat ab 1933 wie wir wissen direkt zu Hitler und damit zum Krieg geführt beides war gerade von der Völkisch-reaktionären Offizierskaste gewünscht ja sogar ersehnt worden. Als es dann aber nicht mehr wurde mit dem Endsieg verzeihte man dem Österreichischen Gefreiten seine Völkermord (auch am deutschen) nicht mehr. Zuvor hatte man alles getan um dieses erst möglich zu machen. Sicher wusste nicht jeder, jedes detail aber das es an der Ostfront um einen Vernichtungskrieg Gegen das Kriegs- und völkerrecht ging wusste man nur zu gut. Welcher Widerstand hätte sich wohl ergeben wenn die Sowjetunion in 6 Wochen besiegt worden wäre?
Auch ich hatte am 03.Oktober 2007 die Ehre Herrn von Boeselager kennenzulernen. Diesem Mann und seinen Mitverschwörern verdanken wir Deutsche so viel, sie haben das Bild von Deutschland in selbst schlimmen Zeiten ein wenig Glanz verliehen. Genau wie ihn schmerzt es mich, dass gerade heute noch von vielen Seiten die aufrechten Beweggründe zur Rebellion gegen das Böse in Frage gestellt werden. Ich habe ihm von Mann zu Mann gegenüber gesessen und er sprach von der Ehre Deutschlands, die gerettet werden sollte. Ich glaube jedes seiner Worte. Deutschland muss einen Helden zu Grabe tragen! Ich grüße Sie Phillip von Boeselager, vielen Dank dass Sie lebten!
Denn im Gegensatz zur Gegenwart (Wahlbeteilungen von 30%) war Hitler DER Volksdiktator. Die Struktur dahinter war, freilich sehr komplex & die Macht unter Hitler gut verteilt. Aber eben UNTER Hitler. Er war der Führer & so sah ihn auch das Volk. Er konnte Feldmarschälle austauschen wie Marionetten. Er konnte entgegen aller Generäle Hundertausende in den Tod schicken & dennoch liebte man ihn & respektierte seine Entscheidungen. Für uns ist es schwer zu verstehen, wie ein Mann das konnte aber es war eben eine ganz andere Zeit, in der sowohl die Diener des Grauens als auch deren Gegner Pflichtbewusstsein & Ehrgefühl zumnidest gegenüber ihrer eigenen Art hatten. Der Anschlag war der letzte Ausweg für viele. Allein der Umstand, dass es sich um Offiziere handelte (besondere Gesellschaftsschicht) lässt erkennen, dass es eher eine Bewegung sein musste als die Tat Weniger. Wäre er geglückt, hätten viele nachgezogen, die um die wahre Lage wussten. Das enstandene Chaos hätte Millionen geretet. Dresden bspw. wäre nie passiert - was alleine schon für eine Vorstellung. Übrigens hätte der getreue Herr Göbbels seinen Führer bereits zu Röhms Zeiten verraten, hätte er die SA-Putsch-Intrige nicht frühzeitig als das erkannt, was es wirklich war.
Ungeachtet der verschiedenen Beweggruende welche die Leute um den 20. Juli bewogen haben mit Gewalt gegen Hitler vorzugehen, bleibt doch dieses schale Gefühl, dass es am Ende Zweifel waren welche um Sekunden oder Zentimeter den Erfolg vereitelten---die heutige Zeit lehrt uns auf bedauerliche Art und Weise wie erfolgreich wirkliche Attentaeter agieren, die Herren des 20. Juli waren gentlemen aus gutem Hause, bis zuletzt an sich selbst zweifelnd und deshalb erfolglos.
Ich hatte die große Ehre, Philipp Freiherr von Boeselager 2003 persönlich kennenlernen zu dürfen. Er sprach im Einsatzführungskommando der Bundeswehr anlässlich des Jahrestages zum 20. Juli 1944. Es waren zwei Tage, die ich ihn begleiten durfte und es waren zwei Tage, die ich nie vergessen werde. Es waren Tage, die eingebrannt bleiben, unvergessliche Tage mit einem Mann, der unserer aller Respekt verdient. Ich verneige mich vor Philipp Freiherr von Boeselager in dankbarer Erinnerung.
In der Berichterstattung und Kommentierung schwingt immer unterschwellig die Erwartung mit, Existenz oder Nichtexistenz der Person Hitlers sei ein entscheidender Faktor für den weiteren Fortgang der Dinge ab 1944 gewesen. Dies bezweifele ich sehr, da das Naziregime auch ohne diese Person noch weiter ihr Unheil bis zum Untergang betrieben hätte: Führungsfiguren wie Goebbels, Himmler und ihre Zöglinge hätten schon für den entscheidenden Druck gesorgt und die Meuterer waren in dieser Zeit -und blieben es bis in die sechziger Jahre- eine kleine Minderheit.
Eine Laudatio summa cum laude
Ewald-Heinrich von Kleist-Schmenzin (geb.1922), meines Kenntnisstandes in München lebend, wäre hier bitte nicht zu übergehen. Kleist war mit der Pistole in der Hand am 20. Juli 1944 im Bendlerblock neben Stauffenberg! Und nun: Freiherr Philipp von Boeselager, ich verbeuge mich vor Ihnen ein weiteres Mal. R.I.P.
Ein Vorbild für uns alle! 50- 60 Zentimeter fehlten und die Geschichte wäre anders verlaufen - auch für uns Jüngere, die nie geboren worden wären. Wir, die wir von Demokratie und Wohlstand - beide sind untrennbar miteinander verbunden - verwöhnt sind, können uns kaum noch eine trostlose Zukunft in Unfreiheit und Rechtlosigkeit vorstellen. Umso mehr müssen wir dies unseren Kindern und allen Zugezogenen egal welcher ethnischer und staatlicher Herkunft immer wieder klar machen!
