
Noch einmal komme ich auf den nicht nur zwischen den Zeilen, sondern sehr deutlich von der Annahme einer Kollektivschuld einer Generation bestimmten Beitrag zurück.
Jeden deutschen Soldaten - und das meint nicht nur Angehörige der Waffen SS - sondern ausdrücklich alle Soldaten blutbefleckter Hände anzuklagen ist ein über das Übliche hinausgehender Vorwurf, dem vordergründig nur Deutschenhaß zugrunde liegen kann.
Ich frage mich, warum die FAZ dem Beitrag von Herrn Begley ohne redaktionellen Kommentar Platz eingeräumt hat.
Mit Günther Grass Fehlverhalten, dem vermutlich auch Herr Begley keine blutbeflewckten Hände vorwerfen kann, hat dieser Beitrag doch weniger zu tun, als er vorgibt. Wahrscheinlicher kommt mir vor, daß hier ein Literat eine Chance sieht einem um seinen Erfolg beneideten "Kollegen" eins auszuwischen.
HRi (riedelbauch)

Es geht nicht darum, Grass Nähe zum Kommunismus zu unterstellen oder ihm die Äußerungen seiner Figuren als seine eigenen unterzuschieben. Aber es bleibt dabei, dass man Grass schon dafür verantwortlich machen kann, wozu er sich äußert und wozu nicht. Und da ist und bleibt es so, dass Grass sich sehr negativ und kritisch etwa über die frühe Bundesrepublik, Deutschland nach der Wiedervereinigung, die USA und viele andere westliche Staaten geäußert hat und äußert und dem ein meist eigentümliches Schweigen (oder zumindest viel Verständnis) für anderes Systeme, etwas die DDR, gegenüber steht. (Rühmliche Ausnahmen wie sein Eintreten für Solidarnosc ausdrücklich ausgenommen!)
Hinzu kommt, dass er sich leider häufig sehr prononciert und ohne Differenzierung zu Themen geäußert hat, bei denen ihm offensichtlich der Sachverstand fehlt (z.B. die Rolle der Treuhand und die wirtschaftliche Situation der neuen Länder).

Die von einigen Beiträgern hier geäußerte Kritik an Begley finde ich nicht nachvollziehbar. Natürlich darf man die USA oder andere Kolonialmächte kritisieren, aber der Zusammenhang, in dem Grass es tut, dient doch eindeutig dazu, deutsche (und seine eigene!) Schuld zu relativieren. Eine vergleichbare Argumentation aus der Feder anderer, eher konservaticver Intellektueller, hätten Grass und viele andere eher linke Intellektuelle sofort und lautstark als "Verharmlosung" gegeißelt. Gleiches gilt für seine Einlassungen über die 50er Jahre. Und es ist schon interessant, wen und welche Länder Grass kritisiert und welchen Ländern erschweigt oder verharmlosenden Unsinn verbreitet - siehe die "kommode Diktatur" der DDR.
Und das ein Louis Begley angesichts seiner Lebensgeschichte das Recht hat, Grass' Rührseligkeit und Heuchelei zu kritisieren, steht m.E. außer Frage!

Erstens: Die im deutschen Blätterwald prächtig gedeihende Version, Grass habe sich bisher als "nur-Flakhelfer" dargestellt, ist unzutreffend. Grass hat im Gegenteil seine Ausbildung und seinen Dienst bei einer Panzereinheit in früheren Biographien detailliert geschildert. Die Tatsache, daß es sich um eine Waffen-SS-Division handelte, hat er ausgelassen, auch wenn ein findiger Militärhistoriker sich diese Information vermutlich schon vor Jahren hätte zusammenreimen können. Nichts davon steht im Gegensatz dazu, daß Grass *auch* Flakhelfer gewesen sein kann, denn ein Lebenslauf, der nacheinander die Stationen Flakhelfer, Arbeitsdienst, Wehrmacht (oder eben Waffen-SS) umfaßte, war durchaus als ein Normalfall anzusehen.
Zweitens ist Herrn Begleys jetzige Empörung inklusive der filigranen Schilderungen seiner persönlichen Tabus entweder geheuchelt oder grenzenlos naiv - denn auch ein Flakhelfer hat eine Uniform getragen und Waffen bedient, zweifellos also in Herrn Begleys Diktion "alles getan hatten, um Polen [...] judenfrei zu machen." (Worauf man allerdings einwenden könnte, daß so jemand bestenfalls alles getan hätte, damit seine Heimatstadt nicht in Schutt und Asche gelegt wird.) Seine Hand war also schon immer "unberührbar".

meine zwei Vorredner habe ja schon versucht, klarer zu machen, was an Herrn Begleys Worten seltsam ist. Ja, was haben alle diese Laendernamen mit Herrn Grass zu tun?! Nun, Vergangenheitsbewaeltigung und Kollektivschuld sind die Verbindungen. Es geht doch bei der Grass-Geschichte um mehr als nur Herrn Grass (schwer zu glauben, aber es ist so ;-).
Begley berichtet von seinen Gefuehlen aelteren Deutschen gegenueber, und die will ich gar nicht in Frage stellen. Was mir aber auffaellt ist, dass man eben einen solchen Bericht ueber die Gefuehle der von der SS maltraetierten in der FAZ lesen kann, aber eben nichts ueber die Opfer der 280 oder so kleine, mittleren und groesseren Kriege der USA in vergleichbaren U.S.-Publikationen. Selbstgefaelligkeit koennte man es vielleicht nennen. An dem Tag, an dem die New York Times oder die Washington Post ueber die Opfer dieser vielen 'splendid little wars' berichtet (Napalm, 'depleted uranium' und 'daisy cutters' nicht vergessen!), beginnt Vergangenheitsbewaeltigung in den USA (und man sage aber bitte nicht, dass das alles fuer unsere Freiheit geschehen ist).

Kollektivschuld. Nichts anderes ist es, was dieser amerikanische Schriftsteller uns hier wieder einzureden versucht.
Er hat niemals einem Deutschen die Hand geschüttelt, der alt genug sein konnte um im Krieg gewesen zu sein?
Wenn wir so denken würden, könnten wir dann einem polnischen oder russischen Rentner bedenkenlos die Hand schütteln?
Hat denn kein Land auf dieser Welt aus unserer Geschichte gelernt, außer uns selbst?
Ich jedenfalls, käme ich jemals in die Not vor diesem Mann zu stehen, würde meine Hand wegziehen, sollte er sie ergreifen wollen.
Zu Günter Grass: Ich finde es richtig, daß er sich endlich eingestehen konnte, bei der Waffen SS gewesen zu sein. Wer weiß, wie damals die Rekrutierung zu dieser Einheit vor sich ging, kann ihn für Dinge die er als 17 jähriger Junge gemacht hat nicht verurteilen. Es war eine Zeit, über die wir Nachgeborenen uns nicht anmaßen dürfen zu richten.

Da könnten Sie um die ganze Welt gehen und nirgendwo "Vergangenheitsbewältigung" finden.Fragen Sie mal in Kambodscha nach den "killing fields" der Roten Kmehr ... und Sie werden keine Antwort bekommen.Genausowenig wie in China zur Gewaltherrschaft Mao's oder über die Millionen Toten durch Stalin und seine Erben.
Louis Begley hat seine Meinung über Grass als Opfer des Nationalsozialismus kundgetan.Den Schutz vor den deutschen Herrenmenschen hatte er nur in den USA gefunden hat.

Was nur 'nur' noch fehlt, sind Stellungnahmen aus den Philippinen, Kuba, dem Iran, Guatemala, dem Kongo, Haiti, der Dominikanischen Republik, Vietnam, Laos, Cambodscha, Chile, Nicaragua, El Salvador, Panama, Irak, und Afghanistan was die Bewohner dieser Laender denken, wenn sie Amerikaner um die Ecke biegen sehen. Oder, natuerlich, man kann auch wieder mal die schwarzen Bevoelkerung der USA und die 'native Americans' befragen ... Vergangenheitsbewaeltigung ist furchtbar schwer, wie wir immer wieder sehen. Aber sie geraet nur, wenn man einmal damit anfaengt. Die USA (und die Briten) sind davon viel weiter entfernt, als sie es wahrhaben wollen und als es Deutschland ist.

Von den bisherigen FAZ-Beiträgen zum Thema haben mir die Gegenüberstellung des Buchausschnitts von Helmut Kohl mit Grass' Einlassungen zu Bitterfeld und dieser Artikel von L. Begley am besten gefallen.
Grass als Schriftsteller, Grass als moralische Instanz, Grass als politischer Kopf: Auf einen Schlag steht nicht nur SEINE Identität in Frage, sondern die der gesamten Nachkriegs-Kultur-Agenda.
Für mich ist Günter Grass' Interview zur bevorstehenden Veröffentlichung seiner Autobiographie nichts anderes als die Wetten-dass-Besuche von Hollywoodgrößen auf Thomas Gottschalks Sofa kurz vor dem Erscheinen ihres neuen Films (peinlich die wiederkehrenden eingestreuten Hinweise "... ich beschreibe es in meinem Buch"). Crime sells. In seinem Fall - Waffen-SS, subtiler Fall, erfordert anspruchsvolle Bewertung!
Im Grunde waren schon seine Bücher zumindest als schulische Pflichtlektüre eine Zumutung. Grass ist als Schriftsteller dem Leser gegenüber genauso gnadenlos wie als politisch-moralischer Kommentator. Als Austeiler hat er sich gut gefallen, hart im Nehmen ist er offenbar nicht.

war.
Er war damals 17,wie unser Deutscher Papst
(ist er der Papst auch der Nicht-Katoliken?)
der vom Hitlerjungen es zum past geschaft hat.
Ich denke:niemand wird seine moralische Autorität wegen seine Mitgliedschaft in der HJ in Frage stellen.
Nu können wir in Papstbier trinken,leider nicht billig.aber immerhin:wir können mit dem Papstbier anstossen,während der Papst ein Stoßgebet gen Himmel
schickt.Hoffentlich auch für bessere Bierpreise,denn es ist eine Schande,dass in der Bierstadt München das billigste Halbe 5 DM kostet(zu DM Zeiten war der teuerste Preis 4DM für eine Halbe Helles).).
Der Zeitpunkt ist aber sicher von Grass getime-t gewesen:so wurde seine Autobiografie interessanter.
Er kann ja sogar eine Zwiebel häuten.
Wie das geht ist mir rätselhaft,den die Zwiebel hat nur eine dünne Haut.Was darunter liegt ist der Körper der Zwiebel.Den kann mann auseinandernehmen,aber eine Haut ist das nicht,oder etwa doch?
Besteht demnach die Zwiebel aus lauter Haut?
Wo ist der Körper der Zwiebel geblieben?
Das ist hier die Frage.
Wer kann sie beantworten?

Jaja,die Yankees ! Sperren einfache eigene schwarze Soldaten zusammen mit deutschen Soldaten in ein Kriegsgefangenenlager,damit die Deutschen sehen,daß ihr akademischer Rassismus gar nicht so übel ist,im Vergleich mit dem proletenhaften Rassismus der Amerikaner.
Nicht nur Grass,auch so mancher anderer Deutscher neigt immer noch dazu,über diese Zeit grauenhaften Unsinn zu
fabulieren.

so war das also:
Der Einzige ,den man verantwortlich machen konnte für die Barbarei,war der böhmische Gefreite.
Alle anderen Gefreiten bis hinauf zu den höchsten Chargen waren demnach nicht verantwortlich für das ,was geschah.
Gezwungen sind sie alle mitmarschiert - alle unschuldig hinter dem böhmischen Gefreiten her,ohne zu wissen was sie da taten,ohne zu sehen,was sie da hinterließen?
Für ihre Unschuld haben sie sich aber ganz schön massiv
zur Wehr gesetzt und drein geschlagen,die 17jährigen Wehrpflichtigen .
Schließlich wollte man ja vorbereitet sein für den Fall ,daß man sich zur Wehr setzen müßte -gegen den böhmischen Gefreiten,nicht wahr ?

Wie lange wird es wohl noch dauern,bis Grass von seinen Anhängern ob seiner späten "Enthäutung" heilig gesprochen wird ? Es muß damit jeden Tag gerechnet werden.
Warum soll man mit "Herrn Gnadenlos" nun gnadenvoll umspringen ?

Danke für diesen Beitrag.
Als Kind und Jugendlicher gaben mir im Schicksal mit Herrn Begley verbundene Menschen die Hand und die Gelegenheit, ihnen Fragen zu stellen und darauf schmerzhafte Antworten zu erfahren, selbst gefragt und mit meinen Ideen vom Lauf der Geschichte ernst genommen zu werden. Einige leben und tun das heute noch. Ohne verblendenden Hass und Selbstverbote.
Gut so.

es gibt nicht viel zu sagen zu diesem Artikel ausser daß sowohl mit Grass und dem Papst wohl die letzten der am Krieg teilnehmenden Generation nicht den Mut hatten ( und haben) für ihre eigene Generation auszudrücken daß sie mit teilgenommen haben und mit Schuld auf sich nahmen. Wie ein leuchtendes Feuer steht dem das Wort Johannes Paul II. gegenüber der in den siebziger Jahren noch als Erzbischof die Demut gefunden hat, gegenüber den deutschen Mitbrüdern zu sagen "wir bitten um vergebung und wir vergeben".
Die Bitte um Vergebung ist noch die Erwartung, die ich als "Sohn" dieser Generation an diese habe - gelingt dies dieser nicht mehr, nimmt diese tatsächlich die "doppelte Schuld" mit in "die Ewigkeit".

Herzlichen Dank, Herr Begley. Wir brauchen diese Kommentare von außen.

Aus Gesprächen mit dem ein oder anderen deutschen Soldaten weiß ich, daß es zwischen schwarzen und deutschen Soldaten desöfteren in US-Gefangenschaft Verbrüderungen gab.
Begonnen von schwarzer Seite. Und alles nach dem Motto (wurde mir wörtlich berichtet): "Wir müssen doch gegen die Yankees zusammenhalten."
Der deutsche Rassismus war ja mehr akademischer Art. Und vollzogen wurde er dann nur von den SS-Sondereinsatzkommandos. Von daher ist Grass Einwurf, daß er erstmals Rassismus bei den Amerikanern erlebte keineswegs absurd.

Die Perspektive der Opfer des Nationalsozialismus ist in der Diskussion merkwürdig unterbelichtet gewesen. Begley warnt mit Recht davor, die verbrecherische Seite des Nazi-Regimes dadurch zu bagatellisieren, dass man Täter zu Opfern macht, auch wenn das im Gewand der Scham geschieht und äußerst subtil vonstatten geht. Beim späten Grass-Geständnis handelt sich um einen weiteren Tabu-Bruch in einer langen Reihe von Tabu-Brüchen. Begley kommt auf den Kern zurück, er rückt die Maßstäbe zurecht. Und das ist gut so.

Herr Louis Begley denkt, dass er unschuldig sei. Doch das ist absurd. Niemand zur dieser Zeit war unschuldig. Nicht einmal wir Schweizer. Sicher auch nicht Louis Begley. Er war selber an der Invasion beteiligt und hat vermutlich auch getötet.
Von mir aus gesehen, darf er nicht die ganze Bevölkerung Deutschlands von damals verachten. Es war Krieg. Jeder Mann der den Militärdienst leisten musste, musste kämpfen. Das waren Befehle.
Herr Louis Begley enttäuscht mich. Auch ich habe Verwandte, die im Krieg kämpften und in Deutsche-Gefangenschaft kamen. Ich verurteile deshalb aber nicht die älteren Deutschen. Denn sie wurden nur manipulliert. Von einer Person welche um sich herum einige Fanaschisten gesammelt hat.

seit meiner ersten Lektüre Ihrer Bücher habe ich sie als die komplementäre Sicht der Geschichte gelesen, die mir im Nachkrigesdeutschland aufgetischt wurde. Danke nochmals dafür - ich wünschte, das hätte uns schon 1960 so bildlich vor Augen gestanden.
Mein (und vieler anderer) grundlegendes Unbehagen war, dass ich nicht einen einzigen Täter der Nazizeit je kennenlernte, sondern nur verbissene Opfer und getäuschte Mitläufer. Die logische Reaktion war unser Zweifel an den moralischen Instanzen.
Grass offenbart nun, wie weit die Selbsttäuschung der Generation der deutschen Kriegsteilnehmer ging: Weiter als wir dachten.
Ich kann mir nicht vorstellen, wozu ich nochmals ein Buch von Grass in die Hand nehmen sollte.

Ein überschäumendes Thema, das Morgen schon nicht mehr interessiert.
Wortgewandte Menschen richten über den schon Schuldigen, obwohl sie nie ein Urteil sprechen können.
Politiker verweigern die Aussagen vor Gericht oder leiden an Gedächtnisschwund und sitzen heute wieder in den Reihen der Entscheidungsträger ohne jemals verurteilt worden zu sein.
Das Gedächtnis des Kollektivs ist zu kurz.
Das wäre eine Chronik wert.

Zitat Begley: "... Ratlosigkeit und Trauer beim Gedanken an die schmutzige Arbeit, die ihre Väter, Großväter, Onkel und älteren Brüder getan oder vielleicht getan haben."
Wohlgemerkt: in diesem Zusammenhang ist pauschal von dt. Soldaten im Weltkrieg die Rede, es ist kein eingrenzender Bezug vorgegeben.
Folglich müßte der Satz sachlogisch korrekter heißen: "... getan oder nicht getan haben". Da niemand mehr vernünftigerweise bezweifeln kann, daß die letzte Variante den statistisch häufigsten Fall von Verhalten dieser Soldaten beschreibt, ist die oben zitierte Fassung infam.
Zur Nachkriegsgeneration zählend bin ich sehr froh, wenn diese haßverblendete Generation wie im exemplarischen Zitat oben endlich von der Bühne der Geschichte abgetreten ist oder endlich einen Traumatologen gefunden hat, der helfen kann. Vielleicht genügt es aber auch schon, für Einlassungen wie oben keine Honorare mehr zu zahlen.
Bei einer Begegnung mit einem solchen Menschen käme analog für mich auch weder ein Hand- oder Blickkontakt infrage, ein Lächeln schon gar nicht, da es ein Maß an Ehrlosigkeit gibt, das man nicht einmal belächeln kann.

Leider hat Herr Begley so Recht. Die faulen, abgedroschenen Ausreden von Herrn Grass haben wir doch schon tausendfach gehört. Gerade Grass als Schriftsteller hätte doch über eine bessere und vor allem der Wahrheit entsprechende Begründung nachdenken müssen. So spielt er doch allen Rechtnationalen und Holocoust-Verneinern in die Arme. Höhnisch werden Sie sagen: Seht den Moralapostel Grass, auch nur einer von uns.

Es ist mir fast peinlich, auf solche Äußerungen meinen Kommentar abzugeben. Herr Begley war mir bisher unbekannt, obwohl ich mich schon, sei es auch nur aus beruflichen Gründen, mit der Weltliteratur ausseinandersetze.
1. Ich bin wirklich nicht sicher, dass jeder in Deutschland damals wußte, was sich in den Lagern abspielte. Die verbrecherischen Taten wurden nicht in die Öffentlichkeit getragen, mein Vater war damals Drogist in Osnabrück und wusste, dass jüdische (und russische) Gefangene einfach kleinere Portionen Essen bekamen und in gesonderten Lagern untergebracht waren. Von der "Endlösung" wusste er nichts.
2. Die Berührungsängste des Herrn Begley finde ich wirklich rührend, im Einklang mit dem "Verbrüderungsverbot" amerikanischer Soldaten in Deutschland. War das so gut? Hat so ein Verbot nicht zu Tausenden von Mißverständnissen geführt?
3. Wenn sich ein Amerikaner anschickt, die Deutschen so abzukanzeln, dann möchte ich Hiroshima, Guantanamo, die "chemischen Waffen" Saddams, die wahren Gründe, vielleich eine Frau Lewinsky?, für die Bomben in Serbien und Kosovo anführen. Ist das unter der Gürtellinie?
Wer kann sich noch an die Heldentaten amerikanischer Soldaten bei der Bundesgartenschau in Ulm erinnern?

Ob G. Grass auch nur eine einzige Kritik dieser Tage, die sein jahrzehntelanges Lügen betrifft, liest oder gelesen hat?
Ob er die Stellungnahme von Louis Begley lesen wird?
Oder fällt er über Begley das gleiche Verdikt wie über einen George W. Bush oder andere Amerikaner, nur weil auch er die amerikanische Staatsbürgerschaft hat?
Wer kann Grass schon etwas anhaben? Jede Kritik scheint an ihm abzuperlen ("Wer richten will, mag richten." - Grass am 16.08.06 in der ARD). 62 Jahre des Versteckspielens und Lügens verschaffen einem offensichtlich ein dickes Fell. Am Ende glaubt der Betroffene selber noch daran.
Ob G. Grass die Stellungnahme von Louis Begley lesen wird? Und falls er sie liest, wird er sie auch verstehen?
In den wenigen Interviews von G. Grass dieser Tage wird deutlich, dass er sich keiner Schuld bewusst ist. Überhaupt kein Schuldbewusstsein!
Und dennoch sage ich: lesen Sie, Herr Grass, lesen Sie und beginnen Sie langsam zu verstehen. Vielleicht ist es dazu noch nicht zu spät, vielleicht.