Toten-Schau

Auch Johannes Paul II. starb öffentlich

Der Künstler Gregor Schneider will einen Menschen ausstellen, der eines natürlichen Todes stirbt oder gerade gestorben ist. Die Empörung über seine Absicht ist groß. Doch der Pater Friedhelm Mennekes SJ unterstützt Schneiders Projekt. Von Andreas Rossmann, Köln

Lesermeinungen zum Beitrag

24. April 2008 13:56

ARS MORIENDI, Big-Brother-Nichtkunst und „Kunst“-Narren

Werner Hahn (wernerhahn)

Das Todes-„Kunstraum“-Projekt gepaart mit „Geltungsdrang“ des religiösen „Künstlers“ ist Skandal-„Kunst“: Die lebhafte Erörterung über „Sterben als Kunstwerk“ sollte zu einer sachlichen, ernsten und ehrlichen Diskussion über das Thema Sterben & Tod führen. „ARS MORIENDI“ meint seit der Antike (Platon, Seneca) ein „im Angesicht des Todes“ bewusst gestaltetes Leben („ars vivendi“). Einen Sterbenden oder Toten im Museum zu präsentieren - das ist nicht KUNST (sagen die meisten), sondern ein Schau-Event, der Nervenkitzel bedient. Leben im Angesicht des Todes, Vorbereitung auf einen guten Tod – das wird bereits im 15. JH in Sterbebüchern („Ars bene moriendi“) diskutiert. Eitle Ruhmsucht könnte als Versuchung des Teufels ausgelegt werden. Das Thema „ARS MORIENDI“ ist heute rund um Euthanasie-Debatte, Intensivpflege im Krankenhaus und Sterbebegleitung (Hospizbewegung) wieder aktuell. Horror & Spektakel der Nicht- und Anti-Kunst-Sszene sind gefragt evtl. zur documenta 13. Kunst-Markt-Schreierische Objekte wie Damien Hirsts diamantenbesetzter Totenschädel, G. von Hagens Objekte etc. sollten wir vergessen. Schneiders Ansinnen zum Sterben-Tod-Nichtkunst-Projekt narrt die Medien-Welt! Sterben/Tod ohne „Kunst“-Geschrei diskutieren!

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23. April 2008 17:34

Exhibition oder Kunst?

Wolfram Obermanns (procax)

Ist die Exhibition des sonst Privaten Kunst, also ein "Akt schöpferischer Gestaltung"?
An anderer Stelle heißt ähnliches Vorgehen Peepshow.
Zwanghafter Tabubruch ist nicht zwanghaft Kunst, eher zwanghaft pubertär.

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23. April 2008 14:35

@ Werner Hahn

Andreas Zafri (Anorlis)

Kunst liegt im Auge des Betrachters! Jedoch auch ich finde dieses Vorhaben absurd. Doch das ausstellen verstorbener sind wir doch schon gewöhnt, als vor Jahren dieser Schlapphuttragende Präparateur in den Medien erwähnt wurde. Es mag für Sie und mich evtl. seltsam klingen, aber ich denke es gibt eine Menge Menschen, die sich ausstellen lassen würden. Hinzu kommt noch, das wir Deutschen etwas Enthemmung wegen des Themas Tod brauchen könnten. Ich selbst bin Pfleger und habe eine Menge Menschen begleiten dürfen. Eine wunderbare und einmalige Situation...jedesmal. Doch muss ich oft mit erschrecken feststellen, daß viele Angehörige verunsichert sind. Nur die wenigsten berühren den Verstorbenen bzw. den Sterbenden. Also, je natürlicher wir den Tod wieder Akzeptieren, umso besser.

Verstanden?

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23. April 2008 14:20

Is it true? "I remember..."

Hans-Jörg Eitel (schnippchen)

Was Seneca wußte:

"Leben muß man ein Leben lang lernen,
und, darüber wirst du dich
vielleicht noch mehr wundern:
ein Leben lang muß man sterben lernen."

Gilt auch für Selbstdarsteller, Tabubrecher,
Gescheiterte, Fromme, Selbst...

Der Punkt ist: Wer ist wie Seneca?






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23. April 2008 13:39

Geplante Sterbe/Tod-Performance ist gar keine KUNST!

Werner Hahn (wernerhahn)

Als „Missbrauch künstlerischer Freiheit“ wurde Schneiders Sterbe-„Raum-Kunstprojekt“ beurteilt. Die SZ („holi“) stellte am 22.4. klar: Sterbe-„Kunst“ sei gar keine KUNST! Es ist „nicht angängig, den Kunstbegriff dadurch auszuhöhlen, dass die Nichtkunst der Kunst gleichgestellt wird, und dann unter Berufung auf diese Gleichstellung auch die Freiheit der echten Kunst einzuschränken“, stellte das Bundesverwaltungsgericht klar. Das Bundesverfassungsgericht definierte Kunst so: „Das Wesen der künstlerischen Betätigung ist die freie schöpferische Gestaltung, in der Eindrücke, Erfahrungen, Erlebnisse des Künstlers durch das Medium einer bestimmten Formensprache zu unmittelbarer Anschauung gebracht werden. Alle künstlerische Tätigkeit ist ein Ineinander von bewussten und unbewussten Vorgängen, die rational nicht aufzulösen sind. Beim künstlerischen Schaffen wirken Intuition, Phantasie und Kunstverstand zusammen; es ist primär nicht Mitteilung, sondern Ausdruck und zwar unmittelbarster Ausdruck der individuellen Persönlichkeit des Künstlers." Kulturschaffende in Deutschland - auch Theologen - sollten sagen: „Hier machen wir nicht mehr mit“ (Deutsche Hospiz Stiftung).

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23. April 2008 12:39

Instrumentalisierung

David Hummel (Defel)

Der grundlegende Gedanke den Tod und die Realität des Todes wieder mehr in die Öffentlichkeit zu rücken ist sicherlich gut, richtig und wichtig. Denn heute schieben ja die allermeisten alte oder kranke Menschen in Heime oder Krankenhäuser zum sterben ab.
Allerdings ist die Ausstellung eines sterbenden oder gerade gestorbenen Menschen immer eine Instrumentalisierung eben dieses Menschen. Das ist abzulehnen. Denn egal wie gut und richtig die Ziele sind, man sollte nicht einen Menschen (egal ob mit seinem Einverständnis oder nicht) instrumentalisieren.
Daher muss es andere Möglichkeiten der Kunst geben, sich mit dem Thema Tod zu beschäftigen.
Ansonsten könnte man auf die Idee kommen, es gehe gar nicht um Kunst sondern um einen Schockeffekt und den daraus (in den allermeisten Fällen) Profit!!

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23. April 2008 12:13

Toten-Schau, Todesaustellung ?

Salvatore Del Vecchio (salva40)

Auch könne es, so Mennekes weiter, „die Realität, die Dinglichkeit des Todes klarer vor Augen stellen . So sprach der Jesuitenpater .
Nein, Danke, Pater Mennekes ! Wir brauchen solch eine Ausstellung nicht . Denn das menschliche Leben ist schon in sich vergänglich, vom Tode, Krankheiten,Leiden, Armut, Kriegen umgeziengelt . Jeden Tag an den Tod , an die Toten denken, das ist unmenschlich und gegen die normale Psychologie . Um das Leben voranzutreiben, wir brauchen nur " das positiv denken " . Auch Kunst kann uns helfen, wie zum Beispiel die Betrachtung des Kruzifixs von Giotto in Florenz ! Das war Kunst !

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23. April 2008 11:32

Toten-Schau

Johannes Hintzen (JohannesLeonhard)

Als ich zum ersten Mal im Deutschen Hygienemuseum Dresden war, ärgerte ich mich schon über den Embrio, der in Kunststoff gegossen den Blicken der Besucher ausgesetzt war. Es darf keinen Zoo für lebende, keinen für sterbende und keinen für gestorbene Menschen geben. Deshalb ist das Sterben Johannes Paul II. kein zutreffendes Beispiel. Er ist "öffentlich" gestorben, weil er sich als "öffentlicher" als sozialer Papst für alle Menschen verstand. Im Mittelalter starben die meisten Menschen "öffentlich", weil der Tod ein soziales Ereignis war. Das Sterben war kein "Schauspiel" (außer er wurde gehenkt), der Sterbende war ein Teil der "zum Tode verurteilten" Gemeinschaft. Heute gaffen die Autofahrer bei einem Unfall, ob es dort Verletzte oder Sterbende zu fotografieren gibt. Kunst macht das Sterben zum Ausstellungsereignis. Das entwertet das Sterben und den Sterbenden selbst.

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