Stauffenberg und andere erinnern mich an Saulus, aus dem dann ein Paulus wurde und in die Geschicht einging.
Wer aber den Widerstand während der Naziherrschaft mit den Protestmöglichkeiten in der Demokratie ( z.B. beim G8-Gipfel) vergleicht, wird Geschichte nie begreifen.
Es scheint mir, dass diese Protestler das Wesen der Demokratie a`la BRD auch nicht begreifen (wollen).
Selbst in der heutigen Demokratie lehnen sich viele zurück, werden sogar unsichtbar und lassen zu, wie unser Staatswesen beschädigt wird.
Lieber Herr Paolo,
Mit Ihnen freue ich mich, dass nunmehr auch in Gymnasien, z.B. in RLP, der Widerstand einschl. des 20.Juli
Gegenstand des Unterrichts geworden ist.
Als ehemaliger RLP (Trier/Cochem) freue ich mich natürlich besonders darüber.
Mit bestem Gruß
w. amadeus
Je länger es her ist desto mehr wird hineininterprediert in diesen geschichtlichen Vorgang.
Auch von solchen Pseudohistorikern.
Das Hitler den Krieg bringt, wusste man schon vor seinem Ausbruch an dem Deutschland nicht die alleinige Schuld trug. Deshalb kämpften auch die meisten Deutschen mit vollem Einsatz. Als der Untergang und die Niederlage nahte, wollte man retten was zu retten ist. Es kam anders.
Die Männer haben Format bewiesen und sie haben für ihren Einsatz mit ihrem Leben bezahlt. Das wussten sie vorher und haben es in Kauf genommen.
Wir sollten nicht oder nicht immer mehr hieneininterpredieren für das sie gar nicht standen oder stehen wollten.
Das wir jetzt eine Pseudodemokratie hochjubeln wo Recht und Ordnung schwindet macht mir schon wesentlich mehr Sorgen. Es gibt unverständiger Weise einen sich langsam in sich schon menschenfeindlich darstellende und halb fanatisch zu nennende heranreifende Demokratiedeutungseinseitigkeit in unserer Gesellschaft, die mir ernste Sorge bereitet und den Kern von Gesetzlosigkeit und Untergang in sich trägt.
Staufenberg war ein Mensch seiner Zeit. Drum war es für ihn ein weiter Weg von 1933 bis zum 20. Juli 1944. Aber er ist diesen Weg gegangen bis zur letzten Konsequenz. Das erhebt ihn meilenweit über alle die altklugen political Correcten, die von sich glauben, sie seien klüger geboren worden als er. Wer nicht bewiesen hat, daß er 1944 poitical incorrect wenigstens geredet hätte, kann denen, die damals mit political incorrectem Handeln ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, das Wasser nicht reichen. Wahrscheinlich hätten sie sich auch während der NS-Zeit so mustergültig poliltical correct verhalten, wie sie das heute tun, und hätte geredet und gehandelt, wie es in jenen Jahren erwünscht war.
Also etwas mehr Bescheidenheit!
"Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt. Die tausenden Gefangenen werden unserer Landwirtschaft recht gut tun."
Claus Schenk Graf von Staufenberg in einem Brief an seine Frau Nina aus dem besetzten Polen.
Mein positives Verhältnis zu den Widerständlern und ihrer preußischen (und damit anti-nationalsozialistischen) Motivation muss ich nach diesem Interview doch relativieren. Da wird - ganz anders, also den meisten Widerständlern vorschwebte - diesem heutigen Staat in einer beinahe peinlichen Weise das Wort geredet. Grundsätzlicher Widerstand - wie im Zusammenhang mit Globalisierung oder G8 - bagatellisiert von Boeselager als nicht nur als simplen 'Protest', vielmehr erhebt er diesen Staat, der seine Gegner radikal mit Berufsverboten und einem abenteuerlichen Gesinnungsstrafrecht verfolgt, als 'gefestigte Demokratie' (kleiner Scherz: Demokratie heißt eigentlich Volksherrschaft ! - und nicht Parteienherrschaft !). Dann noch ganz starker Tobak, den ich in dieser Form bisher nur von den 'Grünen' oder 'Antideutschen' kenne: dass das Attentat auf Hitler fehlschlug, wertet Boeselager als Glücksfall, weil nur durch die mit Hitler mögliche totale Niederlage die völlige Umpolung Deutschlands möglich gewesen sei. Wer früher angelblich 'Widerstand' betrieben hat, aber heute derart mit dem System kuschelt, ist aus meiner Sicht wenig glaubwürdig !
Joachim Scholtyseck schreibt: "Das zwanzigste Jahrhundert war das Jahrhundert der Ideologien, der Extreme. Man musste erst lernen, sich gegen diese neue Art von Diktaturen zu wehren."
Gelernt hat man offensichtlich, alles autoritäre und totalitäre zu verteufeln. Man mag vielleicht aus diesem einen (totalitären) Extrem etwas gelernt haben, aber das macht einen nicht vor anderen Extremen immun.
Die Frage, die ich mir stelle ist, inwiefern diese "pluralistische Demokratie", die ja als Antwort auf die Totalitarismen des 20. Jahrhunderts angesehen wird, nicht auch selbst ein Extrem ist oder zumindest zu einem Extrem führt?
Wer feiert einen Georg Elser,der bereits im Frühjahr 1939 wußte,welchen Totenzug Hitler anführte und das Fanal ganz allein und eigenhändig verhindern wollte ?
Es ist eine späte Einsicht, den "Verschwörern" des 20.Juli 44 jene Ehre angedeihen zu lassen, die sie verdienen. Als Sohn eines Offiziers, der mit dem Widerstand sympathisierte und dem der "freiwillige Heldentod" als Ausweg gelassen wurde, habe ich Ende der 50ziger Jahre die Hinrichtungsstätte Plötzensee mit meiner Abiturklasse besuchen wollen. Ich weiss noch, auf welche Ablehnung ich stiess, als ich den Besuch vorschlug. Nur zwei von zwanzig Klassenkameraden gingen mit mir - und unser Englischlehrer, der Schotte war und höchst erstaunt über diese Geschichte, von der er nie zuvor gehört hatte. Unsere deutschen Lehrer glänzten durch Abwesenheit. Mein Abituraufsatz über diese Geschichte wurde nicht gewertet - aber aus Angst auch nicht abgelehnt. Ob politisch "links" oder "rechts"- die Offiziere des 20. Juli waren "suspekt". Kein Thema, nirgendwo. Mein Vater war nur ein kleines Licht und hinsichtlich der "Aktenlage" würde über ihn gar nichts zu sagen sein. Nichts über seine Motive, seine Not, seine Angst um seine Familie. Historiker wissen vieles nicht, beanspruchen aber Deutunghoheit für sich, weil Nichtwissen unschicklich ist für ihre Reputation. Aber Sorge um seine "Rolle in der Geschichte" hatte mein Vater sicher nicht
Sehr geehrter Herr Wolf,
ich kann Ihnen mit Freuden mitteilen, dass der Geschichtsunterricht sich schon bis zu unserer heutigen Bundesregierung ausgeweitet hat ... immerhin ;)
(zumindesten in RLP).
Wir hatten sogar die Möglichkeit mit Zeitzeugen Gespräche zu führen. Ich hoffe, dass wir nicht die einzige Schule sind, die sich bemüht, den Schülern solche wertvollen Informationen und Erfahrungen näher zu bringen.
MfG
Paolo
trotz fehlschlag,,können wir stolz auf diese mutigen männer sein.
Ich habe nach wie vor größten Respekt vor v. Tresckow, Graf Stauffenberg, v. Boeselager und ihren Kameraden. Diese damals jungen Offiziere haben die grundsätzliche Verderbtheit des Regimes erkannt, als sie erwachsen wurden und von den Untaten der Nazis Kenntnis erlangten. Da fühlten sie sich aufgerufen, wenigstens den Versuch zu unternehmen, dem ein Ende zu setzen. Versagt haben hingegen die Eliten des Volkes in der Zeit, als die Macht des Regimes noch nicht endgültig gefestigt, sein verbrecherischer Charakter jedoch schon offenkundig war. Das war spätestens mit dem sog. Röhm-Putsch für die hohen Richter, Ministerialbeamten, Polizeipräsidenten und Generäle doch ganz offensichtlich. Die Verantwortung dafür, nicht rechtzeitig, wenn auch in letzter Minute, dem Unrechtsregime ein Ende gemacht zu haben, liegt bei den Eliten der Jahre 1933/34. Die hätten es im übrigen wohl noch ohne großes persönliches Risiko tun können. Leider wurde diese Chance verpaßt.
Philipp v. Boeselagers Klarheit des Denkens, der Sprache und seine mutige Konsequenz.
....wie gewohnt sachlich und bodenständig die damalige Sicht der Dinge aus berufenem Munde.
Der Widerstand sollte Teil des Geschichtsunterrichts werden.
Früher endete Geschichte in Gymnasien ca. mit Ende des 1. Weltkrieges.