Beim Lesen des Interviews ergab sich die Antwort auf die Frage, warum Grass seine SS-Zugehörigkeit nicht zugegeben hat (anders als Loest seine "Werwolf"-Zugehörigkeit).
Zwar wird es dafür zahlreiche Gründe geben, aber einer sticht einsam hervor, wird jedoch in den Kommentaren der verschiedenen Medien kaum benannt: Nicht, weil der Grund so verborgen wäre, sondern weil er ins Herz eines selbstgerechten Teils unserer Bevölkerung trifft. Hier nun der Grund:
Grass war seit den sechziger Jahren stets Wahlhelfer der SPD. Dazu hätte es nicht gepasst, ein Mitläufer der Nazis u. SS-Angehöriger gewesen zu sein u. bis zum Schluss an den "Endsieg" geglaubt zu haben.
Um seine Wirkung für die SPD nicht zu gefährden, durfte es ein SS-Thema in der Biographie nicht geben. Grass diente damit sich u. ebenso dem von ihm gewählten ideologischen Partner SPD.
Er hat diese Rolle mit ideologischem Schaum vor dem Mund gespielt. Es erinnert übrigens entfernt an unkritisches Verhalten in den Jugendjahren. Damaliges Verhalten ist dem jugendlichen Alter zuzuschreiben, späteres Verhalten ist einer Ideologieanfälligkeit geschuldet. Die SPD bis Schröder ließ es sich gern gefallen.
Beim Lesen des Interviews ergab sich die Antwort auf die Frage, warum Grass seine SS-Zugehörigkeit nicht zugegeben hat (anders als Loest seine "Werwolf"-Zugehörigkeit).
Zwar wird es dafür zahlreiche Gründe geben, aber einer sticht einsam hervor, wird jedoch in den Kommentaren der verschiedenen Medien kaum benannt: Nicht, weil der Grund so verborgen wäre, sondern weil er ins Herz eines selbstgerechten Teils unserer Bevölkerung trifft. Hier nun der Grund:
Grass war seit den sechziger Jahren stets Wahlhelfer der SPD. Dazu hätte es nicht gepasst, ein Mitläufer der Nazis u. SS-Angehöriger gewesen zu sein u. bis zum Schluss an den "Endsieg" geglaubt zu haben.
Um seine Wirkung für die SPD nicht zu gefärden, durfte es ein SS-Thema in der Biographie nicht geben. Grass diente damit sich und ebenso dem von ihm gewählten ideologischen Partner SPD.
Er hat diese Rolle mit ideologischem Schaum vor dem Mund gespielt hat. Es erinnert übrigens entfernt an unkritisches Verhalten in den Jugendjahren. Damaliges Verhalten ist dem jugendlichen Alter zuzuschreiben, späteres Verhalten ist einer Ideologieanfälligkeit geschuldet. Die SPD bis Schröder ließ es sich gern gefallen.
Herr Loest dokumentiert in diesem Interview wie es um das geschichtliche Gedächnis bestellt ist - Hauptsache es passt zur Gesamtaussage da gestattet die künstlerische Freiheit schon mal eine extreme Verzerrung des geschichtlichen Kontext.
Herr Loest, Jahrgang 26, also genau der Jahrgang aus dem per Erlass vom 10. Februar 1943 die SS-Division "Hitlerjugend" zusammengestellt wurde, erzählt hier von fehlender Zustimmung des Schulleiters. Konnte also ein Schulleiter gegen diesen Erlass wirken oder ist das eine dramaturgische Interpretation? So kam Loest, der gut 1 1/2 Jahre älter ist als der Herr Günther Graß aus Danzig, erst kurz nach seinem 19. Geburtstag zur Einberufung? Wer hat denn an diesem Wunder mitgewirkt?
Die SS-Panzerdivision "Hitlerjugend" wurde tatsächlich zum größten Teil in der Normandie "aufgerieben" nur war das in der ersten Juliwoche des Jahres 1944. Die Division jedoch bestand weiter bis sie sich im März 1945 bei Wien den Amerikanern ergab. Also was tut Loest hier eigentlich - verwechseln - verzerren oder vertuschen?
Grass` Aussage in seinem FAZ-Interview vom vergangenen Samstag, seine Schriftstellerkollegen in der SBZ/DDR hätten gegenüber ihm den Vorteil besessen, nach dem Krieg direkt mit einer „neuen Ideologie versorgt“ worden zu sein, muß fast mehr befremden als der erst späte Bericht über seine kurzzeitige Mitgliedschaft in der Waffen-SS bei Kriegsende. Hätte er die „neue Ideologie“ denn einem demokratischen Rechtsstaat etwa vorgezogen?
Zur näheren Information über den Staat der „neuen Ideologie“ möchte man Grass gerne auf den jüngsten Roman „Sommergewitter“ seines Freundes Erich Loest verweisen, in dem dieser am Beispiel der vermeintlichen KZ-Aufseherin Erna Dorn schilderte, mit welchen Methoden die SED-Herrscher die NS-Vergangenheit „aufzuarbeiten“ gedachten, und in dem Loest anhand seiner Romanfigur Alfred Mannschatz zeigte, wie ein vormaliger, aufrechter Sozialdemokrat nur durch seine Verbundenheit mit einem Stasi-Offizier und ehemaligen KPD-Mann, dem er in den frühen zwanziger Jahren einst das Leben gerettet hatte, im Nachgang zu den Ereignissen des 17. Juni 1953 seinen Kopf retten konnte.
Auf das Erscheinen seiner Autobiografie dürften alle begeisterten Grass-Leser inzwischen sehr gespannt warten!
Dem Beitrag meines Vorredners kann ich nicht viel hinzufügen. Besser spät als gar nicht und überhaupt: Zwei Monate Waffen-SS haben einen Günter Grass anscheinend dermaßen "beeindruckt", dass er sein ganzes Leben dem Kampf gegen Faschismus, Rechtsradikalismus und sonstige braune Geschwüre gewidmet hat. Das verdiente -und verdient immer noch- Respekt!
Man sollte doch die Kirche im Dorf lassen, da kommt ein siebzehnjähriger Bengel (mit Verlaub, damals war er weder Schriftsteller, noch Nobelpreisträger) für zwei Monate zur Waffen- SS, ohne jede Chance, je eingesetzt zu werden; weil er sich als 15jähriger von der allgemeinen Begeisterung mitreissen ließ.
Wobei man nicht vergessen darf, das seit Jahren "gleichgeschaltet" war, das hieß: es gab Zensur, die gesamte Presse, Rundfunk, Film etc. berichtete nur das, was den Nationalsozialismus gut dastehen ließ.
Lieber sollten sich diejenigen an die Nase fassen, die heute noch behaupten, nicht "mitgemacht" zu haben, "nichts gewusst" zu haben und ähnliche Heuchelei. Deren Dünkel ist es, der sich jetzt über einen honorigen Mann erhebt und ihn schlechtreden will.
Wer lesen kann, hat schon in seinen ersten Werken diese Reibung an einem Thema gespürt, daß ihn bedrückt, um das er aber immer wieder nur Kreise zieht.
Es war sicher nicht klug, so lange zu warten, aber auch späte Ehrlichkeit ziert.
SJ
Es ist ja wirklich nett plötzlich derlei Sätze zu lesen - "glauben Sie mir ich weiß was junge Männer bewog zur Waffen-SS zu gehen"!
Das mag ja durchaus sein. Nur die Heuchelei und Scheinheiligkeit, ja Pharisäerhaftigkeit von Grass und all denen die nun Verständnis - "und auch ein stückweit Traurigkeit" - äußern, ist nicht mehr zu überbieten.
Wie sind sie selbst mit anderen umgegangen, die dem politisch anderen Lager zugehörten: mitleidsfrei und im Besitz der einzigen moralischen Wahrheit. Im Nachhinein bekommt man noch einen bitteren Geschmack, denkt man an die aufbrausend politisch korrekten Reden des Herrn Grass. Bitterkeit, nichts als Bitterkeit. Aber eine Gesellschaft die einen Gas-Gerd hervorbringt wird auch über diese Schande hinwegsehen - ist ja ein aufrechter Linker gewesen, der Herr Grass.
Ich selbst bin Jahrgang 1986 und bin Wohl ein gutes Beispiel für einen jungen Menschen der meint frei zu sein, sämtliche Vorzüge und Verantwortungen der heutigen Zeit trägt und der versucht sein persönliches Klassenschicksal zu definieren.
Bis zur nun tagenden Debatte habe ich nie einen Anreiz empfunden mich über den wohl doch wichtige Menschen Günther Grass zu informieren. Ich selbst bin nie in der Verantwortung gewesen mich über die deutsche Vergangenheit zu äußern oder sie als einen konkret empfundenen Teil meiner Persönlichkeit anzusehen. Als einen entscheidenen Moment der deutschen Geschichte ist sie aber meinem Empfinden nach in ihren unmittelbaren Konsequenzen für das Verständnis des Menschen zu einem bedeutenden Merkmal der deutschen Gesellschaftserziehung/bildung geworden.
Wichtig scheint es mir dies in Zukunft nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Ob Günther Grass nun damals dieses oder jenes getan hat spielt für mich heutzutage keine große Rolle mehr. Wirkung für mich hat es einzig darin, dass ich nun äußert gedrängt bin die Blechtrommel unter diesem Gesichtspunkt zu lesen. Und ich freue mich, dies nun zum ersten Mal unter Betrachtung dieses überraschenden Outcomings tun zu können.
Wie kann man, ich, als nachkriegsgeborener hier Stellung beziehen? Und doch, ich finde es wichtig, auch 2006 noch,, zu lesen was in den jungen Menschen vorsich ging, 44 zur Wehrmacht, Fahnen.- und Führereid.......in der Welt der Globalisation und der PC fast schon wie Mittelalter, wir sollten dies lesen, und Grass nicht verurteilen, die Welt hat sich gedreht. Mein Vater war auch bei den Wehrwölfen, und er uns davon erzählt...............keine Sekunde wird er dadurch seine moralische Instanz als mein Vater verlieren, im Gegenteil
Eine ausgezeichnete Stellung, die Herr Loest bezieht. Großmütig aber nicht naiv.
Ich finde es auch schade, daß Grass erst jetzt mit seiner Vergangenheit herausrückt, namentlich da offensichtlich noch nicht einmal irgend etwas ehrenrühriges dabei war. Es ist natürlich leichter, sich über andere zu erheben, als über sich selbst; das weiß ich von mir selber. Grass hat da eine Chance vertan.
Ich hoffe allerdings nicht, daß die "Milionen Widerstands-kämpfer" und Besserwisser die Oberhand bekommen und an den zweifellosen Verdiensten von Grass kratzen können; hier ist Grass etwas Stehvermögen zu gönnen.
Christian A. Hufnagl
Könnte es nicht sein, dass er (Grass) sich immer geschämt hat, es zu sagen? Obwohl er doch erst 17 war!! Andererseits gab es doch sicherlich jahrzehntelang Gelegenheiten, es gewissermaßen einfließen zu lassen, z.B. 1947, 1948, 1949,.... Aber irgendwann dräute der Nobelpreis. Könnte es nicht sein, dass er den noch abwarten wollte und dann - einige Jahre danach:...Autobiographie, da MUSSTE es rein! Nochmals große Aufmerksamkeit. Naja, vielleicht hält er sich ab jetzt mit politisch-hochmoralischen statements zurück. Aber zeichnen sollte er weiterhin!
Sieghard Maier, Baden-Baden