Zitat aus dem Beitrag:
"Zu diesen Befunden gehören solche aus Geschichtsstunden, für die das Gravitationszentrum der deutschen Geschichte Auschwitz heißt. ... An türkischstämmigen Schülern beobachtete sie das Befremden darüber, daß Deutschland im Unterricht durchweg als schwieriger, bedenklicher, fataler Fall dargestellt wird. Nicht daß es diesen Fall nicht gäbe - aber daß seine Aspekte in der Selbstdeutung der deutschen Kultur und Geschichte als die einzig erheblichen auftreten, muß auf Schüler, denen man zugleich Integration empfiehlt, befremdend wirken."
Nicht nur auf die türkischstämmigen Deutschen, sondern auch auf die Bundesbürger rußlanddeutscher Herkunft wirk das befremdet. Die letzteren verstehen sich in erster Linie als Opfer des Stalinismus. Zehntausende deutsche GULag-Häftlinge und Zwangsarbeiter sind inzwischen in der Bundesrepublik wohnhaft, ihre Enkel und Urenkel machen aufgrund positiver demographischer Dynamik bis zu 10% der Schülerzahl aus, aber ihr Leidensweg, ihre historische Erfahrungen, die zu einem festen Teil der GESAMTDEUTSCHEN Geschichte geworden sind, finden bis heute praktisch keine Beachtung, geschweige denn entsprechende Berücksichtigung in den Schulbüchern.
Den Ausführungen von Fr. Kanemaru-Lange kann ich nur
zustimmen, leider entsprechen sie nicht dem, was viele
Deutsche noch immer von Einwanderern erwarten: dass
nämlich für Einwanderer höhere Maßstäbe gelten als für
sie selbst. Diese Deutschen trennen nämlich nach wie vor
zwischen "Blutdeutschen" und "Passdeutschen". In ihren
Augen kann ein Deutscher eben nicht "Francesco" oder
gar "Songuel" heißen, auch wenn er perfekt deutsch
spricht, die Gesetze befolgt, arbeitet und Steuern zahlt.
Ein "echter" Deutscher kann dagegen ruhig ein fauler
Analphabet mit verfassungsfeindlichen Bestrebungen sein,
Hauptsache "deutsches Blut".
Solange diese Denke noch in vielen deutschen Köpfen
steckt, brauchen wir uns über mangelhafte Integration
nicht zu wundern - eher über die geglückten Beispiele
von Einwanderern, die es trotz allem geschafft haben.
Anpassung der Einwanderer ist noch neu fuer Deutschland, aber laengst kein Thema mehr in den alten Einwanderungslaendern wie Australien und Nordamerika. Es gibt Tausende von gelehrten Studien zum Thema. Wer sich schnell anpassen will, versucht Sprache und Kultur zu lernen. Leidlich jene Gruppen, die sich zunaechst aengstlich um ihre jeweiligen religioesen Institutionen scharen und jeden Kontakt zu vermeiden suchen, brauchen laenger zur Anpassung.
In dem Artikel wird viel über Reflexe geredet und in einer, wie ich finde recht klugen und ehrlichen Weise, die die Hintergründe der neudeutschen Verkrampfungen recht gut aufzeigt.
Aber der Hauptreflex, wonach Deutschland Einwanderer braucht, wird wiederholt. Ich bezweifel das und habe noch keine überzeugende Argumentation gehört. Auch hier herrscht normatives Einerlei. Dass die Volksseele mit ökonomischen Argumenten, dem eigentlichen Totschlagargument dieser Gesellschaft, bedient wird, ist dabei eher komisch. Gerade ökonomische Argumente sind sehr zwiespältig hinsichtlich pro und contra Einwanderung und ganz sicher sind sie eindeutig contra hinsichtlich der Form, wie Einwanderung in Deutschland praktiziert wird.
Noch lustiger wird es, wenn man schaut, wer dabei ökonomisch argumentiert.
Daß die gute Initiative zur Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit wieder ein mal von "den Üblichen" in einem ganz anderen Licht dargestellt wird, ist mittlerweile leider schon normal.
In Deutschland ist Deutsch die "Landessprache", und jeder Mensch der hier langfristig leben will, sollte sie beherrschen. Den Schulen einerseits vorzuwerfen, sie täten nicht genug für die Integration der Kinder aus nicht deutschsprachigen Haushalten und andererseits dann unreflektiert von diesen ergriffene Maßnahmen zu kritisieren, spricht nicht für die Kritiker.
Im Übrigen schließe ich mich der mehrfach in den Kommentaren gemachten Aussage an: Wem es nicht gefällt, daß in Deutschland Deutsch gesprochen wird, die Gleichberechtigung von Mann und Frau angestrebt ist, Gewalt nicht als akzeptiertes Mittel angesehen wird und die Schulpflicht für alle Kinder und alle Fächer (ja, auch Sport und Schwimmen) gilt, der kann jederzeit dahin gehen, wo ihm die "Spielregeln" besser gefallen.
Sie zu ändern obliegt dem Staat, also der Summe aller Bürger und nicht irgendwelchen Minderheiten, egal wie radikal sie sind.
Sie sprechen mir aus der Seele.
Es wäre sowohl für uns Deutsche als auch für integrationswillige Einwanderer viel einfacher wenn wir unsere Identität nicht mehr über die Schuldkultur sondern über unsere jahrhunderte alte Geschichte definieren würden.
Ich möchte Herrn Maehler von Herzen zustimmen.
Auch ich lebe im Ausland, und es ist für mich eine Selbstverständlichkeit, für mich selbst zu sorgen und mich meinem Gastland (Japan übrigens) anzupassen. Vom japanischen Staat verlange ich nicht mehr als die gleiche Behandlung, die auch japanische Bürger erhalten (da ich die gleichen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahle); etwas anderes fände ich absurd.
Warum darf das für Ausländer in Deutschland nicht so sein??
Herr Maehler hat womöglich nicht unterscheiden gelernt, was der Unterschied zwischen Gästen und türkischer Besatzungsmacht ist.
Mir ist das noch aus der zeit nach 45 vertraut. Ein allierter Soldat mußte auch nicht Deutsch können und sprechen. Die Besetzten hatten sich ihm anzupassen.
Viele Deutsche, die nie aus dem Schatten des heimatlichen Kirchturms herausgekommen sind, urteilen hier über etwas von dem sie nichts verstehen. Eine Urlaubsreise ins Ausland schafft da kein besseres Verständnis. Wer niemals über längere Zeit in einem Gastland mit den dortigen Menschen zusammen gelebt und gearbeitet hat kann sich kein Urteil darüber erlauben, um was es hier geht. Bedauerlicherweise ist das bei unseren Politikern die Regel. Türken und andere Zuwanderer sollten verstehen, daß es keine Verpflichtung für Deutsche gibt Türkisch zu verstehen oder zu sprechen. Es ist eine Unverschämtheit, wenn Zuwanderer sich in ihrer Muttersprache unterhalten, wenn Einwohner des Gastlandes anwesend sind. Wenn ich mich entschließe in einem anderen Land zu leben, muß ich dort für meinen Lebensunterhalt selber aufkommen und muß sowohl die Sprache als auch Sitten und Gebräuche respektieren. Es kann wohl kaum so sein, wie viele Zuwanderer in Deutschland meinen, daß das Gastland für sie zu sorgen hat und bitte schön mit ihnen in ihrer Muttersprache und Religion zu kommunizieren hat. Wer das Gastland nicht schätzt kann ja jederzeit wieder in sein Heimatland zurückgehen und u.a. auch seine Kinder dort erziehen lassen.
Rolf-Dirk Maehler
El Puerto de Sta Ma (Cádiz) Spanien