Grass' spätes Eingeständnis

Eine zeitgeschichtliche Pointe

Spezial Ausgerechnet Günter Grass, der Schriftsteller, der allen die Zunge lösen wollte, der das Verschweigen und Verdrängen der alten Bundesrepublik zum Lebensthema machte, hat jetzt sein eigenes Verschweigen bekannt. Ein Kommentar von Frank Schirrmacher.

Lesermeinungen zum Beitrag

22. August 2006 22:42

Grass

Philipp Conradi (pconradi)

Beim Häuten der Zwiebel...... kamen dem Autor vor Selbstmitleid die Tränen in die Augen.....
Stilistisch ist die Autobiographie von Günter Grass wertlos; viele nebulöse Andeutungen und selbstverliebte Details ( Mutters Haarspange z.B.), wenig Namen und Orte, viele komplizierte Schachtelsätze, viele Einlassungen mit Gedankenstrich....Das Ganze ist unerträglich. Ich warte auf Reich-Ranicki...

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22. August 2006 13:53

umkehr?

christian wolfert (kcwolfert)

ich bin gewissermaßen dankbar für diese debatte um günter grass, zeigt sie uns zumindest auf, wie einige menschen mit dem prinzip der umkehr verfahren.
günter grass hat wohl einen fehler gemacht. na und, wer von uns hat das nicht. und wer von uns heute, bis auf ein paar ausnahmen, ist in der lage einen damals gerade heranwachsenden menschen in einer solchen situation beurteilen, gar verurteilen zu können.
dass sich seine damalige entscheidung auf sein ganzes leben erstreckt und ihm kummer bereitet hat, sieht man doch daran, dass es endlich raus musste.
in was für einer welt leben wir denn, wenn wir unsere fehler in zukunft nicht mehr zugeben dürfen, ohne dafür niedergemacht zu werden?
umkehr ist ein prinzip, was den einzelnen menschen befähigt aus seinen fehlern zu lernen und sich selbst zu verbessern. wenn man grass jetzt dafür schilt, dass er etwas bekennt, was er nicht hätte bekennen müssen, dann gibt man der öffentlichkeit zu verstehen, dass es sich nicht lohnt seine fehler einzugestehen und sich selbst verbessern zu können. ich hoffe nicht, dass es soweit kommt.

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21. August 2006 23:17

Grass spaetes Eingestaendnis

Dietrich Schulte-Frohlinde (DSF1)

Wer mit siebzehn Jahren das primitive und aggressive in Hitlers Doktrin sowie in der ganzen Nazi Weltanschauung nicht erkannt hat wird auch später nur schwer zu einen ausgeglichenen Weltbild finden, denn mit siebzehn ist das Gehirn schon weitgehend ausgereift und manche geniale Leistung ist sogar schon jüngeren geglückt. Die später so oft unausgeglichenen und unreifen Ansichten von G. Grass und seine im Nachhinein übertriebene Moralität beweisen dies zur Genüge.
D.Schulte-Frohlinde

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21. August 2006 13:02

Grass' Geständnis

Aldon Skalski (ALSKA)

Wer unter Euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein.
Es ist so einfach und doch braucht man einen großen und weiten Geist, um nicht zu werfen, trotz des Wissens um das eigene Vergrabene.

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20. August 2006 08:41

Bottom line...

Klaus Bauer (Klausbauer)

...und es gibt eine bottom line hier: Nobelpreis hin und her, verdient oder nicht, sein Alter damals ist auch egal, im Grunde zaehlt nur eins: Grass ist ein Heuchler und ein Luegner. Bin mit Grass aufgewachsen, habe durch ihn mein vererbtes Schuldbewusstsein verstanden und verlassen, und jetzt bin ich nur noch entaeuscht, und fuehle mich betrogen.
Andererseits: lebe seit 10 Jahren in den USA, und das interessiert hier wirklich keine Sau. Die Amerikaner, die Welt, und auch die Deutschen, haben ganz andere Probleme als das Gestaendnis eines alten Luegners.

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18. August 2006 13:17

Schluss damit, Ihr Medien alle

Silke Marx (barbarashm)

Herr Grass hat nicht gestanden!

er hat posaunt!!!!

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17. August 2006 21:43

Grass vorbei

Martin Gutensohn (Gurnemanz)

Der Krieg ist aus. Die Nachkriegszeit ist vorbei. Der Blechtrommler hat seinen Einsatz verpaßt. Das haben wir längst gewusst. Nun trommelt er noch einmal für seinen alten Käse. Es reicht.

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17. August 2006 12:35

Günther Grass:"Wer ohne Sünden ist, werfe den ersten Stein ".

Jan Eurelings (eurelings)

Dieses Zitat dringt sich immer wieder beim Lesen der Kommentare bei mir auf,um so mehr als es sich um einen 15-17 jährigen Knaben handelt, der sich in einer äusserst schwierigen Lage befand.Beglückend und treffend fand ich die Äusserung des Herrn Pourroy, die ich hier wiederholen möchte: "Beglückender ist es jedoch für unser Volk,die Aufgabe für die Zukunft heute zu erkennen und anzupacken". Wenn man die innen-und aussenpolitischen Bemühungen und Erfolge Deutschlands und den zügigen Demokratisierungsprozess nach dem Krieg verfolgt hat, kann man dieser Aussprache nur Beifall leisten. Gerade diese Auffassung hat das Bild von Deutschland und den Deutschen im Ausland zurecht ins positive verwandelt.Die Weltoffenheit und die politisch verantwortliche Haltung Deutschlands gegenüber Europa und den Weltmächten findet allenthalben grosse Anerkennung.Ich selbst bewundere die Weise, wie die Deutschen sich öffentlich in den Medien mit den Kriegsopfern und den schiksalhaften Folgen des Krieges auseinandergesetzt haben, wobei erst seit den letzten Jahren dem Leiden der eigenen Bevölkerung und dem Trauma der Nachkriegsgenerationen Aufmerksamkeit gewidmet wird.Vielleicht beeinträchtigt dieses Trauma nachträglich die Urteilsfindung insache Grass.

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17. August 2006 09:12

Das ist graz alder

H. Lauter (Tattaya)

Who the Fuck is Grass?
Was ich eigentlich sagen wollte.... who cares?

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17. August 2006 08:55

Ein Kommentar zu manchem Kommentar

Matthias Rietz (oekonom_de)

Mahner waren in der neuen BRD mehr als erforderlich (lesenswert: Die Prozesserinnerungen des Rechtsanwalts Heinrich Hannover). Einen Witz hingegen finde ich, dass die katholische Kirche als Moralinstanz ins Feld geführt wird. Wer hat denn mit den Nazies auf Schmusekurs gestanden? Es war die Amtskirche und Johannis Paul der II. hat sich dafür ja auch entschuldigt. Gegner gab es zwar viele aus dem kath. Lager, Franz von Gahlen war wohl der bekannteste von ihnen, nicht zu vergessen die Menschen aus dem katholischen Widerstand. Ein 17 jähriger Bengel wird in den Medien für eine Faszination gerichtet, obwohl er von Tätern (der Großteil des Deutschen Volkes) erzogen, ja manipuliert wurde und wovon selbst der Papst fasziniert war? Und die Gegner aus den Unterschiedlichen Lagern schlagen munter mit drauf ein. Die deutsche Gesellschaft war bis 1945 eine Gesellschaft der Mörder, Helfer und Dulder. Jeder hat etwas gewußt und wenn Sie nicht direkt daran beteiligt waren so haben sie zumindest geschwiegen. Als nach dem Kriege die Grausamkeiten veranschaulicht wurden, wurden wieder die Mahner angegriffen, denn die Altnazies saßen nach 5 min. Entnazifizierung wieder auf Ihren alten Stühlen und in der CDU (Kiesinger, Filbinger etc.). Rietz (1961)

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16. August 2006 23:54

Schirrmachers Pointe

Gustav Adolf Pourroy (pourroy)

Die heutigen Kommentare der Feuilletons werden von Journalisten verfasst, die sich von dem Massenwahn im Staat, den der Mensch im kranken Staat ausgesetzt war, keinen Begriff machen. Ein Volk von lauter Stauffenbergs ist nicht vorstellbar - und selbst der hat einmal Heil Hitler gesagt.

Grass spricht offen von seinem Glauben an den Endsieg, für den er seinen Beitrag leisten wollte. Hieraus geht der Grad der Verführung eines jungen Menschen klar hervor.

Das Wühlen in der Vergangenheit und die Kunst der moralischen Ereiferung zu üben ist sicher sehr interessant. Beglückender ist es jedoch für unser Volk die Aufgaben für die Zukunft heute zu erkennen und anzupacken.

Gustav Adolf Pourroy, München

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16. August 2006 14:55

Graß war erst 17 Jahre alt - was soll diese ganze Hetze?

Marina Münch (Robine)

Wenn man sich früher dem Einberufungsbefehl widersetzt hat, durfte man getrost mit seiner Erschießung rechnen.
Jeder wäre damals beigetreten!
Was soll also diese ganze Hetze? Er war damals noch ein Kind, ein heranwachsender Jugendlicher. Früher wurden die Kinder sehr autoritär erzogen. Bitte nicht zu vergessen.

Es hetzt doch auch niemand mehr gegen Joschka Fischer,
der älter war, als er Steine geworfen hat und trotzdem ein guter Außenminister geworden ist.
Also lassen Sie gefälligst diese Hetze.

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16. August 2006 13:12

törichter starrsinniger alter Mann

Thomas Hechinger (Hechinger)

Günter Grass eine moralische Instanz? Für mich 1960 Geborenen war er das nie. Mich empört weder, daß er als Jugendlicher bei der Waffen-SS war, noch daß er erst so spät zu einem Geständnis findet. Für beides gibt es Erklärungen. Vielmehr bin ich fassungslos erstaunt, mit welcher Unbelehrbarkeit, Verbohrtheit und ideologischen Verblendung er die Nachkriegszeit in Westdeutschland beurteilt. Von meinem Vater weiß ich, daß es auch ihn zu einer gewissen Zeit verlockt hat, bei der Hitler-Jugend mitzumachen. Nur ließen das seine Eltern, einfache Leute, Tagelöhner und Kleinbauern, nicht zu. Ihr fest im katholischen Glauben wurzelndes Selbstverständnis machte es denkunmöglich, ihren Buben den gottlosen braunen Horden zu überlassen.
Ich jedenfalls bin dankbar, daß der „katholische Mief“ im Westen Deutschlands den Aufbau einer funktionierenden Demokratie ermöglichte. Wohin es hätte kommen können, wenn 1945/49 die Weichen anders gestellt worden wären, dafür bietet die SED-DDR-Diktatur hinreichend Anschauungsmaterial. Glücklicherweise ist dem Westen der von Grass offenbar so ersehnte „sozialistische Mief“ erspart geblieben.

Für mich ist Konrad Adenauer der größte Deutsche.

Und Grass nur ein törichter starrsinniger alter Mann ...

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16. August 2006 06:33

17-18

Dominik Duechs (dominik75)

Zunaechst mal vielen Dank an den Leser Lars Johannes! Seine Erfahrungen aus der Schulzeit kann ich im grossen und ganzenbestaetigen (bin Jg. 1975).

Was ich mich in der Diskussion um Entschuldbarkeit oder Nichtentschuldbarkeit von Grass' Waffen-SS-Mitgliedschaft aufgrund des Alters frage, ist aber folgendes: Das Eintrittsalter zum aktiven Wahlrecht, und somit die Verantwortung fuer das politische Geschehen, liegt seit ein paar Jahrzehnten in Deutschland bei 18 Jahren, also ungefaehr demselben Alter, in dem Grass angeblich nicht zurechnungsfaehig war. Frueher war das Wahlrecht mal bei 21 Jahren. Es wurde seinerzeit, massgeblich ausgehend von der SPD und ihren Unterstuetzern wie Grass, auf 18 abgesenkt. Mit welchem Recht beansprucht er jetzt also fuer sich, damals ein kleiner dummer Junge gewesen zu sein?

Ich freue mich jedenfalls darueber, dass Deutschland im Jahr 2006 durch die Fussballweltmeisterschaft und auch durch diese Grass-Geschichte endlich das Ende dieser unsaeglich moralinsauren Nachkriegszeit erlebt und wir langsam aber sicher ein ganz normales Land werden.


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15. August 2006 18:38

Jugend entschuldigt alles?

Michael Flacke (Maiastra)

Nun ist es also vorbei, die Nachkriegserzählungen enden mit Grass, der sich nach über sechzig Jahren, in denen er stets das moralische Gewissen der Bundesrepublik darstellte, entschlossen hat, ein wenig Teilnahme am schlimmsten Verbrechen der Menscheitsgeschichte einzugestehen.
Und was tut die Presse? Im Großen und Ganzen wird er entschuldet, gelobt, mild zurechtgewiesen oder gar für seine unendlich späte Offenbarung gelobt.
Haben wir vergessen war einer Truppe er angehörte? Haben wir die Massaker vergessen, die die Soldaten mit der Doppelrune in Polen, der Ukraine oder Russland verübten?
Warum wird er entschuldet? Weil er 17 war? Ja und? Wissen wir, was er getan, welche Verbrechen gegen die Menschlichkeit er möglicherweise begangen hat?
In der gesamten Debatte schwingt der unerträgliche Ton, das die Deutschen, besonders die Jugendlichen, nur Opfer waren und dem Malmstrom des Krieges eh nicht entrinnen konnten. Somit wertet Grass und mit ihm die gesamte Presse, die dieses Nichtgeständnis nicht hinterfragt, den gesamten deutschen Wiederstand ab. Wie hat denn Sophie Scholl widerstehen können, wenn er, das Genie es nicht konnte?
In allen seinen Offenbarungsreden fehlt Reue und Demut. Es ist unerträglich.

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