Niemand macht der Verlagschefin ihren Erbenrang streitig. Ein wenig eigentümlich wird es allerdings, wenn diese erklärt ihren Mitgesellschaftern jegliches Mitspracherecht vorzuenthalten. Was wir vernehmen ist, dass man jegliche Vorstöße, sprich Anträge, der Minderheitsgesellschafter als einen Angriff auf den Verlag sähe. Das mutet nun allerdings etwas eigenartig an. Denn auch ein Minderheitsgesellschafter hat bestimmte Rechte, die ihm auch der Mehrheitsgesellschafter nicht nehmen kann. Dazu gehöhrt, dass er die Bücher einsehen kann, dass er Anträge stellen kann, dass er mitbestimmen kann. Dieser Rechte vergeht er nicht automatisch dadurch verlustig, dass er darin durch den Mehrheitsgesellschafter überstimmt wird.
Frau Unseld wird immer weiter in absurdester und abstoßend frauenfeindlicher WEise desavouiert - und sei es auch "nur" durch Lächerlichkeiten wie die, die Sie, liebe FAZ, hier kolportieren. So etwas sollten Sie eigentlich Ihren LEsern nicht zumuten.
Frau Unseld hat in der Männerwelt der Verlage einen großen Fehler, sie ist eine ("leider" auch noch schöne) Frau und sieht ihre Rolle nicht als die einer Marionette alter Männer - üblicherweise die einzige Rolle, die einer Frau in Führungposition zugebilligt wird.
Euphemismen, Über- oder Untertreibungen, wie gut daß es die giebt! Und unter neuem Namen erscheinen alte Phenomäne... Vor mehr als 40 Jahren, als ich noch zur Schule ging, lehrte man uns alles über den Epigonismus - heute heißt dasselbe modisch Postmodernismus.
Früher redete man einfach von schlechter Politik, von schlechter Geschäftsführung, und in der Bücherwelt, von fehlendem Gespür.
In der Tragikomödie Suhrkamp von Hexerei oder gar Hexenjagd zu reden ist zwar eine ausgezeichnete Publik Retation Ideee, die allerdings und leider nicht verkaufen kann. All diese Gerede zeigt allerdings, daß es heutzutagen dem deutschsprachigen Verlagswesen an Genien wir Rowohlt, S. Fischer uns S. Unseldt fehlt, und daß alle Welt solche Talente schmerzhaft vermißt. Bleibt nur due Hoffnung, daß eine solche ununmängliche 'Neuerscheinung' noch vor einer endgültingen allgemeinen literarischen Leere neues Leben in die Masse bedruckten Papiers bringt. Die, welche wir unsere Jugendjahre gleichzeitig mit der ersten Großen Zeit Suhrkamps genossen, machen uns ernstliche Sorgen um die Zukunft.