
Es geht nicht darum, irgendwem seine Religion mieszumachen
oder ihn gar an deren friedlichen Ausübung zu hindern.
Ursache des Konfliktes und der mitunter aggressiven REaktionen
mancher Un-, wenig oder nicht linientreu Gläubiger ist vielmehr,
dass religiöse Lobbyisten beinahe JEDER Couleur
(ausgenommen vielleicht Buddhisten)
sich immer wieder anmaßen, ihre Vorstellungen von Moral und Ehre
ALLEN Mitbürgern aufdrücken zu wollen.
Können sie ihre Ideen nicht allen Anderen aufzwingen,
fühlen sie sich dadurch verfolgt (!) und jeder rationalen Argumentation
verweigern sie sich mit dem Hinweis, im Besitz göttlicher Wahrheit zu sein.
Wen wundert's, dass da den "Atheisten" (von denen viele an Gott glauben)
manchmal der Kragen platzt.

Religion und Atheismus sind beides Waffen: Unscharf harmlos, in den Händen der Falschen jedoch äußerst gefährlich.
Ich meine, die harschen Reaktionen der Atheisten haben folgene Gründe:
1. Dauernd müssen sich Atheisten rechtfertigen, während sich tief Religiöse beständig im Recht wähnen auf Grund höheren Beistands und auch noch Ehrfurcht dafür einfordern
2. Unbehagen über die zunehmende Beeinflußung der Politik durch Religiöse
3. Dass der wiedergebohrene Christ Bush Folterungen wieder Salon fähig gemacht hat (also hart erkämpfte ethische Grundwerte wieder aufweicht)
4. Atheisten bedrohen niemanden bei Unglauben mit ewiger Verdammnis - Monotheistische Religionen schon.
Und sie sehen eben das Fazit der Autors ('Keine Religion hat das Recht, den Frieden zu stören') als in der Wirklichkeit gefährdet an.
Doch wo das Böse ist (egal ob atheistisch oder religiös), da wächst das Rettende auch!
Denn Atheisten und uns normalen Mehr- oder Mindergläubigen ist eins gemeinsam:
Das Staunen über die Schönheit, die Vielfalt und auch die Schrecken des Lebens. Es gibt keine Wunder, aber die Welt ist wunderbar!

Wie kann man glauben in Glaubensfragen überzeugen zu können?Und das Herumgestänkere ist daher nicht nur entwürdigend, sondern auch unfruchtbar.Es war schon eine Provokation der FAZ,danach zu fragen,was die Atheisten im Schilde führen,denn damit wurde eine antiatheistische Verschwörungstheorie vorgestellt.Ich denke,dass ich für meine Überzeugung einstehe,aber ich überlege mir immer,auf welche Weise und zu welchem Anlass.Welcher Religion ich angehöre oder ob ich Atheist bin,interessiert im täglichen Leben niemand,es sei denn,es hat einen speziellen Grund.In der Wissenschaft ist dieser Grund immer dann evident,wenn sie damit zu verteidigen (oder eben aufzuweichen) wäre.Und nur darum geht es auch hier.Aber selbst dann,bitte ich zu bedenken,dass das moderne wissenschaftliche Denken, in dem ein Gott nichts zu suchen hat,noch sehr jung ist,gemessen an der Zeit,in der die Menschen an einen Gott niemals zweifelten,und trotzdem dabei Erkenntnisse von Rang gewannen.Wenn wir die Wissenschaft verteidigen,gegen die Versuche der Religion,sie zu ignorieren,dann deshalb,weil sie der kürzeste Weg zur Wahrheit,nicht der einzige wäre.Vielleicht ist es das, was religiöse Menschen von einem Atheisten gerne erwarten möchten,dies auch Respekt genannt.

Prima Herr Menting, "überzeugt eifernd" - das charakterisiert allerdings den Originalartikel sehr genau. Glaube macht in vieler Hnsicht kritiklos.
TF

Wunderbarer Artikel, den ich gleich im Forum "Freigeisterhaus" (http://freigeisterhaus.de/viewtopic.php?p=972489#972489) verlinkt habe, das voller überzeugt eifernder und nach eigener selbstgerechter Einschätzung weltverbessernder Atheisten ist....
Gruß
Geoman

@Heimes: Entschuldigen Sie zunächst, dass meine knapp gehaltene Vorträge nicht alle Seiten erfassen, und in aller Regel schalte ich auch keine Beiträge in Serie, denn das nervt (aber vielleicht gehen Sie mal auf meine Website – „Visitenkarte“!?). Ich sagte: „Höchste Form des Denkens“ und schließe damit nicht aus, dass wir mal höhere Formen finden – wo auch immer -, aber eben ganz bestimmt kein göttliche Form von, es sei denn, wir verklärten diese dann zu göttliche. Dawkins verklärt die Religion als „biologisch notwendig“, wenn auch „irrig“, was des Positivisten Grab sein wird! Und darin zeigt sogar er sich als Agnostiker. Vielleicht haben ihn die ätzenden Kritiken aus den eigenen Reihen doch mürbe gemacht. Mit einem Agnostiker kann ich übrigens ewig plaudern, wenn ich nicht vorher einen Wutanfall bekomme; denn, wer hält schon Geplauder - das nichts Verifizierbares bringt – „ewig“ aus? Philosophische Agnostiker sind im Kern religiöse Opportunisten, die sich nicht trauen, sich mit ihrem Gott anzulegen, denn, „man weiß ja nie, was nach dem Tod kommt“. Und wer da sagt: Religion ist biologisch bedingt, aber irrig, kann jederzeit sagen: ich hab mich geirrt!

@ Binsack: damit starten Sie gleich von der Plattform des seit Hellas angehäuften abendländischen Begriffsinstrumentariums, während ich noch in der Marsumlaufbahn bin :-).
Mir gehts zunächst mal nur darum, den aggressiven Atheismus à la Dawkins, Hitchens & Co. in der Debatte zu relativieren, weil er in meinen Augen durch den Ausschluß der Religion als Erkenntnisvehikel die Erkenntnismöglichkeiten begrenzt und nicht, wie er vorgibt, verbessert bzw. erweitert. Mit einem Agnostiker dagegen läßt sich über alles reden ;-)

Herr Gray lehnt also nur die "missionarische Form des Atheismus" ab. Was bedeutet denn diese gefällige Formel? Es ist ganz offensichtlich eine weichgespülte Form der Aussage "Atheisten sind OK, solange sie die Klappe halten." Und das sollte ihm hier niemand als objektiv und wertfrei durchgehen lassen.
Natürlich sind Gottesgläubige immer schockiert, wenn ihnen jemand ein gottfreies Weltbild darlegt, das dem nüchternen Teil in ihnen sogar unmittelbar einleuchtet . Die Reaktion von Gray darauf ist keine aufgeklärte oder wissenschaftliche, sondern eine angstgesteuerte Abwehrreaktion.
Verschärfend kommt hinzu, daß er philosophisch verbrämt den Nichtgläubigen allerlei Schlimmes unterstellt und sie als die Schuldigen an den schlimmsten Phasen der Weltgeschichte hinstellt.
Bitte überfliegen Sie, Herr Huber und manch anderer, den von Ihnen so gelobten Artikel unter diesem Gesichtspunkt nochmals. Vielleicht bröckelt ja das Bild vom sakrosankten Gray.
TF

@Heimes:Der Atheismus drückt Erkenntnis aus,nämlich eine,die davon ausgeht,dass das organische Leben unbeseelt und dass des Menschen Geist die höchste Form des Denkens ermöglicht und damit auch Transzendenz.Eine Transzendenz,die nicht den Menschen (oder dessen Seele) in einem „Plenum“ (Platon) am Himmel versammeln lassen wird,um irgendwelche Geistwesen (oder auch Götter genannt),sondern eine solche,die ihn über seine materielle Welt hinausblicken lässt,nämlich in eine im höchsten Maße geistige.Es ist dies aber die Welt des Menschen selber,der danach strebt,seine Gebundenheit als Subjekt in eine ihn fesselnde objektive (materielle) Welt insofern aufzulösen,als das er seine subjektive Welt als objektive erkennt,und im gewissen Sinne dies auch umgekehrt:denn die objektive Welt erkennen wir als eine von uns gemachte.Ohne diese geistige Welt ist des Menschen materielle Welt nicht vollständig,und diese Philosophie nennt man schlichtweg „Monismus“;denn sie unterscheidet sich von dem Dualismus,der da glaubt,es gäbe eine Welt für den Menschen,die sich ihm maximal in der Wissenschaft erschließe und eine für alle Seelen auf dieser Welt,die sich ihm gar nicht erschließt.–An Letztere darf er nur glauben.Der Atheismus ist aber nicht agnostisch!

sieht man einen Planeten namens Erde mit einer Population namens Menschheit :-).
Zitat aus dem Artikel von John Gray:
"Wir wissen immer mehr, aber der Mensch bleibt, der er ist".
Soviel wir von der Evolution wissen, stimmt dieser Satz zumindest für die Vergangenheit nicht (ist wohl auch mehr als Anflug von Verzweiflung gemeint). Die Menschheit hat sich seit ihren Ursprüngen biologisch, kulturell und geistig verändert. Und es spricht viel dafür, daß sie das auch weiterhin tun wird (naja, es sei denn... der Bush dreht am Rad oder ein Asteroid trifft uns unversehens; aber ich bin mal optimistisch). Was diesen Prozeß ausgelöst hat und wohin er führt, wissen wir nicht. Der Sinn unserer Existenz besteht darin, das (und vielleicht noch ein bißchen mehr) herauszufinden. Dazu bedienen wir uns im wesentlichen der Natur- und Geisteswissenschaften, der Kunst und der Religion. Und da ist doch schon einiges bei herausgekommen. Daß der Atheismus - was immer das für eine Lehre oder Nichtlehre sein soll - etwas zur Erkenntnis beitragen könnte, erschließt sich mir nicht. Auch nicht in dem Sinne, daß die Anwendung der anderen Kulturtechniken durch ihn - von 'religiösem Ballast' befreit - erleichtert würde. Sehe ich nicht.

Herr, Frieling, wenn ihr voriger Beitrag als eine Antwort auf meinen Kommentar gedacht war, sollten Sie sich schon mit meinen Argumenten auseinandersetzten. Als da wären z.B. Herr Gray kritisiert den Atheismus an sich nur in dem Maße, wie er auch die Religion kritisiert - einzig die missionarische Form des Atheismus wird abgeleht; und Herr Gray ist vermutlich selbst Atheist. So wie sie steht, geht Ihre Reaktion sowohl an meiner Kritik an Ihren Beiträgen sowie an den Argumenten von Herrn Gray völlig vorbei.

Herr Huber, Sie möchten offenbar gerne, daß sich Nichtgläubige still verhalten. Dabei gibt es gute Gründe, das Phänomen der Religiosität zu kritisieren. Kritik erlaubt aber der Gottesglaube nicht und wehrt sich dagegen. Der Vorwurf missionarischen Eifers, den Herr Gray vorbringt, enthält wiederum Begriffe aus der Wunderwelt der Religionen und ist damit ad hoc entlarvend unobjektiv:
"...Die Säkularisierung befindet sich auf dem Rückzug, und das Ergebnis ist ein missionarischer Atheismus, wie es ihn seit viktorianischen Zeiten nicht mehr gegeben hat....Der eifernde Atheismus reproduziert einige der übelsten Eigenschaften von Christentum und Islam..."
Um die Nichtgläubigen, die ihre Kritik auch einmal äußern, zu diskreditieren, werden sogar Vergleiche zur Nazidiktatur gezogen. Bei jedem anderen Diskussionsthema ist der Nazivergleich die Kapitulation vor den Argumenten des Gegners. Herr Gray scheut nicht einmal davor zurück. Auch mit den Taliban dürfen wir uns vergleichen lassen.
Am Schluß schürt er noch Angst vor dem, was kommen könnte, wenn die Religion dereinst überwunden sein wird.
Nein, ich habe Herrn Gray schon ganz richtig verstanden. Er verhöhnt die Religionsgegener - weil sie ihn im Glauben verunsichern.
TF

„Die Ansicht, die Ausübung des freien Willens gehöre zum Menschsein, ist ein religiöses Erbe…“ Genau solches spiegelt den modernen Sophismus wieder, mit Hilfe dessen die Wissenschaft zur Religion gemacht werden soll. Während der „antike“ Sophismus im Kern pantheistisch und somit im Kontext seiner Zeit noch konsistent argumentierte, wird nun mit Halbwissen modern-agnostisch getrickst. Auch wenn die Neurowissenschaften an dieser Stelle auf der Stelle treten, bedeutet das nicht, dass man den Mythos modernem Denken unterschieben darf. In mythologischer Zeit – und hier sind alle Religionen geboren worden, bzw. ihre Vorläufer – kannte man keinen freien Willen, weil man überhaupt noch keine Vorstellung vom Subjekt hatte. Der Mensch wurde von einer Welt der Geister (und später Götter) noch gar nicht geschieden gedacht.Heute beginnen wir darüber nachzudenken, wie klein der Spielraum des „freien Willens“ ist, aber dass es einen solchen nicht gebe, wird nur von „Extremisten“, wie auch von einem wie Dawkins, unterstellt.Es sind dieselben Positivisten, die gestern so begeistert waren von des Menschen Fähigkeit sein Glück zu finden (in der bürgerlich-aufgeklärten Welt), die nun diese Fähigkeit zum Glück auf eine entsprechende Gene reduzieren.

Herr Frieling, Sie unterliegen offenbar demselben Missverständnis wie einige andere Kommentatoren vor ihnen. Herr Gray übt nun wirklich keine Kritik am Atheismus an sich (ich könnte mir vorstellen, dass er selbst Atheist ist), sondern nur an der missionarisch betriebenen Form des Atheismus, die in der Religion die Wurzel aller Übel sieht. Gegen Menschen, die einfach nicht gläubig sind, richtet sich seine Kritik also keinesfalls. Fragen tue ich mich allerdings, weshalb dieses Missverständniss trotz der Klarheit von Grays Argument immer wieder zu beobachten ist. Spielt hier die Angst vor den Grenzen einer positivistisch interpretierten Aufklärung eine Rolle? (im Gegensatz zu einer sich selbst kritisch betrachtenden Aufklärung, wie sie Gray zumindest in diesem Essay betreibt).

Mein Vorredner, Herr Friemelt, schreibt:
"Wenn man auch nur sanft andeutet, dass die Wissenschaft ebenfalls religiöse Züge, dann geht die Schreierei los, noch bevor man zur Sinnfrage gelangt."
Wissenschaft ist religiös und Fleisch ist auch nur Gemüse - Wenn man den Weg zur Sinnfrage gleich mit einem Widerspruch beginnt, hat es auch keinen Zweck, weiter zu diskutieren.
Wissenschaft ist einfach nüchtern. Wer etwas behauptet, muß sich Fragen gefallen lassen - das ist das Prinzip. Und je umwälzender und unanschaulicher die Behauptung desto strenger die Fragen, mehr nicht. Keine Rituale, keine heiligen Orte, keine Priester, keine Stifter, keine Sünde, kein Tabu - und keine Religion.
TF

Zum einleitenden Satz: nicht die Ablehnung des Gottesglaubens ist Mode sondern das Herausstellen desselben. Selbst der mächtigste Mann der Welt beruft sich bei seiner Politik auf seinen Glauben.
Die Kernaussage, Atheisten seien irgendwie doch auch religiös ist die immer wieder vorgebrachte Argumentation nach dem Muster "Es kann nicht sein, was nicht sein darf". Herr Gray sollte sich dem Thema stellen und erkennen, daß Atheisten im allgemeinen Leute sind, die einfach keinem Gottesglauben anhängen und daher per definitionem nicht religiös sind.
Jeder Mensch muß für sich einen Umgang mit den Lebensfragen finden: Warum lebe ich? Kommt danach noch etwas? Lebt das Bewußtsein nach dem Tode weiter? Die einzige seriöse Antwort lautet: ich weiß es nicht. Auch Gäubige behaupten nicht, die Antwort zu wissen.
Als nüchterner Mensch mache ich mir entweder nichts daraus, daß ich die Antworten nicht kenne, oder ich bemühe ernsthaft ihnen etwas näher zu kommen. Religiös sein bedeutet, sich den Fragen gar nicht zu stellen. Stattdessen begibt man sich in der Tradition der Vorfahren in ein komplexes Land der Mythen, Verheißungen und Autoritäten.
Gelegentlich gibt ein Nichtgläubiger dies zu bedenken. Das macht den Gläubigen angst.
TF

Wie richtig Herr Gray liegt zeigen nicht nur einige der Kommentare hier. Man lese mal im Internet in Foren und Newsgroups, wo sich Atheisten über Glauben und Religion auslassen (freilich fast nur über das Christentum, ist risikolos). Da geht es mit einem emotiononalen Eifer zu, daß man um die Gesundheit der Diskutanden fürchtet. Die Hoffnung, damit Christen zu einem Streit zu provozieren, ist oft vergeblich. Allenfalls meldet sich ein Kontrahent, der sich selber zum Atheismus bekennt, aber es nicht lassen kann, die logischen Brüche und die Unwissenheit hinsichtlich Geschichte und Religion aufzuzeigen, die in der Argumentation sichtbar werden. Früher wußten Reiligionskritiker häufig, worüber sie sprachen. Heute ist es meist ein unreflektiertes Wiederkäuen von antichristlichen Parolen und Dogmen.
Oft wird betont, daß das Christentum der Vergangenheit angehöre und das sei gut so. Das ist ein Pfeifen im Walde. Herr Gray hat recht, der wissenschaftliche Atheismus hat im letzten Jahrhundert eine Blutspur hinterlassen und der Konsumenten-Materialismus befriedigt viele nicht mehr, so daß der Atheismus des 19. Jahrhunderts obsolet ist und nicht die Religion, der sich viele wieder zuwenden.

Was ich bei Dawkins & Co herauslesen kann, ist eine gewisse Begeisterung für die Sache des Atheismus, aber Eifer? Die einzige Forderung, die mit etwas mehr Nachdruck vorgebracht wird, ist die, die Kinder mit der Religion in Frieden zu lassen, bis sie dergleichen verstehen.
Zu keiner Zeit wird hier eine Ideologie aufgebaut oder auch nur der Versuch gemacht. Auch gegen den Glauben eines einzelen Menschen wird nicht polemisiert. Kritisiert dagegen werden Organisationen, die diesen, den Verfassern durchaus verständlichen Glauben für ihre Zwecke auf's Gröbste missbrauchen.

Der Author spricht von einer in seiner Zahl vollkommen unrelevanten Gruppe.
Ich kennen keinen einzigen 'bekennenden' Atheisten, sehr wohl aber sehr viele Menschen denen jede Art von "Glaube" also auch der Glaube an eine Nicht-Existens Gottes (natürlich ist auch das ein 'Glaube') fremd ist.
Den meisten Menschen in Deutschland ist es einfach egal ob es einen Gott gibt oder nicht, sie sind damit eben KEINE Atheisten !
Das ist im übrigen eine sehr pragmatische Haltung, denn zu welchem Gott in dem unüberschaubaren Angebot an 'Göttern' (jüdische, christliche, muslimische, römische, buddistische,griechische, hinduistische etc. etc.) sollte man auch glauben ?
Woher sollte man wissen wer der richtige ist ? Also läßt man es sich offen und beschäftigt sich einfach nicht weiter damit.

Tja, selten so einen entwaffnenden Aufsatz über die Pseudoreligion gelesen. Dann denkt mal darüber nach ...
Ach ja, das ist wirklich treffend und lustig zugleich:
"Doch die Vorstellung vom freien Willen, die der modernen Auffassung von persönlicher Autonomie zugrunde liegt, ist biblischen Ursprungs (man denke an die Schöpfungsgeschichte). Die Ansicht, die Ausübung des freien Willens gehöre zum Menschsein, ist ein religiöses Erbe, und wie die meisten modernen Formen des Atheismus geht auch die Pullmansche Variante auf das Christentum zurück."

...in den vielfältigsten pazifistischen Befreiungsbewegungen, ob in der DDR, Polen, Südafrika, den USA (Luther-King), Indien (Mahatma Gandhi) oder jetzt in Burma und Tibet. Bei den Ärzten ohne Grenzen, bei Kinderhilfswerken, undundund
Die Religionen spielten und spielen eine grosse Rollen bei Massenmorden. Ob im 30-jährigen Krieg, den Kreuzzügen oder dem aktuellen Terrorismus undundund
Der wahre Gläubige zeigt sich dann, wenn Hilfe zu leisten ist und dabei Gefahren für Leib und Leben zu bestehen oder Verzicht zu leisten ist.
Der falsche Gläubige zeigt sich, wenn es Macht und Geld zu verteilen gibt. Der falsche Gläubige kann sich jedoch nur deshalb hinter dem Deckmantel der Religionen verstecken, weil diese vielen Völkern in der Vergangenheit grossen Nutzen brachten. In jeder Religion widmet sich Gott den Menschen, deshalb muss sich der Gläubige den Menschen widmen.
In der Bibel steht dazu: „An den Taten sollt Ihr sie erkennen.“
Worte sind nun einmal geduldig und Glaubensbekenntnisse bestehen aus Worten...

Obwohl sie in dem ganz hervorragenden Essay mehr als deutlich wird, scheinen Sie die Stoßrichtung von Herrn Gray nicht verstanden zu haben. Es geht ihm an keiner Stelle um eine Kritik des Atheismus (Ich könnte mir vorstellen, dass Herr Gray ebenfalls Atheist ist) - obwohl sich dieser natürlich genauso wie wissenschaftliche Erkenntnisse und religiöser Glaube mißbrauchen lassen. Herr Gray zielt einzig auf den missionarischen Atheismus eines Dawkins oder Hitchens, der in der Bekehrung zum Atheismus die Welterrettungsformel erkennt.

Ein sehr interessanter Artikel. Ich frage mich nur, woher der Autor die Auffassung nimmt, dass wir uns in einem Zeitalter der Religionskritik befinden? Das Gegenteil scheint der Fall zu sein, zumindest in Deutschland: Die Buchläden sind voll mit Leitfäden zu spirituellem Leben, von Joseph Ratzinger bis zum Dalai Lama, und die jüngste Sympathiewelle für Tibet, genauso wie für die arabischen Völker als Opfer des amerikanischen oder chinesischen(-atheistischen!) Imperialismus zeigen, das weite Teile der Bevölkerung eben nicht atheistisch veranlagt sind. Wahrscheinlich war Atheismus, abseits der Eliten, auch nie ein Massenphänomen, sondern die Massen habe auch Kommunismus und Nationalsozialismus wie eine Religion geschluckt. Nun, nachdem die letzte große Ideologie, der Kommunismus, global gescheitert ist, und wir lange in einem Zeitalter des sog. "Pragmatismus" und des Machbaren gelebt haben, flüchten viele wieder in den Schutz der Religionen. Der Kampf der Atheisten, wenn es ihn gibt, wäre nicht so radikal und verbissen, wenn er sich nicht gegen das Massenphänomen der Re-Spiritualisierung richtete.

Ich kenne keine Atheisten, die auf Basis dieser Tatsache Gläubige verfolgen, es gibt immer eine zusätzliche Ideologie. Es sind also (vielleicht auch) Atheisten, aber primär sind es Nazis oder Faschisten oder welcher Ideologie sie auch angehören.
Aber es gibt nun mal "Gläubige", die Anders- oder "Un"-Gläubige deswegen
verfolgen. Ganz ohne zusätzliche Ideologie, nur mit ihrer Religion begründet.
Und genau da liegt de Unterschied, Atheist allein ist noch keine Lebenshaltung, Moslem, Christ, Jude... scheinbar schon.
Im Übrigen ist es sehr interssant, daß der Autor ausgerechnet der Vergleich mit der Sexualität macht, die nicht wenige Religionen immer noch kontrollieren oder unterdrücken wollen.
Im Kern bleibt ein Problem:
- Gläubige meinen oft, im Besitz der Wahrheit zu sein. Da es für viele nur eine Wahrheit geben kann, machen die Anders glaubenden etwas falsch.
Intoleranz ist oftmals die Folge.
Und das ist IMO das Kernproblem der Religionen, sich anzumaßen, im Besitz der "Wahrheit" zu sein.

John Gray beschwert in seinem Essay die Kritik an Religionen mit Was-ist-Besser-Vergleichen (Glaube versus Wissenschaft, versus Atheismus, versus Philosophie etc.). Aber trifft er damit auch die Kernfrage? Nämlich wie anfällig sind Religionen für den machtpolitischen Missbrauch? So kann ein gemeinsamer Glaube identifikationsstiftend sein - aber eben auch zur Ausgrenzung genutzt werden. So können Riten den Menschen Halt und Orientierung geben - aber eben auch soziale Zwänge bis zur totalen Unterwerfung befördern. Und so können Religionen Sinn stiften und Werte vermitteln - aber eben auch Unwissenheit, Dummheit und starre Dogmata zementieren. John Gray jedoch lässt genau jene Gefährdungspotenziale, die - historisch betrachtet - schon immer von Religionen ausgingen, einfach unberücksichtigt. Dass sich Menschen auch mit pseudowissenschaftlichen, atheistischen oder philosophischen Gründen drangsalieren und dahinmetzeln können, ist dabei nichts Neues und spielt im Diskurs um Religionen keine Rolle. Viel wichtiger zu erfahren wäre, warum der - bei den Weltreligionen zumindest teilweise mit humanitären Gedanken aufgeladene - Glauben ebenfalls so anfällig ist für den machtpolitischen Missbrauch.

Als ich diesen Artikel vergangenen Samstag in der Printausgabe gelesen habe, war ich begeistert. Selten hat zu der Thematik jemand so intelligent Stellung bezogen wie John Gray. Respekt Mr. Gray, England scheint ja immer noch die Heimat führender Philosophen zu sein.
Die ablehnenden Kommentare mancher Vorkommentatoren kann ich deshalb nicht nachvollziehen. Ich habe den Artikel auch nicht so verstanden, dass es darum ging Atheisten zu diskreditieren. Aber bleiben wir fair, vielleicht sollte die FAZ einem der genannten Kontrahenten Mr. Grays Gelegenheit geben seine Argumentation darzulegen. Das könnte eine spannende Diskussion ergeben.

Ein guter Artikel
@FrankScholz
Warum sprengen wir die Welt nicht einfach in die Luft? Wissenschaftlich-nüchtern betrachtet wäre die Vernichtung der gesamten Menscheit das mit weitem Abstand Humanste was man machen könnte. Einmal ein paar Milliarden Tote und es gibt für den gesamten Rest der Zeit in der auf dieser Erde noch Leben möglich ist keine Toten keine Kranken und natürlich auch keine Kriege mehr. Die gesamte Menschheit aus zu löschen ist heute technisch möglich und als konsequenter, humanistischer Atheist sollte man sich auch dafür einsetzen. Einmal 6 bis 8 Milliarden Tote spart in 100 Jahren spart schon gut 25 bis 30 Milliarden Tote. Ein gutes Geschäft also. Packen wir es an.
Dagegen spräche nur die Existenz eines über den Tod hinausreichenden Lebens und ein aus einer nicht materiellen, übernatürlichen Welt stammendes Leben, oder zumindest ein erhebliches Risiko dass es soetwas gibt. DANN und nur dann wäre die Vernichtung der gesamten Menschheit (sobald man sie technisch im Griff hat) humanistisch betrachtet keinen Sinn.

Schade nur, dass die meisten Menschen auf diesem Auge blind sind.
Das Sinnproblem der technisierten Gesellschaft faengt gerade erst an, Bedeutung zu gewinnen. Daher wird der jetzige Fundamentalismus auf christlicher und atheistischer Seite erst der Anfang sein.
Ich persoenlich sehe momentan die Loesung weder bei den Kirchen noch bei den fundamentalistischen atheistischen Positionen.
Wollen wir hoffen, dass die philosophische und theologische Entwicklung eine Eskalation verhindern kann.

„Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort“ dichtete Rilke vor über hundert Jahren. Er protestierte damit gegen die wissenschaftliche Hybris der Vereindeutigung nicht nur in der Sprache. Er wehrte sich gegen die Enteignung der „Dinge“ durch die Erkenntnisarroganz der Wissenschaft, so als gäbe es keine andere Erkenntnis mehr. Diese Erkenntnisarroganz ist die Quelle des militanten Atheismus. Wer das „Rilkeprojekt“ und seine Wirkung verfolgt hat, stellt fest: Dieser Atheismus ist im Augenblick seiner Entstehung schon Vergangenheit. Die Mehrheit der Menschen ist nicht mehr gottgläubig im klassischen Sinne. Aber sie ist meilenweit entfernt von diesem primitiven Glauben an die Allmacht menschlicher Erkenntnis. Insofern sind das nur noch Rückzugsgefechte der vergangenen Moderne.

Unter Religion verstehe ich das rituelle Abspulen bestimmter Handlungen im immer gleichen Rhythmus unter immer gleichem Singsang an immer den gleichen Tagen etc.
Beispiel: Angenommen, ich komme 26 Minuten verspätet zu einer solchen religiösen Veranstaltung, dann weiß ich genau, dass der Vorsteher der religiösen Handlung genau in diesem Augenblick "Amen" singt. Öffne ich dann die Tür, erschallt genau in diesem Augenblick das besagte "Ahameeen!". Wie auf einer Schallplatte. Sowas ist für mich Religion, nicht lebendiger Glaube. Man sitzt in der Bank und hört von vorn etwas herüberschallen, sitzt manchmal sogar noch hinter einer dicken Säule, ohne erkennen zu können, was sich vorne abspielt. Gääähn! Und man schaut auf die Uhr, wann der Spuk denn bald zu Ende ist und freut sich auf den neuen Film, den man nachmittags zu Hause bei dampfendem Kaffee wird genießen können. Aber solange sich noch zusammenreißen und den Schein wahren! Solche Religion hat m.E. keine Zukunft.
Aber der persönliche, lebendige Glaube an den auferstandenen Christus dagegen wohl! Mal wieder in der Bibel lesen und die einfachsten Aussagen des Herrn wieder mal genießen, auf sich einwirken lassen und danach handeln. Das bringt Freude! Das ist Glaube in Aktion.

Die allerallermeisten Humanisten des 16. Jh und auch noch einige Jahrhunderte danach wären über eine dermaßen kenntnislose Aussage höchst überrascht, man solle Religion und Humanismus gegenübertsellen.
Luther, Melanchthon, Erasmus von Rotterdam (die Reihe ließe sich beliebig erweitern) als kämpferische Atheisten?
Ihre maive und sachlich falsche Aussage ist ein Beweis der im Artikel gebrachten These, wonach ein FUNDAMENTALER Atheismus genauso engstirnig und intolerant ist oder sein kan,n wie es Religionen mit Absolutheitsanspruch sind oder sein können.
Übrigens erkannte bereits Hegel, welch "absoluter Schrecken" (s. Phänomenologie des Geistes) aus einem fundamentalen, Religionen bekämpfenden Atheismus entstehen kann. Das wissenschaftliche "Anschauungsmaterial" der Auswüchse der franzöischen Revolution hatte er ja bestens vor Auge. Und er erkannte bereits, dass das "Beteuern der Wahrheit der einen" (von Naturwissenschaft) "soviel gilt wie das Beteuern der anderen" (von Religion). Gewonnen ist durch beides nichts, beides sind Glaubvenssysteme, nicht weiter.

Ich habe noch keinen Artikel gelesen, der die Probleme so vielseitig und klar beleuchtet.
Wie dem auch sei... ein trefflicher Artikel, der auch zeigt, dass die heutigen Religionskritiken weit hinter dem zurück liegen, was Nietzsche oder selbst ein Feuerbach geleistet haben. Sie sind naiv, unwissenschaftlich, polemisch und so nicht weit vom Stamm der Art und Weise ihrer angegriffenen Religionen gefallen.

Ist es zuviel verlangt von einem Lehrer an der LSoE, die Krise des machtgestaltenden Glaubens unserer Tage als Beweggrund für die religionskritischen Interventionen zu benennen?
Mir jedenfalls fehlt das allzu offensichtlich ...

Der Author hat ja recht, daß der bekennende Atheist nur ein "Gläubiger" ist mit anderen Vorzeichen. Aber genau diesen Typus, der sich also bewusst und mit einer wie auch immmer gearteten Begründung gegen einen "Gott" entschieden hat, gibt es kaum.
Die meisten Menschen sagen heute auf die Frage ob es ein 'höheres Wesen' gibt: "vielleicht" ? Und dann ob sie aktiv beten oder sonstige Ritualhandlungen vollziehen.
"Nein".
Und damit sind sie eben keine Atheisten sondern wirklich "Ungläubige", denen die Existens 'höherer Wesen' schlicht egal ist.

Grays' Argumentation funktioniert nur wenn man Atheismus/Wissenschaft als Gegenentwurf zu Religion versteht. Das ist aber ein Mißverständnis. Religion ist einfach etwas was die Welt nicht braucht, genauso wie Alkoholismus, Erkältungen, politischer Extremismus etc.
Atheismus ist keine Ersatzreligion. Wenn man so Argumentieren will, dann sollte man Humanismus gegen Religion antreten lassen, aber dann funktioniert Grays Argumentation auch schon nicht mehr.