Religionskritik

Was führen die Atheisten im Schilde?

Der abgelehnte Gott ist Mode: Dem Fortschritt steht der Glaube nur im Weg, sagen Kritiker wie Richard Dawkins oder Christopher Hitchens. Doch ohne Religion kommen selbst ihre Kritiker nicht aus. Und mancher Atheist ähnelt in seinem universalen Eifer seinem bekämpften Gegner. Von John Gray

Lesermeinungen zum Beitrag

09. April 2008 16:36

Ungläubige haben dieselben Rechte ?

Christian Braun (christianbraun)

Es geht nicht darum, irgendwem seine Religion mieszumachen
oder ihn gar an deren friedlichen Ausübung zu hindern.

Ursache des Konfliktes und der mitunter aggressiven REaktionen
mancher Un-, wenig oder nicht linientreu Gläubiger ist vielmehr,
dass religiöse Lobbyisten beinahe JEDER Couleur
(ausgenommen vielleicht Buddhisten)
sich immer wieder anmaßen, ihre Vorstellungen von Moral und Ehre
ALLEN Mitbürgern aufdrücken zu wollen.

Können sie ihre Ideen nicht allen Anderen aufzwingen,
fühlen sie sich dadurch verfolgt (!) und jeder rationalen Argumentation
verweigern sie sich mit dem Hinweis, im Besitz göttlicher Wahrheit zu sein.
Wen wundert's, dass da den "Atheisten" (von denen viele an Gott glauben)
manchmal der Kragen platzt.

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05. April 2008 18:06

Atheisten sehen sich als Schild gegen religiösen Fundamentalismus

Michael May (M.May)

Religion und Atheismus sind beides Waffen: Unscharf harmlos, in den Händen der Falschen jedoch äußerst gefährlich.

Ich meine, die harschen Reaktionen der Atheisten haben folgene Gründe:

1. Dauernd müssen sich Atheisten rechtfertigen, während sich tief Religiöse beständig im Recht wähnen auf Grund höheren Beistands und auch noch Ehrfurcht dafür einfordern
2. Unbehagen über die zunehmende Beeinflußung der Politik durch Religiöse
3. Dass der wiedergebohrene Christ Bush Folterungen wieder Salon fähig gemacht hat (also hart erkämpfte ethische Grundwerte wieder aufweicht)
4. Atheisten bedrohen niemanden bei Unglauben mit ewiger Verdammnis - Monotheistische Religionen schon.

Und sie sehen eben das Fazit der Autors ('Keine Religion hat das Recht, den Frieden zu stören') als in der Wirklichkeit gefährdet an.

Doch wo das Böse ist (egal ob atheistisch oder religiös), da wächst das Rettende auch!

Denn Atheisten und uns normalen Mehr- oder Mindergläubigen ist eins gemeinsam:
Das Staunen über die Schönheit, die Vielfalt und auch die Schrecken des Lebens. Es gibt keine Wunder, aber die Welt ist wunderbar!



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05. April 2008 17:10

Nicht überzeugen - respektieren!

Herold Binsack (Devin08)

Wie kann man glauben in Glaubensfragen überzeugen zu können?Und das Herumgestänkere ist daher nicht nur entwürdigend, sondern auch unfruchtbar.Es war schon eine Provokation der FAZ,danach zu fragen,was die Atheisten im Schilde führen,denn damit wurde eine antiatheistische Verschwörungstheorie vorgestellt.Ich denke,dass ich für meine Überzeugung einstehe,aber ich überlege mir immer,auf welche Weise und zu welchem Anlass.Welcher Religion ich angehöre oder ob ich Atheist bin,interessiert im täglichen Leben niemand,es sei denn,es hat einen speziellen Grund.In der Wissenschaft ist dieser Grund immer dann evident,wenn sie damit zu verteidigen (oder eben aufzuweichen) wäre.Und nur darum geht es auch hier.Aber selbst dann,bitte ich zu bedenken,dass das moderne wissenschaftliche Denken, in dem ein Gott nichts zu suchen hat,noch sehr jung ist,gemessen an der Zeit,in der die Menschen an einen Gott niemals zweifelten,und trotzdem dabei Erkenntnisse von Rang gewannen.Wenn wir die Wissenschaft verteidigen,gegen die Versuche der Religion,sie zu ignorieren,dann deshalb,weil sie der kürzeste Weg zur Wahrheit,nicht der einzige wäre.Vielleicht ist es das, was religiöse Menschen von einem Atheisten gerne erwarten möchten,dies auch Respekt genannt.

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05. April 2008 15:08

Überzeugt eifernd - Her Menting

Thomas Frieling (TFrieling)

Prima Herr Menting, "überzeugt eifernd" - das charakterisiert allerdings den Originalartikel sehr genau. Glaube macht in vieler Hnsicht kritiklos.

TF

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05. April 2008 11:20

"Eifernde Atheisten als Karikaturen von Priestern"

Georg Menting (Geoman)

Wunderbarer Artikel, den ich gleich im Forum "Freigeisterhaus" (http://freigeisterhaus.de/viewtopic.php?p=972489#972489) verlinkt habe, das voller überzeugt eifernder und nach eigener selbstgerechter Einschätzung weltverbessernder Atheisten ist....

Gruß

Geoman

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04. April 2008 09:14

Religiöse Opportunisten!

Herold Binsack (Devin08)

@Heimes: Entschuldigen Sie zunächst, dass meine knapp gehaltene Vorträge nicht alle Seiten erfassen, und in aller Regel schalte ich auch keine Beiträge in Serie, denn das nervt (aber vielleicht gehen Sie mal auf meine Website – „Visitenkarte“!?). Ich sagte: „Höchste Form des Denkens“ und schließe damit nicht aus, dass wir mal höhere Formen finden – wo auch immer -, aber eben ganz bestimmt kein göttliche Form von, es sei denn, wir verklärten diese dann zu göttliche. Dawkins verklärt die Religion als „biologisch notwendig“, wenn auch „irrig“, was des Positivisten Grab sein wird! Und darin zeigt sogar er sich als Agnostiker. Vielleicht haben ihn die ätzenden Kritiken aus den eigenen Reihen doch mürbe gemacht. Mit einem Agnostiker kann ich übrigens ewig plaudern, wenn ich nicht vorher einen Wutanfall bekomme; denn, wer hält schon Geplauder - das nichts Verifizierbares bringt – „ewig“ aus? Philosophische Agnostiker sind im Kern religiöse Opportunisten, die sich nicht trauen, sich mit ihrem Gott anzulegen, denn, „man weiß ja nie, was nach dem Tod kommt“. Und wer da sagt: Religion ist biologisch bedingt, aber irrig, kann jederzeit sagen: ich hab mich geirrt!

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03. April 2008 21:45

'Höchste Form des Denkens'

gisbert heimes (gisbert4)

@ Binsack: damit starten Sie gleich von der Plattform des seit Hellas angehäuften abendländischen Begriffsinstrumentariums, während ich noch in der Marsumlaufbahn bin :-).

Mir gehts zunächst mal nur darum, den aggressiven Atheismus à la Dawkins, Hitchens & Co. in der Debatte zu relativieren, weil er in meinen Augen durch den Ausschluß der Religion als Erkenntnisvehikel die Erkenntnismöglichkeiten begrenzt und nicht, wie er vorgibt, verbessert bzw. erweitert. Mit einem Agnostiker dagegen läßt sich über alles reden ;-)

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03. April 2008 21:36

Nur ein stiller Atheist ist ein guter Atheist?

Thomas Frieling (TFrieling)

Herr Gray lehnt also nur die "missionarische Form des Atheismus" ab. Was bedeutet denn diese gefällige Formel? Es ist ganz offensichtlich eine weichgespülte Form der Aussage "Atheisten sind OK, solange sie die Klappe halten." Und das sollte ihm hier niemand als objektiv und wertfrei durchgehen lassen.

Natürlich sind Gottesgläubige immer schockiert, wenn ihnen jemand ein gottfreies Weltbild darlegt, das dem nüchternen Teil in ihnen sogar unmittelbar einleuchtet . Die Reaktion von Gray darauf ist keine aufgeklärte oder wissenschaftliche, sondern eine angstgesteuerte Abwehrreaktion.

Verschärfend kommt hinzu, daß er philosophisch verbrämt den Nichtgläubigen allerlei Schlimmes unterstellt und sie als die Schuldigen an den schlimmsten Phasen der Weltgeschichte hinstellt.

Bitte überfliegen Sie, Herr Huber und manch anderer, den von Ihnen so gelobten Artikel unter diesem Gesichtspunkt nochmals. Vielleicht bröckelt ja das Bild vom sakrosankten Gray.

TF

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03. April 2008 18:59

Der Atheismus ist nicht agnostisch, denn des Menschen Welt ist erkennbar!

Herold Binsack (Devin08)

@Heimes:Der Atheismus drückt Erkenntnis aus,nämlich eine,die davon ausgeht,dass das organische Leben unbeseelt und dass des Menschen Geist die höchste Form des Denkens ermöglicht und damit auch Transzendenz.Eine Transzendenz,die nicht den Menschen (oder dessen Seele) in einem „Plenum“ (Platon) am Himmel versammeln lassen wird,um irgendwelche Geistwesen (oder auch Götter genannt),sondern eine solche,die ihn über seine materielle Welt hinausblicken lässt,nämlich in eine im höchsten Maße geistige.Es ist dies aber die Welt des Menschen selber,der danach strebt,seine Gebundenheit als Subjekt in eine ihn fesselnde objektive (materielle) Welt insofern aufzulösen,als das er seine subjektive Welt als objektive erkennt,und im gewissen Sinne dies auch umgekehrt:denn die objektive Welt erkennen wir als eine von uns gemachte.Ohne diese geistige Welt ist des Menschen materielle Welt nicht vollständig,und diese Philosophie nennt man schlichtweg „Monismus“;denn sie unterscheidet sich von dem Dualismus,der da glaubt,es gäbe eine Welt für den Menschen,die sich ihm maximal in der Wissenschaft erschließe und eine für alle Seelen auf dieser Welt,die sich ihm gar nicht erschließt.–An Letztere darf er nur glauben.Der Atheismus ist aber nicht agnostisch!

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03. April 2008 17:53

Aus der Marsumlaufbahn

gisbert heimes (gisbert4)

sieht man einen Planeten namens Erde mit einer Population namens Menschheit :-).

Zitat aus dem Artikel von John Gray:
"Wir wissen immer mehr, aber der Mensch bleibt, der er ist".

Soviel wir von der Evolution wissen, stimmt dieser Satz zumindest für die Vergangenheit nicht (ist wohl auch mehr als Anflug von Verzweiflung gemeint). Die Menschheit hat sich seit ihren Ursprüngen biologisch, kulturell und geistig verändert. Und es spricht viel dafür, daß sie das auch weiterhin tun wird (naja, es sei denn... der Bush dreht am Rad oder ein Asteroid trifft uns unversehens; aber ich bin mal optimistisch). Was diesen Prozeß ausgelöst hat und wohin er führt, wissen wir nicht. Der Sinn unserer Existenz besteht darin, das (und vielleicht noch ein bißchen mehr) herauszufinden. Dazu bedienen wir uns im wesentlichen der Natur- und Geisteswissenschaften, der Kunst und der Religion. Und da ist doch schon einiges bei herausgekommen. Daß der Atheismus - was immer das für eine Lehre oder Nichtlehre sein soll - etwas zur Erkenntnis beitragen könnte, erschließt sich mir nicht. Auch nicht in dem Sinne, daß die Anwendung der anderen Kulturtechniken durch ihn - von 'religiösem Ballast' befreit - erleichtert würde. Sehe ich nicht.

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03. April 2008 11:22

@Frieling

Ivo Huber (jimmycarter1)

Herr, Frieling, wenn ihr voriger Beitrag als eine Antwort auf meinen Kommentar gedacht war, sollten Sie sich schon mit meinen Argumenten auseinandersetzten. Als da wären z.B. Herr Gray kritisiert den Atheismus an sich nur in dem Maße, wie er auch die Religion kritisiert - einzig die missionarische Form des Atheismus wird abgeleht; und Herr Gray ist vermutlich selbst Atheist. So wie sie steht, geht Ihre Reaktion sowohl an meiner Kritik an Ihren Beiträgen sowie an den Argumenten von Herrn Gray völlig vorbei.

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02. April 2008 21:48

Wessen Mißvertändis? (Herr Huber)

Thomas Frieling (TFrieling)

Herr Huber, Sie möchten offenbar gerne, daß sich Nichtgläubige still verhalten. Dabei gibt es gute Gründe, das Phänomen der Religiosität zu kritisieren. Kritik erlaubt aber der Gottesglaube nicht und wehrt sich dagegen. Der Vorwurf missionarischen Eifers, den Herr Gray vorbringt, enthält wiederum Begriffe aus der Wunderwelt der Religionen und ist damit ad hoc entlarvend unobjektiv:

"...Die Säkularisierung befindet sich auf dem Rückzug, und das Ergebnis ist ein missionarischer Atheismus, wie es ihn seit viktorianischen Zeiten nicht mehr gegeben hat....Der eifernde Atheismus reproduziert einige der übelsten Eigenschaften von Christentum und Islam..."

Um die Nichtgläubigen, die ihre Kritik auch einmal äußern, zu diskreditieren, werden sogar Vergleiche zur Nazidiktatur gezogen. Bei jedem anderen Diskussionsthema ist der Nazivergleich die Kapitulation vor den Argumenten des Gegners. Herr Gray scheut nicht einmal davor zurück. Auch mit den Taliban dürfen wir uns vergleichen lassen.

Am Schluß schürt er noch Angst vor dem, was kommen könnte, wenn die Religion dereinst überwunden sein wird.

Nein, ich habe Herrn Gray schon ganz richtig verstanden. Er verhöhnt die Religionsgegener - weil sie ihn im Glauben verunsichern.

TF

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02. April 2008 17:19

Moderner Sophismus!

Herold Binsack (Devin08)

„Die Ansicht, die Ausübung des freien Willens gehöre zum Menschsein, ist ein religiöses Erbe…“ Genau solches spiegelt den modernen Sophismus wieder, mit Hilfe dessen die Wissenschaft zur Religion gemacht werden soll. Während der „antike“ Sophismus im Kern pantheistisch und somit im Kontext seiner Zeit noch konsistent argumentierte, wird nun mit Halbwissen modern-agnostisch getrickst. Auch wenn die Neurowissenschaften an dieser Stelle auf der Stelle treten, bedeutet das nicht, dass man den Mythos modernem Denken unterschieben darf. In mythologischer Zeit – und hier sind alle Religionen geboren worden, bzw. ihre Vorläufer – kannte man keinen freien Willen, weil man überhaupt noch keine Vorstellung vom Subjekt hatte. Der Mensch wurde von einer Welt der Geister (und später Götter) noch gar nicht geschieden gedacht.Heute beginnen wir darüber nachzudenken, wie klein der Spielraum des „freien Willens“ ist, aber dass es einen solchen nicht gebe, wird nur von „Extremisten“, wie auch von einem wie Dawkins, unterstellt.Es sind dieselben Positivisten, die gestern so begeistert waren von des Menschen Fähigkeit sein Glück zu finden (in der bürgerlich-aufgeklärten Welt), die nun diese Fähigkeit zum Glück auf eine entsprechende Gene reduzieren.

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01. April 2008 23:34

Es geht um den missionarischen Atheismus

Ivo Huber (jimmycarter1)

Herr Frieling, Sie unterliegen offenbar demselben Missverständnis wie einige andere Kommentatoren vor ihnen. Herr Gray übt nun wirklich keine Kritik am Atheismus an sich (ich könnte mir vorstellen, dass er selbst Atheist ist), sondern nur an der missionarisch betriebenen Form des Atheismus, die in der Religion die Wurzel aller Übel sieht. Gegen Menschen, die einfach nicht gläubig sind, richtet sich seine Kritik also keinesfalls. Fragen tue ich mich allerdings, weshalb dieses Missverständniss trotz der Klarheit von Grays Argument immer wieder zu beobachten ist. Spielt hier die Angst vor den Grenzen einer positivistisch interpretierten Aufklärung eine Rolle? (im Gegensatz zu einer sich selbst kritisch betrachtenden Aufklärung, wie sie Gray zumindest in diesem Essay betreibt).

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01. April 2008 22:13

Wissenschaft (Herr Friemelt)

Thomas Frieling (TFrieling)

Mein Vorredner, Herr Friemelt, schreibt:
"Wenn man auch nur sanft andeutet, dass die Wissenschaft ebenfalls religiöse Züge, dann geht die Schreierei los, noch bevor man zur Sinnfrage gelangt."

Wissenschaft ist religiös und Fleisch ist auch nur Gemüse - Wenn man den Weg zur Sinnfrage gleich mit einem Widerspruch beginnt, hat es auch keinen Zweck, weiter zu diskutieren.

Wissenschaft ist einfach nüchtern. Wer etwas behauptet, muß sich Fragen gefallen lassen - das ist das Prinzip. Und je umwälzender und unanschaulicher die Behauptung desto strenger die Fragen, mehr nicht. Keine Rituale, keine heiligen Orte, keine Priester, keine Stifter, keine Sünde, kein Tabu - und keine Religion.

TF

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