Schule

Hände weg von unserer Kindheit!

Jetzt geht die Debatte erst richtig los: Die dilettantische Art, mit der das Turbo-Gymnasium unter dem Aktenzeichen G8 eingeführt wurde, bringt Kinder um entscheidende Lebenserfahrungen. Denn gelernt wird nicht nur in der Schule. Von Christian Geyer

Lesermeinungen zum Beitrag

07. Februar 2008 11:01

@Herr Petersen

Harry LeRoy (Cimon)

Dies mag ja alles schön und gut sein, aber da sich die meisten Menschen weder mit klassischer Musik noch mit klassischer Natur auseinander setzen und diese auch im öffentlichen Raum nicht mehr sonderlich präsent sind, wo sind sie nur hin die Zeiten als es quasi zum guten Ton gehörte Schiller, Novalis, Kloppstock und Goethe zu zitieren, halte ich es für wichtig, dass an den Schulen zumindest eine Grundversorgung vermittelt wird und vielleicht entzündet die zwanghafte Beschäftigung mit der Hochkultur bei dem ein oder anderen Eleven ein echtes Interesse (auch auf die Gefahr hin mich anzuhören wie Bernhard Bueb).

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06. Februar 2008 23:18

@LeRoy

Moritz Petersen (Mo1234)

"Die FAZ ... tritt für eine umfassend humanistische Bildung ein, die sich die gebührende Zeit zur Erziehung des Menschen lassen darf?"

man hat ja ein Jahr weniger in der Schule verbracht, also hätte man Theoretisch 1 volles Jahr mehr zur Verfügung, das man ganz dem Studium der Künste widmen kann. Oder man geht gleich auf die Uni und studiert dort eines der Künste. die Zeit ist doch nicht verloren, sondern gewonnen.

"gebührende Zeit"... also leiden die Kinder in Frankreich, England, Finland und co unter zu geringer Bildung?

@viele Andere Kommentatoren:
Hier wurde Vielfach kritisiert, dass die Schüler zu Lernautomaten werden. Dies ist einfach übersteigert und hat nichts mit der Realität zu tun. Auch nicht in den schlampig organisierten neuen G8 Klasssen in Deutschland.

Hier wurde kritisiert, dass man "nur" trockenes Fachwissen lernt:
Außer im richtigen Leben, zB in privaten Hobbies, kann mann kein nicht-Fachidiotenwissen lernen. Es ist eine grundsätzliche Eigenschaft der Schule, Fachwissen zu vermitteln, welche nicht unbedingt schlecht ist, denn auch pure Fakten sind gutes und notwendiges Wissen. In einer Schule Kindern unter Zwang kulturelle Bildung zu vermitteln, funktioniert nicht, und kann nicht funktionieren.

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06. Februar 2008 22:59

Vorschläge

Moritz Petersen (Mo1234)

Aus meiner Schulzeit habe ich wenig "kulturelle" Bildung mitgenommen. Ganz im Gegenteil, hatte ich eine gewisse Aversion und Verachtung für Künstler (ins Besondere die Modernen), als ich die Schule verlassen habe. Seitenweise Trivia zur Kunst/musik/literatur-Geschichte die laut den Lehrern den Anspruch erhob "Bildung" zu sein, auf mich aber den Eindruck von banalen Modetrends machte. "Analysen" von Werken, bei denen die Beschreibungen und Schlussfolgerungen meilenweit von dem entfernt waren, was ich empfand, als ich sie betrachtete. Dazu musste man auch noch in Prüfungen Interesse Heucheln und Schema F Analysen anfertigen, bei denen es nur darauf ankommt, dem Lehrer zu gefallen. So konnte man zwar leicht gute Noten abstauben, aber ins besondere die Verstellung und Heuchelei, hat bei mir die Verachtung entstehen lassen. Erst nach der Schule, als ich mich freiwillig mit Kunst und co. beschäftigt hatte (und vielleicht auch reifer geworden war), habe ich den Wert vieler Kunstwerke erkennen gelernt. (Wobei die mit Penisen, Fekalien, Müll und Schrott überladene, zeitgenössische Kunst immernoch ein Rätsel bleibt)

Da die Kulturelle Bildung bei desinteressierten eh auf taube Ohren stößt, kann man sie durch Anregung zum Hobby ersetzen!

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06. Februar 2008 16:39

Bemerkenswert...

Harry LeRoy (Cimon)

Die FAZ widersteht ihren wirtschaftsliberalen Gelüsten und tritt für eine umfassend humanistische Bildung ein, die sich die gebührende Zeit zur Erziehung des Menschen lassen darf? Mehr solche Gesinnungswandel, bitte.

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06. Februar 2008 15:06

Das Problem sind die Lehrpläne und die Bürokratie!

Berthold Grabe (BGrabe)

Wenn man hier Beispiele aus den USA vorgehalten angeführt bekommt, so finde ich das ziemlich ignorant.
Die Grundvoraussetzungen in Deutschland sind völlig Andere, im Gegensatz zu den USA wird z.B. der Sport außerschulisch in Vereinen organisiert. Genau diese Denke "warum machen wir es nicht einfach so wie die" ist der Grund, warum Schulreformen in unserem Lande so katastrophale Folgen haben, sie sind in der Regel völlig ignorant gegenüber gewachsenen Strukturen und der sie umgebenden Umwelt.

Vernünftige Lehrpläne sorgen dafür, dass Kinder was lernen, was Ihnen auf Dauer nützt. Wenn ich den Unterricht meiner Kinder betrachte muss ich da leider eher trauriges berichten, total überfrachtet mit formalen Anforderungen ohne Hirn oder langfristigen nutzen. Statt Reformen, hat man einfach nur die Menge an Stoff erhöht, der zudem in immer kürzerer Zeit durchzuhecheln ist.

Die beste Schulreform, die durchzuführen wäre, wäre die Kultusbehörden ersatzlos zu streichen, den Schulen weitgehende Autonomie zu gewähren. Nebenbei die einzige Gemeinsamkeit, die Finnland und Schweden hinsichtlich des Erfolges ihrer Schulsysteme festellen konnten.

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06. Februar 2008 07:34

Inhalte

Zeit Kommi (zeitkommi)

Bitte macht Vorschläge, *was* man an Inhalten abschaffen sollte!

Nur zu jammern, dass es zu viel Stoff sei, bringt nicht weiter.

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05. Februar 2008 21:20

übertrieben

Moritz Petersen (Mo1234)

Ich habe die 11. Klasse in Amerika verbracht. Entgegen dem allgemeinen Vorurteil war die schule Sehr gut aber ich ich habe wenig von dem stoff gelernt was in D. wärend der 11. Klasse unterrichtet wurde (außer Englisch, natürlich). Teils weil sich der Stoff nicht genau überdeckt, teils weil ich die Gelegenheit wahrnahm Fächer zu belegen, die ich in Deutschland nicht belegen kann, teils weil ich in meinen Lieblingsfächern bewusst ein Niveau ausgewählt habe, welches Über der 11. Klasse lag. (Ja, in einer Gesamtschule ohne Gesamtklassen ist soetwas möglich!)
Um es kurz zu fassen mir hat die 11. Klasse nicht gefehlt und ich habe trotzdem ein einser Abitur geschrieben!

Aus Sicht der Eltern waren sowieso nie die Kinder an den schlechten Noten schuld (was leider oft zumindest zum Teil stimmte), aber nun gibt es einen Standart Sündenbock: das G8.
Ich möchte euch mal mit der Realität konfrontieren, auch bei G9 hatten viele Kinder schlechte Noten und kamen müde von der Schule heim!

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05. Februar 2008 21:04

Grotesk und Ignorant

Moritz Petersen (Mo1234)

"Reiten und Tanzen, ... Theaterspielen, sich mit Freunden verabreden, mit dem Hund spazieren gehen, in den eigenen vier Wänden faulenzen ... jede Form musischer Erziehung fällt in der real existierenden G-8-Schule flach."
Dies ist einfach nicht wahr. Meine deutlich jüngere Schwester ist derzeit auf dem Gym und kann trotz den längeren Schultagen, min 2 mal pro Woche reiten und sie spielt auch weiterhin ihr Instrument und nimmt darin Unterricht.
Im internationalen Vergleich sind auch die G8 Schultage von der Länge her in der unteren Hälfte. Der im Artikel angestellte Vergleich "G8 ist schlimmer als Japan" ist einfach lächerlich. In Japan sind die Schultage nach wie vor länger und es kommt noch quasi obligatorischer außerschulischer Unterricht hinzu.
Japan, USA und viele andere Länder haben aber einen sehr gutes Nachmittagsangebot bei dem kreative und sportliche Hobbies auf hohem Niveau (aber freiwillig) in der Schule stattfinden. Ich kann einen Besuch bei einer Theatervorführung in einer High School empfehlen. Das hat mit den "man klatscht weil man die Kinder ermutigen will" -Vorstellungen in Deutschland nichts zu tun. Ein aus Freude betriebenes Hobby lehrt 10mal mehr als jeder zwangs Musikunterricht.

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05. Februar 2008 15:54

Nicht G8 ist das Problem

Andrea Weigelt (Andrea.Weigelt)

sondern die Organisation und die Ansprüche.

Wegen Pisa sollen die Schulen die Leistung der Schüler steigern und mehr Stoff vermitteln.
Wegen G8 soll diese Leistungssteigerung in weniger Zeit vollbracht wegen.
Wegen der finanziellen Seite soll die Schule auch noch billiger werden, nach Meinung der Kultusminister geht das nur durch größere Klassen. (Gibt es heute einen lustigen Kommentar in der Süddeutschen zu)
Die Eltern sorgen sich um die Zukunft ihrer Kinder, = nur wer Abitur hat bekommt auch Arbeit, das führt dazu, das mittlerweile 50 % der 4.Klässler aufs Gymnasium gepuscht werden, wenn es sein muss, auch mit Nachhilfe in der Grundschule.

Dann haben wir noch viel Spass mit der Freizeitorganisation und wer Kinder hat, die im Verein Sport machen, kann ein Lied davon singen. In Frankfurt werden die Zeiten in den Sporthallen ausgesprochen interessant verteilt.

Ich beneide meine Freundin, wenn sie mir vom Schulalltag ihrer Kinder in einem englischsprachigen Land erzählt. Unterricht den ganzen Tag, aber Sport, Musikunterricht (Orchester), Workshops usw. alles wird von der Schule organisiert. Hausaufgaben gibt es keine. Gelernt wird in der Schule, denn dafür sei sie ja schließlich da, sagt sie.

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05. Februar 2008 13:19

Konsequenzen des eigenen Weltbildes!

Wolfgang Reinhart (ciceron)

D I E S E N Artikel ausgerechnet in der F A Z zu lesen ist wirklich drollig. Normalerweise wird doch immer erzählt, dass deutsche Schüler dumm, faul und langsam sind und gegen die brutale Konkurrenz aus Fernost und Skandinavien hoffnungslos im Hintertreffen sein sollen. Und nun kommen Beschwerden über die vorhersehbaren Folgen des G 8! Wird sonst nicht dauernd gejammert, dass deutsche Absolventen zu alt sind im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz (wo ja ohnehin alles besser ist als am schlechtesten Standort der Welt), dass in der Schule nach den Verheerungen durch die 68er-Lehrer erst wieder die Daumenschrauben angezogen werden müssen?

Jedenfalls ist das G 8 nach der sonst im Wirtschaftsteil der FAZ beschriebenen Standortanalyse nur folgerichtig. Zuviel Stoff kann es ja eigentlich nicht geben, haben doch angeblich die Schüler am G 9 viel zu wenig und dann noch das Falsche gelernt.

Entweder ist die FAZ nciht in der Lage, die Konsequenzen ihres eigenen Weltbildes zu erkennen oder es gibt handfeste Differenzen zwischen der Wirtschaftsredaktion und dem Feuilleton. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass ein Wirtschaftsredakteur der FAZ so einen Artikel verfasst hätte.

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05. Februar 2008 12:46

Stoffentrümpelung

Volker Steinmüller (Stonemiller)

Vielen, vielen Dank für diesen Artikel! Sicher wäre G8 eine Option, wenn der Schulstoff auf Erlernenswertes reduziert würde. Wer entscheidet eigentlich die Lerninhalte? Hoffentlich auch praxisorientierte Menschen mit Bodenhaftung aus Industrie, Handel und Handwerk. Dann kommen Schulfächer wie Handarbeiten, Werken oder Kunst nicht zu kurz und notwendige Lerninhalte wie der Dreisatz in der Mathematik oder elektrotechnische Grundlagen in der Physik finden die gebührende Berücksichtigung.

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05. Februar 2008 11:09

Das Krankhafte

Markus Teuber (arathorn)

am heutigen Schulsystem ist,daß sich Schule heute nur noch als "Vorsteller" und "Kontrolleur" begreifen darf.
Die Inhalte werden vorgestellt und irgendwann abgeprüft.
Genausogut könnte man statt eines "Lehrers" auch einen Vorles- und Prüf-Automaten aufstellen !
Ein "Lernen,Besprechen,Diskutieren" findet (im Gegensatz zur Schule 20 Jahre vorher) nicht mehr statt!
Es wird "erwartet" (ein wunderschönes Wort!),daß der Schüler das "Lernen" vollständig in Eigenregie und zuhause erledigt.

Auch wenn man es gerne so hätte :
Weder ist das Gymnasium/Realschule bereits Hochschule/Fachhochschule (an der man sich weitestgehend "selbst bildet") noch ist die Hauptschule bereits Berufsdasein,in dem man ebenso selbstverantwortlich zu sein hat!

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05. Februar 2008 07:48

G8-Einführung = Zeugnis von Ignoranz

Helmut Wahl (FitWieEinTurnschuh)

Die G8-Einführung wird unabhängig vom jeweiligen Bundesland auf dem Rücken von Schülern, Eltern und Lehrern ausgetragen. Was fehlt - und zwar seit Beschlussfassung seitens der Politiker - ist eine Anpassung der Fachinhalte von G9 auf G8. Auf dem Hintergrund des bundesweit einheitlichen Abiturs wäre das eine Aufgabe der KMK gewesen. Die generelle Einführung der Ganztagsschule befreit nicht von dieser Anpassung, obwohl viele Kommentatoren dieses als beste aller Lösungen ansehen, denn der Stundenplan der G8-Schüler liegt ohne Hausaufgaben schon nahe an der 40-Stunden-Woche. Als Notnagel wird diese Aufgabe den Schulen übertragen, um den Kultusminister aus der Schusslinie der Elternvertreter herauszuhalten.
Über die Kapazitäten der Hochschulen usw. in 3 Jahren, wenn die ersten G8-Schüler mit den letzten G9-Schülern zeitgleich um die Studien- und Ausbildungsplätze konkurrieren, machen sich wahrscheinlich erst die Eltern Gedanken. Die ersten G8-Schüler werden die Verlierer sein, weil sie gegenüber den G9-Schülern noch relativ unreif sind. Und ein Jahr später ist die Aura des frühen Abiturs verflogen.
Was bringt G8 wirklich?

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05. Februar 2008 01:02

Abi nach 12 Jahren

Christoph Jahnz (scu84)

Also ich bin davon überzeugt, dass man auch mit einem normalen Sozialleben Abitur nach 12 Jahren machen kann. Wenn ich mir so ansehe, was man in der 11. Klasse gemacht hat... Die war eigentlich überflüssig. Wenn man den Lernstoff vernünftig strukturiert, dann ist das kein Problem. Hier aber hakt es meiner Meinung nach. Ich glaube, dass viele Lehrer sich überfordert fühlen. Die Jungen, weil die Ausbildung zum Lehrer, auf deutsch gesagt, unter aller Sau ist, und bei vielen älteren Lehrern glaube ich, dass sie die Umstellung nicht so richtig schaffen.
Des weiteren soll die Schule auch auf die Universität vorbereiten, und das Lernen an der Uni ist mitnichten nur zuckerschlecken, wenn man sich für ein anspruchsvolles Fach entscheidet....

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04. Februar 2008 22:03

Das japanische Drillsystem!

Hermann Trouvain (liwiz)


Japanische Schule ist ein sozialer Lebensraum, in dem Schüler auch Pflichten haben wie Essenausgabe und Toiletten reinigen, aber auch eine Fülle von Angeboten.
Jeder Schüler ist in einer AG (findet nach dem Unterricht statt!) und vertritt seine Schule im Wettstreit mit anderen Schulen. Die Baseballmeisterschaften der Highschools interessiert die Japaner mehr als die der Profileague. Japanische Schulen bereiten umfassend auf das Leben vor. Von Drill zu sprechen verkennt das im Lande anerkannte Konzept, was wir hier offensichtlich nicht haben.

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