Deutsche Oper

Klammheimlicher Kniefall

Erst sollte es niemand merken, jetzt soll es kein Präzedenzfall sein: Daß „Idomeneo“ aus Furcht vor muslimischen Protesten vom Spielplan verschwand, läßt sich nicht schönreden. Die Intendantin der Deutschen Oper hat es dennoch versucht.

Lesermeinungen zum Beitrag

27. September 2006 15:04

Re: Prinzip und Objekt der Anwendung

gisbert heimes (gisbert4)

@ Thomas Hechinger (Hechinger)

<<<Sie sollten die Dinge auseinanderhalten>>>

Schlau, aber richtig. Doch gerade das tut das von mir angesprochene Spektrum leider nicht – Voltaire und Rosa Luxemburg sei es geklagt :-)

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27. September 2006 14:26

Ende der Zivilcourage?

Frank Verse (FrankVerse)

Welchen Stellenwert räumen wir unseren eigenen Werten in dieser Gesellschaft eigentlich noch ein, wenn wir so schnell bereit sind auf diese zu verzichten? Hier haben mich viele Beiträge der letzten Tage, die unter dem Motto „kein Öl ins Feuer gießen“ verfaßt waren, sehr nachdenklich gemacht. Kann denn das Eintreten für unser Wertesystem denn wirklich so abklassifiziert werden?
Was sagen wir den vielen Menschen, die schon heute in unserer Mitte leben und von Islamisten bedroht werden? Hört auf euch für die Rechte muslimischer Frauen einzusetzen? Kämpft nicht mehr gegen radikale Organisationen? Selbst Schuld, wenn ihr bedroht werdet? Es ist bedauerlich, dass Menschen für Dinge, die hier lange als selbstverständlich galten, nun ihre Gesundheit und vielleicht sogar ihr Leben aufs Spiel setzen müssen. Aber wer in diesen Zeiten einem Theater angehören will, das den Anspruch hat zeitkritische Stücke zu spielen, muß dieser Gefahr trotzen, will er das nicht, was jedem unbenommen ist, sollte er lieber zu einer Volksbühne gehen und Bauernschwänke spielen und seinen Platz für mutigere und entschlossenere Personen freimachen.

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27. September 2006 14:21

Bevorzugung der Gewaltbereiten?

Frank Verse (FrankVerse)

Zunächst habe ich mich über die oft verkürzte Berichterstattung einiger Medien geärgert, in der nur der abgeschlagene Kopf Mohammeds Erwähnung fand, während die ebenfalls abgetrennten Köpfe von Buddha und Jesus meist ungenannt blieben. Aber gerade dadurch wird die Problematik, die in der Absetzung des Stückes liegt, erst deutlich. Hier wurden die Gefühle der Anhänger von drei großen Religionen verletzt. Auch christliche Repräsentanten hatten dies bekanntlich bei der Erstaufführung beklagt. Ihnen war aber, wie dies seit jahrzehnten gesellschaftlicher Konsens ist, beschieden worden, dass die Freiheit der Kunst den subjektiven Gefühlen der Gläubigen vorangestellt ist.
Das nun die Wiederaufnahme der Oper bereits an der bloßen Möglichkeit von Gewalttaten scheiterte, gibt den Gewaltbereiten recht und läßt die Friedfertigen als die Dummen dastehen, was in der Konsequenz zu einer Radikalisierung auch in unserem Land führen muß.

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27. September 2006 12:47

kein Kniefall

norbert hoffmann (nobby56)

Wir dürfen den Begriff der ent-art-eten Kunst nicht mehr benutzen, aber wenn die Kunst denn mal ent-artet ist,
sollte man auch den Mut haben, eine fiese Blutkleckserei,
zusammenhanglos vom Regiesseur ins Stück gestellt, zu stoppen. Besser der Regiesseur regt sich auf, als die halbe Welt. Und was daraus zu lernen ist, ist die Tatsache, das man seine Moral verteidigen sollte, seine Symbole, seine Religion. Wenn wir es nicht selbst machen, machen es andere und das tut dann weh wie das erwischt-werden beim fahren unter Alkohol.
Ohne die Szene gehört für mich das Stück immer noch gespielt, aber vielleicht wollte das der Regiesseur auch gar nicht, heute ist das nicht mehr so sicher...

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27. September 2006 12:34

Prinzip und Objekt der Anwendung

Thomas Hechinger (Hechinger)

@ gisbert heimes

Sie sollten die Dinge auseinanderhalten. Man kann ein Prinzip verteidigen, ohne den Gegenstand selbst, auf den es angewandt wird, zu schätzen.

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27. September 2006 12:17

Ein unglaublicher Vorgang !

Markus Teuber (arathorn)


Und wenn morgen ein Stück über Adolf Hitler aufgeführt würde und Neonazis nur etwas "drohen" würden:
würde es dann nicht auch abgesetzt ?
Und wenn übermorgen sich Kommunisten über ein Stück
über den Klosterzögling J.Stalin echauffierten und mit Konsequenzen drohten - auch absetzen ?
Demnach haben die Kritiker des türkischen (Propaganda)Films "Tal der Wölfe" offenbar nicht genug gedroht,um die Aufführung zu verhindern ?

Während selbst islamistische Gruppen die Rede- und Meinungsfreiheit im Westen wie selbstverständlich für sich und als Mittel,ihre widersinnige Ideologie zu verbreiten,in Anspruch nehmen,wird die Rede-und Meinungsfreiheit des Westens schleichend von der "islamistischen Straße" eingeschränkt.

Mohammed-Karikaturen,Papst-Kritik,und nun die Absetzung eines Theaterstücks ,deren Inszenierung in keinster Weise auf die islamische Religion zielte, sondern -wenn überhaupt !! - auf alle Weltreligionen gleichermaßen ...

Offenbar sind wir bereits eine Welt von "Mohammeds Gnaden"

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27. September 2006 12:15

Es kommt mal wieder einiges zusammen

gisbert heimes (gisbert4)

Zum Beispiel, daß diejenigen, die sich sonst nicht genug über 'moderne' Inszenierungen aufregen können, plötzlich zu furchtlosen Kämpfern für die Freiheit der Kunst mutieren.

In meinen Augen ist es im übrigen kein Kniefall, wenn man in einer aufgeheizten Atmosphäre zunächst einmal darauf verzichtet, möglicherweise einen neuen Nebenkriegsschauplatz zu eröffnen. Diese Rücksichtnahme eignet sich hervorragend dazu, in einen Dialog einzutreten und die Dinge klarzustellen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß nach einer solchen Vorleistung noch ernsthafte Vorbehalte gegen die Aufführung bestünden.

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27. September 2006 11:28

Klugheit

B. Keim (bkeim)

Klug wäre es gewesen, die letzte, strittige Szene der Inszenierung zu streichen. Es handelt sich hierbei um keinen originären Beitrag Mozart's, sondern nur um einen billigen Effekt der Regie, den man sich sparen kann. Die sogenannte kritische Einstellung, die uns von etlichen Intendanten permanent abverlangt wird, ist meist nur eine selbstgefällige Selbstbeweihräucherung, die oft nur dafür herhalten muss, das Image des Regisseurs zu unterstreichen. Das hat nichts mit Werktreue oder gar aufgeklärtem Bewusstsein zu tun.

Das alles kann man als Zuschauer wohl ertragen, wenn es nur den Zuschauer "provozieren" soll. Derartige Effekthaschereien sind letztlich nur eine blödsinnige Kinderei. Dem Publikum geben sie in der Regel nichts. Wer aus dem Publikum soll hieraus irgendeine Erkenntnis schöpfen und welche? Dass die Religionen die Ursache der Übel dieser Welt sind? Das ist eine derartige triviale Aussage, dass sie sich eigentlich für eine Inszenierung, die auch nur ein wenig auf sich hält von selbst verbieten sollte.

Das einfachste wäre es gewesen, diese Szene rauszunehmen. Dem Werk Mozart's hätte dies keinen Abbruch getan. Das Publikum hätte es nicht vermisst. Aber die "Alles oder gar nichts"-Mentalität verhindert dies.

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27. September 2006 11:24

Klammheimlicher Kniefall

Peter Walter (Maeuseken)

Es wird vielleicht nie herauskommen, was der Berliner Innesenator der Intendantin wirklich über die drohende Gefahr berichtet hat. Die Entscheidung, die Mozart-Oper vom Spielplan abzusetzen, fällt allein in ihre Zuständigkeit.
Ein übler Nachgeschmack bleibt jedoch. Muss es sich nun die Kunst gefallen lassen, von Islamisten schikaniert zu werden? So, wie die dänische Zeitung mit der Veröffentlichung der Karrikature, der Papst wegen seiner Regensburger Rede. Alle sollten den Mut beweisen, sich von diesen Terroristen nicht zu verstecken. Zivilkourage ist gefragt.

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27. September 2006 11:14

Intoleranz ist allgemein..

ulf schneider (nazguel)

oh weh, oh weh, die Welt geht unter weil diese Oper nicht aufgeführt wird, da die Stimmung zwischen Moslems und Christen schon aufgeheizt genug ist, finde ich es erfreulich, das man nicht noch weiteres Öl ins Feuer gießt.

Wenn denn die Christen, insbesondere die katholische Kirche so tolerant wäre, wie sie es gerne vorgibt, was sollte dann das ganze Theater um die Kreuzigungsszene in Madonna`s Tourneauftritten, die MTV Serie " pope town " usw.

Ich fühle mich nicht durch Islamisten bedroht, sondern durch Minister wie Beckstein, Schaüble, und Konsorten die in ihrem anti-Terrorgesetze Wahn, die Freiheitsrechte einschränken, und für eine weitgehende Bespitzelung, und Überwachung der Bürger eintreten

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27. September 2006 11:12

Kniefall

Doris Domínguez (doris.dominguez)

Wie kann man in einer Demokratie, die für u.a. Presse- und Meinungsfreiheit sowie Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft steht, den Verhalten dieser Unterwürfigkeit gegebenüber dem Islam verstehen?
Warum müssen sich alle andere Nicht-Islamisten dieser Religion unterwerfen? Warum gibt es in den Islam-Gebieten keine u.a. Presse- und Meingungsfreiheit? Wo sind die Menschenrechte? Wo ist die Gleichstellung der Frau in deren Gesellschaft? Müssen wir all dieses wieder rückgängig machen, nur damit die Islamisten ja kein Laut von sich geben? Entweder sie akzeptieren unsere Gesellschaft oder bleiben gleich in Ihren Ländern!

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27. September 2006 10:27

Kultur-Gut

Matthias Fischbach (Matthias.Fischbach)

Meiner Ansicht nach zeigen die Reaktionen der Medien sowie die Leserbriefe sehr deutlich, dass sich unsere Gesellschaft, sehr intensiv mit dem Problem Islamismus und dem Umgang mit dieser Geißel der Menschheit beschäftigt. Bezeichnend ist jedoch auch, dass sich bisher kein (erkennbarer) Muslime diesbezüglich zu Wort gemeldet hat. Ist dies nun Desinteresse an unseren Werten oder "clam"heimliche Freude über unsere eigene kulturelle Demontage? Ich bin der Überzeugung, dass jeder Muslime, der nicht gegen diesen tollkühnen Hass auf unsere Gesellschaft und unseren Kulturkreis zumindest innerlich aufbegehrt, das Recht verwirkt hat, Teil dieser zu sein. Wir sollten es endlich wieder schaffen, zu unseren Werten zu stehen und diese mit allen rechtsstaatlichen Mitteln zu verteidigen. Die Absetzung von Idomeneo war eine harte Entscheidung der Intendanz, jedoch in diesen Zeiten nicht verdenklich. Was wäre gewesen, wenn ein selbsternannter sog. Gotteskrieger sich für seinen Glauben geopfert und unschuldige Theaterbesucher mit in den Tod gerissen hätte. Die jetzigen Kritiker der Intendantin wären auch dann ihre größten Kritiker gewesen (der sog. polit. Stand der ewig Betroffenen). Unsere Kultur ist richtig und gut. Es gilt sie zu verteidigen!

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27. September 2006 10:20

Kniefall

Immo Sennewald (immediator)

während sich die "mächtigen Männer" dieser Welt - etwa der Papst in Castelgandolfo - vor den Vertretern religiösen Totalitarismus' in die Hosen machen oder auf breiten Schleimspuren gegenüber den Tyrannen in Richtung auf ihre gut dotierten Pensionen kriechen, während die Wirtschaftsbosse Milliarden an Geschäften mit totalitären Systemen verdienen, verlangt man Künstlern und ihrem Publikum todesverachtenden Mut ab. Bravo!
Wenn die Intendantin nicht den Einflüsterungen eben jener Politiker (des Berliner Innensenators in diesem Fall) folgt, und in vorauseilendem Gehorsam durchgeknallten Fanatikern den Vorwand zu Gewalttaten nimmt, wird sie als verantwortungslos denunziert, folgt sie ihnen, nennen sie die ebenso gut bezahlten Politiker der "Gegenseite" feige. Sie riskieren selbst gar nichts dabei. Sie versuchen nur, gut auszusehen: für die Pfründe.
Wer hält die Knochen hin? Soldaten in Afghanistan, mutige Einzelgängerinnen in Kunst und Medien, Leute, die eigentlich Frieden wollen.
An ihren Gräbern machen dann dieselben Politiker wieder mit ihren Betroffenheitsritualen Figur.
An Verlogenheit ist dieses Deutschland der mächtig strahlenden Sportreporter wahrlich nicht mehr zu überbieten.

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27. September 2006 10:17

Endzeit

Volker Best (vbest)

Also führt Gewalt letztendlich doch zum Erfolg. Dieser Rückzug ist die Einladung an alle Nazis und andere Feinde unserer Gesellschaft zum Terror. Folgt man der Logik dieses Beschlusses, dann müßte z. B. das Tagebuch der Anne Frank vom Markt genommen werden, damit es nicht - wie jüngst geschehen - von ostdeutschen Nazis verbrannt wird. Wieviele Aufführungen und Publikationen sind wohl schon dieser Schere im Kopf zum Opfer gefallen?

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27. September 2006 10:02

Oberflächliche Religionskritik...

Dirk Grote (Daquino)

ist in einer säkularen westlichen Welt, die Napoleon, zahlreiche blutige Ideologien und zwei Weltkriege hervorgebracht hat, unglaubwürdig.

Mir wäre lieber, der gesunde Menschenverstand hätte diese Inszenierung verhindert statt die bloße Angst vor Gewalt. Jedenfalls hat der Kopf von Mose, dem jüdischen "Religionsstifter" in der Reihe gefehlt. Dafür hat der gesunde Menschenverstand noch ausgereicht...

Irgendwas stimmt in unserer Gesellschaft nicht. Wer kann da ernsthaft von "westlichen Werten" reden?

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