
Fast noch schöner als das Straßenfest ist das Ringen um die Deutungshoheit über selbiges. Das ist Dauerschwätzers Paradise und eine Sache für das poplinke Diktum „alles ist Wirtschaft und in Konjunkturparametern skalierbar“. Fein den ganzen Schmus stets aufs Neue runtersubsumieren und sagen, wie es wirklich ist. Muss ja einer machen: Der Popliteratur-Restpostenverwalter als linker Schmuddelschmuck am rechten Nachthemd. Ein Trotzkist, wer Gutes dabei denkt.

Lieber Chefredakteur,
gibt es bei Ihnen keine Qualitätskontrolle?
In der FAZ hätte ich eigentlich deutlich mehr analytischen Tiefgang erwartet.

Es geht nicht um revolutionäre Erscheinungen, sondern einfach um Krawall um des Krawalls willen. Nicht die Konkurrenz unterschiedlicher Sozialschichten sondern die Freude am Aufstand sind der Nährboden der Zerstörungen. Keiner dieser allabendlich auftretenden Banden geht es vordergründig um Verbesserung ihrer Lebensqualität, sie drücken lediglich ihren Hass auf das aus, was sie niemals wegen ihrer eigenen Verfassung erreichen werden. Sie wollen nicht den sozialen Standard erreichen, den sie angreifen, sie wollen eine eigene Welt (sehr schön ausgedrückt mit: "Drogenhandel von Berlin bis Duisburg") geschaffen bekommen.
Dem steht der Gutmensch, entblößt vom eigenen Selbstbewusstsein, gegenüber und versucht seine Haut mit vielen Lippenbekenntnissen zu retten. Auch gelungene Integrationsversuche werden an dem Konflikt der verschiedenen Erwartungen scheitern. Eine selbstbewusste Gesellschaft redet nicht über ihren Lebensraum, sie schafft ihn - nach ihren Vorstellungen und Voraussetzungen.